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Vogelfluglinie

Die Vogelfluglinie ist eine Verbindung für den internationalen Straßen- und Eisenbahnverkehr zwischen Deutschland und Dänemark.

Sie führt über den Fehmarnbelt, eine Meerenge der Ostsee zwischen der deutschen Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland. Die Vogelfluglinie wurde 1963 von König Friedrich IX. von Dänemark und dem Bundespräsidenten Heinrich Lübke eröffnet. Ihr Name bezieht sich auf die Flugroute der Kraniche und anderer arktischer Wasservögel zwischen Mitteleuropa und Skandinavien.

Inhaltsverzeichnis

Strecken

Die Vogelfluglinie bildet die kürzeste Eisenbahn- und Straßenverbindung (E 47) zwischen der Metropolregion Hamburg und der Öresundregion. Sie verkürzt den Weg zwischen Hamburg und Kopenhagen gegenüber der über den Großen Belt führenden Jütlandlinie um 160 km. Durch den Wechsel auf die Fähre und zurück geht dieser Vorteil aber zeitlich verloren: internationale Schnellzüge via Hamburg nach Kopenhagen treffen über die beiden unterschiedlichen Routen im Abstand weniger Minuten fast zeitgleich ein. Das Kernstück der Vogelfluglinie ist eine Fährverbindung zwischen den Häfen Puttgarden auf Fehmarn und Rødby auf Lolland. Gelegentlich wird auch nur dieser 19 km lange Abschnitt als Vogelfluglinie im engeren Sinne angesehen. Im weiteren Sinne versteht man unter der Vogelfluglinie den gesamten Verkehrsweg zwischen Hamburg und Kopenhagen.

Anlass für die Eröffnung der Vogelfluglinie am 14. Mai 1963 war die Fertigstellung der Fehmarnsundbrücke, einer 963,4 m langen Bogenbrücke aus Stahl. Sie überspannt den Fehmarnsund, der die Insel Fehmarn vom Festland der ostholsteinischen Halbinsel Wagrien trennt.

Geschichte

Die Planung der Vogelfluglinie reicht in die 1920er Jahre zurück, als die Deutsche Reichsbahn (DRG) und die Danske Statsbaner (DSB) die Idee des Ingenieurs Gustav Kröhnke (1826-1904) aufgriffen, eine Eisenbahnfährverbindung über den Fehmarnbelt zwischen Puttgarden und Rødby einzurichten. Auch eine Brücke über den Fehmarnsund wurde erstmals 1921 geplant.

Auf der deutschen Seite gab es zu dieser Zeit bereits die Strecken von Lübeck nach Hamburg der Lübeck-Büchener Eisenbahn (LBE) und von Neustadt (Holstein) nach Heiligenhafen der Kreis Oldenburger Eisenbahn (KOE), der auch eine Kleinbahn mit Fähre nach Fehmarn gehörte.

Als Vorleistung für die spätere Vogelfluglinie eröffnete die DRG 1928 eine Eisenbahnstrecke von Neustadt nach Bad Schwartau, die dort an die Strecke der Eutin-Lübecker Eisenbahn (ELE) anschloss und eine Direktverbindung von Lübeck nach Neustadt ermöglichte.

Karte von Vogelfluglinie (schwarz) und KOE (rot)

Die Eisenbahnverbindung von Hamburg nach Fehmarn führte also über die Strecken von vier Bahngesellschaften und wechselte zweimal, in Neustadt und Lütjenbrode, die Richtung.

Die ersten baureifen Pläne für die Vogelfluglinie entstanden 1940 durch Heinrich Bartmann. Eine entsprechende Gesetzesinitiative passierte den dänischen Reichstag am 3. Januar 1941, dem ein Regierungsabkommen zwischen dem Deutschen Reich und dem Königreich Dänemark am 8. April 1941 folgte. Nachdem die LBE bereits am 1. Januar 1938 von der DRG übernommen worden war, wurden mit der ELE am 1. Januar 1941 und der KOE am 1. August auch die übrigen Eisenbahngesellschaften auf der deutschen Seite verstaatlicht.

Im September des selben Jahres begannen sowohl in Deutschland als auch in Dänemark die Bauarbeiten. Sie wurden 1943 bedingt durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen.

Mit dem Bau der Verbindung von Großenbrode nach Puttgarden im Norden Fehmarns wurde erst 1958 begonnen. Am 14. Mai 1963 wurde in Anwesenheit des Bundespräsidenten Heinrich Lübke und des dänischen Königs Frederik IX. mit der Fehmarnsundbrücke und der Fährverbindung über den Fehmarnbelt die Vogelfluglinie in ihrer heutigen Form eröffnet. Anlässlich der Eröffnung gab die Deutsche Bundespost sogar eine heute gesuchte Sonderbriefmarke heraus. Die parallel verkehrende Eisenbahnfähre von Großenbrode Fähre über den Fehmarnsund bis zum gleichnamigen Ort Fehmarnsund auf der Insel Fehmarn wurde aufgegeben.

Über die Vogelfluglinie verkehrten seither viele bedeutende Fernverkehrszüge wie beispielsweise der Nord-Express und der Italia-Express Rom–Kopenhagen. Hinzu kam ein reger Güterzugverkehr. So wurden beispielsweise 1994 190.757 Güterwagen trajektiert (laut Deutscher Bahn).

