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Linden-Limmer

Karte
Basisdaten
Stadtbezirk Linden-Limmer (10)
Fläche 8,18 km²
Einwohner 43.488
Bevölkerungsdichte 5.316 Einwohner/km²
Postleitzahl 30449, 30451, 30453
Stadtteile
  • Limmer
  • Linden-Nord
  • Linden-Mitte
  • Linden-Süd
Webpräsenz hannover.de
Politik
Bezirksbürgermeisterin Barbara Knoke (SPD)
Stadtbezirksrat
(21 Sitze)
SPD: 9, Grüne: 6, CDU: 4, Die Linke: 2

Linden-Limmer ist der 10. Stadtbezirk in Hannover. Er untergliedert sich in die Stadtteile Limmer, Linden-Nord, Linden-Mitte und Linden-Süd. Der Stadtbezirk hat 43.488 Einwohner, wobei 6.038 auf Limmer, 16.522 auf Linden-Nord, 11.644 auf Linden-Mitte und 9.284 auf Linden-Süd entfallen (Stand 1. Januar 2008). Teile von Linden-Mitte, Linden-Nord und Linden-Süd und Limmer zählen zu den Szenevierteln Hannovers.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Geschichtsübersicht Linden

Die einstige Industriestadt Linden wurde erstmals um 1100 urkundlich erwähnt und war ursprünglich wohl eine unter Linden gelegene Gerichtsstätte der Grafen von Roden. 1285 wird erstmals die Kirche des Heiligen Martin erwähnt, die 1328 dem Kloster Marienwerder eingegliedert wurde, und die (nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1957 wiederaufgebaut) noch heute besteht. In der Umgebung Lindens lagen Lehenshöfe zunächst der Herren von Roden-Wunstorf und Schaumburg, später der Welfen. 1842 hatte das Dorf Linden 3.207 Einwohner [1].

Nach Einmarsch Preußens in das Königreich Hannover 1866 war Linden das größte (Industrie-)dorf Preußens. Den Grundstein dafür legte der Industrielle Johann Egestorff Anfang des 19. Jahrhunderts mit Kalkbrennereien am Lindener Berg zur Produktion des Baustoffs Kalkmörtel. In seine Fußstapfen trat sein Sohn Georg Egestorff, der eine Maschinenfabrik und Eisengießerei gründete. (Siehe auch: Hanomag)

Egestorff Maschinenfabrik und Eisengießerei etwa Mitte 19. Jahrhundert in Linden, im Hintergrund der Deister

Hier wurden von 1846 bis 1931 auch Lokomotiven hergestellt, die bis zum Bau der Altenbekener Strecke 1872 mühsam mit Pferdefuhrwerken zum nächsten Gleisanschluß transportiert werden mussten.

Nach dem Tod Egestorffs 1868 wurde die Fabrik durch den neuen Besitzer, "Eisenbahnkönig" Bethel Henry Strousberg großzügig erweitert und neben dem Werk an der heutigen Göttinger Str. eine Arbeitersiedlung mit 144 Häusern gebaut, die wegen der Rumänien-Aufträge Strousbergs (Konzession über 900km Bahnstrecke/Lieferung von Lokomotiven), auch "Klein-Rumänien" genannt wurde. Das Geschäft platzte - Strousberg musste 1871 an ein Bankenkonsortium verkaufen . Die Straßen in "Klein-Rumänien" hießen "Hammerstraße", "Feilenstraße" und "Zirkelstraße". 1937 wurden die Häuser im Zuge der Vergrößerung der Hanomag abgerissen - auf dem Areal befindet sich die Anfang der 1940er Jahre erbaute "U-Boot Halle", die unter Denkmalschutz steht. An die große Bedeutung der Firma und deren Besitzer für Linden erinnern heute die Straßennamen Hanomagstraße, Egestorffstraße und Strousbergstraße. Da Strousberg jüdischer Herkunft war, trug letztere während des Dritten Reiches den Namen Kettlerstraße.

Am Küchengarten siedelten sich Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche kleinere Firmen an, von denen sich einige zu einer gewissen Bedeutung entwickelten. Wie etwa die Lindener Samtspinnerei, Baumwollspinnerei und Weberei, die Lindener Gilde Brauerei, zwei Gummifabriken und die Deutsche Asphalt sowie eine Korsettfabrik und eine Bettfedernfabrik, auf dessen Gelände heute das Kulturzentrum FAUST tätig ist. 1927 wurde am Küchengarten ein städtisches Badehaus erbaut, da viele Arbeiterfamilien kein eigenes Bad besaßen. Nach Nutzungsende zog dort 1987 das Theater am Küchengarten ein.

