Stahlhelm
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Stahlhelm

Dieser Artikel behandelt die militärische Kopfbedeckung; zu dem Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten siehe dort.

Ein Stahlhelm ist eine aus Stahl bestehende, militärische Kopfbedeckung, die primär Schutz vor Granatsplittern bieten soll. Im Verlauf des Ersten Weltkriegs führten die Armeen der europäischen Großmächte derartige Helme ein. Im engeren Sinne sind mit der Bezeichnung Stahlhelm nur die deutschen Formen dieses Helmtypus gemeint, jedoch hat sich der Begriff mittlerweile für jeden aus Stahl hergestellten militärischen Helm durchgesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung

Erster Weltkrieg

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, gehörten zur militärischen Ausrüstung der kriegführenden Staaten Kopfbedeckungen, die keinen Schutz vor Gewehrkugeln oder Granatsplittern boten. Auf deutscher Seite fand die lederne Pickelhaube Verwendung, die seit 1842 gebräuchlich war und lediglich Säbelhieben standhalten sollte. Daneben gab es sogar noch in einigen Einheiten beziehungsweise Armeen den altmodischen Tschako. Bereits im Herbst 1914 erfolgte der Übergang zum Stellungskrieg, in dem sich die feindlichen Armeen in ausgedehnten Grabensystemen gegenüberstanden. Um gegnerische Truppen in ihren stark ausgebauten Schützengräben zu schwächen, ging man seit Anfang 1915 dazu über, Sturmangriffe der Infanterie durch stundenlanges Artilleriefeuer vorzubereiten. Dabei verwendete man vor allem Splitter- und Schrapnellgeschosse, die eine verheerende Wirkung gegen Menschen entfalten. Innerhalb kurzer Zeit stieg der Anteil der Verwundungen, die durch Granatsplitter verursacht worden waren, auf fast 80 Prozent. Etwa ein Viertel dieser Verwundungen waren Kopfverletzungen und somit fast immer tödlich, zudem wurden zahlreiche Soldaten grausam verstümmelt.

Bereits im Dezember 1914 ließ der französische General Adrian einige Soldaten mit Stahlkappen ausstatten, welche unter dem „Képi“ getragen wurden und die Schädeldecke schützen sollten. Diese Kappen waren 5 mm dick und wogen 250 Gramm. Versuche ergaben, dass etwa 60 Prozent aller heranfliegenden Granatsplitter an ihnen abprallten. Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse ordnete die französische Regierung die Massenproduktion der Stahlkappen an. Bis März 1915 wurden 700.000 Stück produziert und an Frontsoldaten ausgegeben. Parallel dazu entwickelte man auf französischer Seite einen noch effektiveren Kopfschutz, welcher aufgrund der verlustreichen Kämpfe in der Champagne von Februar bis März 1915 notwendig geworden war. Man begann mit der Produktion des „Adrian“-Helms, der im Juli 1915 erstmals an der Front zum Einsatz kam.

Adrian-Helm

Der „Adrian“ bestand aus 1 mm dickem Stahl und verfügte über eine Krempe, die auf der Vorderseite breiter als auf der Rückseite des Helms war. Die Helmglocke wurde mit einem niedrigen Kamm versehen. Der „Adrian“ wurde in 70 Arbeitsschritten angefertigt und in drei verschiedenen Größen ausgeliefert. Bis zum Herbst 1917 erreichte die tägliche Produktionszahl an „Adrians“ 7.500 Stück. Die belgischen, russischen, italienischen und serbischen Truppen übernahmen bis 1917 den „Adrian“. Durch die Einführung des „Adrian“ wurde die britische Militärführung dazu ermutigt, ebenfalls einen derartigen Kopfschutz entwickeln zu lassen.

