Geschichte der Stadt Freistadt
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Geschichte der Stadt Freistadt

Freistadt ist eine oberösterreichische Kleinstadt im unteren Mühlviertel, die im frühen 13. Jahrhundert planmäßig angelegt wurde. Die Blütezeit der Stadt lag zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert, als Freistadt eine wichtige Handelsstadt zwischen dem Donauraum und Böhmen war. Der Dreißigjährige Krieg und dessen Folgen veränderten die Bedeutung der ehemaligen Grenzstadt, die nach und nach sämtliche Privilegien aus der Gründungszeit verlor. Im Zuge des aufgeklärten Absolutismus in Österreich wurde Freistadt Ende des 18. Jahrhunderts zur Kreisstadt des Mühlviertels. Seit 1850 ist die Stadt Sitz der Bezirkshauptmannschaft des gleichnamigen Bezirks. Ein Aufschwung ist seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in Freistadt wieder sichtbar, unter anderem durch den Ausbau der Infrastruktur.

Inhaltsverzeichnis

Erste Besiedlung und Stadtgründung

Bis ins hohe Mittelalter erstreckte sich im Raum Freistadt (so wie im gesamten Mühlviertel) ein weitläufiges Waldgebiet, der Nordwald. Nördlich vom heutigen Freistadt befindet sich der Kerschbaumer Sattel, mit nur 714 m Höhe der günstigste Übergang vom Donautal nach Südböhmen und zugleich eine europäische Wasserscheide (Nordsee – Schwarzes Meer). Über diesen Sattel führte schon seit vielen Jahrhunderten ein Handelsweg in Form eines Saumpfades. Dieser Handelsweg führte von Enns entlang dem Aisttal (Aist und Feldaist) über den Raum Freistadt nach Norden (Budweis).

Vor der Stadtgründung führte der Handelsweg an einer Burg (heutiger Salzhof) und an Häusern vorbei, diese Siedlung war jedoch noch nicht Freistadt. Wie sehr Freistadt an diesen Handelsweg ausgerichtet wurde zeigt, dass der heutige Straßenverlauf Johanneskirche – Linzertor – Eisengasse – Salzgasse ident mit dem Handelsweg sein dürfte.

Auf einem Platz in der Nähe der Burg, der an seiner Süd- und Ostseite durch steilen Felsabfall geschützt wird, wurde Freistadt gegründet.

Über den genauen Zeitpunkt der Entstehung der Stadt gibt es nur Theorien, da etwaige Urkunden entweder verloren gegangen sind oder zu wenig aussagen. Es wird angenommen, dass Freistadt um 1220 vom Babenberger Leopold VI. dem Glorreichen (Herzog von Österreich) planmäßig angelegt wurde, indem der die bestehende Siedlung erweiterte. Die ältere Theorie, von den Historikern mittlerweile als falsch abgelehnt, besagt, dass die Herren von Perg und Machland Freistadt im 12. Jahrhundert gründeten, um das Jahr 1140.[1]

Beweise für die planmäßige Anlage der Stadt sind:

Die junge Stadt wurde in der Anfangszeit mit zahlreichen Privilegien ausgestattet, um deren Existenz zu sichern. Die erstmalige urkundliche Erwähnung war 1241 und 1277 wurde vom deutschen König Rudolf von Habsburg das Niederlags- und Stapelrecht bestätigt. In den damaligen Urkunden hieß die Stadt „Frienstat“ oder „Vreinstat“.

Als erste Bewohner wurden besitzlose, freie Leute angesiedelt, von denen jeder einen Teil des Stadtgrundes für den Hausbau und einen Teil des umliegenden Landes (Burgfried) zur Bewirtschaftung als „freies Burgrecht“ erhielt.

Aufstieg und Blütezeit als Grenzstadt ab 1277

Wirtschaftliche Entwicklung

Durch die verliehenen Privilegien wurde Freistadt rasch zu einer reichen und blühenden Stadt. Durch das Niederlags- und Stapelrecht mussten alle Waren nach Böhmen drei Tage lang zu einem festgesetzten Preis den Freistädter Kaufleuten angeboten werden. Zusätzlich zum Stapelrecht galt der Straßenzwang: Die Kaufleute durften nur gewisse Straßen benützen. Eine dieser Straßen führte durch Freistadt und war somit Lebensgrundlage und Quelle des Reichtums.

Diese Rechte wurden wie ein Schatz gehütet und so nahmen die Freistädter mitunter kämpferische Auseinandersetzungen mit den Nachbarorten in Kauf, insbesondere mit Leonfelden oder Pregarten. Die teils langfristigen Streitigkeiten wurden von den Landesfürsten als letzte Instanz immer zugunsten von Freistadt entschieden.

1363 wurde vom Herzog Rudolf IV. dem Stifter das Meilenrecht verliehen. Das Meilenrecht besagte, dass innerhalb einer so genannten Bannmeile (damals rund 7 km) nur die Bürger der Stadt Handel und Gewerbe betreiben dürfen.

