Besatzungszone
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Besatzungszone

Als Besatzungszone bezeichnet man das von ausländischen Truppen besetzte Gebiet eines Staates, in dem eine fremde Staatsmacht die Hoheitsgewalt ausübt.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde gemäß Versailler Vertrag das linksrheinische Rheinland in vier Besatzungszonen eingeteilt, die zum Teil bis 1930 durch belgische, britische, US-amerikanische und französische Truppen besetzt wurden.

Als 1945 der Zweite Weltkrieg beendet war (V-E-Day), wurden Deutschland und Österreich in je vier Besatzungszonen aufgeteilt und durch alliierte Truppen besetzt.

Inhaltsverzeichnis

Besatzungszonen in Deutschland und Österreich nach 1945

Deutschland nach dem zweiten Zonenabkommen 1944

Sinngemäß spricht man auch von der Zeit zwischen 1945 und 1949 in Deutschland, 1945 bis 1955 in Österreich, in der die Siegermächte die beiden Länder besetzt hielten und die politische Oberhoheit über sie hatten, von der Besatzungszeit.

Vorgeschichte

Am 15. Januar 1944 hatte die Europäische Beratende Kommission (EAC) vorgeschlagen, nach Beendigung des Krieges das Deutsche Reich in den Grenzen vom 31. Dezember 1937 in verschiedene Besatzungszonen aufzuteilen. Im 1. Zonenabkommen vom 12. September 1944 wurde die Grenze zwischen der Sowjetischen Besatzungszone und den Besatzungszonen der Westmächte festgelegt, im 2. Zonenabkommen vom 14. November 1944 die Grenze zwischen der Britischen und der Amerikanischen Besatzungszone. Die Einrichtung einer französischen Besatzungszone war zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorgesehen.

Noch anlässlich der Konferenz von Jalta weigerte sich Josef Stalin zunächst, den Franzosen eine eigene Besatzungszone zuzugestehen und an der Verwaltung über Deutschland mitzuwirken, da Frankreich wenig zu diesem Kriege beigetragen und dem Feind die Tore geöffnet habe. Doch Churchill wollte nach Abzug der Amerikaner, beabsichtigt war das nach zwei Jahren, der kommunistischen Sowjetunion nicht allein gegenüberstehen. Schließlich lenkte Stalin ein und erklärte, dass er keinen Einwand (mehr) dagegen habe, dass ihm (Frankreich) eine Zone innerhalb der britischen und amerikanischen Zone gegeben werde. Inzwischen hatten die französischen Streitkräfte vollendete Tatsachen geschaffen, trotz der Weigerung des Alliierten Oberbefehlshabers Eisenhower, Übersetzmittel zur Verfügung zu stellen, am 1. April 1945 bei Philippsburg den Rhein überschritten, Stuttgart und Friedrichshafen am Bodensee besetzt und waren dann bis nach Vorarlberg in Österreich vorgedrungen. Am 26. Juli 1945 wurde das Zonenabkommen der EAC ergänzt und Frankreich erhielt eine eigene Besatzungszone.

Die Besatzungszonen in Deutschland

Besatzungszonen in Deutschland 1945

Die Besatzungszonen umfassten das Staatgebiet des Deutschen Reiches in den Grenzen von 1937 ohne die okkupierten Gebiete ostwärts der Oder-Neiße-Linie – diese standen zunächst unter sowjetischer, später hauptsächlich polnischer Verwaltung – und waren durch Zonengrenzen voneinander getrennt. Diese waren in der Regel identisch mit den Verwaltungsgrenzen ehemaliger Länder, vereinzelt auch mit Kreisgrenzen. Dadurch wurde erreicht, dass eine ordnungsgemäße Verwaltung auch weiterhin sichergestellt werden konnte.

Zur britischen Zone zählten die ehemaligen preußischen Provinzen Schleswig-Holstein, Hannover (später Niedersachsen), Westfalen und nördliche Teile der Rheinprovinz (später Nordrhein-Westfalen), die Hansestadt Hamburg, die Freistaaten Lippe (1947 zu Nordrhein-Westfalen), Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe (alle 1946 zu Niedersachsen).

Ab 1946 zogen sich die britischen Besatzungstruppen aus dem Rheinland zurück; sie wurden dort von Einheiten der belgischen Armee abgelöst. Die zivile Verwaltungshoheit blieb jedoch bei den Briten.

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Nach 1949 hielt Belgien jedoch weiterhin einige Ortschaften im Grenzgebiet besetzt und betrachtete sie als zum eigenen Territorium gehörig, die Niederlande machten es ebenso, erst nach Verträgen 1956 (mit Belgien) bzw. 1960 (mit Niederlande) erhielt die Bundesrepublik die besetzten Territorien zurück.