Im Sommer 1915 entwickelte der britische Ingenieur John Brodie den Mk I-Helm, der eine starke Ähnlichkeit mit einer Variante des mittelalterlichen Eisenhuts aufwies. Brodie war sich dieser Analogie bewusst, doch ging es ihm bei der Entwicklung eines Stahlhelms um die Vereinfachung des Herstellungsprozesses. Der Mk I „Brodie“ wurde in nur einem Arbeitsschritt, einem einfachen Tiefziehvorgang, aus einer Stahlplatte gefertigt. Großer Wert wurde auf die Auskleidung des Mk I mit Futterstoff gelegt, der die Übertragung der Wucht eines auftreffenden Granatsplitters auf den Kopf des Helmträgers dämpfen sollte. Da die Ausstattung der britischen Soldaten mit Stahlhelmen als äußerst dringlich eingestuft wurde, verzichtete man auf ausgiebige Versuche zur Feststellung der Schutzwirkung des Mk I. Der Helm schützte nur vor langsam heranfliegenden Granatsplittern, war aber dafür mit einem Gewicht von 750 Gramm bequem zu tragen.

Im November 1915 wurde der Mk I „Brodie“ erstmals in nennenswerter Anzahl an der Front eingesetzt. Zunächst erhielten nur die Soldaten in den vordersten Frontlinien einen Mk I. Es war nicht unüblich, dass in den Monaten unmittelbar nach der Einführung des Mk I nur jeder zehnte Soldat einer britischen Einheit über einen solchen Helm verfügte. Der Helm wurde von den britischen Frontsoldaten als Tin Hat (Blechhut) bezeichnet. Als 1917 die USA in den Krieg eintraten, erwarben sie zunächst Mk I-Helme von ihrem britischen Verbündeten. Seit Anfang 1918 produzierten die USA mit dem M1917 einen eigenen Helmtypus, bei dem es sich jedoch nur um eine Variante des Mk I handelte.

Da sich die deutsche Armee bei der Entwicklung eines effektiven Kopfschutzes zögerlich verhielt, gingen manche Einheiten seit 1915 dazu über, provisorische Helme herzustellen. Die in den Vogesen stehende „Armee-Abteilung Gaede“ entwickelte einen Helm, der aus einer mit Stoff gefütterten Lederkappe bestand. Auf der Vorderseite der Kappe wurde eine 6 mm dicke Stahlplatte angebracht, welche nicht nur die Stirn, sondern auch Augen und Nase schützte. Der Gaede-Helm wog zwei Kilogramm und war knapp ein Jahr lang in Gebrauch.

Mit seinem Schreiben vom 15. August 1915 an den Armeearzt der 2. Armee regte der Marinegeneralarzt Prof. Dr. August Bier, damals beratender Chirurg beim XVIII. Armee-Korps an der Westfront, zur Vermeidung von Schädel- und Hirnverletzungen die Entwicklung eines deutschen Stahlschutzhelmes an. Vorangegangen war ein Gespräch zwischen ihm und dem Prof. Dr.-Ing. Friedrich Schwerd von der TH Hannover, der damals als Hauptmann bei der Etappeninspektion der 2. Armee tätig war. In diesem Gespräch versicherte der Techniker Schwerd dem Arzt Bier, dass es möglich sei, einen einstückigen Helm aus vergütetem Chrom-Nickel-Stahl bzw. aus einem ähnlich legierten Stahl mit Augen- und Nackenschutz herzustellen. Der Chef des Generalstabes des Feldheeres, General Erich von Falkenhayn, befürwortete den Vorschlag und gab ihn an das Preußische Kriegsministerium weiter. Bereits am 04. September 1915 wurde Prof. Schwerd nach Berlin gerufen und nahm an einer Sitzung teil, in der er seine Vorschläge zur technischen Realisierung eines deutschen Stahlschutzhelmes vortrug. Im Dezember wurden erste Exemplare des Helmes an der Front erfolgreich getestet. Es folgte die Anordnung der Massenproduktion, Ende Januar 1916 lieferte dann das Eisenhüttenwerk Thale/Harz die ersten 30.000 Helme. General von Falkenhayn ließ die Stahlhelme ab Februar an die Fronteinheiten verteilen. Zu Beginn der Schlacht um Verdun waren manche der dort kämpfenden deutschen Einheiten bereits mit den neuen Helmen ausgerüstet.