Mit all diesen Privilegien ausgestattet wurde Freistadt zu einem wirtschaftlichen Zentrum im Mühlviertel. Um 1460 existierte eine Münzprägestätte in Freistadt, die vom Herzog Albrecht VI. eingerichtet wurde, jedoch auf dessen Anweisung minderwertige Prägungen (Schinderlinge) herstellte.[2] Die Haupthandelswaren waren Eisen und Eisenwaren aus dem Raum Steyr, sowie das Salz aus dem Ausseerland und dem habsburgerischen Salzkammergut. Die heutigen Straßennamen der Freistädter Altstadt, wie Salzgasse und Eisengasse, zeugen von der Zeit als Handelsstadt. Die Freistädter verstanden es, das Monopol im Salzhandel über den goldenen Steig nach Böhmen an sich zu reißen und booteten somit die aufstrebende Stadt Linz aus. Dies führte in den Jahren 1380 und 1450 zu einem heftigen Streit der beiden Städte. Die alte Burg wurde zum Salzlager und im Laufe der Zeit in „Salzhof“ umbenannt. Seit Kaiser Maximilian I. wurde der lukrative Salzhandel zusehends ein Monopol der Fürsten und letztendlich des Staates. Zwar wurde 1563 in Linz und Freistadt ein Salzkammeramt geschaffen, jedoch verlor Freistadt dieses Monopol einige Jahrzehnte später an die Landesfürsten (1628).

Eine weitere wichtige Handelsware war das Bier. Jeder Bürger in Freistadt (= Haus innerhalb der Stadtmauer) hatte das Recht, Bier zu brauen. Die Menge wurde auf Grund des Schätzwertes des Hauses festgelegt. Der Magistrat regelte und überwachte diese Menge entsprechend der Brauordnung. Das Bierbrauen und der Verkauf waren eine der bedeutendsten Einnahmequelle der Stadt. Dieses Bier wurde als „Ehrengeschenk“ an die Landesregierung und an die Hofkammer in Wien geschickt. 1525 gab es insgesamt zwölf Brauhäuser in der Stadt, die bis 1637 auf fünf und später auf zwei Brauhäuser zurückgingen.

Auch Zwirn und Leinwand aus Venedig oder Fische aus Böhmen gehörten zu den wichtigeren Handelswaren. Der Höhepunkt des Wirtschaftslebens war ab 1465 der große Jahrmarkt – der Paulimarkt – der im Jänner/Februar 14 Tage lang dauerte.

Stadtmauern

Freistadt wurde wahrscheinlich als Bollwerk gegen die Bischöfe von Passau angelegt. Die Stadt hatte sowohl eine wirtschaftliche als auch eine militärische und strategische Funktion.

Mit der Gründung begann die Sicherung der Stadt. Das Felsplateau bietet nach Süden und Osten einen natürlichen Schutz, deshalb wurde wahrscheinlich nur die leicht zugängliche West- und Nordseite mit einem Erdwall geschützt. Bereits im 13. Jahrhundert wurde Freistadt durch Steinbauten gesichert, um die Handelswaren und den Reichtum zu schützen.

In den Jahren 1363 und 1396 wurde diese erste Stadtmauer wesentlich verstärkt. Es folgte die Errichtung der äußeren Stadtgrabenmauer (Mantelmauer) und dem heute noch vorhandenen Stadtgraben. Weiters wurde mit der äußeren und der inneren Stadtmauer sowie dem Zwinger die Stadtbefestigung auf die damaligen Gefahren hin ausgebaut. Die innere Stadtmauer war zusätzlich mit einem Wehrgang in 5 bis 7 m Höhe ausgestattet (teilweise heute noch zu erkennen). Die Stadtmauer war mit Schießscharten und Pechnasen ausgestattet, welche heute noch besonders gut erkannbar sind. 1363 wurde von Herzog Rudolf IV. dem Stifter in der Nordost-Ecke ein neues Schloss errichtet, welches zusätzlichen Schutz vor Angriffen bot. Das Schloss wurde außerhalb der damaligen Stadtmauer errichtet und war selbst gegenüber der Stadt geschützt.

Der wichtigste Teil der Verteidigungsanlagen von Freistadt waren die Türme. Die ältesten Türme sind das Linzertor im Süden und das Böhmertor im Norden. Diese waren damals die einzigen Möglichkeiten, mit Pferdefuhrwerken über die Zugbrücken in die Stadt zu gelangen. Um 1390 entstanden der Weyermühlturm und der Petringerturm (auch: Turm im Winkel). In dieser Zeit wurde der Bergfried des Schlosses errichtet und somit konnten sich die Bürger in Freistadt nach Fertigstellung aller Anlagen sicher fühlen. Als 1420/30 die Hussiten nach Freistadt kamen, konnten sie der Stadt nichts anhaben. Stattdessen brannten sie die Vororte nieder und zogen weiter. Nach den Hussiteneinfällen wurden noch einige bauliche Mängel behoben. Die entgütige Fertigstellung des Befestigungsanlagen auf den heutigen Stand erfolgte im Jahr 1444 mit der Errichtung des Scheiblingturms in der Nordwest-Ecke der Stadt und des Dechanthofturms im Südosten. 1522 wurde das damalige Rathaus (heute: Bezirksgericht) mit einem Turm versehen, der nur der Machtdemonstration diente. Zwischen dem Rathaus und dem Weyermühlturm gibt es noch einen dritten Zugang zur Stadt, das so genannte Posttürl in der Nähe des Weyermühlturms. Diese Tor diente eher dem internen Verkehr und war für Wagen nicht passierbar. Somit bestand Freistadt zu jener Zeit aus neun Wehrtürmen, von denen sieben heute noch sichtbar sind.

