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Konrad II. (HRR)

Konrad II. (Konrad der Ältere) (* um 990; † 4. Juni 1039 in Utrecht), war Kaiser des Heiligen Römischen Reiches von 1027 bis 1039, ab 1024 Deutscher König, ab 1026 König von Italien, ab 1033 König von Burgund. Er war der erste Kaiser aus dem Geschlecht der fränkischen Salier, wobei ihm selbst diese Bezeichnung mit Sicherheit nicht bekannt gewesen sein dürfte, da diese erst zum Ende der Dynastie aufkam.

Konrad setzte konsequent die Herrschaft seines Vorgängers Heinrich II. fort und baute die Machtstellung des Reiches weiter aus. Dabei stützte er sich wie dieser auf die Reichskirche, vermied es aber ebenso, in die Verhältnisse des Papstes einzugreifen. Trotz mehrerer Aufstände war seine Herrschaft niemals ernstlich gefährdet. Während Konrad die nördliche und östliche Grenze des Reiches teilweise nur durch Gebietsabtretungen sichern konnte, brachte er dem Reich durch den Erwerb des Königreichs Burgund einen enormen Gebietszuwachs.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Herkunft und Jugend

Konrad war der Sohn von Heinrich von Speyer bzw. Worms und der Gräfin Adelheid von Metz bzw. Egisheim. Bis zu seiner Wahl als König war Konrad wenig einflussreich, obgleich er der Enkel des im Jahre 1004 verstorbenen Herzogs Otto von Kärnten war, eines Enkels Kaiser Ottos I. Trotzdem besaß er nur einen geringen Teil der Ländereien der Familie und hatte nicht einmal den Titel eines Herzogs, ob zumindest Graf ist zweifelhaft. Dies lag unter anderem daran, dass sein Vater Heinrich vor seinem Großvater Otto von Kärnten in den 990er Jahren gestorben war und deshalb das Erbe Ottos zum größten Teil an seinen Onkel Konrad, den jüngeren Bruder seines Vaters und späteren Herzog von Kärnten, den Vater seines Vetters und Konkurrenten bei der Thronwahl 1024, Konrad d. Jüngeren, fiel.

Kurz nach seinem Amtsantritt im Jahre 1000 nahm sich der neue Wormser Bischof Burchard des jungen Konrad an und bildete ihn aus. Dies ist daher bemerkenswert, da in Worms Konrads Vorfahren residierten und die Stadtherrschaft über Worms besaßen, die sich auf eine stark befestigte Burg stützte, die dem Bischof als Zufluchtsort von Dieben und Strolchen galt. Nur ein einziger habe sich, so berichtet die Vita Burchardi, von den anderen seines Geschlechtes unterschieden

weil er friedfertig war und ein unschuldiges Leben liebte[1]

den die väterliche Sippe ausgespieen habe. Burchard habe ihn danach wie einen Adoptivsohn aufgenommen und Gottesfurcht und Liebe zu Gott gelehrt. Trotz des gespannten Verhältnisses zwischen dem Kärntner Herzog und dem Bischof kann aber davon ausgegangen werden, dass Konrad durch Otto in die Obhut des Bischofs gegeben wurde. Es war zu dieser Zeit allgemein üblich, dass die Söhne und Töchter des Adels durch Domschulen und Bischofskirchen erzogen wurden. Unter der Obhut des Bischofs wurde Konrad hauptsächlich weltlich erzogen. Dazu gehörten Sport, Jagd, Waffenübungen und der Umgang mit Gleichgestellten und Untergebenen sowie Verwaltungsaufgaben und Rechtspflege.

Inwiefern Konrad trotz dieser Ausbildung sein ganzes Leben lang ungebildet blieb, wenn auch wohl kein Analphabet, und das Latein seiner eigenen Diplome nicht verstand, wie von Wipo angedeutet wird, ist zumindest fraglich. Der Historiker Werner Trillmich bezeichnet dies sogar als Märchen[2]

Ehe mit Gisela von Schwaben

Ende des Jahres 1016 oder Anfang 1017 heiratete Konrad die bereits zweimal verwitwete Tochter des Herzog Hermann II. von Schwaben, die Konradinerin Gisela von Schwaben. Gisela war damit die zukünftige Erbin des Herzogtums Schwabens und besaß auch einen wohl ernst zu nehmenden Anspruch auf das Königreich Burgund. Angeblich hatte Konrad Gisela zur Heirat entführt. Eine Entführung Giselas vor der Heirat ist zwar nicht unmöglich, wird von Historikern aber als sehr unwahrscheinlich angesehen, da es dafür nur sehr wenige und unzuverlässige Quellen gibt. Diese Ehe galt als unkanonisch, da Gisela die Tante von Konrad war. So berichtet Thietmar von Merseburg[3] über die Ehe und ihre Unrechtmäßigkeit auf Grund zu großer verwandtschaftlicher Nähe, erwähnt eine eventuelle Entführung aber nicht.