Bremen, von britischen Truppen erobert, dann von amerikanischen Truppen besetzt, war von 1945–1949, obwohl in der britischen Zone gelegen, mit Bremerhaven vereint, als „Enklave Bremen“ Teil der amerikanischen Besatzungszone und diente den US-Streitkräften als Nachschubhafen. Eine ausreichende Versorgung der Truppen über eine Luftbrücke direkt aus den USA war damals technisch noch nicht möglich. Am 23. Januar 1947 bildete die amerikanische Militärregierung aus beiden Städten das Land Bremen, das 1949 Bestandteil der Bundesrepublik Deutschland wurde.

Zur französischen Besatzungszone gehörten die ehemalige preußische Rheinprovinz (nur der Südteil), die preußische Provinz Hohenzollern, mit dem Südteil Württembergs zu Württemberg-Hohenzollern fusioniert, der Südteil des Freistaates Baden, die bayerische Pfalz, der linksrheinische Teil Rheinhessens und der Landkreis Lindau am Bodensee.

Die amerikanische Zone umfasste die ehemalige preußische Provinz Hessen-Nassau, mit dem Volksstaat Hessen zu „Großhessen“ fusioniert, die nördlichen Teile des Freistaates Baden und Württembergs, zu Württemberg-Baden fusioniert, und den Freistaat Bayern ohne die Rheinpfalz und den Landkreis Lindau.

Zur Sowjetischen Besatzungszone wurden die preußische Provinz Brandenburg, das Land Mecklenburg unter Einschluss Vorpommerns, das aus der Provinz Sachsen und dem Freistaat Anhalt gebildete Land Sachsen-Anhalt sowie die Freistaaten Sachsen und Thüringen zusammengefasst.

Durch die Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen war der preußische Staat zerrissen worden und hatte faktisch aufgehört zu bestehen. Am 25. Juli 1947 wurde er durch den Alliierten Kontrollrat durch das Kontrollratsgesetz Nr. 46 auch staatsrechtlich aufgelöst.

Die inmitten der sowjetischen Zone gelegene jedoch nicht zu ihr gehörende ehemalige Reichshauptstadt Berlin wurde zur koordinierten Verwaltung und Kontrolle Deutschlands in vier Sektoren aufgeteilt, in denen die Oberbefehlshabern der vier Besatzungsmächte ihren Sitz hatten.[1]

Die Besatzungszeit beginnt

Als die deutsche Wehrmacht am 8. Mai 1945 bedingungslos kapitulierte, hatten die alliierten Truppen bereits den größten Teil des deutschen Staatsgebietes besetzt. Die Sowjets hatten Berlin erobert, die US-Amerikaner waren tief in die für die Sowjetunion vorgesehen Zone – bis an die Elbe – vorgestoßen. Aufgrund der alliierten Abmachungen mussten sich jetzt alle Truppenteile in die ihnen zugedachten Besatzungszonen zurückziehen. Doch der britische Premierminister, Winston Churchill war damit nicht einverstanden. Mit einem Telegramm vom 11. Mai 1945 an den amerikanischen Präsidenten Truman bezweifelte er die Zweckmäßigkeit einer Rücknahme der amerikanischen Streitkräfte, denn „das würde bedeuten, dass die Flut der russischen Herrschaft auf einer Frontbreite von 300 oder 400 Meilen 120 Meilen nach vorn brandet.“ Doch Truman lehnte im Vertrauen auf die zukünftige sowjetische Politik einen solchen Vorschlag ab, obwohl Churchill in einem weiteren Telegramm am nächsten Tag darauf hinwies, dass „längs der russischen Front (ist) ein Eiserner Vorhang niedergegangen“ sei. Man wisse nicht, was dahinter passiere.

Im Juli 1945 bezogen die alliierten Truppen ihre Besatzungszonen, auch in den Berliner Sektoren wurden verabredungsgemäß Truppenteile der Besatzungsmächte stationiert.

Bis Ende 1945 wurden an verschiedenen Stellen die Grenzen der neu organisierten Länder und damit der Besatzungszonen noch geringfügig korrigiert, teils aus verkehrlichen Gründen, teils zur Verwaltungsvereinfachung. Im Wanfrieder Abkommen wurden mehrere Dörfer zwischen Thüringen und Hessen getauscht, um die für den amerikanischen Nachschub wichtige Eisenbahn-Nord-Süd-Strecke komplett auf dem Gebiet der britischen und amerikanischen Zone verlaufen zu lassen. Bis dahin verlief die Strecke auf wenigen Kilometern durch die sowjetische Besatzungszone. Das Barber-Ljaschtschenko-Abkommen regelte einen Gebietsaustausch zwischen Mecklenburg und Schleswig-Holstein.

