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Auwald

Auwald bezeichnet eine natürliche Vegetationsform entlang der Bäche und Flüsse (siehe auch Flussaue). Auwälder sind azonale Waldgesellschaften, die von Überschwemmungen und hohen Grundwasserpegeln stark beeinflusst werden.

Ist der Standort häufig oder lang andauernd, hoch, und meist schnell durchströmt (100 bis 200 Tage im Jahr), bildet sich eine Weichholzaue. Bei kürzeren oder selteneren Überflutungen mit geringer Fließgeschwindigkeit in größerer Entfernung zur Strommitte bildet sich eine Hartholzaue. Ausgedehnte Hartholzauen sind daher nur in den größeren Flusstälern anzutreffen. Je nach Klimazone und Höhenlage bilden sich weitere Ausprägungen.

Aufgrund des kleinflächigen Mosaiks unterschiedlicher Standortverhältnisse zählen Auwälder zu den artenreichsten und vitalsten Lebensräumen Europas. Durch die Bevorzugung der Flussauen als Siedlungsraum sind naturnahe Auwälder in Mitteleuropa nahezu verschwunden und sind europaweit nach FFH-Richtlinie streng geschützt („national prioritär zu erhaltende Lebensräume“).

Inhaltsverzeichnis

Zonierungen und Ausprägungen

Auwälder unterliegen der Dynamik fließenden Wassers. Längs des Flusses beeinflusst die Strömungsgeschwindigkeit, quer zur Fließrichtung die Höhe des Hochwassers maßgeblich die Vegetation. Es werden fünf Zonen der flussparallelen Wälder unterschieden: Quelllauf, Oberlauf, Mittellauf, Unterlauf, Mündungslauf.

Neben dieser Längsgliederung in Flussabschnitte ist eine mehr oder weniger ausgeprägte Quergliederung erkennbar, eine Stufenreihe der Formationen ausgehend von der Flussmitte bis zum Rand der Aue. Vor allem in Mittel- und Unterlauf sind diese zu erkennen. Die typischem Merkmale für den Auwald sind die Flüsse mit Sedimentablagerung (in Reihenfolge: Sand-Kies-Ton und nach 5–10 Metern Aue-Lehm). Auwälder verringern die Fließgeschwindigkeit und Morphologie des Gewässers. Daraus resultieren ein hoher Grundwasserspiegel. Beim Auwald können verschiedenen Sukzessionsstadien nebeneinander auftreten.

Längsgliederung

Am Quelllauf finden sich streckenweise so genannte Staudenfluren, wie etwa Deutsche Tamarisken (Myricaria germanica). Ist die Fließgeschwindigkeit sehr hoch kann begleitende Vegetation auch fehlen. Bremsen Hindernisse (Felsschwellen) den Fluss können auch weidenbestimmte (Salix) Auen auftreten. Der Auwald ist am Oberlauf meist nur als ein schmales, flussbegleitendes Band ausgebildet. Wegen der hohen Strömungsgeschwindigkeit werden nur Kies und grober Sand abgelagert. Auf den so entstandenen Kiesbänken können sich Weiden, zum Beispiel Purpurweide (Salix purpurea) ansiedeln, etwas weiter vom Fluss entfernt finden sich Erlen, zum Beispiel Schwarzerle (Alnus glutinosa) und weitere flachwurzelnde Weichhölzer ein.

Am Mittellauf nimmt die Fließgeschwindigkeit deutlich ab und die Sedimentation nährstoffreichen Feinmaterials setzt ein. Außer der Vegetation der Kiesbänke bilden sich nun Weichholz- und Hartholzauen aus.

Eine deutliche Abnahme des Gefälles und zunehmende Mäander kennzeichnen die Situation am Unterlauf des Flusslaufes. Die Fließgeschwindigkeit sinkt, folglich sinken auch kleinste Schwebteilchen (Tone und Schluffe) nieder. Durch periodische oder zeitweise Überschwemmungen entstehen, abhängig vom Ausgangsgestein oder –substrat sehr nährstoffreiche Böden (Rendzina, Vega, Tschernitza). Weichholzaue und Hartholzaue sind hier im Naturzustand häufig einem großflächigen Mosaik aus Altarmen, Brüchern und Uferzonen vorhanden.

Am Mündungslauf ist die Vegetationsentwicklung davon abhängig, ob die Gezeiten den Wasserstand mit beeinflussen. Ist dies, wie bei den meisten mitteleuropäischen Flüssen der Fall, bilden sich besondere Röhrichtdickungen aus.

Der Salzgehalt der Tide stellt einen begrenzenden Faktor dar. Beispiel für einen Tide-auwald ist das Heuckenlock in Hamburg-Wilhelmsburg.

Quergliederung

Die Stufenreihe im Mittel- und Unterlauf folgt idealtypisch diesem Aufbau:


Anpassungen an das Wasser

Die Pflanzen des Auwaldes können im Wurzelbereich besondere Anpassungen an den wechselnden Wasserstand zeigen. Die Flatterulme wechselt im Alter ihr Wurzelsystem von einer Pfahlwurzel zu einer Herzwurzel, um wahrscheinlich möglichst viel Boden oberhalb des Grundwasserspiegels zu durchwurzeln. Quelle

Auf ganzjährig wassergesättigten und nahezu sauerstofffreien Böden mit nur geringen und kurzzeitigen Hochwässern ist die Schwarzerle zu finden, die ihre Wurzeln über Atemöffnungen im Stamm mit Sauerstoff versorgt.

Erlen und Weiden haben in ihren Wurzeln relativ große luftgefüllte Zwischenräume zwischen den Zellen (Interzellularen), in denen Sauerstoff transportiert wird. Dieser kann oberirdisch über Korkwarzen (Lentizellen) aufgenommen werden und durch Diffusion und Thermo-osmose zu den Wurzeln transportiert werden. Manche Weiden verbreiten sich bevorzugt über abgebrochene Aststücke, die anlanden und Wurzeln schlagen (z. B. Bruchweide). Auch die hohe Wachstumsgeschwindigkeit ist typisch für Bäume der Weichholzaue, da der natürliche Fluss ständig die Morphologie des Uferbereiches verändert.

Bedeutung und Bedrohung der Auwälder

Es wurden viele Auwälder abgeholzt und zu Weideland umgewandelt. Der Wunsch, die Flußläufe zu regulieren und möglichst ganzjährig schiffbar zu machen, hat dann, vor allem in Mitteleuropa, nur noch Reste des ursprünglichen Auwaldvorkommens übrig gelassen (rund 300 km² Auwald und davon 60 km² naturnah), etwa den Leipziger Auenwald. Seitdem die häufigeren und schwereren Flusshochwässer in das Licht der Öffentlichkeit rücken und auf eine Fehlentwicklung im Wasserbau deuten (siehe Wildbachverbauung, Gewässerkorrektion), ist eine Umkehr dieser Entwicklung im Gange. Man renaturiert vor allem kleinere Flussläufe und Flussabschnitte (z. B. Isar, Nationalpark Donau-Auen).


Literatur