Selbstverwaltung

Der wirtschaftliche Aufstieg Freistadts schlug sich in der politischen Selbstverwaltung nieder. Ab 1286 gab es einen Stadtrichter, 1354 wurde der Rat und die Geschlossenheit der Bürger erwähnt, ein Stadtschreiber ist 1371 nachweisbar und 1388 gab es mit Jakob Megerlein den ersten Bürgermeister der Stadt.

Wie in allen anderen Städten gab es den Inneren Rat, den eigentlichen Stadtrat. Die acht Mitglieder waren aus dem Stand der Handelsbürger und traten zweimal wöchentlich zusammen. Später kam der äußere Rat hinzu, das Vertretungsorgan der Gesamtbürgerschaft. Im äußeren Rat saßen die Handwerker, die politische Macht erkämpft hatten.

Die wichtigsten Stadtämter waren: das Stadtkammeramt, Ungeltamt, Spitalamt, Spentamt, Mautamt, St. Katharina-, St. Peterkirch- und Gottesleichenamt und das Schulprovisoramt. In Freistadt wurden die sozialen Aufgaben ernst genommen, wie aus den Stadtämtern ersichtlich ist. Es gab ein Siechenhaus für kranke und hilflose Bürger und ein Spital zuerst bei der Liebfrauenkirche (bis zum Hussiteneinfall 1420) später bei der Johanneskirche in der südlichen Vorstadt.

Schulwesen und Kirche

Das Schulwesen in Freistadt kam nicht zu kurz. Die Handelsleute und Handwerker wollten, dass ihre Kinder Lesen, Schreiben und Rechnen erlernen. Bereits im Jahr 1371 wird in einer Urkunde ein Schulmeister erwähnt. 1404 wird ein Haus als Schulhaus bezeichnet und 1543 wird eine Lateinschule zum ersten Mal erwähnt. Die Lateinschule war sehr eng mit der Kirche verbunden.

Die Frömmlichkeit der Freistädter Bürger war für österreichische Verhältnisse überdurchschnittlich ausgeprägt. Diese Stiftungen sollten allen Geistlichen, die eine Messe zu lesen hatten, ein ausreichendes Einkommen sichern. Die meisten Stiftungen in Form von Häusern und Höfen standen zwischen der Pfarrkirche und dem Pfarrhof. Folgende Stiftungshäuser sind bekannt: Frühmess-, Leonhard-, Gottsleichnahm-, Dreikönig-, Apostel-, Margareten-, Barbara-, Johannis-, St. Peter- und Paul-, Thomas-, Hl. Kreuz-, Allerheiligen-, Leopold-, Georgs-, das Priesterbruderschaftsstiftungshaus sowie das Michaelsstift (Salzgasse Nr. 85).

Zusätzlich zu den Stiftungen sorgten die Bürger der Stadt auch für die Kirchen. Die Stadtpfarrkirche wurde 1288 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, im 14. und 15. Jahrhundert gotisiert und erhielt ein 4. und 5. Seitenschiff (heute die einzige fünf-schiffige Basilika Österreichs). Anfangs gehörte sie zur Pfarre St. Jakob in Neumarkt, die 1185 erstmalig erwähnt wurde. Leider ist auf Grund der beiden großen Stadtbrände 1507 und 1516 nichts mehr von der damalig üppigen Ausstattung übrig geblieben. In der Barockzeit wurden einige Ausstattungen unwiederbringlich ersetzt.

Die Liebfrauenkirche liegt außerhalb des Böhmertors und blieb somit von den Stadtbränden verschont. Diese Kirche brannte zwar 1361 ab und wurde um 1422 von den Hussiten zerstört, jedoch in Freistädter Gotik ab dem Jahr 1440 wieder aufgebaut und seither kaum verändert.

Die beiden Kirchen in St. Peter auf dem Berg wurden im 14. und 15. Jahrhundert im gotischen Stil ausgebaut und die Johanniskirche erhielt einen gotischen Chor und Malereien im Inneren.

In der Stadt selbst gab es noch eine Kapelle im heutigen Piaristenhaus am Hauptplatz und eine Weitere in der Hl. Geist Gasse. Die Letztgenannte wurde später den Protestanten überlassen.

Der Protestantismus wurde in Freistadt auf Grund der Handelsbeziehungen rasch angenommen. Das Eingreifen der „Reformations-Commision“ unter der Führung des Bischofs von Passau und des OÖ Landeshauptmanns beendete die Ausbreitung dieser Glaubensrichtung. Endgültig entschieden wurde die Frage der Glaubensrichtung im Jahr 1627. Nach dem oberösterreichischen Bauernkrieg und dem Sieg des Kaisers Ferdinand II. über die Protestanten mussten alle nicht Katholiken die Stadt verlassen. Nach Zahlung von 10 % ihres Vermögens „durften“ 76 reiche und angesehene Familien oder Einzelpersonen Freistadt verlassen. Dieser große Substanzverlust konnte lange Zeit nicht verkraftet werden.