Spannungen zwischen den Siegermächten

Aufgrund der wachsenden Differenzen zwischen der Sowjetunion und den westlichen Siegermächten wurde im September 1946 aus der amerikanischen und britischen Zone die Bizone gebildet und mit Wirkung vom 1. Januar 1947 vollzogen. Mit Beitritt der französische Besatzungszone mit Ausnahme des Saarlandes im März 1948 entstand die Trizone. Somit waren bis auf das Saarland alle westdeutschen Länder in der Trizone zusammengefasst.

Mit Inkrafttreten des Grundgesetzes am 24. Mai 1949 wurde aus den 11 westdeutschen Bundesländern (ohne Saarland), die Bundesrepublik Deutschland mit Bonn als Hauptstadt gegründet. 1952 fusionierten die Länder Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern zum Land Baden-Württemberg. Damit reduzierte sich die Zahl der Bundesländer auf 9 (ohne Berlin). Mit dem Beitritt des Saarlandes erhöhte sie sich dann wieder auf 10.

Aus der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wurde am 7. Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik (DDR).

Einen Sonderfall stellte Berlin dar, das zu keiner der vier Zonen gehören und von allen vier Besatzungsmächten gemeinsam verwaltet werden sollte, quasi wie eine neutrale fünfte Besatzungszone. Zum Zweck der gemeinsamen Verwaltung wurde es intern in vier Sektoren aufgeteilt. Dieser besondere Status galt übrigens für zehn Jahre auch für die österreichische Hauptstadt Wien.

Die Sowjetunion und die DDR interpretierten im späteren Verlauf des Kalten Krieges den Status Berlins abweichend von den Westmächten dahingehend, dass Gesamt-Berlin von Anfang an zur Sowjetischen Besatzungszone gehört habe, mutmaßlich um die Anwesenheit der Westmächte in West-Berlin zu delegitimieren und die verstärkte Eingliederung Ost-Berlins in die DDR zu rechtfertigen.

Die Vier-Sektoren-Stadt Berlin sollte anfangs nach dem Willen der Siegermächte weder der sie umschließenden DDR noch dem westlichen Teil der Bundesrepublik zugeordnet werden. Mit der fortdauernden politischen Spaltung allerdings vereinnahmte die DDR Ost-Berlin als ihre vollintegrierte Hauptstadt, während West-Berlin von der Bundesrepublik faktisch als Bundesland behandelt wurde. Die Besonderheiten des Berlin-Status und die formelle Trennung von der BRD wurden jedoch in West-Berlin weiterhin beachtet, während sie in Ost-Berlin über die Jahrzehnte fortlaufend abgebaut wurden.

Historische Situation während der Besatzungszeit in Deutschland

Hauptartikel: Deutschland 1945–1949

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lag ein Großteil Europas, insbesondere Deutschlands in Trümmern. Die Alliierten beschlossen eine Politik der Demokratisierung, der Entmilitarisierung und der Entnazifizierung im Deutschen Reich.

Bei den Nürnberger Prozessen wurden die Hauptkriegsverbrecher vor einem internationalen Tribunal angeklagt. Unter ihnen waren auch überlebende einflussreiche NS-Politiker wie zum Beispiel Hermann Göring, der wie einige andere zum Tode verurteilt wurde, wobei Göring noch vor der Urteilsvollstreckung Suizid verübte. Viele andere, die dabei zu langen Haftstrafen verurteilt wurden, wurden im Lauf der 1950er Jahre wieder entlassen, einige spielten beim Aufbau der Verwaltung und der Bundeswehr in der Bundesrepublik Deutschland eine Rolle.

In den Zonen der Westalliierten wurde die Entnazifizierung schon bald eingeschränkt, nachdem der Interessengegensatz zwischen den politischen Systemen der UdSSR einerseits und der USA, Frankreichs und Großbritanniens andererseits immer deutlicher im aufkommenden Kalten Krieg zutage trat. Mitteleuropa war Ende der 1940er Jahre und auch später noch ein wichtiger Konfliktherd des Kalten Krieges. Beide Systeme verfolgten jeweils unterschiedliche soziale, politische und wirtschaftliche Konzepte. Während in den westlichen Zonen der Marshall-Plan den wirtschaftlichen Aufbau nach dem Muster einer kapitalistischen freien Marktwirtschaft vorantrieb, war die Ostzone geprägt von der Durchsetzung einer am Sozialismus der UdSSR orientierten Planwirtschaft.

