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Kleinbildkamera

Als Kleinbildkameras werden meistens 35-mm-Film-Kameras mit einem Bildformat von 24 mm x 36 mm verstanden, welche die Kleinbildpatrone vom Tpy 135 verwenden. Im weiteren Sinne gehören alle Kameras dazu, die ein Filmformat von etwa 2 cm bis 4 cm Kantenlänge besitzen. Dabei handelt es sich um heute nicht mehr gebräuchliche Filmtypen und Formate.

Für Digitalkameras mit Aufnahmesensoren im Kleinbildformat siehe Spiegelreflexkamera.

Inhaltsverzeichnis

Kameratypen

Sucherkameras

Praktisch sämtliche einfachen Kameras werden als Sucherkamera gebaut, hinzu kommen noch einige System-Sucherkameras, insbesondere die Leica-M-Serie. Dadurch machen sie den größten Anteil unter den Kleinbildkameras aus. Sucherkameras gibt es von zahlreichen Anbietern, nahezu jeder Kamerahersteller hält welche in seinen Programm. Besondere Bauformen sind die Unterwasserkamera Nikonos von Nikon und die Panoramakamera Hasselblad XPan. In den 1990er-Jahren ist die russische Lomo sehr bekannt geworden, eine unkonventionelle Kamera, die eine eigene Bildsprache provoziert.

Einäugige Spiegelreflexkameras

Die Ricoh KR-5 Super kam wie ihre besser ausgestattete Schwester KR-10 in den 1970er-Jahren auf den Markt

Die meisten hochwertigen Kleinbildkameras sind einäugige Spiegelreflexkameras, auch SLR für „Single Lens Reflex“ genannt. Zumeist handelt es sich um Systemkameras, für die es ein großes Angebot an Objektiven und sonstigem Zubehör gibt.

Zweiäugige Spiegelreflexkamera

Zweiäugige Spiegelreflexkameras haben im Kleinbildbereich keine Bedeutung. Zum einen gab es die Rolleiflex Baby und einige asiatische Nachbauten, eine quaderförmige Kamera mit Lichtschachtsucher und dem Format 4 cm x 4 cm. Zum anderen existierten in den 1960er-Jahren wenige zweiäugige Kameras für den Filmtyp 135, etwa die Agfa Optima Reflex. Sie sahen aus wie eine gewöhnliche einäugige Kamera, besaßen also einen fest eingebauten Pentaprismensucher, nur eben zwei kleine, fest eingebaute Objektive. 1932 wurde mit der Contaflex von Carl Zeiss eine einzigartige zweiäugige Spielgelreflexkamera für das Kleinbild eingeführt, die extrem aufwändig gebaut, daher sehr teuer und kommerziell wenig erfolgreich war.

Eigenschaften

Größe und Gewicht

Kleinbild- unterscheiden sich von Mittelformatkameras zumeist erheblich im Gewicht: mit 5 kg bis 6 kg lässt sich bereits ein ausgesprochen universell verwendbares System zusammenstellen. Kompaktkameras näheren sich sogar mitunter der Pocketkamera in ihrer Größe an. Einen ersten Schritt in diese Richtung machte die Rollei 35, gefolgt von der Minox 35 und der Olympus XA.

Kosten

Aufgrund der großen Stückzahlen wurden Kleinbildkameras sehr kostengünstig gefertigt, hinzu kommt, dass der kleine erforderliche Bildkreis die Objektive gegenüber dem Mittelformat in der Regel bedeutend billiger macht. Auch werden die Filme zumeist besonders günstig angeboten.

Schärfentiefe

In puncto Schärfentiefe stellt das Kleinbildformat 24 mm x 36 mm einen günstigen Kompromiss dar, einerseits sind die Brennweiten kurz genug, um bereits mit geringem Abblenden einen großen Schärfenbereich erzeugen zu können, andererseits steht voll aufgeblendet meist genügend Unschärfe zur Verfügung, um den Hinter- vom Vordergrund abheben zu lassen. Letzteres wird auch durch die für viele Systeme verfügbaren lichtstarken Objektive unterstützt, Normalobjektive mit f/1,2 und leichte Teleobjektive mit f/2 lassen sich mit vertretbaren Kosten und Gewicht bauen. Bereits mit 18 mm x 24 mm ist es jedoch schon schwierig, einen für gestalterische Zwecke ausreichend unscharfen Hintergrund zu erzeugen.

Sucher

Die meisten Spiegelreflexkameras weisen einen fest eingebauten Prismensucher auf, bei Topmodellen war es bis in die 1980er-Jahre üblich, dass man ihn gegen einen Lichtschachtsucher auswechseln konnte. Dies ist heute zumeist nicht mehr der Fall, da solch ein Lichtschachtsucher eine gegenüber dem Mittelformat zu kleine Mattscheibe besitzt, als dass man das Motiv perfekt beurteilen könnte.

Bildqualität

Das Kleinbild bietet generell eine hohe Bildqualität, mit einigem Aufwand kommt es sogar dem Mittelformat nahe. Aufwand bedeutet dabei ein niedrigempfindlichen Film, eine hochwertige Optik und ein Stativ zu verwenden. In „digitalen“ Begriffen ausgedrückt, lässt sich mit einem hochwertigen KB-Diafilm niedriger Empfindlichkeit (25 ISO) ein technische Auflösung von etwa 16 Millionen Pixel erzielen. Kleinbildnegative oder -dias mit höheren Auflösungen zu scannen ist nicht sinnvoll, weil in diesem Fall nur noch das auf dem Film physikalisch vorhandene Korn der lichtempfindlichen Schicht vergrößert würde.

