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Rhein-Erft-Kreis

Der Rhein-Erft-Kreis ist ein Kreis im Westen von Nordrhein-Westfalen im Regierungsbezirk Köln. Von 1975 bis Ende Oktober 2003 hieß der Kreis Erftkreis. Die Kreisstadt des Rhein-Erft-Kreis ist Bergheim.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Kreisgliederung

(Einwohner am 31. Dezember 2006)

Städte

  1. Bedburg, Mittlere kreisangehörige Stadt (24.926)
  2. Bergheim, Große kreisangehörige Stadt (62.897)
  3. Brühl, Mittlere kreisangehörige Stadt (44.503)
  4. Erftstadt, Mittlere kreisangehörige Stadt (51.082)
  5. Frechen, Mittlere kreisangehörige Stadt (49.164)
  6. Hürth, Mittlere kreisangehörige Stadt (55.593)
  7. Kerpen, Große kreisangehörige Stadt (64.425)
  8. Pulheim, Mittlere kreisangehörige Stadt (53.645)
  9. Wesseling, Mittlere kreisangehörige Stadt (35.360)

Gemeinden

  1. Elsdorf (21.552)

Nachbarkreise/-städte

Der Rhein-Erft-Kreis grenzt im Norden an den Rhein-Kreis Neuss, im Osten an die kreisfreie Stadt Köln, im Süden an den Rhein-Sieg-Kreis sowie Kreis Euskirchen und im Westen an den Kreis Düren.

Naturraum

Der Kreis hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von 38 km und eine Ost-West-Ausdehnung von 28 km. Der höchste Punkt des Kreises befindet sich mit 207 m auf der Glessener Höhe in Bergheim. Der nördliche Stommelerbusch, an der Pulheimer Stadtgrenze gegen Dormagen und Köln, verzeichnet eine Höhenlage von nur 42 m . Somit befindet sich dort der niedrigste Punkt des Kreisgebiets.

Entstehung/Gebietsreform

Der Rhein-Erft-Kreis wurde im Rahmen der Kreisreform gemäß § 26 Köln-Gesetz zum 1. Januar 1975 unter der Bezeichnung Erftkreis aus den ehemaligen Kreisen Bergheim und Köln (außer den Köln zugeschlagenen Teilen) sowie der Stadt Erftstadt des Kreises Euskirchen neu gebildet. Es gab zunächst zwei Verwaltungssitze, nämlich Hürth und Bergheim. Seit dem 3. September 1993 sind diese zu einem einzigen Sitz in Bergheim zusammengefasst. 1976 kam zum Kreisgebiet noch die Stadt Wesseling hinzu, die aus der Stadt Köln wieder ausgegliedert werden musste.

Nachdem der Kreistag die Umbenennung des Kreises in Rhein-Erft-Kreis beschlossen hatte, genehmigte das Innenministerium von Nordrhein-Westfalen mit Wirkung vom 1. November 2003 den neuen Namen. Der Landrat nahm am 25. September 2003 die Urkunde zur Umbenennung entgegen. Der Kreis verspricht sich vom neuen Namen eine bessere internationale Vermarktung.

Wirtschaft

Der Rhein-Erft-Kreis ist geprägt von Bodenschätzen, im besonderen von der Braunkohle. Der Kreis liegt im Zentrum des Rheinischen Braunkohlereviers. Das Unternehmen RWE betreibt im Kreisgebiet (Bergheim-Niederaußem) das größte Braunkohlekraftwerk Europas. Auch die Landschaft der Region ist von den großen Tagebauen geprägt. Ganze Dörfer mussten den Baggern weichen. Doch auch wegen der verkehrstechnisch guten Lage siedelten sich viele Unternehmen im Kreis an. Sie nutzen die optimale Umlandstruktur sowie der Nähe zum Flughafen und dem Container-Bahnhof Köln-Eifeltor.