Der aus Chromnickelstahl bestehende deutsche Stahlhelm wurde offiziell als Stahlschutzhelm, Modell 1916 oder kurz M1916 bezeichnet. Der M1916 wurde in sechs Arbeitsschritten aus einer Stahlplatte gefertigt, die 1,1 mm dick war. Es war vorgesehen, dass 5 Prozent aller Stahlhelme - vorzugsweise die der MG-Schützen - mit einer zusätzlichen, 1 cm dicken Platte, dem sogenannten Stirnpanzer, zum Schutz der Stirnpartie ausgestattet würden. Dies konnte aufgrund des Rohstoffmangels nicht realisiert werden, zudem war die Stirnplatte bei den Soldaten unbeliebt, zumal der Helm im vorderen Bereich durch die Stirnplatte überlastet wurde, was während Körperbewegungen zu einem Überkippen des Helms nach vorne führte. Die Stirnplatte wurde oftmals zweckentfremdet und zur Verstärkung der Grabenwände benutzt. Die Verbündeten Österreich-Ungarn und Bulgarien übernahmen nach kurzer Zeit den M1916.

Für die türkischen Streitkräfte wurde eigens eine abgewandelte Form entworfen, bei der der markante weit vorgezogene Augenschirm und die im Bereich der Ohren herabgezogene Krempe fehlte. Diesen Helm konnte der moslemische Soldat zum Gebet aufbehalten. Etwa 5.400 Stück sind offenbar seit 1918 produziert worden, und, wie Photos zeigen, sind diese zumindest teilweise in die Türkei geliefert worden. Einige sind anscheinend auch bei deutschen Freikorpsverbänden in der Nachkriegszeit Verwendung. Die Piloten der deutschen Jagdflugzeuge gingen 1917 dazu über, anstatt der ledernen Fliegerkappe den M1916 zu tragen.

Da die tiefe Krempe an den Seiten und im Nacken des M1916 das Hörvermögen des Helmträgers durch Rauschen beeinträchtigte, wurde sie bei einem Sondermodell des seit 1918 produzierten M1918 an der Ohrenpartie ein Stück ausgeschnitten. Das Modell M1918 wurde jedoch bis Kriegsende nur in geringen Stückzahlen hergestellt und erreichte die kämpfende Truppe nicht mehr im vorgesehenen Maße; ebensowenig wie eine Ausführung ohne den nach vorn gezogenen Schirm (ähnlich der türkischen Exportversion) für die Besatzungen von Panzerfahrzeugen, da hier der Schirm bei der Waffenbedienung und der Beobachtung durch Sehschlitze hinderlich war.

Sowohl der M1916 als auch der M1918 wurden wie fast alles Kriegsmaterial nach einer Vorschrift der Obersten Heeresleitung ab Juli 1918 mit einem Tarnanstrich, der offiziell Buntfarbenanstrich oder auch Mimikri Tarnanstrich hieß, versehen. Es wurden dazu großflächige scharfeckige Farbfelder in rostbraun, ockergelb und grün aufgetragen, die durch dicke schwarze Linien voneinander getrennt waren. Die Farben waren matt und wurden mit dem Pinsel aufgetragen. Aufgesprühte Farben sind erst seit den 30er Jahren belegt. So wie der „Adrian“ und der „Brodie“ sorgte der deutsche Stahlhelm dafür, das die Zahl der Kopfverletzungen innerhalb kurzer Zeit deutlich sank. Die Schutzwirkung war aufgrund der tieferen Passform und des (eventuell erst bei späteren Modellen) gehärteten Stahls im Vergleich etwa zum französischen Modell besser.

Bei vielen Soldaten war eine starke Identifikation mit dem Stahlhelm gegeben, der als Symbol für eine soldatische Gemeinschaft und als Bindeglied zwischen mittelalterlichen Ritterhelmen und der modernen Kriegsführung betrachtet wurde. So verwundert es nicht, dass sich der im Dezember 1918 gegründete Bund der Frontsoldaten, der schnell zum Sammelbecken demokratiefeindlicher Kräfte wurde, nach dem Stahlhelm benannte.