Historiker vermuten für diese Verbindung, dass Gisela damit ihre Rechtsansprüche auf das Herzogtum und das Königreich am ehesten wahren konnte. Sie war zum Zeitpunkt der Heirat, wie Konrad, 26 oder 27 Jahre alt und hatte bereits drei Söhne und eventuell eine Tochter geboren. Bereits im ersten Ehejahr wurde der gemeinsame Sohn Heinrich, der vierte und letzte Sohn Giselas, am 28. Oktober 1017 geboren. Dieser Sohn wurde als Heinrich III. der Nachfolger seines Vaters als Kaiser des Reiches. Die zwei jüngeren Schwestern Heinrichs Beatrix und Mathilde starben im Alter von 16 bzw. 9 Jahren - Beatrix unverheiratet und kinderlos am 26. September 1036, Mathilde 1034 als Ehefrau des französischen Königs Heinrich I. König von Frankreich, natürlich ebenfalls kinderlos.

Zwischen 1017 und 1019 war Konrad zweimal in Auseinandersetzungen zwischen seinen Verwandten und Anhängern des damaligen Kaisers Heinrich II. verwickelt. Genauere Ursachen für diese Auseinandersetzungen sind nicht bekannt. Dabei wurde Konrad im Jahre 1017 verwundet. Konrads Biograf Wipo betonte seine ständige Bereitschaft, sich für die Sache seiner Verwandten und Freunde einzusetzen, was als große Tugend eines Kriegers galt.

Daraufhin verlor Konrad die kaiserliche Huld und wurde wahrscheinlich verbannt. Wenn, dann war dies jedoch nur von kurzer Dauer, da bereits ein dreiviertel Jahr später Konrad im April oder Mai 1020 als Zeuge des Paktums Heinrichs II. mit der römischen Kirche erscheint.

Wahl zum König

Als Heinrich II. am 13. Juli 1024 in Grona bei Göttingen starb, gab es keinen Thronfolger des letzten Herrschers der Ottonen. Wer von allen mehr oder minder Berechtigten Ansprüche auf den Thron erhob, wird von keiner Quelle erwähnt. Es ist nur bekannt, dass Konrad, genannt der Ältere, und sein jüngerer Vetter Konrad sich letztendlich zur Wahl stellten.

Während der Zeit der Thronvakanz führte Heinrichs Witwe Kunigunde unangefochten mit Hilfe ihrer Brüder Dietrich II., Bischof von Metz, und des bayerischen Herzogs Heinrich V. die Reichsgeschäfte. Ebenso behielt sie die Reichskleinodien in ihrer Gewalt, um diese dem Gewählten zu übergeben und diesen damit als König zu legitimieren.

Konrad stand mit seinem kriegerischen Einsatz für seine Verwandten im Kontrast zu seinem Vorgänger Heinrich II., der den Klerus bevorzugte, seine Machtansprüche auch gegen Verwandte seiner Gattin durchsetzte, und allgemein als fromm und von der Sakralität seines Amtes beseelt galt. Konrad hingegen verkörperte wohl eher die Mentalität des weltlichen Adels. Weshalb Konrad sich trotz seiner geringen Macht und seines geringen Einflusses durchsetzen konnte, ist nicht genau bekannt. In Frage kommen wohl geblütsrechtliche Vorstellungen, Konrad wurde immerhin mit dem Geschlecht der Karolinger in Verbindung gebracht, aber auch sein Einsatz für die Rechte und Ansprüche seiner Verwandten und Freunde könnten einen Einfluss ausgeübt haben. Dass er zudem eine ehrgeizige Gattin, die Erbin eines Herzogtums und eines Königreichs war, und einen siebenjährigen Thronfolger besaß, dürfte der von vielen Fürsten gewünschten Kontinuität auf dem Königsthron zugute gekommen sein.