Kriege, Feuer und Pest

In den 350 Jahren der Blüte waren auch Notzeiten zu finden. Die Hussiten 1420/30 schädigten die Handelsgeschäfte und die andauernden Auseinandersetzungen zwischen den Habsburgern und Böhmen (insbesondere unter Friedrich III.) hatten ebenfalls negative Auswirkungen auf die Geschäfte. Jedoch kam es in der gesamten Geschichte nie zu großen Kampfhandlungen und Zerstörungen der Stadt.

Freistadt wurde 1507 und 1516 von zwei großen Stadtbrände heimgesucht, die alle Häuser der Stadt vernichteten. Nur das abseits stehende Schloss wurde verschont. Daraufhin befreite Kaiser Maximilian I. Freistadt von allen Steuern und verpflichtete sie, die Häuser mit einer hochgezogenen Feuermauer zu umgeben (auf „Insprukerisch“ (heute: Innsbruck) zu bauen). Diese Bauweise hat sich bewährt und ist bis heute noch sichtbar. Weiters wurde die Wasserversorgung verbessert und somit konnte seitdem ein großer Stadtbrand vermieden werden.

Die Pest und pestartigen Seuchen forderten in den Jahren 1541 und 1562 jeweils mehrere hundert Tote. Allein 1541 starben rund 230 Einwohner, ein Siebtel der damaligen Bevölkerung.

Niedergang ab 1627

Absolutismus und Merkantilismus

Der Dreißigjährige Krieg war ein Wendepunkt in der Geschichte der Stadt. Einen Anteil am Wendepunkt hatte der oberösterreichische Bauernkrieg. Die rund 5000 aufständischen Bauern eroberten Freistadt am 1. Juli 1626 nach einer längeren Belagerung. Freistadt wurde von nur 150 Soldaten und den Stadtbewohnern verteidigt. Dies war die erste und einzige Eroberung der Stadt in ihrer Geschichte, wobei ausgegangen wird, dass Stadtbewohner den Belagerern geholfen hatten, um eine Hungersnot zu vermeiden. Die Bauern plünderten das Schloss, mussten Freistadt nach einer Niederlage in Kerschbaum im August wieder räumen. Dadurch wurde der blühende Handel fast gänzlich ruiniert und die Stadt konnte sich lange nicht davon erholen. Die Einnahmen von Freistadt lagen 1623 (trotz Besetzung durch Truppen der Katholischen Liga) bei 38.985 Gulden. Im Jahr 1626 sanken die Einnahmen auf nur mehr 4.547 Gulden. Hinzu kamen die Abwanderung der protestantischen Bevölkerung und die Änderungen der Grenzen zu Böhmen hin. Da Böhmen ab 1620 Erbland der Habsburger wurde, verlor Freistadt nach und nach seine Privilegien. Durch das Verschwinden der Grenze, wurde sie wirtschaftlich und militärisch unbedeutend.

Die Habsburger führten als Erfolg der Gegenreformation den Absolutismus in ihren Ländern ein. Die politische Selbstständigkeit und Unabhängigkeit der Städte passte nicht in die Herrschaftsordnung und durch den Merkantilismus verloren die Stadt und ihre Zünfte weiter an Bedeutung. Den Zünften entstand durch Manufakturen erhebliche Konkurrenz und in Folge dessen kam Freistadt in Bedrängnis. Daher hat Freistadt ihre alte Bedeutung aus der Blütezeit des 14. und 16. Jahrhunderts nie mehr erlangt.

Die wirtschaftliche Stagnation ab 1627 und die Folgen des Dreißigjährigen Krieges sind die Gründe dafür, dass Freistadt die Bedeutung als alte Handelsstadt und Bollwerk (Grenzstadt) im Land ob der Enns verlor. Die sechs anderen landesfürstlichen Städte – Enns, Gmunden, Linz, Steyr, Vöcklabruck, Wels – sind bis zum heutigen Tag einwohnermäßig größer und wirtschaftlich bedeutender.

Verlust der Selbstständigkeit

Die städtische Selbstverwaltung mit jährlich durchgeführten Bürgermeister-, Richter-, und Ratswahlen und regelmäßiger Erneuerung der Stadtordnung endete im Jahr 1600. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Einfluss der Landesfürsten (Habsburg) mehr und mehr in der Stadt spürbar. Letztendlich können die Bürgermeister, die Stadtrichter und die Ratsmitglieder nur mit Zustimmung der vorgesetzten Behörden gewählt werden. Der Amtseid konnte wiederum nur in Linz oder Wien erfolgen, was sich negativ auf die Stadtkasse (Reisekosten) auswirkte.

Josef II. setzte 1783 einen Schlussstrich unter die Entmachtung der zuvor selbstständigen Stadt. Die Magistratsverfassung trat an die Stelle der alten Stadtverfassung. Der Magistrat, bestehend aus Bürgermeister und Räten löste den alten Stadtrat und den Stadtrichter als Behörde ab. Der letzte Stadtrichter in Freistadt trat im Jahr 1789 zurück. In Folge der Verfassungsänderung unter Josef II. wurde Freistadt kurzzeitig der Hauptort des Kreises Mühlviertel (= Mühlkreis), bevor das Kreisamt 1794 nach Linz verlegt wurde.[3] Das Kreisamt in Freistadt war im heutigen Rathaus untergebracht.