Herstellerliste WK1-Stahlhelme (Kürzel) Gebrüder Bing A.G., Nürnberg = G.B.N. - F.C. Bellinger, Fulda = B.F. - Gebrüder Gnüchtel A.G., Lauter i/Sa. = G. - Vereinigte Deutsche Nickelwerke, Schwerte i/Westf. = Ni. - R. Lindenberg A.G., Remscheid-Hasten = "Glockensymbol" L. - Herm. Weissenburger & Co., Stuttgart-Canstatt = W. - C. Thiel & Söhne, Lübeck = T.J. - Eisenhüttenwerk Thale A.G., Thale a/Harz = E.T. - Eisenhütte Silesia, Paruschowitz O/Schlesien = Si. - Siemens & Halske A.G., Siemenstadt bei Berlin = verschlungenes Symbol S und H - Körting & Mathissen, Stuttgart = kleines Dreieck + K - Berndorf, Österreich = Bär-Symbol bzw. "B" auf Helmglockendach

Zwischen den Kriegen

Auch nach dem Ende des von Deutschland verlorenen Krieges besaß der Stahlhelm, Modell 1916, eine starke Symbolkraft und war mit dem Alltag in der Weimarer Republik untrennbar verbunden. Nicht nur bei den zahlreichen Treffen und Aufmärschen ehemaliger Frontsoldaten, sondern auch bei feierlichen Anlässen ohne militärischen Hintergrund war es nicht unüblich, dass Teilnehmer des Ersten Weltkriegs einen Stahlhelm trugen. Die in den 20er Jahren erschienenen Bildbände über den Ersten Weltkrieg waren oftmals stark auf die Symbolik des Stahlhelms ausgerichtet. Ebenso verwendeten einige der nach dem Ersten Weltkrieg entstandenen neuen europäischen Staaten (Finnland, Lettland, CSR) den deutschen M1916.

Während die USA, Großbritannien und Frankreich die Weiterentwicklung des Stahlhelms nach dem Ende des Ersten Weltkriegs vernachlässigten und ihre Armeen weiterhin den M1917, den Mk I und den "Adrian" verwendeten, führten die autoritären Regime Italien und Deutschland in den 30er Jahren neue Helme ein. Die Armee des faschistischen Italien führte 1933 den M933 ein, der an eine vereinfachte Form des deutschen M1916 erinnerte. Auch die Sowjetunion, die nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland aufrüstete, führte neue Helme ein.

Im Zusammenhang mit der Wiedereinführung der Wehrpflicht wurde 1935 im Deutschen Reich mit der Produktion des M35 begonnen. Die Form des M35 entsprach im Wesentlichen der des M16, doch war der M35 kleiner und leichter. Insbesondere der Augenausschnitt und der Nackenschirm wurden eingekürzt, die Befestigungsbolzen für den Stirnschutz (gleichzeitig Belüftung) wurden durch Belüftungsbuchsen ersetzt. Der M35 wurde in fünf Größen hergestellt, die zwischen 800 Gramm und 1,2 Kilogramm wogen. Eine Fertigung aus Molybdänstahl erhöhte die Festigkeit um 15%. 1936 wurden zusätzlich der Fallschirmjägerstahlhelm und ein Fliegerstahlhelm für das fliegende Personal der Luftwaffe eingeführt.

Für die Herstellung des deutschen Stahlhelmes hatten die zum Otto Wolff-Konzern gehörenden EHW Thale - Eisen- und Hüttenwerke AG, Thale/Harz - in Sachsen-Anhalt das weitgehende Monopol, ihre Helme waren mit dem Kennzeichen ET versehen. Später kamen noch weitere Hersteller hinzu: Q = F. W. Quist GmbH, Metallwarenfabrik, Esslingen/Neckar; SE = Sächsische Emaillier- und Stanzwerke AG, vorm. Gebr. Gnüchtel, Lauter/Sachsen; FS und EF = Emaillierwerk AG, Fulda/Hessen, und NS = VDN - Vereinigte Deutsche Nickelwerke AG, Schwerte/Ruhr.

In der Sowjetunion wurde 1936 ein neuer Helmtypus eingeführt, der Elemente des deutschen M1918 und des "Adrian" vereinte. Im selben Jahr wurde im Deutschen Reich erstmals ein Helm hergestellt, der speziell für Fallschirmjäger konzipiert worden war. Dieser entsprach einem M1935 mit stark verkürzter Krempe und verfügte über ein besonders starkes Innenfutter. In Großbritannien wurde der Mk I 1936 geringfügig modifiziert und fortan als Mk II bezeichnet.

