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Burg Wartenberg (Hessen)

Burg Wartenberg

Burgruine Wartenberg (Dez. 2004)

Entstehungszeit: um 1220
Burgentyp: Hügelburg
Erhaltungszustand: Ruine
Ständische Stellung: Ritter und Ministeriale im Dienste des Klosters Fulda
Ort: Wartenberg-Angersbach
Geographische Lage 50° 37′ 54″ N, 9° 27′ 46″ OKoordinaten: 50° 37′ 54″ N, 9° 27′ 46″ O
Höhe: 270 m ü. NN
DEC

Die Burg Wartenberg (historische Namensformen: Wartinberg (1232); Warthenberg (1293); im Volksmund auch Wartebach genannt) ist eine Burgruine etwa einen Kilometer östlich von Angersbach einem Ortsteil der Gemeinde Wartenberg (Hessen) in etwa 270 Metern Höhe auf einem flachen Felssporn oberhalb des kleinen Flusses Lauter. Die Ruine gab Angersbach und Landenhausen nach ihrem Zusammenschluss 1972 den Namen und 1978 das Wappen. Weiterhin gilt die Burgruine als das Wahrzeichen der Gemeinde und steht zudem unter Denkmalschutz.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Burg

Bergfried der Ruine. Seit dem Jahr 2002 ragt der Turm neuneinhalb Meter in die Höhe
Blick in den Innenhof der Kernburg

Vorgeschichte

Bei der Prospektion der archäologischen Stätte und im Zuge von Ausgrabungen durch Karl Maurer von 1938 bis 1940 wurden unter den Trümmern der Burg zwei Vorratsgruben des germanischen Volksstamms der Chatten (ca. 200 n. Chr.) und Reste von 8 karolingischen Wehrhöfen (ca. 700 n. Chr.) entdeckt. Entdeckt wurden schiefwinklige Fundamentmauern die mit Lehm verarbeitet waren. Diese Fundamente könnten nach der „Lauterbach-Schlitzer-Grenzbeschreibung“ von 812 Bestandteile der Siedlung „Ungefures“ gewesen sein. So heißt es in dem Dokument lateinisch in villa, que dicitur ungefures. Es ist von mindestens vier Häusern auf dem Kernhügel auszugehen. Um 1000 n. Chr., vor der Errichtung der Burg Wartenberg, befand sich die Stammburg der Herren zu Angersbach bei der heutigen evangelischen Kirche in Angersbach.

Errichtung der Burg

In den Jahren um 1220 ließ Friedrich von Angersbach (ab 1232 Friedrich von Wartenberg genannt) auf dem „Wartenbachhügel“ eine Burg erbauen, der zunächst der Bergfried und anschließend die innere Ringmauer sowie die übrigen Bauten zugeordnet wurden. Die Söhne Heinrich und Dietrich von Wartenberg gelten als die Inhaber der Burg Wartenberg nach dem Tod Friedrichs.

Zerstörung der Burg

Die Burg wurde im Jahre 1265 durch Truppen von Bertho II. von Leibolz, Abt zu Fulda, im Verlauf einer Fehde mit dem Klostervogt, dem Grafen Berthold von Ziegenhain, zerstört. Der Graf hatte die Absicht, sein Territorium auf Kosten des Abteigebietes zu vergrößern, und erhob sich zusammen mit seinen Untervögten, einschließlich derer von Wartenberg, gegen den Abt. Es gelang Bertho, die aufrührerischen Adligen zu besiegen und 15 Burgen seiner Gegner zwischen Rhön und Vogelsberg zu erobern oder zu zerstören, darunter auch die Burg Wartenberg und Schloss Eisenbach bei Lauterbach (Hessen).