Im Wesentlichen um die benötigte Kohle aus Barsinghausen zu beschaffen, wurde der Bahnhof Linden-Fischerhof eingerichtet und mit der Zweigstrecke nach Linden-Küchengarten ab 1872 an das Netz der Hannover-Altenbekener Eisenbahn bzw. der Deisterbahn angebunden. Der Bahnhof wurde 2006 für eine bessere Anbindung an Stadtbahn und Bus verlegt und heißt heute Hannover-Linden/Fischerhof. Während des Ersten Weltkrieges wurde der Lindener Hafen mit einer Anbindung an den Mittellandkanal fertiggestellt.

Linden war bis 1885 Landgemeinde und Vorort Hannovers und hatte 25.570 meist evangelische Einwohner. Von Hannover war es nur durch die Ihme getrennt. Linden wurde am 1.April 1885 Stadt und Stadtkreis. Der erste Bürgermeister wurde der hannoversche Senator Georg Lichtenberg.

Erst im Jahr 1920 wurde Linden mit damals rund 80.000 Einwohnern nach Hannover eingemeindet. 1934 bis 1936 waren viele Lindener Mitglieder der Sozialistischen Front, die als eine der größten Widerstandsbewegungen des Dritten Reiches gilt.

Alt-Linden

Das alte Dorf Linden reichte ursprünglich vom Lindener Berg bis zur Glocksee und Ohe am gegenüberliegenden Ufer der Ihme. 1829 wurden die Glocksee und die Ohe selbstständige Orte mit eigener Verwaltung, aber blieben bezüglich Kirche und Schule weiterhin Linden zugehörig.

Neu-Linden

1688 erwarb der Oberhofmarschall Franz-Ernst von Platen für etwa 12.000 Reichstaler das Gut der Familie von Alten durch einen Nutzungsvertrag. Es umfasste etwa 56 Hektar Land, Jagdrecht, Gerichtsbarkeit, verschiedene Zehnte, den Lindener Schäferhof sowie Ländereien und Berechtigungen in der Lindener Glocksee, der Neustadt und der Aegidienmasch. Nach dem Kauf zusätzlicher Höfe ließ von Platen den etwa 7 ha großen Von-Alten-Garten als Barockgarten anlegen, den ab 1718 eine Mauer umgab. Der Graf von Platen erwarb 1700 weitere 20 Hektar Land und ließ eine neue Straße, die Leineweberstraße, mit 30 Häusern für die Weberzunft anlegen. Auch ließ er eine Schmiede, Bierbrauerei, Branntweinbrennerei, Kalkbrennerei sowie eine Wachsbleiche mit Meister und Gesellen aus Italien einrichten. Der Graf ließ zudem in einer auf dem Gut errichteten Kapelle eigens für seine Hörigen Gottesdienste abhalten. 1796 wurde in einem Haus in der Weberstraße eine Schule für Neu-Linden eingerichtet.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich aus dem Areal das vom alten Dorf Linden verwaltungsrechtlich getrennte Neu-Linden, das auch einen eigenen Nachtwächter, einen eigenen Vorsteher und eine eigene Schützengesellschaft erhielt. Zu Neu-Linden gehörten die Häuser der Weberstraße, Häuser und Speicher in der Blumenauerstraße, sowie Häuser in der Hohestraße und der Deisterstraße. Nach dem Rückkauf des Gutes Linden im Jahr 1816 durch die Familie von Alten verließ die Familie von Platen Linden.

Neuordnung Alt-Linden und Neu-Linden

Mit Erlass verfügte 1826 die Königliche Landdrostei Hannover für die Gerichtszuständigkeit eine Grenzlinie zwischen Alt-Linden und Neu-Linden. Nach dem Erlass hatte Alt-Linden einen Bauermeister und 3 Vorsteher, Neu-Linden einen Vorsteher und 2 Nebenvorsteher. Zu Alt-Linden gehörten von da an Lindener Berg, Kirchstraße, Lindener Straße, Hohestraße, Posthornstraße, Blumenauerstraße, das Gut von Alten einschließlich Gerichtshof, der Bereich westlich der nördlichen Deisterstraße von der Allee (später von-Alten-Allee) bis zur Ihmebrücke. Zu Neu-Linden gehörten von da an der Bereich östlich der nördlichen Deisterstraße von der Allee (heute von-Alten-Allee) bis zur Ihmebrücke, der südliche Rest der Deisterstraße und die Weberstraße.

