Heim

Saarkran

Der Saarkran in Saarbrücken, auch Alter Saarkran genannt, ist der Nachbau eines barocken Hafenkrans (Landkrans) nach dem Prinzip eines Tretlastkranes, der nahe der heutigen Wilhelm-Heinrich-Brücke am linken Saarufer 1761/62 nach Plänen und unter der Bauleitung von Friedrich-Joachim Stengel (1694–1787) errichtet wurde.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Das Kranhaus ist ein achtkantiger Holzbau auf siebenlagigem Sandsteinsockel, dessen oberste Schicht hervorkragt. Er ist der einzige erhaltene bzw. rekonstruierte Lastkran seiner Art mit achtseitigem Kranhaus, von denen es in früheren Jahrhunderten mehrere gab (z. B. der steinerne barocke Rheinkran in St. Goar aus dem späten 16. Jahrhundert (bis 1866)). Das achtseitige schiefergedeckte Mansarddach besteht aus dem feststehenden, steileren unteren Teil mit vier, je an Nord-, West-, Süd- und Ostseite des Daches angebrachten spitzgiebligen Dachgauben mit Holzflügeln und aus dem oberen, flacher geneigten drehbaren Teil mit drei kleinen rundgiebligen Dachgauben mit ovalen Holzflügeln und einem T-Profil-Holzausleger mit Kette, Kugel und Haken, an dem z. Zt. ein Holzfass hängt. An der Auslegerspitze sitzt als seltene Besonderheit ein vergoldeter Adler mit gespreizten Schwingen. Die Eingangstür mit Treppe befindet sich an der Nordseite.

Geschichte

Der heutige Kran ist eine Original-Rekonstruktion aus den Jahren 1989-1991 nach dem historischen "Alten Saarkran", der von 1762 bis 1852 seinen Dienst in Saarbrücken tat. Er diente dem Umladen der Waren von den Saarschiffen auf Karren und Fuhrwerke.

Nach der Fertigstellung des Kranen wurde seinerzeit eine Kranen-Sozietät ins Leben gerufen, die das alleinige Nutzungsrecht am Kran hatte. Ihre Mitglieder – reiche Händler – kauften sich mit hohen Summen in diese exklusive Transport- und Handelsgesellschaft ein und sicherten sich damit eine Vorzugsstellung, indem sie alle kleinen Kaufleute von der Nutzung des Krans ausschlossen. In dieser Zeit der weitgehend durch Zünfte und Gilden und damit durch Wettbewerbsbeschränkungen geprägten Wirtschaft machten die Mitglieder der Kranen-Sozietät die ersten Schritte in Richtung Leistungsorientierung und marktwirtschaftlicher Strukturen.

Anfang März 1784 wurde er von Jahrhunderteisgang und Hochwasser zerstört und im selben Jahr wieder aufgebaut. 1852 wurde er abgebaut und durch eine Stahlkonstruktion ersetzt. Mit dem Aufkommen der Eisenbahn und dem Bau der neuen Hafenanlage wurde der Kran überflüssig und wurde 1865 stillgelegt. Er verfiel und verschwand, kaum bemerkt, aus dem Stadtbild und dem Gedächtnis der Stadtbewohner. Während der Bauarbeiten zur Stadtautobahn A620 stieß man auf sein altes Fundament. Nach einem erfolgreichen Spendenaufruf errichtete man ihn nach historischen Plänen und Stichen in den Jahren 1989-1991 als technisches Denkmal auf dem ursprünglichen Fundament.

Siehe auch

Weitere erhaltene Hafenkräne aus Mittelalter, Renaissance und Barock

Koordinaten: 49° 13′ 59,88" n. Br., 6° 59′ 30,92" ö. L.