Mit der Vogelfluglinie wurde eine kürzestmögliche Verbindung von Westeuropa und Mitteleuropa/Deutschland nach Skandinavien geschaffen, die bis heute für den Straßenverkehr im Zuge der BAB 1/B 207 (Europastraße E 47) eine große Bedeutung hat. Nach dem Bau einer festen Große-Belt-Querung in Dänemark zwischen Fünen und Seeland (Fertigstellung 1997) fahren alle Güterzüge hingegen den rund 160 km langen Umweg, um die Fähre zu umgehen. Der mittlerweile im Vergleich zu früher stark reduzierte Eisenbahnverkehr zwischen Hamburg und Kopenhagen wird mit Intercity-Express-Zügen der DB sowie EuroCity-Zügen der Danske Statsbaner betrieben.

Im engeren Sinne wird die rund 18 km lange Fährverbindung der Scandlines, einem Zusammenschluss der DFO GmbH und der Fährreederei der DSB, über den Fehmarnbelt als Vogelfluglinie bezeichnet. Im Jahr 2003 beförderten die vier halbstündlich verkehrenden Doppelendfähren 6,4 Millionen Passagiere, 1,6 Millionen Pkw und 278.000 Lkw zwischen Deutschland und Dänemark.

Ausblick

Geplant ist, bis 2018 eine feste Querung des Fehmarnbelts als Brücke zu errichten. Eine entsprechende Absichtserklärung haben die Verkehrsminister von Deutschland und Dänemark am 29. Juni 2007 unterzeichnet.[1]

Die Bahnstrecke Hamburg–Lübeck–Lübeck-Travemünde soll bis 2009 elektrifiziert werden. Der Streckenabschnitt von Lübeck bis Puttgarden soll bis zur Fertigstellung der Brücke ebenfalls elektrifiziert werden, ein zweigleisiger Ausbau jedoch erst sieben Jahre nach Fertigstellung der festen Querung erfolgen. Ebenso ist geplant, die BAB 1 bis zur Fertigstellung der Brücke auf der Trasse der derzeitigen B 207 bis Puttgarden zu verlängern.

Lokomotiven und Triebwagen

Die bekanntesten Lokomotiven der Vogelfluglinie waren die Diesellokomotiven der DB Baureihe V 200.1, die fabrikneu 1963 von zuständigen Bahnbetriebswerk Lübeck übernommen wurden. Sie galten neben den Fährschiffen und der Fehmarnsundbrücke jahrelang als Symbol modernen und schnellen Reisens und wurden so in der Werbung der Deutschen Bundesbahn und der Region dargestellt.

IC3 der Dänischen Staatsbahnen in Hamburg Hauptbahnhof

Ab 1978 wurde die Beförderung der Züge schrittweise durch in Doppeltraktion eingesetzte Lokomotiven der DB Baureihe 218 übernommen.

Die Deutsche Bahn AG setzte nach der Wende auch Diesellokomotiven der Baureihe 234 ein.

Dampflokomotiven verkehrten in den 1950er Jahren nach Großenbrode Kai. Sie fuhren im Plandienst Puttgarden mangels Drehscheibe oder anderer Wendemöglichkeiten im Bahnbetriebswerk Puttgarden und wohl auch aus Prestigegründen nicht an. Gelegentlich verkehren Dampfsonderzüge nach Puttgarden.

Die DSB setzte zuerst Lokomotiven der Baureihe MY ein. Die Zugleistungen übernahmen später Diesellokomotiven der Baureihe MZ.

Fernzüge werden heute mit Diesel-ICE der deutschen Baureihe 605 und dänischen IC3-Garnituren, Regionalzüge mit modernisierten Silberlingen mit 218-Bespannung oder der Baureihe 628 gefahren.

Jedes Jahr über das Himmelfahrtswochenende fährt eine alte Dampflokomotive, mit historischen Wagen, dreimal täglich die Strecke von Oldenburg nach Puttgarden und zurück.

Fährschiffe auf dem Fehmarnbelt

Die Fährschiffe Deutschland (Baujahr 1954), Theodor Heuss und Kong Frederik IX nahmen den Fährbetrieb 1963 mit insgesamt 18 Doppelfahrten auf. (Das veraltete Dampffährschiff Danmark verkehrte auf der Vogelfluglinie nicht mehr.) Da diese wegen des stetigen Anstiegs der Passagier- und Güteraufkommens nicht ausreichten, wurde die Flotte fortwährend erweitert und modernisiert. Die maximale Auslastung wurde in den 1990er Jahren jeweils während der Gültigkeit der Sommerfährpläne erreicht, als sechs Fährschiffe die Linie im 30-Minuten-Takt mit insgesamt 48 Doppelfahrten (also insgesamt 96 Beltquerungen) täglich bedienten. Die durchschnittliche Fahrzeit hat sich seit 1997 mit Einführung der neuen Fährschiffe auf rund 45 Minuten verkürzt. Bis dahin dauerte eine Überfahrt etwa eine Stunde. Die längere Fahrzeit war darauf zurückzuführen, dass die Schiffe auf einer Strecke jeweils nach dem Auslaufen und vor dem Einlaufen einmal drehen mussten. Die neuen Fährschiffe sind nach dem RoRo-Prinzip konstruiert, so dass sie in beiden Häfen ohne Drehen festmachen können.

Folgende Fährschiffe waren seit Aufnahme des Betriebes 1963 im Einsatz:

Deutsche Bundesbahn (DB) bzw. deren Rechtsnachfolger Deutsche Fährgesellschaft Ostsee (DFO) und Scandlines
Danske Statsbaner (DSB) bzw. deren Rechtsnachfolger Scandlines

Einzelnachweise

  1. Pressemitteilung BMVBS: Durchbruch für feste Fehmarnbeltquerung

Siehe auch

 Commons: Fehmarnsundbrücke – Bilder, Videos und Audiodateien

Literatur

Koordinaten: 54° 33' N, 11° 16' O