Einsatzgebiete

Kleinbildkameras lassen sich am universellsten von allen einsetzen. Es gibt kein Gebiet, auf dem sie nicht zumindest akzeptable Leistungen bieten könnten. Ihre besonderen Stärken liegen bei weit entfernten und schnell bewegten Motiven sowie bei ungünstigen Lichtverhältnissen, wenn kein Stativ verwendet werden kann. Für die Systemkameras gibt es Objektive bis etwa 12-facher Vergrößerung mit extrem guten Abbildungseigenschaften, wobei sich die Vergrößerung mit einem davor angeschlossenen Telekonverter bei nur geringem Qualitätsverlust weiter erhöhen lässt. Die zahlreichen lichtstarken Objektive erlauben Freihand-Nachtaufnahmen, an die bei Mittelformat nicht zu denken ist und gut funktionierende Autofokussysteme sowie Bildstabilisatoren erleichtern hochwertige Sport- und Tieraufnahmen.

Filme und Formate

Typ 127

Der Rollfilm vom Typ 127 mit vier Zentimeter Breite gilt als erster Kleinbildfilm. Sein ursprüngliches Aufnahmeformat 4 cm x 6,5 cm galt damals noch als Kleinbild, zählt aber heute bereits zum Mittelformat; die Formate 3 cm x 4 cm und 4 cm x 4 cm hingegen noch zum Kleinbild. Der Film hatte bis zum Erscheinen des Instamaticfilms eine nennenswerte Bedeutung für einfache Kameras. Im März 1931 kam zudem die Rolleiflex Baby dafür heraus. Mit dieser Kamera wollte Rollei an dem von der Leica eingeleiteten Trend hin zum kleinen Bild teilhaben, sie hatte aber bei weitem nicht den Erfolg der Mittelformat-Rolleiflex. Deswegen ist sie nach dem Krieg zunächst nicht wieder erschienen, erst im Juni 1957 kam erneut eine Baby auf den Markt, sie blieb bis Mai 1968 in Produktion. Von der Baby erschienen auch einige Nachbauten, der bekannteste von Yashica. Nach 1970 geriet der Filmtyp jedoch in Vergessenheit.

Die genannten Rollfilmformate sind gerundete Maßangaben, die exakten Werte siehe unter Rollfilm.

Typ 135

Im engeren Sinn bezieht sich die Bezeichnung Kleinbildfilm nur auf den Typ 135, da er das Kleinbild populär gemacht hat und seitdem bis heute am häufigsten vorkommt. Es handelt sich um den 35-mm-Kinefilm (Kinofilm), welcher in einer Patrone konfektioniert wird. Infolgedessen weist er eine beidseitige Perforation auf. Am Anfang des Typ 135 steht die von Oskar Barnack bei Ernst Leitz in Wetzlar entwickelte Leica, sie besaß bereits das Bildformat 24 mm × 36 mm, allerdings noch mit einer eigenständigen Patrone. Auch andere Hersteller benutzten noch eigene Patronenformen, nach 1945 verbreitete sich die von Kodak eingeführte Form des Typs 135 auch in Deutschland rasch. Nur ganz wenige Kameras verwendeten das Halbbildformat 18 mm × 24 mm, die bekannteste von ihnen ist die Olympus Pen. Bis Anfang der 1950er-Jahre gab es auch Modelle, die nur das Format 24 mm × 32 mm belichteten, darunter insbesondere die frühen Nikon-Sucherkameras. Vereinzelt gab es auch Kameras, die quadratische Formate von 24 mm × 24 mm auf dem Film belichteten.

Typ 126

Für Einsteigerkameras entwickelte Kodak die leicht zu handhabende Instamatic-Kassette, die mit dem quadratischen Format 28 mm × 28 mm arbeitete. Kodak bot zwar auch eine Spiegelreflexkamera an, Instamatic-Kameras wurden aber so gut wie ausschließlich in der unteren Preisklasse bis etwa 120 Mark gekauft. Dort war der Film ein großer Erfolg, so dass er in den 1960er- bis 1980er-Jahren weite Verbreitung fand. Der Film ist 35 mm breit und trägt pro Bild ein Perforationsloch. Das Perforationsloch steuert den Filmtransport der Kamera.

Rapidfilm

Agfa stellte als Instamatic-Konkurrenz den Rapidfilm vor, der zumeist ebenfalls mit quadratische Bildern belichtet wurde, allerdings im Format 24 mm × 24 mm. Das System hatte außerhalb Deutschlands einen nur geringen Erfolg, so dass Rapidfilme nur in den 1960er- und frühen 1970er-Jahren eine gewisse Bedeutung erlangten. Der Film ist 35 mm breit und hat die gleiche Perforation wie gewöhnlicher Kleinbildfilm. Filmanfang und Filmende sind durch Prägen aufgerauht, um den Lichteinfall in die Rapidkassette zu verhindern.

Literatur