Diese Magistratsverfassung blieb bis in das Jahr 1848/49 bestehen und wurde in diesem Zeitraum durch die bis heute gültige Gemeindeordnung ersetzt. Die seit 1849 gewählten Bürgermeister und Stadträte waren bereits Vertreter von politischen Strömungen. Bis zum heutigen Tag stellt die konservative Partei - die christlich-soziale Partei und schließlich die österreichische Volkspartei – alle Bürgermeister von Freistadt. Das allgemeine Wahlrecht von 1908 änderte daran nichts.

Nach 1848 wurde Freistadt die Bezirkshauptstadt im gleichnamigen Bezirk. Das alte Rathaus wurde dem Staat überlassen und beherbergte das Bezirksgericht, das Grundbuch und die Bezirkshauptmannschaft. Das Rathaus übersiedelte 1850 in das Haus der ehemaligen Kreisverwaltung am Hauptplatz. Noch heute befindet sich das Rathaus in diesem Gebäude. Später folgten Gendarmerie und die kaiserliche und königliche Armee (1879) in Form einer Garnison (im Schloss Freistadt untergebracht) und andere Ämter. Aus der Handelsstadt war eine Schul- und Verwaltungsstadt geworden.

Die wirtschaftliche Lage

Die wirtschaftliche Lage seit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges war sehr schlecht. Eine Verarmung trat nicht ein, jedoch gingen die Einnahmen im Vergleich zu früheren Jahrhunderten zurück. Der größte Vorteil von Freistadt war die Lage an einer wichtigen Handelsstraße. Die Menge der transportierten Mengen und dadurch die wirtschaftliche Stärke kann man an Hand der Aufzeichnungen der Stadtwaage ablesen: 1599: 12.309 Zentner, 1625: 3.673 Zentner und 1728: 16.601 Zentner (der absolut höchste gemessene Wert).

Der Salzhandel nach Böhmen nahm noch immer den Weg über Freistadt. Wenn die damalige jährliche Salzmenge auf die vorhandenen Fuhrwerke umrechnet kommt rechnerisch rund 100 Pferdefuhrwerke in eine Richtung pro Tag heraus. Damals florierte das Gastgewerbe – 20 Gasthäuser stellten Unterkunft und Verpflegung zur Verfügung.

Im 18. Jahrhundert kam es auf Grund der Qualität zur Unzufriedenheit der Bürger, daher wurde 1777 ein neues Brauhaus errichtet. Alle 149 Hausbesitzer der Innenstadt wurden Mitglieder der Braucommune Freistadt (heute: Freistädter Bier) und sind es bis heute geblieben. Dies war ein Zusammenschluss des Braunbierhauses der „Gmain“ und des Weißbierhauses des Magistrats. Zuerst leitete der Bürgermeister die Commune, ab 1835/37 wurde ein gewählter Vorstand mit der Leitung betraut. Dies hat sich bis heute so erhalten, das heißt, dass mit einem Hauskauf in der Innenstadt zusätzlich ein Anteil mit Stimmrecht an der Brauerei Freistadt erworben wird.

Die eisenverarbeitenden Betriebe (Hammerwerke) im Thurytal an der Feldaist in der Nähe von Freistadt wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts geschlossen. In einem restaurierten Schau-Hammerwerk kann die Arbeitsweise heute wieder begutachtet werden.

Wie unwichtig die Stadt geworden war, zeugte davon, dass 1832 die Pferdeeisenbahn Linz - Budweis weit an der Stadt vorbeifuhr (rund 4 km). Freistadt hatte keinen direkten Anschluss an diese Schienenbahn. Diese Strecke übernahm mit der Zeit mehr und mehr den Salztransport und durch die Stadt fuhren nur äußerst wenige Pferdefuhrwerke. Mit der Eröffnung der Dampfeisenbahn Linz – Prag im Jahr 1873 bekam Freistadt den lang ersehnten Bahnhof. Dieser liegt jedoch drei Kilometer vom Zentrum entfernt, was auf Grund der geografischen Gegebenheiten – Freistadt liegt in einem Talkessel – zurückzuführen ist.

Die Freistädter Bürger entwickelten Initiativen gegen den wirtschaftlichen Verfall. Der Aufschwung sollte nicht durch Privilegien und Subventionen ermöglicht werden, sondern durch eigene Ideen. Man förderte die Landwirtschaft und das Gewerbe, durch die Konkurrenz wurde die Leistungen gesteigert. Dies spiegelte sich in der 1. Ausstellung der obderennsischen Landwirtschaftsgesellschaft wieder. Somit war das Jahr 1862 die Geburtsstunde für die Freistädter Messe (heute: Mühlviertler Messe), die älteste und derzeit drittgrößte Messe in Oberösterreich. Zuerst wurde die Messe im 4-Jahresrhythmus veranstaltet, später im 2-Jahresrhythmus und seit 2007 findet sie jährlich im September statt.[4]

1866 wurde die Freistädter Sparkasse gegründet (die mittlerweile an die Sparkasse Oberösterreich verkauft wurde) und 1890 begann Freistadt mit dem Bau der Hochquellen-Wasserleitung, die seit 1962 endgültig fertig gestellt ist. Die Regulierung der Feldaist im Stadtgebiet dauerte bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. 1906 wurde eine Azetylengas-Anlage, welche von der Gumpoldskirchner Maschinen- und Metallwarenfabrik Richard Klinger ausgeführt wurde, in Freistadt eröffnet. Die Versorgung der öffentlichen und privaten Beleuchtung wurde mit 20 km Rohrleitungen, 1400 Lampen und 74 Straßenlaternen sichergestellt.[5]

Aus heutiger Sicht sehr vorausschauend war die Erhaltung des mittelalterlichen Kerns durch den Bau einer Promenade entlang der Stadtmauer. Ebenso ließ Freistadt die Befestigungsanlagen nicht verfallen.