Zweiter Weltkrieg

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden auf alliierter Seite Bemühungen unternommen, verbesserte Stahlhelme zu entwerfen. Als erstes wurde das War Department der USA aktiv. Es verweigerte die Unterzeichnung eines Vertrags über die Produktion von zwei Millionen weiteren M1917-Helmen und gab die Entwicklung eines neuen Helmtyps in Auftrag. Ein ursprünglich bevorzugter Entwurf wurde wieder verworfen, da dieser eine zu große Ähnlichkeit mit dem deutschen Stahlhelm aufwies und fatale Verwechslungen im Kampf befürchtet wurden. Dies führte zur Entwicklung des M1-Helmes, dessen Ausgabe an die Truppen am 9. Juni 1941 angeordnet wurde. Der M1 wog 1,3 Kilogramm und wurde in 27 Arbeitsschritten hergestellt. Bis zum Kriegsende wurden 22 Millionen M1-Helme und 33 Millionen dazugehörige Futterschichten produziert. Für die US-amerikanischen Fallschirmjäger wurde der M2 eingeführt, bei dem es sich um einen M1 mit dickerem Innenfutter und stärkerem Kinngurt handelte. Auch die Rote Armee führte 1941 einen neuen Helmtypus ein, der auf dem italienischen M933 basierte.

Die britische Armee führte erst Ende 1943 mit dem Mk III einen neuen Stahlhelm ein. Dieser verfügte über einen langen Nackenschirm, war mit einem Gewicht von 1,1 Kilogramm etwa 100 Gramm schwerer als der Mk II und besser ausbalanciert als das Vorgängermodell. Es wurden jedoch nur wenige britische und kanadische Einheiten bis zum Ende des Krieges mit dem Mk III ausgestattet.

Seit 1943 wurden die Mannschaften der US-amerikanischen Bomber durch Helme des Typs M3 geschützt. Diese Stahlhelme waren mit Leder überzogen und ließen die Ohrenpartie weitgehend unbedeckt, um das Tragen von Kopfhörern zu ermöglichen. Es folgte der identisch geformte M4, der jedoch mit einem preiswerteren Überzug aus Khaki versehen wurde. Das Nachfolgemodell M4A2 schützte die Ohrenpartie durch hochklappbare Metallwangenstücke. Bei dem geringfügig modifizierten M5 handelte es sich um den letzten Helmtypus, der von den amerikanischen Bomber-Mannschaften des Zweiten Weltkriegs getragen wurde. Die U.S. Army Air Force wurde von 1943 bis zum Kriegsende mit insgesamt 393.000 Helmen beliefert. Diese Helme trugen, zusammen mit Splitterwesten, dazu bei, dass die Verwundungsquote unter den Bomber-Piloten innerhalb weniger Monate um 61% sank.

Auch der deutsche Stahlhelm wurde im Zweiten Weltkrieg nochmals überarbeitet. Dem Basismodell M35 mit genieteten Luftlöchern folgte der M40 mit gestanzten Luftlöchern. Beim Modell M42 (1942) entfiel aus Gründen der schnelleren und einfacheren Produktion der in den Vormodellen gebördelte Rand und er wurde aus Siliziummanganstahl hergestellt. Als man ab 1944 dazu überging, die letzten Reserven, die meist nur aus alten Männern und Kindern bestanden, zu mobilisieren, wurden Stahlhelme in Kindergröße eingeführt.

Nachkriegszeit

Die gängigen deutschen Stahlhelmtypen wurden nach dem Krieg von der Feuerwehr sowohl in Ost- als auch Westdeutschland übernommen und sind bei einzelnen Freiwilligen Feuerwehren bis heute in Gebrauch, wobei sie in den meisten Feuerwehrstandorten inzwischen durch neuere Helme abgelöst werden oder wurden.