Eine Designation durch Heinrich II. findet sich zwar bei einigen Chronisten, jedoch stehen diese den Ereignissen räumlich und zeitlich fern und werden von den zeitgenössischen Quellen nicht bestätigt.

Die beste Darstellung der Wahl überliefert die Chronik von Wipo, jedoch hat dieser teilweise seine eigenen Vorstellungen in die Darstellung einfließen lassen. So lässt er beispielsweise die sächsischen Adeligen mit ihren slawischen Nachbarn bei der Wahl anwesend sein, obwohl diese wohl nicht teilnahmen. Zudem gesteht er den, ebenfalls nicht angereisten, italienischen Fürsten das Wahlrecht zu, was wohl eher für seine Vorstellungen über die Einheit des Reiches spricht, denn mit den damaligen Gegebenheiten einer Königswahl im Reich zu tun hat.

Nach der zweimonatigen Vakanz fand die Wahl des neuen Königs am 4. September in Kamba, einem mittlerweile untergegangenen Ort gegenüber Oppenheim auf der weiten Rheinebene zwischen Worms und Mainz statt. Von den Vorgängen und Beratungen während der Wahlversammlung sind nur wenige Quellen erhalten, die den Prozess der Entscheidung nicht erkennen lassen. Die Entscheidung für den älteren Konrad dürfte aber schon im Vorfeld gefallen sein.

Der Erzbischof von Mainz Aribo amtierte als Wahlleiter, machte sich für Konrad stark und gab als erster seine Stimme für Konrad ab. Da der andere Kandidat für den Königsthron, Konrad der Jüngere, verzichtete und auch als erster der weltlichen Fürsten für den älteren Konrad stimmte, wurde Konrad daraufhin einhellig gewählt. Die lothringische Verwandtschaft von Konrad dem Jüngeren und der Kölner Bischof hatten nach dem Rückzug des jüngeren Konrads nicht an der Wahl teilgenommen und reisten ohne Abschied ab. Die Wahl wurde durch die Übergabe der Reichskleinodien durch die Kaiserwitwe Kunigunde bestätigt.

Wenige Tage später, am 8. September 1024, wurde Konrad im Mainzer Dom durch Aribo gesalbt und zum König gekrönt. Da Aribo aus nicht mehr sicher erkennbaren Gründen Konrads Gattin die Krönung verweigerte, büßte er daraufhin das Mainzer Krönungsrecht ein. Warum dies geschah, ist umso unverständlicher, da Aribo seinen Kandidaten durchgesetzt hatte und er vom neuen König wahrscheinlich direkt nach der Wahl zum Erzkanzler für Italien ernannt wurde. Damit unterstand, neben der für die nördlichen Reichsteile, auch die italienische Abteilung der Kanzlei dem Mainzer Erzbischof.

Auf jeden Fall nutzte der unterlegene Rivale Aribos, der Kölner Erzbischof Pilgrim, die Chance das ihm bereits vom Papst verliehene Krönungsrecht auszuüben und endgültig für sich zu beanspruchen und krönte Gisela 13 Tage später am 21. September 1024 in Köln zu Beginn des sich anschließenden Königsumrittes.

Herrschaftsantritt und Königsumritt

Nach seiner Wahl wurde ein Königsumritt notwendig, da nicht alle Reichsteile, wie Sachsen und Lothringer, aber auch der Kölner Erzbischof dem neuen König nach seiner Wahl gehuldigt hatten. Dies entweder, weil die Fürsten nicht anreisten oder aber vor der Wahl abreisten, da ihr Kandidat nicht die erhoffte Zustimmung fand. Auf diesem Umritt sollten mit Hilfe von Verhandlungen, Versprechungen, Privilegien und notfalls auch mit Waffengewalt die noch abseits stehenden Fürsten zu einer Huldigung bewegt werden, bevor sich eine starke Opposition bildete.