Schulwesen

Im Juli 1752 wurden die Piaristen vom Freistädter Bürgermeister Ferdinand Gottlieb Schiefer nach Freistadt gerufen. Im Jahr 1761 führten sie eine deutsche Schule und eine Lateinschule. Die Lateinschule kann als erstes Gymnasium bezeichnet werden, das jedoch wegen Schülermangel im Jahr 1787 geschlossen wurde. Seit 1761 bewohnten die Piaristen ein Haus am Hauptplatz, das heute immer noch als Piaristenhaus bezeichnet wird. Im Jahr 1870 wurde die Knabenschule geschlossen und 1875 verließen die Piaristen Freistadt wieder

Mit Hilfe einer Stiftung kamen im Juni 1852 die Armen Schulschwestern unserer lieben Frau zur Führung einer Kinderbewahranstalt (heute: Kindergarten) und einer „Industrieschule“ nach Freistadt. Im Jahr 1881/82 wurde ein großes Schulgebäude neben der Liebfrauenkirche gebaut. Die Schulschwestern führten dort eine Volks-, Hauptschule und ein Internat bis 1938.

Eine weitere Stiftung ermöglichte es den Marianisten im Jahr 1900 nach Freistadt zu kommen. In den Jahren 1900 bis 1908 wurde außerhalb der Stadt ein großes Schulgebäude errichtet und sie führten dort eine Volks-, eine Hauptschule und eine Lehrerbildungsanstalt mit Internat bis 1938.

1867 wurde unter Bürgermeister Kaspar Schwarz eine Unterstufe eines Gymnasiums eingeführt. 1871 folgte die Genehmigung der Oberstufe. Zuerst war die Schule im heutigen Rathaus (2. und 3. Stock) untergebracht, zwischen 1888 und 1890 wurde um rund 111.000 Gulden ein Neubau vor dem Linzertor, im ehemaligen Thury-Garten, gebaut. Auf Anlass des 40-jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers wurde im Jahr 1890 das Gymnasium in Kaiser Franz Josef-Staatsgymnasiums umbenannt. 1898 wurde das Studentenkonvikt im ehemaligen Schloss Kinsky eröffnet.[6] Da die Schülerzahlen regelmäßig zunahmen und der Altbau zu klein wurde, folgten 1965, 1984 und 2003 Erweiterungen der Schule.

Kirche, Kunst und Kultur

Freistadt ist vor allem eine gotische Stadt, da die Blütezeit zur Zeit der Gotik war. Ein Beispiel hierfür ist die Liebfrauenkirche, die seit dem 15. Jahrhundert weitgehend unverändert blieb. Lediglich ein neuer Altar wurde 1640 geschaffen. Die Stadtpfarrkirche wurde ab 1687 barockisiert und mit der Errichtung des prachtvollen Kirchturms 1736/37 abgeschlossen. Diese Barockisierung erfasste nicht nur die Einrichtung (Altäre, Orgel, Sakristei,..) sondern auch die Bausubstanz (Pfeiler, Fenster, Säulen,…). Somit blieben von der vormals gotischen Kirche nur noch die Gewölbe und die Türeinfassungen bestehen. Um 1850 wurde der städtische Friedhof bei der Liebfrauenkirche (außerhalb der Stadtmauer) geschlossen und im Süden der Stadt, rund 2 km außerhalb der Stadtmauer, neu errichtet.

Zwischen 1690 und 1727 wurde der Pfarrhof (Dechanthof) in ein mächtiges schlossähnliches Gebäude umgebaut. 1704 wurde am Hauptplatz der barocke Marienbrunnen aufgestellt, der heilige Nepomuk steht seit 1723 vor dem Linzertor und der heilige Leonhard seit 1748 vor dem Böhmertor. Das gotische Linzertor wurde mit barocken Zwiebeltürmchen umgebaut und zahlreiche Straßenfassaden der rund 150 Bürgerhäuser wurden barockisiert.

Im Zuge der Rekatholisierung in Freistadt wurde 1636 die Corpus Christi-Bruderschaft erneuert und eine Rosenkranzbruderschaft wurde 1648 gegründet.

An der alten Handelsstraße entstand ab 1639 ein Kloster der Kapuziner, welches durch Josef II. aufgelöst wurde. Trotz dem Bitten der Bürgerschaft mussten die 13 Patres und sieben Laienbrüder das Kloster verlassen, lediglich zwei Patres blieben als Kooperatoren in Freistadt. Gräfin Rosa von Kinsky erwarb das ehemaliger Kloster samt Kapelle und und baute es in ein Schloss um.[7] 1898 wurde dieses Schloss von der Gemeinde in ein Studentenkonvikt (Wohnheim für Schüler des Staatsgymnasiums) umgebaut, das bis 1938 bestand.

