Moral
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Moral

Dieser Artikel beschreibt den Moralbegriff; für den deutschen Zahnmediziner Hans Moral siehe dort.

Der Ausdruck "Moral" geht über das französische moral auf das lateinische moralis (die Sitte betreffend; lat: mos Sitte) zurück, das im von Cicero neugeprägten Ausdruck philosophia moralis als Übersetzung von êthikê (Ethik) verwendet wird.[1]

Der Ausdruck Moral bezeichnet dabei das, was als richtiges Handeln angesehen wird, sei es von einem Individuum, einer Gruppe oder einer ganzen Kultur. Der Ausdruck kann deskriptiv und normativ verwendet werden.

Moral beschreibt, was Menschen faktisch für richtig halten, bzw. was sie gemäß ihrer Vorstellungen vom richtigen Handeln tun.

Der Begriff subsumiert aber auch die Forderungen und Erwartungen an andere, die erfüllt oder auch enttäuscht werden. Moral wird dabei oft als Fairness, Respekt gegenüber anderen, Rücksichtnahme, Achtung der Rechte anderer usw. verstanden. Jedoch können moralisch verbrämte Forderungen auch dazu dienen, ein abzulehnendes Verhalten möglichst ungestört fortführen zu können. Ein Beispiel hierfür ist das "Schulhofgesetz", dass tunlichst nicht bei den Lehrkräften "gepetzt" wird, was dazu führt, dass die ihre Mitschüler drangsalierenden Täter dank dieses Deckmantels weiterhin unbehelligt bleiben, da das Opfer ansonsten befürchten muss, sich bei einem "Verstoß" gegen diese ungeschriebene Regel in einem schlechten Licht wiederzufinden.

Der deskriptive Bedeutungsaspekt von "Moral" wird auch als Sittlichkeit bezeichnet. Diese kann in moralische Kritik geraten, wenn die realen Sitten eines Landes von einem nicht-konventionellen moralischen Standpunkt beurteilt werden.

Anstatt eine deskriptive und normative Verwendung von „Moral“ zu unterscheiden, kann „Moral“ als schlicht deskriptiv und gleichsinnig mit „Ethos“ verstanden werden. Darunter wären dann „regulierende Urteile und geregelte Verhaltensweisen“ zu verstehen - ohne dass über die rationale oder moraltheoretische Rechtfertigung derselben ein Urteil beansprucht wird. Letztere wird dann davon abgehoben als eine „Reflexionstheorie der Moral“, die dann als „Ethik“ bezeichnet wird.[2]

Inhaltsverzeichnis

Moral in den Wissenschaften

Moral ist Gegenstand diverser Wissenschaften.

Moral und Recht

Eine moralische soziale Praxis gilt vielen Rechtswissenschaftlern und Philosophen dabei als Voraussetzung einer Gesetzgebung bzw. deren Durchsetzung. Moralische Vorstellung (z.B.) das Tötungsverbot werden in Rechtsform gebracht, damit sie institutionell durchgesetzt und überwacht werden können. Das ist aber nicht bei allen moralischen Forderungen möglich. So soll Moral z.B. Probleme des Zusammenlebens lösen, die nicht justiziabel sind. Legales Handeln gilt als moralisch, rechtlich sanktionierte Straftaten sind unmoralisch. Verbrecher haben eine unmoralische Einstellung. Gesetze können aber auch selbst einer moralischen Beurteilung unterzogen werden. Der Bruch eines unmoralischen Gesetzes aufgrund einer entgegenstehenden moralischen Pflicht gilt nicht als unmoralisch.

Moral ist redundant für solche Rechtstheoretiker, die meinen, legales und moralisches Verhalten seien identisch, Recht daher nicht von einem moralischen Standpunkt kritisierbar.

Deskriptiver Moralbegriff der empirischen Wissenschaften

In deskriptiver Verwendung beschreibt „Moral“ eine Handlungsregelung, die für eine Gesellschaft, soziale Gruppe oder ein Individuum leitend ist[4] bzw. „die in einer konkreten Gemeinschaft eingelebten oder von einer Person internalisierten Verhaltensregeln“[5]. Dies wird je nach Theorieansatz unterschiedlich präzisiert, etwa als „Gesamtheit der sozial repräsentierten und im Persönlichkeitssystem der Individuen verankerten regelbezogenen Handlungsorientierungen und wechselseitigen Verhaltenserwartungen oder als eine näher bestimmte Teilklasse“ derselben[6]. Luhmann definiert, „rein empirisch gemeint“: „Eine Kommunikation nimmt moralische Qualität an, wenn und soweit sie menschliche Achtung oder Missachtung zum Ausdruck bringt“.[7] In diesem deskriptiven Sinne werden auch „moralisch“ oder „sittlich“ schlicht deskriptiv im Sinne von „zur Moral gehörig“, nicht normativ im Sinne von „moralisch gut“ gebraucht.[8] „Moral“ bezeichnet dann etwa „ein Unternehmen der Gesellschaft“ zur „Lenkung des einzelnen und kleinerer Gruppen“.[9] Derartigen deskriptiven Redeweisen entsprechen alltagssprachliche Formeln wie herrschende Moral“, „bürgerliche Moral“ oder „sozialistische Moral".

Normativer Moralbegriff der Ethik

In normativer Verwendung bezieht sich „Moral“ auf diejenige „moralisch gute“ Handlungsregelung, die (unter bestimmten Bedingungen) durch alle vernunftbegabten Personen akzeptiert würde.[10] Je nachdem, wie diese Bedingungen bestimmt werden, ergeben sich unterschiedliche moralphilosophische Theorien.

Umgangssprachliche Verwendung

In der Umgangssprache bedeutet „Moral“ auch:


Referenzen

  1. Cicero, De fato 1; Historisches Wörterbuch der Philosophie: Moral, moralisch, Moralphilosophie, Bd. 6, S. 149
  2. So beispielsweise Dietmar Mieth: Was wollen wir können? Ethik im Zeitalter der Biotechnik, Freiburg i.Br. 2002, 55 und in vielen anderen Publikationen
  3. So die Kurzcharakteristik von
  4. Gert 2005
  5. Werner 2005
  6. Bernard Gert: Die moralischen Regeln: Eine neue rationale Begründung der Moral. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1983/1966, 27 ff., hier zit. n. Werner 2005; ähnlich Martin Honecker: Einführung in die theologische Ethik, Berlin/New York 1990, 4: „die Gesamtheit akzeptierter und durch Tradition stabilisierter Verhaltensnormen einer Gesellschaft oder Gruppe“
  7. N. Luhmann: Ethik als Reflexionstheorie der Moral, in: Luhmann: Gesellschaftsstruktur und Semantik, Bd. 3, Frankfurt/M. 1993, 360ff
  8. Vgl. William K. Frankena: Analytische Ethik, München 1994, 22f
  9. Frankena, l.c.
  10. Gert 2005


Siehe auch

 Wikiquote: Moral – Zitate