Landgemeinde Linden

1856 wurden die Dörfer Alt-Linden und Neu-Linden zur Landgemeinde Linden zusammengeschlossen. Die Gemeinde erhielt statt der bisherigen Bauermeister einen Gemeindevorstand.

Wappen

Linden erhielt 1889 durch königlichen Erlass die Erlaubnis für das Wappen mit dem roten Löwen vor der Linde auf einem Schild mit je 4 blauen und silbernen Querstreifen und mit einer dreitürmigen Mauerkrone. Die Linde erinnert an die Entstehung Lindens, als vom Grafen Wittekind bzw. Widukind von Schwalenberg unter einer Linde Gericht gehalten wurde. Der rote Löwe gehörte zum Wappen des Grafen von Roden.

Geschichte Limmer

Limmer trägt seinen Namen vom Castrum Limbere des Grafen Konrad von Wunstorf, welches 1187 genannt wurde und dessen genaue Lage unbekannt ist. Der Name bedeutet vermutlich „feuchte Stelle“. [2] Es handelte sich um eine sehr wehrhafte Burg, die 1189 unter Graf Konrad sogar dem Ansturm König Heinrichs VI. standhalten konnte. In der Folge trug eine gräfliche Linie der Wunstorfer bis zu ihrem Aussterben den Namen Limmer, während die andere Linie nach ihrem Besitz, der Burg Lauenrode "von Roden" hieß. Die im Jahr 1268 genannte Limmeraner Kirche St. Nikolai wurde im Jahr 1328 dem Kloster Marienwerder eingegliedert. Erst 1787 wurde das alte Gebäude durch die heutige Saalkirche ersetzt.

Limmer war im 14. bis 15. Jahrhundert ein armes, aber nicht besonders kleines Dorf. Während des Dreißigjährigen Krieges sank es wirtschaftlich auf einen Tiefstand, viele Bewohner mussten sich im nahen Herrenhausen verdingen. 1689 hatte Limmer 167 Einwohner. 1690 wurde von den welfischen Landesherren eine Ziegelei eingerichtet, die aber bereits 1735 wieder aufgegeben wurde. 1730 war in Limmer Asphaltkalk entdeckt worden, der seit 1843 im Tagebau und Tiefbau abgebaut wurde, dessen Vorkommen aber bis 1925 erschöpft waren. 1779 wurde von dem Chemiker Friedrich Ehrhardt eine Schwefelquelle wieder neu entdeckt, über der 1792 ein Bad behuf der Invaliden und Armen errichtet wurde.

Ein Badehaus wurde 1794 auf dem Limmer Berg errichtet. Dieser Limmerbrunnen, der um 1800 gut besucht wurde, unterlag 1828 dem benachbarten hessischen Bad Nenndorf, der Badebetrieb wurde aber erst 1961 eingestellt. 1808 wurde das Dorf Opfer eines Großbrandes, welcher das Dorfbild deutlich veränderte. Unter dem Einfluss der im benachbarten Linden aufkommenden Industrialisierung verlor es mehr und mehr seinen ländlichen Charakter. 1825 hatte Limmer 365, 1871 über 1100, 1885 dann bereits 2307 Einwohner. Im Jahr 1899 erhielt die Hannoversche Gummi-Kamm-Fabrik ihren Sitz in Limmer, die 1912 unter ihrem neuen Namen Excelsior bereits 3500 Beschäftigte zählte und 1928 mit der Continental Gummi-Werke AG fusionierte. Zum 1. April 1909 wurde das Dorf nach Linden eingemeindet.

In den Jahren 1685-1718 wirkte an der St. Nikolaikirche der durch seine derben niederdeutschen Predigten bekannte Pastor Jacobus Sackmann, der auch den Adel nicht verschonte. Die Echtheit der überlieferten Predigten ist allerdings teilweise umstritten. Ein Gedenkstein für den Prediger befindet sich heute vor der Nikolaikirche.

Stadtbild

Übersicht

Linden-Limmer ist ein multikultureller und studentischer Stadtbezirk. Trotz dichter Besiedelung finden sich an der Leine, der Ihme und am Lindener Berg Grünanlagen. Der Stadtteil verfügt über einen Hafen, der über den Stichkanal Hannover-Linden mit dem 11 km entfernten Mittellandkanal verbunden ist.