Krönung Giselas und Huldigung der Lothringer

Bereits wenige Tage nach seiner Krönung am 11. September brach Konrad deshalb zu seinem Königsumritt auf, nachdem erste Regierungsgeschäfte getätigt waren und die Organisation des Umrittes abgeschlossen war. Nach der bereits erwähnten Krönung von Gisela in Köln am 21. September reiste Konrad bereits am nächsten Tag weiter nach Aachen. Bis zum Eintreffen in Köln sind keine Quellen erhalten, es kann jedoch angenommen werden, dass in dieser Zeit intensive Verhandlungen geführt wurden, da sich die lothringische Opposition faktisch auflöste. Dies geschah, obwohl der niederlothringische Herzog Gozelo und der oberlothringische Herzog Dietrich ihre Anhängerschaft verpflichtet hatten, ohne ihre Zustimmung dem neuen König nicht zu huldigen. Zu Huldigungen durch die lothringischen Adeligen kam es dennoch noch nicht. Dies sollte erst an Weihnachten des kommenden Jahres geschehen. Zuvor hatte Konrad auf dem Thron Karl des Großen Platz genommen und sich damit bewusst in die karolingische Tradition gestellt. Wipo berichtete, dass er auf Grund seiner Anordnungen und seiner Tüchtigkeit sehr schnell auch direkt mit dem großen Kaiser verglichen wurde, woraus das Sprichwort „An Konrads Sattel hängen Karls (Steig)Bügel“ entstanden sei.[4]

Verhandlungen und Huldigung der Sachsen

Über Lüttich und Nimwegen reiste Konrad Anfang November weiter nach Sachsen. Bis dahin wurden von Lothringen aus Verhandlungen mit den Großen Sachsens geführt, um die Bedingungen für deren Anerkennung der Wahl und anschließende Huldigung zu ermitteln. Über Vreden reiste der König nach Dortmund, wo er Anfang Dezember eintraf und in dessen Pfalz einen gut besuchten Hoftag abhielt. Weihnachten wurde in Minden gefeiert und auf einem Landtag, an dem nordsächsische und ostsächsische Bischöfe sowie der sächsische Herzog Bernhard und weitere Adlige teilnahmen, verpflichtete sich Konrad zur Wahrung des überlieferten Stammesrechtes und konnte daraufhin die Huldigung entgegennehmen.

Die weiteren Stationen des Umrittes waren Paderborn (um Neujahr), Hildesheim (Anfang Januar 1025), Hildesheim (Mitte Januar), Goslar, wo ein Königsgericht tagte, Gandersheim, erneut Goslar, Halberstadt und Quedlinburg. Ende Januar 1025 erreichte Konrad die Elbe und nahm am 2. Februar in Magdeburg weitere Huldigungen entgegen. Am 8. Februar weilte der Hof in Merseburg und am 2. März ist ein Aufenthalt in der Pfalz Wallhausen nachweisbar.

Beziehungen zu Polen

Etwa einen Monat hielt sich Konrad in der Nähe der Grenzgebiete zu Polen auf. Den mit Heinrich II. geschlossenen Frieden von Bautzen hatte der polnische Herzog Bolesław I. bis zum Tode Heinrichs eingehalten. Jedoch ließ sich Bolesław Ende 1024 oder Anfang 1025 zum König von Polen krönen. Durch diese Erhöhung aus dem Rang eines Herzogs zum König zeigte Bolesław, dass er den römisch-deutschen König nicht mehr als Lehnsherrn anerkannte und de facto den Frieden von Bautzen auflöste.

Da der neue polnische König jedoch schon sehr alt war und bereits im Juni 1025 verstarb, unternahm Konrad keine Schritte gegen ihn, da zu erwarten war, dass sich nach seinem Tod Spannungen, Aufstände und Kriege ereignen würden. Zudem musste er bedacht vorgehen, da er noch nicht überall im Reich anerkannt war. Um seine Kräfte nicht zu zersplittern, setzte er sich dafür ein, den Frieden an der slawischen Grenze nicht zu gefährden. Wohl auch deshalb wird er die Huldigung der heidnischen Liutizen, die sein Vorgänger als Bündnispartner gewinnen konnte, entgegengenommen haben.

Umritt durch Franken, Bayern und Schwaben

Nach einer Zwischenstation in Grone, wo versucht wurde, einen Streit um das Damenstift Gandersheim zu schlichten, war das nächste Ziel Ostfranken. Hier begleiteten Konrad die dortigen Bischöfe, die längst gehuldigt hatten, auf seinem Weg durch das Fuldatal zum Kloster Fulda. Anschließend ist ein Aufenthalt Konrads vom 18. bis zum 23. April über Ostern in Augsburg nachweisbar, wo ihm die schwäbischen Fürsten und Geistlichen ebenfalls huldigten.