Geschlecht von Wartenberg

Die Angersbacher Adligen bewohnten ursprünglich eine kleine Talburg im Dorf. Mit dem Bau der Burg auf dem Wartenberg nannte man sich fortan, ab 1232, das Geschlecht der Wartenberger. Das Jahr 1232 offenbart somit erstmals urkundlich die Existenz eines Geschlechts von Wartenberg. Das Landadelsgeschlecht derer von Wartenberg gehörte dem Dienstadel der Benediktiner-Abtei Fulda an und unterstand dem Oberlehensherren Abt Bertho II. von Leibolz als Beamten und auch dem Stiftsvogt Berthold von Ziegenhain als Vasallen. Die Wartenberger verfügten über ein kleines, jedoch geordnetes Herrschaftsgebiet. Das Gebiet der Burg umfasste die Ortschaften Lauterbach, Maar, Angersbach, Salzschlirf, Müs, Landenhausen und weitere Güter. Weiterhin hatte der Ortsadel das Recht sowohl die administrative, wie auch judikative und exekutive Gewalt auszuüben. Lauterbach galt wegen des Gerichtstandorts - Burg Wartenberg - und der Kirchenzugehörigkeit als wartenbergisch.

Die Erben der Burg nach Friedrichs Tod, dieser war der ersterwähnte von Wartenberg, waren seine Söhne Heinrich und Dietrich, welche den Familienbesitz weiterhin verwalteten. Gisela von Wartenberg, Tochter des Friedrich von Wartenberg, heiratete Guntram von Schweinsberg. Von den Söhnen Friedrichs wurde ein Sohn 1249, der ebenso Friedrich genannt wurde, Geistlicher in Amöneburg. 1252 verbündete sich Heinrich von Wartenberg mit dem Vogt Graf Berthold von Zigenhain, dem Heinrich versprach, im Falle eines Krieges ihm, Graf Ziegenhain, die Burg als militärischen Stützpunkt zur Verfügung zu stellen. Vögte waren in den rein weltlichen Angelegenheiten für die geistlichen Landesherren tätig. Die im Laufe des 13. Jahrhunderts immer stärker werdenden Interessengegensätze zwischen dem geistlichen Landesfürsten in Fulda und dem Vogt, seinen Untervögten sowie deren Anhang, führten zu einem Konflikt, welcher die Herren von Wartenberg folglich in eine kriegerische Stiftsfehde zwischen den Truppen des Graf Ziegenhain und den Truppen von Bertho II. verwickelte. Infolgedessen wurde die Burg Wartenberg 1265 zerstört.

Der folgende aufgezwungene Frieden erbrachte den Wartenbergern lediglich Sanktionen, sodass der Herrschaftsanspruch der Wartenberger über das wartenbergische Gebiet für nichtig erklärt wurde. Ferner war ihnen der Wiederaufbau der Burg verwehrt worden. Abt Bertho II. stattete Lauterbach mit den Rechten einer Stadt aus und errichtete dort eine Burg, zu deren Bau die Wartenberger beitragen mussten. Die so entstandene Vogtei Lauterbach teilte der Fürstabt in zwei Hälften. Den Wartenbergern überließ er eine, die andere nahm er an sich. Die Tochter des Dietrich von Wartenberg, Mechthild, war mit Trabodo von Eisenbach verheiratet, sodass die Eisenbacher in den Mitbesitz der Lauterbacher Vogtei kamen. Heinrich von Wartenberg und dessen Sohn Friedrich verkauften ihre Hälfte der Lauterbacher Vogtei an das Hochstift Fulda. Dabei steißen sie jedoch auf den Widerstand der Eisenbacher Verwandten, wie eine Fuldaer Gerichtsurkunde aus dem Jahr 1336 verlauten lässt. 1369 starb Friedrich von Wartenberg, der letzte aus dem Geschlecht der Wartenberger und um 1375 folgte ihm seine Frau Else nach. Die Familie der Wartenberger Ritter existiert heute nicht mehr; sie ist 1350 in dem Adelsgeschlecht derer von Eisenbach und damit schließlich 1428 in dem Geschlecht der Freiherrn Riedesel zu Eisenbach aufgegangen.

Ausgrabungen und Restaurierung

Rekonstruktion der Burg Wartenberg: Nachbildung des ursprünglichen Zustandes

Nachdem die Burgruine den umliegenden Dörfern Jahrhunderte lang als Steinbruch gedient hatte, begann man 1828 mit ersten Ausgrabungen an der Ruine. Dabei wurden einige Eingänge und Mauern teils freigelegt. In der Zeit zwischen 1850 und 1914 wurden immer wieder Ausgrabungsversuche unternommen, die allerdings keine besonderen Erkenntnisse offenbarten. Erst durch Karl Maurer, dem damaligen Leiter des Hohhaus-Museums in Lauterbach, wurde die Ruine von 1938 bis 1940 freigelegt und als bedeutendes Kulturdenkmal erkannt. Eine Dauerausstellung zahlreicher Funde zeigt das Hohaus-Museum in Lauterbach. Einzelne Funde fanden internationale Beachtung bei der Stauferausstellung 1977 in Stuttgart und in der Ausstellung Phoenix aus Sand und Asche: Glas des Mittelalters 1988 in Bonn.