Während in Hannover angeblich das reinste Hochdeutsch gesprochen wird, ist in weiten Teilen des Stadtgebietes und so auch in Linden gerade bei älteren Bewohnern eine eigene Sprachfärbung zu finden, die den ostfälischen Mundarten angehört. Der wesentliche Unterschied zur Standardsprache besteht in langgezogen "ei"-Lauten (Zeit=Zat, keine=kane) und "harten" R-Lauten nach offenen Vokalen (Garten=Gachten, Party=Pachty). Ausdruck dieses Selbstbewusstseins findet sich in dem "Lindener Butjer", einer den spielenden Kindern des frühen 20. Jahrhunderts nachempfundenen Regionalfigur und Bezeichnung für Originalität. Überregionale Bekanntheit erreichte dieser traditionelle Arbeiterjargon durch das Comedy-Duo Siggi und Raner.

Ein Lindener Original war der Wohltäter Rudi Reese, Gastwirt des "Kleinen Museums" in der Grotestraße, der für Benefiz-Erlöse um die halbe Welt wanderte.

Linden-Nord

Am lebhaftesten ist es in Linden-Nord, rund um die Limmerstraße: Mit vielen Kneipen, dem Kulturzentrum FAUST, dem Bürgerfunk radio flora, Cafés, Kiosken und dem 1908 gegründeten Apollo-Kino der Familie ter Horst - dem ältesten Vorstadtkino Deutschlands, in dem der spätere Cinemaxx-Gründer Hans-Joachim Flebbe zunächst sein Hobby entdeckte und als Filmvorführer seine Karriere begann - ist die Limmerstraße das Zentrum von Linden-Nord.

Der Stadtteil Linden-Nord ist multikulturell. Neben Migranten der ersten, zweiten und dritten Generation, häufig aus der Türkei, leben hier wegen der Nähe zur Universität und Fachhochschule viele Studierende.

Überregional bekannt geworden ist Linden durch den Dokumentarfilm "Linden - ein Arbeiterlied!". [3]

Das Freizeitheim Linden ist kultureller Mittelpunkt der im Stadtteil geborenen "Alt‐Lindener". Arbeitervereinigungen und Interessenverbände ehemaliger Werker tauschen sich hier aus und feiern jährliche Stadtteilfeste. Im Seitengebäude befindet sich die beliebte und geräumige Stadtteilbibliothek mit großer Kinder- und Jugendabteilung, die auch die Literaturversorgung Limmers, Ahlems, Davenstedts, etc. sichert.

Angeblich trifft man hier auf die höchste Kioskdichte weltweit. 32 dieser Kioske werden im "Lindener Kiosk Quartett" auf unterhaltsame Art und Weise miteinander verglichen. Der traditionelle Kiosk mit angegliederter "Trinkhalle" wird allerdings seltener.

Seit August 1983 findet alljährlich am Mündungsufer der Ihme das Fährmannsfest, ein Kinder- und Kulturfest, statt. Das Fest ist nach der Fähre benannt, die einst Linden mit Hannover verband.

Ab 1962 übernahm der Hafen- und Bahnbetrieb Linden die Umschlagaktivitäten und Beförderungsleistungen zum neu gebauten Kohlekraftwerk Linden, die erst 1990 eingestellt wurden. Sporadisch wurde auch Öl verfeuert, das über Mittellandkanal - Leine - Ihme angeliefert wurde. Danach wurde das Kraftwerk auf Gasfeuerung umgestellt. Wegen der drei Kesselhäuser mit den hohen Schornsteinen hat das Werk den Spitznamen "Die drei warmen Brüder von Linden". Nach Abschluss von Entkernungs- und Modernisierungsmaßnahmen wurde die Kesselgruppe im Jahr 2003 gegen eine Gas und Dampf (GuD) Turbine ersetzt.

Auf der Dornröschenbrücke, die den Stadtteil mit der angrenzenden Nordstadt verbindet, findet jährlich eine Gemüseschlacht statt.

Linden-Mitte

Das älteste Gebiet Lindens ist am "Schwarzen Bären" zu finden. Um 1500 gab es schon eine Ihme-Brücke, die lange Zeit die einzige Verbindung zwischen Hannover und Linden war. Zur Zeit (2008) wird der Platz "Am Schwarzen Bären" umgestaltet und saniert, die Ihme-Brücke (Benno-Ohnesorg-Brücke) wird durch einen Neubau ersetzt.

Linden-Mitte wird in Teilen durch viele Gründerzeithäuser geprägt (Wittekind-, Haasemann- und Beethovenstraße, Lindener Marktplatz, Pariser Platz und Lichtenbergplatz).