1948 wurde in der Trizone in Westdeutschland die Währungsreform durchgeführt, die sehr schnell zu einem wirtschaftlichen Aufschwung im Westen führte, der das sogenannte „Wirtschaftswunder“ in den folgenden eineinhalb Jahrzehnten einleitete. Dem Schwarzmarkt wurde dadurch die Grundlage entzogen. Die Läden füllten sich wieder mit einem breiteren und reichlicheren Warenangebot, was in der Sowjetischen Besatzungszone zunächst nicht der Fall war.

Insbesondere in der 4-Sektorenstadt Berlin eskalierte die politische Situation aufgrund der dicht nebeneinander bestehenden Wirtschaftssysteme. Es kam zur Berlin-Blockade durch die UdSSR. Berlin wurde vom Westen abgeriegelt. Das diplomatische Kräftemessen stand kurz vor einer Wende vom Kalten zum Heißen Krieg. In einer berühmt gewordenen Rede rief der Westberliner Oberbürgermeister Ernst Reuter bei einer Großdemonstration die Weltgemeinschaft auf, Westberlin nicht im Stich zu lassen („Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt“). Westberlin wurde daraufhin von den Westalliierten über Monate hinweg durch die Luftbrücke mit den notwendigsten Gütern versorgt, bis schließlich die Blockade aufgegeben wurde.

Im Herbst 1949 wurden in den deutschen Besatzungszonen kurz hintereinander zwei unterschiedliche deutsche Staaten gegründet, wobei Ost- und Westdeutschland neu organisiert wurden:

Im Westen entstand die Bundesrepublik Deutschland als eine parlamentarische Demokratie, an deren Spitze bei der ersten Bundestagswahl eine CDU-Regierung unter Bundeskanzler Konrad Adenauer gewählt wurde. Adenauer orientierte sich von Anfang an dem auch militärisch entstehenden Bündnissystem des Westens.

Aus der Sowjetzone entstand die am so genannten Demokratischen Zentralismus der UdSSR orientierte Deutsche Demokratische Republik (DDR) unter der Herrschaft der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) unter Walter Ulbricht. Die SED war 1946 aus der Vereinigung der SPD mit der KPD im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands hervorgegangen, dieser Zusammenschluss wird einerseits als wichtigstes Vermächtnis der Häftlinge aus den Konzentrationslagern (siehe u.a Volksfrontkomitee Buchenwald, Buchenwalder Manifest) gesehen, andererseits als Zwangsvereinigung.

Mit bedingt durch die Westbindung Adenauers wurde der ersten Regierung der Bundesrepublik aus den Reihen der Opposition (vor allem der SPD) vorgeworfen, die Spaltung Deutschlands über Jahrzehnte hinaus zementiert zu haben.

Am 2. April 1950 veröffentlichte der Bundestagsausschuß für Besatzungsangelegenheiten einen Bericht, wonach die neugegründete Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1949 rund 4,5 Milliarden DM an die alliierten Besatzungsmächte gezahlt hat, was fast 50 Prozent der gesamten Bundeseinnahmen entsprach. Für jeden Bundesbürger bedeutete dies einen Anteil von 95,46 DM, was fast einem durchschnittlichen Monatslohn gleichkam.

Die Besatzungszonen in Österreich 1945–1955

Hauptartikel: Besetztes Nachkriegsösterreich

Wie Deutschland war Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Alliierten besetzt und in vier Besatzungszonen geteilt. Wie in Berlin waren auch in Wien alle vier Besatzungsmächte vertreten.

Die Besatzungszeit dauerte bis zum österreichischen Staatsvertrag im Jahre 1955, wodurch in Österreich das Ende der Besatzungszeit und die Erlangung der vollen Souveränität zeitgleich vollzogen wurden.

Quellenangaben

  1. „Gemäß dem in gegenseitigem Einvernehmen festgelegten Plan werden die Streitkräfte der drei Mächte je eine besondere Zone Deutschlands besetzen. Der Plan sieht eine koordinierte Verwaltung und Kontrolle durch eine Zentralkontrollkommission mit Sitz in Berlin vor, die aus den Oberbefehlshabern der drei Mächte besteht.“ (Bericht von der Krimkonferenz in Jalta)

Literatur

Tom Agoston: Carepaket & Kaugummi – Ein Panoptikum der Besatzungszeit. (Aus dem Englischen übertragen von Eduard Linpinsel, dpa), Graz – Stuttgart 1994, Stocker Verlag, ISBN 3-7020-0695-8.

Siehe auch