Im 19. Jahrhundert wurde das Gebiet außerhalb der Stadtmauern bebaut. In den Stadtteilen: Linzer Vorstadt, Böhmer Vorstadt, Lederertal und Tanzwiese, Eglsee, Graben und Froschau entstanden zahlreiche neue Häuser.

Ein Theater in Freistadt ist seit dem ausgehenden Mittelalter in Form eines Saals im alten Rathaus verfügbar. Später wurde im Gasthaus Kronberger (Linzer Gasse) bis 1975 Theater gespielt. In der neuen öffentlichen Volksschule, 1956 eröffnet, wurde eine Bühne eingebaut. Mittlerweile existiert mit dem Salzhof seit 2003 ein eigenes Kultur- und Veranstaltungszentrum.

Seit 1913 gibt es in Freistadt ein Kino. Eröffnet wurde es von Kaspar Obermayr. Heute (2008) befindet sich das Kino in der Salzgasse Nr. 25 und bietet drei Kinosäle an.

Ab 1848 entwickelte sich ein reges Vereinsleben. 1849 wurde der Männergesangsverein (heute: Chorgemeinschaft Freistadt), 1870 die freiwillige Feuerwehr und 1887 der österreichische Turnerbund (ÖTB) Freistadt gegründet. Weiters existierten noch ein Eislaufverein, ein Schwimmverein, ein Verschönerungsverein und ein Radfahrverein und andere. Der Turnverein baute 1887 eine große Halle am Stieranger (Hindenburghalle), die erst nach 1975 wieder ausgebaut wurde. Aktuell (2008) gibt es über 180 Vereine in Freistadt.[8]

Kriege und Brände

Die Türkenkriege waren in Freistadt nur von mündlichen Berichten bekannt. Erst als das Hagerische Kriegsvolk während des Österreichischen Erbfolgekrieges durch die Stadt zog, brach ein bisschen Unruhe aus. Maria Theresia besuchte Freistadt während des siebenjährigen Kriegs und erhielt einen Kriegszuschuss. Die Napoleonischen Kriege zwischen 1805 und 1809 bescherten Freistadt eine Zeit der Besetzung. Im Zuge dessen gab es kleinere Gefechte in der Nähe der Stadt.

Im Jahr 1815 brach in der Waaggasse ein Brand aus, der rund 50 Häuser im westlichen Teil zerstörte. Der Turm im Winkel und der Turm der alten Burg fielen dem Brand zum Opfer und wurden nicht mehr aufgebaut. Statt dem Turm im Winkel wurde eine Brücke errichtet, der vierte Zugang zur Stadt. 1880 brach im Schlosshof ein Brand aus und im nördlichen Teil wurden rund 40 Häuser und Teile des Böhmertors ein Raub der Flammen. 1885 brannte das Posttürl ab und wurde durch eine Stiege ersetzt.

Erster Weltkrieg und Zwischenkriegszeit

Im Ersten Weltkrieg wurde in Freistadt ein Kriegsgefangenenlager für Russen errichtet. Bis zu 10.000 Gefangene waren in den Baracken untergebracht. Die Baracken waren teilweise 50 Jahre nach Kriegsende noch sichtbar.

Durch den Friedensvertrag von St. Germain gab es nördlich von Freistadt wieder eine Staatsgrenze. Dadurch wurde die Stadt nach rund 290 Jahren wieder zur Grenzstadt. Im Gegensatz zum Mittelalter hatte dieser neue Grenzcharakter keine wirtschaftliche Bedeutung.

Die übelriechende Azetylen-Gasbeleuchtung in Freistadt wurde 1919 abgedreht. Ab diesem Jahr wurde die Stadt vom Brauhaus aus notdürftig mit Strom versorgt und erhielt 1921/22 einen Anschluss an das entstehende oberösterreichische Stromnetz.[5]

In Freistadt wurde an Hunger gelitten und Krankheiten sowie Arbeitslosigkeit prägten die damalige Zeit. Wie im übrigen Österreich kam es zur Radikalisierung der politischen Parteien, im Bürgerkrieg 1934 fielen jedoch keine Schüsse.

Es wurden zahlreiche Versuche gestartet, die wirtschaftliche Lage zu verbessern. Einige Firmen wie die Seilerei von Anton Haberkorn, ein Holzwerk von Friedrich Mößböck und die Granitwerke von Anton Zemann wurden gegründet. Die öffentliche Hand förderte die Wirtschaft und die Straßen der Innenstadt wurden kanalisiert und gepflastert. 1937 fand die Eröffnung der Erzherzog-Karl-Kaserne (heute: Tilly-Kaserne) südlich der Stadtmauern statt. Die Stadt sanierte den Frauenteich und erbaute Teile der Umfahrungsstraße (heute: B310). Der größte Teil der rund 4.000 Einwohner wohnte damals innerhalb der Stadtmauern.

In der Jaunitz wurden zwei politisch getrennte Bäder errichtet, was die damalige politische Polarisierung widerspiegelte. Am Bahnhofsteig wurde ein Fußballplatz für den SV Freistadt errichtet.