Zentraler Punkt des einstigen bürgerlichen Teils des Viertels ist der Lindener Marktplatz mit dem "neuen" Rathaus (das "alte" befindet sich an der Deisterstraße), dem Nachtwächterbrunnen (ein Wahrzeichen Lindens), den ältesten Straßenlaternen Hannovers (im Volksmund "Bischofsstäbe" genannt), dem Geburtshaus der Philosophin und Politologin Hannah Arendt und einem der schönsten Wochenmärkte der Landeshauptstadt Hannover (am Dienstag und Sonnabend bis ca. 13 Uhr). Die Stadtteilbibliothek Linden-Mitte mit großer Kinder- und Jugendabteilung ist im ehemaligen "neuen" Rathaus Lindens untergebracht gegenüber der Hauptpost Lindens.

Nicht weit vom Lindener Marktplatz befindet sich der Von-Alten-Garten, der ursprünglich als berühmter Barockgarten angelegt wurde. Die St. Martins-Kirche ist die älteste Kirche Lindens, wobei nur der Kirchturm den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden hat.

In der Jacobstraße 10 befand sich nach 1945 das so genannte Büro Schumacher, von dem aus durch den dort wirkenden Sozialdemokraten Kurt Schumacher die SPD nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut wurde. Ein Stockwerk darüber befand sich das Büro der Kommunistischen Partei Deutschlands, die ebenfalls von hier aus wieder aufgebaut wurde.

Am östlichen Rand des Stadtteils befindet sich das Ihme-Zentrum, das in den 1970er Jahren im Stil neuer Zweckarchitektur als Einkaufszentrum, Wohn- und Bürostadt geplant und gebaut wurde.

Die neue Gestaltung des Platzes "Küchengarten" vor dem Ihme-Zentrum wurde im Frühjahr 2007 abgeschlossen. Obwohl am Verkehrsknotenpunkt zwischen Linden-Nord, Linden-Mitte und Calenberger Neustadt gelegen lädt der Platz "Küchengarten" (früher ein Nutzgarten der Welfen) zum Verweilen ein. Das Theater am Küchengarten (TAK), im ehemaligen Städtischen Badehaus untergebracht, begrenzt den Platz. Auf dem Betriebsgelände der ehemaligen Lindener Brauerei wurde um 2005 eine Reihenhaussiedlung errichtet. Die Stephanusstraße verbindet den Küchengarten mit dem Lindener Markt.

Auf dem Lindener Berg, der höchsten natürlichen Erhebung Hannovers im inneren Stadtgebiet, befinden sich auf dem Wasserhochbehälter die Volkssternwarte Hannover und der Lindener Berg-Friedhof, der Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt wurde. Hier steht seit 1914 der barocke "Küchengarten-Pavillon".

Am Lindener Berge ist in einem ehemaligen Jugendhaus der Jazz Club Hannover untergebracht. Legendär ist der orange-rote Keller als Spielstätte. Im gleichen Gebäude befindet sich auch das "Mittwoch-Theater".

In Linden-Mitte beginnt auch das Industriegebiet Lindener Hafen am Stichkanal Linden mit seinen Produktions- und Umschlagstätten der chemischen Industrie (Kleber- und Kleisterproduktion), Recyclingbetrieben, metallverarbeitenden Unternehmen, Speditionen, etc.

Linden-Süd

Die Deisterstraße, bis zuletzt der "vergessene Boulevard" Hannovers, verbindet Linden-Mitte (den "Schwarzen Bären") mit Linden-Süd. Hier befinden sich besonders viele individuelle Mode-Geschäfte. Aber auch den Veranstaltungsort Kulturpalast Linden und einige Musik-Geschäfte findet man hier, gepaart mit günstigen Wohnungen und mediterraner Lebensart.

Das Ahrbergviertel in der Nähe des Allerweges und Deisterplatzes ist der kulturelle Mittelpunkt der spanischen Gemeinde Hannovers. Hier ist jedoch auch gleichzeitig einer der sozialen Brennpunkte der Stadt, mit einem hohen Anteil von Arbeitslosen unter der deutschen Bevölkerung und an prekär Beschäftigten unter den Migranten. Benannt wurde das Viertel nach der heute dort nicht mehr existierenden Fleisch- und Wurstverarbeitung Fritz Ahrberg. Die Erlöserkirche am Allerweg bietet regelmäßig Gospel-Gottesdienste an.