Obwohl Hitler die Neuentwicklung eines Stahlhelmes bereits verboten hatte, wurde aufgrund einer Denkschrift der Heeressanitätsinspektion, in der auf die zunehmende Zahl von Kopfverletzungen und andere Mängel des bisherigen deutschen Helmmodells verwiesen wurde, im Jahre 1942 vom Heereswaffenamt - unter Umgehung des Rüstungsministeriums - die Entwicklung genehmigt. Die Arbeiten wurden in der Chemisch-Technischen Reichsanstalt vom Institut für Wehrtechnische Werkstoffkunde, Berlin, Leiter Prof. Dr.-Ing. Fry und Sachbearbeiter Dr. Hänsel, durchgeführt. In die engere Erprobung kamen vier Modelle, "A" = ein leicht veränderter Helm 35, "B", B/II" und "C". Der erfahrene Hersteller von Stahlhelmen, die Eisen- und Hüttenwerke AG, Thale/Harz, die mit der Herstellung der Versuchsmuster beauftragt worden war, legte von sich aus zusätzlich den "Vorschlag Thale" vor, der als Abänderung des Modells "B" unter Leitung des Ober-Ingenieurs Erich Kisan entwickelt wurde. Bei den Beschuss- und Truppenerprobungen erwiesen sich die beiden "B"-Modelle als die besten. Die Ergebnisse wurden in einer Denkschrift zusammengefasst und im Herbst 1944 dem Führerhauptquartier vorgelegt. Trotz der positiven Beurteilung der Helme sowie der großen Einsparungen an Material und Arbeitszeit, lehnte es die Einführung eines neuen Helmmodells ab, offensichtlich aus logistischen Gründen und aus Gründen der Tradition. Später wurden diese neuen Helmmodelle in der DDR eingeführt.

Es gab davon zwei Ausführungen, zum einen den recht bekannten, bis 1990 in der NVA verwendeten Stahlhelm M56, und einen fast baugleichen, aber auf der Oberseite wie bei früheren Modellen der Wehrmacht abgeflachten, Stahlhelm, der nach dem Krieg als M54 in geringer Stückzahl produziert und an Einheiten der KVP ausgegeben wurde.

Der neue Stahlhelm M56 (Gerät 604 im internen Schriftverkehr) hatte noch eine Besonderheit: Da er durch seine Form weit vom Kopf abstand, bestand für den Soldaten die Gefahr von Halswirbelverletzungen, wenn er, z. B. beim Sprung in einen Graben, mit dem Rand irgendwo hängenblieb. Dieser Gefahr wurde dadurch begegnet, dass das Futter in einem solchen Fall aus der Glocke herausgerissen wurde und am Kopf verblieb, während der Helm abgetrennt wurde. Der Helm oder das Futter wurden dadurch nicht beschädigt, sondern konnten wieder zusammengesetzt werden.

US-Soldaten mit PASGT-Helm

Der M1-Helm wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch jahrzehntelang von der U.S. Army verwendet. In abgewandelter Form fand er sich auch in der Bundeswehr wieder. Hier waren vor allem das Futter und der Kinnriemen verbessert worden, zudem wurde auf den amerikanischen Plastikinnenhelm verzichtet.

Erst Ende der 70er Jahre wurde der M1 in der U.S. Army durch den aus Kevlar bestehenden PASGT-Helm abgelöst. Dank seiner Ähnlichkeit zu den früheren deutschen Stahlhelmen trägt er in der Truppe den Spitznamen „Fritz Hat“.

Zur selben Zeit ging die britische Armee mit der Einführung des GS Mk 6 ebenfalls zur Verwendung von Helmen aus Aramidfasern über, die besseren Schutz und geringeres Gewicht als die zuvor üblichen Stahlhelme bieten.

Trotzdem waren Stahlhelme in mehreren Mitgliedsstaaten der NATO und des Warschauer Pakts bis in die 90er Jahre hinein vor allem in Staaten mit Wehrpflicht gebräuchlich, in denen eine größere Anzahl an Soldaten mit Helmen ausgestattet werden musste. In den Armeen diverser Entwicklungsländer werden nach wie vor Stahlhelme verwendet.

Der Schutz eines modernen Helmes gegen Durchschlag hängt unter anderem vom Geschossdurchmesser und Auftreffwinkel ab. Bei einem 7,62 mm Geschoss beträgt die absorbierte Energie etwa 770 Joule und für ein 5,56 mm Geschoss etwa 420 Joule.[1] Kugelsicher sind diese Helme damit auch heute nicht. Ältere Helm-Konstruktionen liegen deutlich schlechter. In glücklichen Einzelfällen kann ein Helm allerdings eine verirrte Kugel aus großer Entfernung oder einen ansonsten tödlichen Querschläger in der Tat abhalten.

Siehe auch

Militärische Ausrüstung im Ersten Weltkrieg

Literatur

  1. Hübner: Scharfschützen Schießtechnik
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