In Richtung Osten reiste Konrad weiter nach Bayern und nahm in Regensburg die Huldigungen der bayrischen Adligen entgegen. Der Aufenthalt in Bayern hat wohl nur wenige Tage gedauert. Über das königliche Gut Beratzhausen und Bamberg ging es weiter an den Bodensee, wo in der Pfalz in Konstanz am 6. Juni Pfingsten gefeiert wurde. Auf diesem Landtag war auch der Mailänder Erzbischof Aribert sowie eine Abordnung der Bürger Paduas anwesend. Der Erzbischof huldigte dem König und versprach Konrad zum italienischen König zu krönen:

sobald er mit seinem Heere komme, um Italien in Besitz zu nehmen.[5]

Die Abordnung Pavias versuchte Konrads Gunst zu gewinnen, da, wie später ausführlich dargelegt, in dieser Stadt nach dem Tod Heinrichs II. Unruhen ausbrachen.

Während all dieser Wochen war die königliche Kanzlei stark mit dem Aufsetzen von Urkunden beschäftigt, die zuvor ausgehandelte Rechtsgeschäfte bestätigten.

Mitte Juni ging es über Zürich und Basel, wo schwere Unruhen befriedet werden konnten, rheinabwärts nach Straßburg und Rheinfranken. Hier endete der Umritt Mitte Juli.

Konrad wird Rex Langobardorum und erlangt die Kaiserwürde

Im Gegensatz zum Regnum nördlich der Alpen gab es in Reichsitalien nach dem Tode Heinrichs verschiedenen Aufruhr und den Versuch italienischer Adliger das langobardische Königreich aus dem Reich zu lösen.

Unruhen in Pavia

Direkt nach Bekanntwerden des Todes Heinrichs erhoben sich die Bürger Pavias und zerstörten die in der Stadt gelegene unverteidigte kaiserliche Pfalz, die seit der Zeit des Ostgotenkönigs Theoderichs des Großen dort als Zeichen königlicher Macht gestanden hatte. Diese Pfalz war die bedeutendste Feste des Kaisers in dieser Region sowie Gerichtsort, Arsenal für Waffen, Vorräte und Steuereinkünfte. Etwa im August 1024 gingen alle Gebäude der unverteidigten Burg in Flammen auf und wurden dem Erdboden gleich gemacht. Dieses Vorgehen der städtischen Bevölkerung gegen eine kaiserliche Einrichtung löste erhebliches Aufsehen aus.

Die Stadt hatte sich durch die Schifffahrt auf dem Po zu einem bedeutenden Handelsstützpunkt und Markt entwickelt, von dem aus Handelslinien nach Burgund und Frankreich führten. Die politisch und juristisch gebildete Oberschicht der Kaufleute, denen sich Angehörige des niederen Adels angeschlossen hatten, erstrebten hauptsächlich aus handelspolitischen Erwägungen eine weitgehende Autonomie gegenüber den Grundherren. Deshalb empfand die Kommune das bloße Vorhandensein der kaiserlichen Burg innerhalb der Stadtmauern als unerträglich. Die Bürgerschaft wäre wohl aber in ähnlicher Weise gegen Gebäude jedes Herrschers vorgegangen.

Auf dem bereits erwähnten Landtag in Konstanz brachten die Abgesandten aus Pavia dem König wertvolle Geschenke und versuchten sich damit zu rechtfertigen, dass nach dem Tod Kaiser Heinrichs, dem sie immer die Treue gehalten hätten, doch die Königsgewalt erloschen gewesen wäre. Konrad ließ diese Ausflüchte nicht zu und antwortete ihnen mit der berühmt gewordenen Schiffsmetapher:

Ich weiß, dass ihr nicht eures Königs Haus zerstört habt, denn damals hattet ihr ja keinen. Aber ihr könnt nicht leugnen, dass ihr einen Königspalast zerstört habt. Ist der König tot, so bleibt doch das Reich bestehen, ebenso wie ein Schiff bleibt, dessen Steuermann gefallen ist.[6]

Weiter argumentierte Konrad, dass damit nicht Eigentum des Königs, sondern staatliches Eigentum zerstört wurde, und dementsprechend sei der neue König berechtigt, diese Tat zu bestrafen.

Aufstände in Italien und Schwaben

Während Konrads Umritt im nördlichen Reichsteil gab es den Versuch einiger oberitalienischer Fürsten, Wilhelm III.(V.), den Herzog von Aquitanien, zum König von Italien zu krönen.