Direkt neben dem Stadtteil liegt das Hanomag-Gelände, einst eine weitläufige Industrielandschaft (1911: 42.000 m² - davon 24.000 m² überbaut) [4] zur Produktion von Personenwagen ("Kommissbrot"), Lkw sowie (bis 1931) Lokomotiven. Im Zweiten Weltkrieg wurden dort Panzerfahrzeuge, Geschütze und Großkalibermunition hergestellt. Eigens für die Herstellung von U-Boot-Sektionen wurde an der Göttinger Straße eine mehrstöckige Halle ("U-Boot Halle") errichtet, die noch heute besteht. Die Hanomag war auch noch nach Gleichschaltung durch die NSDAP-Betriebsleitung Mittelpunkt des sozialdemokratischen und kommunistischen Widerstandes in Hannover gegen das Naziregime. Hier wurden noch bis 1943 Flugblätter und Zeitungen gedruckt und verteilt, am 1. Mai - Feiern und Aktivitäten im Untergrund geplant sowie Kontakte zu Auslandsvertretern der Parteien im Untergrund gehalten.

Heute ist das Gelände eine Mischung aus Industriebrache und Umnutzung durch Einzelhandel (Baumärkte) und Verwaltungsbauten (Polizei/Universität). Mehrere Gebäude (darunter die U-Boot Halle) stehen unter Denkmalschutz und dokumentieren eine Zeitreise durch verschiedene Baustile. Von der Firma Komatsu-Hanomag GmbH werden auf einem kleinen Teil des ehemals riesigen Firmengeländes Baumaschinen produziert und Metallverarbeitung, auch für die Autoindustrie betrieben.

Die Humboldtschule, 1899 gegründet und seit 1962 in Linden-Süd an der Ricklinger Straße ansässig, ist mit ca. 1.000 Schülern eins der größten und traditionsreichsten Gymnasien Hannovers.

Linden-Süd hat mit dem Bahnhof Linden/Fischerhof an der Grenze zum Nachbarstadtteil Ricklingen Anschluss an die S-Bahn Hannover. Hier liegt auch das Kaiser Center, ein mit Sport- und Spielaktivitäten umgenutztes Gebäude der ehemaligen Kaiser Brauerei. Gegenüber diesem Sportzentrum und der Humboldtschule beginnen hinter der Ritter-Brüning-Straße die ersten Sportplätze des noch teilweise zum Stadtteil gehörenden Sportparks Hannover, zu dem auch die AWD-Arena, die AWD-Hall, der Olympiastützpunkt Hannover, eine Sportschule für Leistungssportler, zahlreiche Fußball- und Tennisplätze, die Mehrkampfanlage, das Stadionbad und die Wassersporteinrichtungen am Maschsee gehören.

Limmer

Limmer ist vorörtlich geprägt und liegt nordwestlich von Linden-Nord, zwischen der Leine, dem Flüsschen Fösse und dem Stichkanal Hannover-Linden. Die Limmer Schleuse sichert eine Verbindung des Lindener Hafens zum Mittellandkanal.

Größte Betriebe am Ort sind die ehemalige Anlage der Continental AG, die Wäscherei und Reinigung Stichweh sowie Lagereien und Speditionen am Lindener Hafen. Die Firma Sichel (heute Henkel-Konzern) ist am Limmer Brunnen/Seitenstichkanal Linden ansässig und ist der größte Arbeitgeber Limmers.

Limmer ist Außenstandort der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover mit Instituten in den Fachbereichen Erziehungswissenschaft, Wasserbau, Arbeitswissenschaften, chemische Analytik und Lebensmittelwissenschaften, sowie einer Bibliothek. Bis 1998 war es auch ein Standort der Wirtschaftswissenschaften.

Literatur

 Commons: Hannover-Linden – Bilder, Videos und Audiodateien

Quellen

  1. [* Alfred Gottwaldt: Hannover und seine Eisenbahnen, Seite 26, Alba, Düsseldorf 1992, ISBN 3-87094-345-9]
  2. Zur selben Wurzel wie „Lehm“, s. Uwe Ohainski, Jürgen Udolph: Die Ortsamen des Landkreises Hannover und der Stadt Hannover, Bielefeld 1998, S. 293
  3. Linden-Ein Arbeiterlied, Winfried Wallat, Wolfgang Jost
  4. * Alfred Gottwaldt: Hannover und seine Eisenbahnen, Seite 32, Alba, Düsseldorf 1992, ISBN 3-87094-345-9

Koordinaten: 52° 22' 8" N, 9° 42' 3" O