Verkehr

Schienenverkehr

Da der Kreis sich fast komplett um das linksrheinische Köln schließt, sind die Städte des Rhein-Erft-Kreises an die von Köln ausgehenden Eisenbahnstrecken angebunden:

Bergheim und Bedburg liegen an der Erftbahn, einer Verbindungsstrecke von Horrem nach Neuss über Grevenbroich. Dabei handelt es sich von Horrem bis Bedburg um eine Strecke der ehemaligen Bergheimer Kreisbahn, von Bedburg bis Neuss um die Staatsbahnstrecke Düren–Bedburg–Neuss. Der Abschnitt Bedburg–Elsdorf–Düren fiel dem Braunkohletagebau Hambach zum Opfer.

Die Städte Wesseling, Brühl, Hürth und Frechen sind zudem noch an das Kölner Stadtbahnnetz angeschlossen. Durch Wesseling führt die Rheinuferbahn der ehemaligen Köln-Bonner Eisenbahnen (KBE), heute Stadtbahnlinie 16. Durch Hürth und Brühl fährt die ehemalige Vorgebirgsbahn der KBE, heute Linie 18. Nach Frechen verläuft die Strecke der ehemaligen Köln-Frechen-Benzelrather Eisenbahn (KFBE), heute die Stadtbahnlinie 7.

Straßenverkehr

Ähnlich wie bei den Schienenstrecken wird auch hier der Rhein-Erft-Kreis von der Lage in der Peripherie des Verkehrsknotens Köln begünstigt.

Die A4, mit Blick von der Ville bei Frechen auf Köln

Die Städte sind an folgende Autobahnen und Bundesstraßen gut angeschlossen:

Der Kreis hat so genannte Baggerstraßen, diese ermöglichen es, mit den Großbaggern, von einem Tagebau zum anderen zu fahren. Sie sind meist nicht als "Straße" zu erkennen und werden in der Zeit, in der sie nicht befahren werden, stellenweise auch landwirtschaftlich genutzt.

Busverkehr

Die kreiseigene Rhein-Erft-Verkehrsgesellschaft (REVG) unterhält zahlreiche Regionalbuslinien. Die wichtigsten werden meist im Stundentakt bedient. Zusätzlich gibt es noch die KVB (Kölner Verkehrs-Betriebe) Linie 145, diese verbindet Frechen mit Köln-Bocklemünd über Köln-Weiden, Köln-Lövenich, Köln-Widdersdorf.

Darüber hinaus betreibt die REVG oder städtische Verkehrsbetriebe zahlreiche Buslinien mit lokaler Bedeutung. Eine Buslinie in Kerpen, Elsdorf und Bergheim wird von der Firma Tirtey betrieben. In den 1990er Jahren wurde das Angebot insbesondere in den Abendstunden nach 22 Uhr stark gekürzt (Bedienung nur noch aus Richtung Köln in den Kreis hinein) und durch städtische Anrufsammeltaxen ersetzt. Der Nachteil dieser Anrufsammeltaxen liegen darin, dass diese nur auf Bestellung fahren und selten ein Angebot über die jeweiligen Stadtgrenzen aufweisen können.

Bewaldung

Der Rhein-Erft-Kreis zählt mit nur circa 11 % Waldanteil und einem Pro-Kopf-Anteil von circa 177 m² zu den waldärmsten Kreisen im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Der Landesdurchschnitt der bewaldeten Fläche von NRW liegt bei circa 26 %. Mit der beschlossenen Erweiterung des Braunkohletagebaus Hambach fielen nochmals circa 1.300 Hektar Wald weg und der Waldanteil verringert sich damit weiter auf circa 8 %. Vor diesem Hintergrund wurde im Erftkreis ein beispielhaftes Waldvermehrungsprogramm initiiert. Innerhalb von 9 Pflanzperioden (93/94 - 01/02) wurden bisher ca. 150 ha neu aufgeforstet. Dies entspricht einer Neupflanzung von circa 750.000 heimischen Laubbäumen und Sträuchern. Die Städte Bedburg, Bergheim, Brühl, Erftstadt, Kerpen, Kerpen, Hürth, Pulheim und Wesseling unterstützen das Waldvermehrungsprogramm des Erftkreises aktiv und haben, neben eigenen örtlichen Waldaktionen, bisher eine Fläche von ca. insgesamt 40 ha für überregionale Aufforstungen bereitgestellt.