Anfang des Jahres 1026 ging Konrad nach Mailand, wo ihn der Erzbischof Aribert im März wahrscheinlich zum König von Italien krönte. Nachdem er die Opposition einiger Städte überwunden hatte, erreichte er Rom, wo er und seine Ehefrau zu Ostern, am 26. März 1027, von Papst Johannes XIX. zu Kaiser und Kaiserin gekrönt wurden. Während dieser Zeit starb auch Heinrich V. von Bayern und Konrad wurde als Konrad I. von Bayern für ein Jahr Herzog dieses Landes, bevor er diese Herzogswürde an seinen Sohn Heinrich, der dann als Heinrich VI. von Bayern regierte, weitergab. 1038 wurde Heinrich auch noch Herzog v. Schwaben, womit der Kaiser fast alle deutschen Herzogtümer (bis auf Sachsen und Lothringen) durch seinen Sohn unter seine Herrschaft gebracht hatte.

Konrad gab neue Konstitutionen für die Lombardei heraus und bestätigte die populären legalen Traditionen Sachsens. Im Jahre 1028 ließ er seinen Sohn Heinrich III. in Aachen zum deutschen König weihen. Heinrich heiratete 1036 Kunigunde (auch Gunhilda), die Tochter des Königs Knuts des Großen von England, Dänemark, Schottland und Norwegen. Dieses Heiratsabkommen war schon zehn Jahre zuvor zustande gekommen, als Konrad Knut Teile von Norddeutschland zur Administration gab. Das Gebiet zwischen Eider und Schlei fiel wieder an Dänemark. Sein Sohn Heinrich wurde der oberste Berater seines Vaters.

Sein Stiefsohn, Herzog Ernst II. (Schwaben) v. Schwaben, begann einen Aufstand gegen ihn, da er sich bevormundet fühlte und seine Erbansprüche auf das Königreich Burgund bedroht sah. 1030 endete dieser Kampf mit dem Tod des Herzogs gegen den Bischof v. Konstanz.

Krieg gegen Polen

Konrad musste im Jahre 1028 gegen Polen antreten und zwang dessen Herzog Mieszko II. (Sohn Bolesławs I.), Frieden zu schließen und das Land, das Mieszkos Vater Bolesław I. erobert hatte, wieder herauszugeben. Nach dem Tode Kaiser Heinrichs II. hatte der herausfordernde und rebellische Herzog von Polen, Mieszko II. versucht, die Vasallenschaft abzustreifen, aber gab dann nach und schwor den Eid als Kaiser Konrads treuer Vasall. Er verzichtete damit auf den Titel eines Königs von Polen.

Erwerb des Königreichs Burgund

König Rudolf III. von Burgund starb am 2. Februar 1032 und vererbte aufgrund eines Vertrages, den er bereits mit Konrads Vorgänger Heinrich II. geschlossen hatte, sein Königreich dem römisch-deutschen Kaiser. Zunächst jedoch erhob sich Widerstand: Graf Odo II. von der Champagne, einer der mächtigsten nordfranzösischen Adligen und gleichzeitig ein Neffe Rudolfs, erhob Ansprüche auf den Thron. Konrad begann im Winter 1033 mit militärischen Aktionen, die jedoch kaum Erfolg hatten. Daraufhin ging Konrad ein Bündnis mit dem französischen König Heinrich I. ein, dem an einem Machtgewinn seines ehrgeizigen Vasallen Odo nicht gelegen war. 1034 fiel Konrad mit starken Kräften von Norden und Süden gleichzeitig in das Königreich Burgund ein. Odo musste weichen, und Konrad gewann rasch die Kontrolle über das Regnum. Dessen Fürsten huldigten Konrad II. in Genf, wo er am 1. August 1034 auch zum König von Burgund gekrönt wurde (zwar hatte er sich bereits am 2. Februar 1033 in Peterlingen (Payerne) krönen lassen, doch war erst mit dem Huldigungsakt in Genf der Erhebungsakt abgeschlossen). Im Herbst 1038 ließ er sich und seinen Sohn, der Nachfolger werden sollte, auf dem Hoftag zu Solothurn huldigen und Heinrich den III. zum König von Burgund krönen. Damit war das Imperium zu einer Trias geworden, bestehend aus den Regna Deutschland, Italien und Burgund. Der Erwerb Burgunds sicherte gleichzeitig die wichtigen westlichen Alpenrouten nach Italien und war somit auch von militärischer Bedeutung, wobei der König freilich nur mit unterschiedlicher Intensität die Reichsgewalt ausüben konnte: In der Provence beispielsweise war dies kaum möglich, anders hingegen im Norden des Königreichs Burgunds, welches sich von der heutigen Freigrafschaft Burgund und der Westschweiz über das Rhonetal bis zur Provence erstreckte. Das Herzogtum Burgund, die heutige Bourgogne, gehörte bereits zuvor, seit 843, zum westfränkischen Reich.