Maßgeblich in der Wartenbergforschung ist Karl Maurer, der in den Jahren 1938–40 Ausgrabungen leitete und seine Ergebnisse im Jahr 1961 veröffentlichte. Seit jener Zeit wurden seine Ergebnisse nicht mehr kritisch und wissenschaftlich hinterfragt. Erst im Jahr 2005 wurden seit dieser Zeit erstmals Ergebnisse Maurers korrigiert und relativiert. Diese Entwicklung ist auf eine Magister-Abschlussarbeit von Susanne Sehrt mit dem Schwerpunkt Vor- und Frühgeschichte an der Philipps-Universität in Marburg zurückzuführen, was jedoch nicht an der verdienstvollen Pionierarbeit Karl Maurers zweifeln lässt. Sehrt hatte ihre Analyse auf die Metallfunde auf Burg Wartenberg beschränkt. Darunter waren u. a. Münzen, Fenster-, Tür- und Schlosseisen, Hufeisen, Sporen und Pfeilspitzen. Mittels Vergleichen der Funde an anderen archäologischen Stätten oder mittelalterlich-zeitgenössischen Bilddarstellungen führte Sehrt diese Fundstücke auf ihren Zweck und ihr Alter zurück. Im Ergebnis wurde belegt, dass gefundene Messer mit Spiralspitzen als Schreibutensilien verwendet wurden und nicht wie angenommen als Besteck Anwendung fanden. Ferner lassen die über hundert gefundenen Geschossspitzen auf dem Burghügel auf eine kriegerische Niederlage der Burg Wartenberg schließen. Auf der Basis dieser wissenschaftlichen Arbeit glaubt Sehrt, dass die Erbauung mehrere Jahrzehnte zuvor stattgefunden habe und die Zerstörung der Burg im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts bestätigen zu können.

Bedeutende Fundstücke

Das Geschlecht von Wartenberg hatte eine besondere Stellung in der Region, denn es übte die Rechtsprechung aus. Dies wird durch den Fund eines Adlers, der als Symbol für einen Gerichtssitz auf Burg Wartenberg gedeutet wird, belegt.

Restaurierung

Kernburg-Brunnen

Ziel der Restaurierungsarbeiten sei, so Edmund Lorenz, Vorsitzender der Fördergemeinschaft zur Rettung der Burgruine Wartenberg, die „Burg nicht wieder aufzubauen“, sondern das Baudenkmal aus der Stauferzeit als Ruine für die Nachwelt zu erhalten. Zu den in ihren Ansätzen wiederhergestellten Bestandteilen der Burg Wartenberg gehören:

Von 1993 bis 1994 erfolgt durch den Bauhof der Maurerinnung Lauterbach die Wiedererrichtung des Torbogens am Eingang der Kernburg.
Dieser war 1984 in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme errichtet worden, damals mit einer Höhe von fünf Metern. Seit dem Jahr 2002 ragt der Turm neuneinhalb Meter in die Höhe. Mittels der Erweiterung ist ein begehbarer Innenraum geschaffen worden. Das Turmzimmer ermöglicht heute die Abhaltung von Trauungen.
Seit dem Jahr 2006 befindet sich in der Kernburg, an der Stelle der einstigen Wasserquelle, eine wiederaufgebaute Brunnen-Attrappe, welche das Bild der Burg markant prägt.
Die Außenmauer wurde von 2001 bis 2004 aufgemauert.

Weitere Baumaßnahmen wurden in der Kernburg vorgenommen: Darunter waren der Backofen, Keller 2 im vorderen Palas und die innere Ringmauer. Weiterhin wurde die Außentoranlage rekonstruiert.

Weitere Bilder

Literatur