Kultur

Kulturdenkmäler

sind in der Regel unter den jeweiligen Städen, Gemeinden und Ortsteilen aufgeführt

Partnerschaften

Der Rhein-Erft-Kreis unterhält zwei Partnerschaften mit europäischen Regionen:

Der Kreis ist Mitglied der Regionale 2010 in der Region Köln/Bonn.

Literatur im Rhein-Erft-Kreis (im Mittelalter)

In dieser Zeit war die Entstehung von Literatur im ländlichen Bereich im Wesentlichen auf Klöster beschränkt. Abt Konrad von Brauweiler schrieb um 1115 die Vita Wolfhelmi mit dem Ziel dessen Heiligsprechung. Wolfhelm war ebenfalls Abt in Brauweiler (* um 1020 Köln, +22.04.1091 Brauweiler).

Literatur im Rhein-Erft-Kreis (ab ca. 1980)

Dass es nicht nur in Köln ein reges literarisches Leben gibt sondern auch im angrenzenden Rhein-Erft-Kreis, zeigen die vielen Lesungen in Stadtbibliotheken und anderen kulturellen Institutionen sowie die Schriften und Veranstaltungen des Autorenkreis Rhein-Erft, der 1992 für seine zahlreichen Aktivitäten mit dem Kreis-Kulturpreis ausgezeichnet wurde. Gegründet wurde die Vereinigung 1985 von dem Hürther Schriftsteller Dr. Herbert Sinz (1913–1989). Von 1986 bis 1989 wurde sie von Petra Hammesfahr (*1951) geleitet, anschließend bis 1997 von Axel Kutsch (1945). Seitdem ist Prof. Dr. Gynter Mödder (*1942) ihr Vorsitzender.

Ein filigranes Spektrum von Autorinnen und Autoren aus dem Rhein-Erft-Kreis bietet das 1990 von Jochen Arlt (*1948) und Axel Kutsch im Pulheimer Rhein-Eifel-Mosel-Verlag herausgegebene regionale Lesebuch: Knollen, Kohle und Miljöh, das neben Lyrik und Prosa von einheimischen Schriftstellern auch einen in Bergheim-Oberaußem spielenden Auszug aus Die Blechtrommel von Günter Grass (*1972) enthält. Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs hat Grass mehrere Jahre in Oberaußem gelebt.

Die Kerpener Uwe Erichsen und Petra Hammesfahr (*1951) zählen mit ihren Krimis und Psychothrillern zu den namhaften Vertretern der deutschsprachigen Spannungsliteratur. Erichsen ist vor allem durch seinen mit Götz George (*1938) verfilmten Roman Das Leben einer Katze (1983) bekannt geworden. Petra Hammesfahr erreicht seit den 1990er Jahren mit ihren zum Teil für das Fernsehen verfilmten Psychothrillern (u.a. Der stille Herr Genardy, 1993, Die Mutter, 2000, Das letzte Opfer, 2002) breite Leserkreise. Auch Carsten Sebastian Henn (*1973) aus Hürth hat sich in den vergangenen Jahren als Verfasser von Kriminalromanen über die Grenzen des Rhein-Erft-Kreises hinaus einen Namen gemacht (u.a. In dubio pro vino, 2004).