Befriedung der Lombardei

Konrad hielt die Rechte der Ritter und Bürger der Städte Italiens gegen dessen Fürsten und Erzbischof Aribert von Mailand aufrecht. Die Fürsten ("Kapitani") und der Bischof hatten konspiriert, um den Bürgern ihre Rechte abzunehmen. Dazu kam eine nationale Opposition der Italiener gegen die deutsche Herrschaft, die Konrad dadurch noch vergrößerte, dass er häufig Deutsche auf italienische Bischofssitze hob und mit dem Ziel Italien und Deutschland zusammenwachsen zu lassen, Heiraten zwischen Italienern und Deutschen vermittelte. Erzbischof Aribert trat nun als Feind der Deutschen auf und versuchte die gesamte Lombardei unter seine Führung zu bringen. Die von ihm und den "Kapitani" unterdrückten Valvassoren schlossen sich jedoch mit der Forderung nach Erblichkeit ihrer Lehen zusammen und schlugen den Erzbischof auf dem Campo mallo. Jetzt erschien Konrad II. bei seinem "2. Römerzug" in der Lombardei und veranstaltete einen Hof- und Gerichtstag in Pavia. Viele Beschwerden wurden dem Kaiser hier gegen den Erzbischof vorgetragen, und Konrad verlangte von Aribert die Herausgabe seiner Güter. Doch Aribert weigerte sich und wurde daraufhin verhaftet. Dies war ein Akt, der die Lage plötzlich veränderte. Schlagartig bäumte sich das italienische Nationalgefühl gegen die deutsche Herrschaft auf. Als Aribert dann auch noch der Haft entkam, deuteten die Italiener dies als "Göttliches Wunder". Der Erzbischof wurde in Mailand jubelnd empfangen und als Märtyrer gefeiert. Dies brachte den Kaiser in arge Bedrängnis, doch anstatt militärisch gegen die Lombardei vorzugehen, wie es wohl die meisten mittelalterlichen Herrscher getan hätten, versuchte er, die bisherigen Gegner durch das Erlassen seines berühmten Lehnsgesetzes, der Constitutio de feudis, wieder zu trennen. Durch dieses Gesetz verfügte er, dass ab sofort "kein Vasall sein Lehn verlieren solle außer nach einem ordentlichen Urteilsspruch seiner Standesgenossen." Zweitens sollten sowohl große als auch kleine Lehen erblich sein. So gelang es ihm, den Widerstand in der Lombardei aufzuheben. Nur in Mailand konnte Erzbischof Aribert weiterhin auf Unterstützung der Bürger setzen und schaffte es, sich dort zu verschanzen. So gelang es Konrad zwar nicht, Aribert völlig auszuschalten, doch konnte er ihn unschädlich machen und die Ordnung in der Lombardei wiederherstellen.

Dies schien ihm zunächst zu reichen, denn ohne den Streit mit Mailand beendet zu haben, zog er mit seinem Heer weiter nach Unteritalien, welches von den Normannen regiert wurde. Hier schlug er Herzog Pandulf IV. von Capua, der für seine Brutalität bekannt war und ähnlich wie Erzbischof Aribert in Mailand die Bürger und Vasallen gewaltsam unterdrückte. Mit Capua belehnte der nach Gerechtigkeit strebende Kaiser den Fürsten Waimar von Salerno und gestattete ihm, Aversa dem Normannen Rainulf als Lehen zu geben. Auf diese Weise nahm der tatkräftige Konrad also auch Unteritalien indirekt ins Reich auf.