Zu den ebenfalls überregional wahrgenommenen Romanautoren gehören der Elsdorfer Kay Löffler (*1958) (zuletzt Dorf der Wolkenmacher, 2001), der Bergheimer Gynter Mödder (u.a. Laßt mich leben!, 1996, Gullivers fünfte Reise, 2005), der Pulheimer Klaus Poche (*1927) (Atemnot, 1978) sowie die Erftstädter Linda Pfeiffer (*1948) (u.a. Schwarze Liebe, 1989) und Hans Josef Jungheim, der neben Romanen für Erwachsene (u.a. Im Jahr der Krähen, 1990, Das Labyrinth, 1994) auch Kinder- und Jugendliteratur veröffentlicht hat. Zwei der renommiertesten Kinder- und Jugendbuchautoren sind bundesweit Gottfried Schädlich (*1917) aus Brühl (Pseudonym Fried Noxius) und Tilman Röhrig (*1955) (Hürth), der 1984 für seinen Roman In dreihundert Jahren vielleicht mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet wurde. Zu Schädlichs zahlreichen Veröffentlichungen zählt unter anderem der Roman Laßt euch den Mond nicht rauben (1986). Als Sachbuchautoren haben sich seit den 1990er Jahren der Frechener Jürgen Streich (*1960) (zuletzt Vorbilder - Der Alternative Nobelpreis, 2005) und der Elsdorfer Andreas Rumler (*1955) (u.a. Tübinger Dichter-Spaziergänge, 2003) profiliert. Eine große Zahl Lexika und Sachbücher aber auch Lyrik und Erzälungen schreibt René Zey (*1955). Er wurde 1982 mit dem Kulturpreis der Stadt Essen geehrt. 1991 gründete er das Königsdorfer Verlagsbüro in Frechen. Große Resonanz fand 2005 Henner Voss (*1942) (Bergheim) mit seinem Buch Vor der Reise - Erinnerungen an Bernward Vesper.

Im Mittelpunkt des literarischen Schaffens von Dolores Burkert (*1974) (Bedburg), Axel Kutsch (Bergheim), Helmut Schmale (*1934) (Frechen) und Christa Wißkirchen (*1945) (Pulheim) steht die Lyrik. Neben ihrem Buch Auf Reisen und Abwegen (2004) hat Dolores Burkert etliche Anthologien publiziert. Kutsch hat sowohl regionale Lesebücher als auch bundesweit beachtete Lyrik-Anthologien herausgegeben und mehrere von der Kritik gelobte Gedichtbände veröffentlicht (u.a. Einsturzgefahr, 1997, Wortbruch, 1999, Ikarus fährt Omnibus, 2005). Ebenfalls auf positive Resonanz stießen die Lyrikbände von Helmut Schmale (u.a. überschreibungen, 1994, Im Tal der Zeichen, 2001) und Christa Wißkirchen (Blickfeld, 2001). Mit seinem Debütband Erinnerung & Morgenröte (Lyrik und Prosa) machte 2006 der Kerpener Gerrit Wustmann (*1982) auf sich aufmerksam.

2007 veröffentlichte die Hürther Autorin Katja Kutsch mit dem Geschichtenband Schützenfest ihr erstes Buch, nachdem sie bereits zuvor für ihre Erzählungen mit zwei Literaturpreisen ausgezeichnet worden war. Der Historiker und Volkskundler Peter (Josef) Kremer (1953) (Wo das Grauen lauert. Düren 2003) spezialisiert sich auf die düstere Seite der Sagenwelt an der Erft (Werwölfe und Wiedergänger) und befasst sich speziell mit dem Prozess gegen den "Werwolf von Bedburg" im Jahre 1589.

Rainald Grebe (*1971) aus Frechen (u.a. Global Fish (Roman), 2006) erhielt zwischen 2003 und 2008 verschiedene Literaturpreise.

Der erftstädter Journalist Ulrich Harbecke (*1943) nimmt in seinen beiden Büchern Der gottlose Pfarrer (1995) und Der gläubige Kardinal (2004) kritisch aber humorvoll Stellung zu den Schwierigkeiten, als Pfarrer oder als Bischof innerhalb vorhandener kirchlicher Strukturen christlichen Glauben zu verkünden und zu leben.

Literatur

Herbert Heermann, Die Entstehung des Erftkreises 1966 bis 1976 (Dissertation Universität zu Köln) Kerpen 1989, ISBN 3-00-002997-4 Herbert Heermann; Die Erftkreisgründung im Rahmen der nordrhein-westfälischen Gebietsreform - Ende oder Anfang für ein kommunales Identitätsbewusstsein?, In: Geschichte im Westen (GiW), Jahrgang 16 (2001), S. 173 - 211, ISSN 0930-3286

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