Auf dem Rückweg nach Deutschland brach eine Epidemie unter den Truppen aus. Konrads Schwiegertochter und Stiefsohn, Herzog Hermann von Schwaben, starben. Konrad selbst kam heil zurück und hielt noch weitere wichtige Tagungen in Solothurn, Straßburg und Goslar. Sein Sohn Heinrich wurde mit dem Königreich Burgund investiert und erhielt das Herzogtum Schwaben.

Tod

Am 4. Juni 1039 verstarb Konrad in Utrecht an den Folgen eines Gichtanfalls, der ihn bereits auf den Pfingstfeierlichkeiten einen Tag vorher an der Festtafel ereilte. Seine Eingeweide wurden in Utrecht beigesetzt, sein restlicher Leichnam aber in einem prächtigen Trauerkondukt über Köln, Mainz und Worms nach Speyer übergeführt. In Speyer wurde dieser im noch unvollendeten Mariendom beigesetzt.

In allen Kirchen, in denen der Trauerzug Station machte, wurde die Bahre Konrads durch seinen Sohn und Nachfolger Heinrich III. mitgetragen und damit wurden, wie Wipo bemerkt

nicht nur alle Pflichten echter Kindesliebe, sondern auch die fromme Ehrfurcht des Dieners gegenüber dem Herrn

erfüllt.

Politik Konrads

Konrad II. hat sowohl im Inneren wie auch im Äußeren große Erfolge verzeichnen können. Er gewann die unter Otto III. verlorene Machtstellung des Reiches im Osten und die Gebiete zwischen Elbe und Oder zurück. Mit dem Erwerb Burgunds vergrößerte er das Reichsgebiet im Süd-Westen erheblich, während er den Abfall der Lombardei verhinderte und den inneren Frieden sicherte. Durch seine Verbindung mit dem niederen Adel war er an der Gründung des Mittelstandes beteiligt. Konrad war eine sehr nüchterne Persönlichkeit, die wenig abergläubisch war und, wie die Kirche besorgt feststellte, "im Glauben nicht sonderlich fest", allerdings war er, wie der Heidelberger Professor Georg Weber bemerkte, der vermutlich politisch klügste und weitblickendste Kaiser des Mittelalters.

Konrad schloss sich in seiner Herrschaft eng an die Ordnung an, die unter Heinrich II. bestanden hatte. Nur eine wichtige Änderung, zwar nicht in der Ordnung des Reiches, aber im Personalbestand, wurde von ihm am Anfang vorgenommen. Er übertrug dem Mainzer Erzbischof Aribo die Erzkanzlerschaft über Italien, die zuvor von Heinrich II. an den Bamberger Bischof übertragen worden war, wohl weil er diesem für seine Königswahl zu Dank verpflichtet war. Diese Ernennung wird wohl kurz nach seiner Wahl erfolgt sein, auch wenn diese erst etwa ein Jahr später nachweisbar ist.

Kirchenpolitik

Kirchenpolitisch trat Konrad in die Tradition seines Vorgängers Heinrich II. ein, der die Kirche im Reich als Bestandteil seiner Herrschaft sah und dementsprechend über Ämter und Besitz der Kirche verfügte. So wurden beispielsweise Bischofswahlen reine Formsache. Der Wille des Herrschers war entscheidend. Außerdem zog Heinrich die Kirche stärker zu materiellen Abgaben heran, weshalb sein Tod von der Kirche auch weniger betrauert wurde als von den Bürgern.

Konrad stand genauso wie Heinrich den Reformen in den Klöstern des Reiches positiv gegenüber, die einer Verweltlichung der Klöster entgegensteuern sollten.


Quellen

Literatur

Biographien

Allgemeine Darstellungen

Einzelnachweise

  1. Zitiert nach Herwig Wolfram, S. 39.
  2. Werner Trillmich, Kaiser Konrad II. und seine Zeit, Bonn 1991, S. 136.
  3. Thietmar, VII. 63.
  4. Wipo, c. 6.
  5. Wipo, c. 7.
  6. Wipo, c. 7.
Vorgänger Amt Nachfolger
Heinrich II. Römisch-deutscher Herrscher
1024-1039 (seit 1027 Kaiser)
Heinrich III.
(Heinrich VI. als Herzog von Bayern)
Heinrich V. Herzog von Bayern
1026-1027
Rudolf III. König von Burgund
1033-1039
Personendaten
Konrad II.
Kaiser des Heiligen Römischen Reiches 1027–1039
um 990
4. Juni 1039
Utrecht