Anschluss und Zweiter Weltkrieg

Nach dem Anschluss am 12. März 1938 änderte sich in Freistadt einiges. Die vormals illegalen Mitglieder der NSDAP standen nun öffentlich zu ihrer Überzeugung und 1939 wurde das Gemeindegebiet im Süden bis zum Trölsberg vergrößert.

Die privaten Schulen wurden am Schulschluss 1938 geschlossen und umgewandelt. Das Marianum wurde eine öffentliche Volks- und Hauptschule für Buben, das Kloster das entsprechende Gegenstück für Mädchen. Das Bundesgymnasium wurde eine Oberschule für Buben, die auch von Mädchen besucht werden durfte. Im Herbst musste das Gymnasium den Schulbetrieb einstellen. Das Studentenkonvikt wurde zum NS-Schülerheim umgestaltet und in das Gebäude zog zusätzlich die NSDAP Kreisverwaltung ein. Das Bürgerspital wurde geschlossen und verkauft.

Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde die Garnison vergrößert. Zwei Wehrmachts-Barackenlager wurden auf dem Stieranger und auf dem Friedhofsberg eröffnet. Somit waren über 1.000 Soldaten in Freistadt stationiert. Die große Anzahl an Soldaten zeigte sich in der Errichtung von drei Offiziershäusern und mehreren Unteroffiziershäusern. Weiters wurde Häuser für ausgewanderte Südtiroler errichtet.

Um die Verwaltung von Oberösterreich für die Sowjetunion zu erschweren, wurden am 24. April 1945 die so genannten „Sozialistenmorde“ verübt. Vier Freistädter und ein polnischer Landarbeiter wurden am 24. April vom Volkssturm unter Geheimhaltung festgenommen und noch in der Nacht zum 25. April an der Jaunitzbrücke im Süden der Stadt ermordet. Erst nach dem Kriegsende kam die Wahrheit heraus und die Täter konnten gefasst werden. Heute erinnert ein Gedenkstein an diese Tat.[9]
Einige Freistädter schlossen sich 1944 der Widerstandsgruppe Neues freies Österreich an. Im Oktober 1944 wurden sie verraten und insgesamt 52 Personen wurden von der Gestapo verhaftet. Zwischen dem 26. und 27. Februar 1945 wurde 27 von ihnen der Prozess gemacht, 16 Personen wurden verurteilt, davon 8 Personen zum Tode. Am 1. Mai 1945 wurden die sieben Freistädter und ein Linzer in Treffling von einem Volkssturm-Kommando erschossen (hingerichtet).[10]. Am 5. Mai 1995 wurde ein Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Freistadt vor dem Linzertor eingeweiht.

In den Kriegsjahren fiel keine einzige Bombe auf Freistadt, die gegen Kriegsende drei Lazarette beherbergte. In den letzten Kriegstagen konnte die Stadtbevölkerung samt dem Stadtkommandanten Hauptmann Bock einen Kampf um Freistadt verhindern, in dem man sich den Befehlen einer SS-Einheit widersetzte. Am 7. Mai erreichten amerikanische Panzer kampflos die Stadt, nachdem die SS-Einheit in Richtung Osten abgezogen war.

Nachkriegszeit

Zuerst wurde Freistadt von den amerikanischen Truppen besetzt, bald darauf wurde sie von der sowjetischen Armee abgelöst. Zuerst war die Summerauer Bahn die Demarkationslinie, ab 1. Juli 1945 wurde das ganze Mühlviertel von der Roten Armee besetzt. Im Winter 1945/46 gab es in Freistadt kaum ein Haus ohne sowjetischen Soldaten. Das Bundesgymnasium wurde das Lazarett für die Russen, das Haus der Kreisverwaltung wurde zum Zentrum der Besatzungsmacht bis schließlich das Haus Hagleitner am Hauptplatz der Sitz der Kommandantur wurde.

Die Russen führten die Politik Stalins konsequent durch und hinterließen eine Stadt, die in der Entwicklung um zehn Jahre gegenüber den anderen Teilen Österreichs (nicht unter sowjetrussischer Besatzung) zurück war. Die Besatzungszeit war von der Unsicherheit der Bevölkerung geprägt und in den wirtschaftlichen Aufschwung wurde wenig investiert. Nach 1945 wurde die Volks- und Hauptschule in einer Notunterkunft weiter geführt. Als eine der wenigen öffentlichen Investitionen in dieser Zeit wurde im Jahr 1947 das ehemalige Studentenkonvikt (NSDAP Kreisverwaltung) zu einem Krankenhaus umgebaut.

1948 wurde nach der kommunistischen Putsch in der Tschechoslowakei der Eiserne Vorhang errichtet, welcher den Grenzverkehr fast gänzlich lahmlegte. Somit lag Freistadt bis zur Wende 1989 in einem, wirtschaftlich gesehen, toten Winkel Österreichs.

Seit Ende der Besatzungszeit

Erst nach dem Staatsvertrag vom 5. Mai 1955 und dem Abzug der russischen Besatzungsmacht änderte sich die Stimmung. Somit hatte Freistadt Teil am Wirtschaftswunder in Österreich. Die zeigte sich daran, dass die Einwohnerzahl auf 6.000 stieg und die bestehenden Firmen Haberkorn, Moßböck, Brauerei und Molkerei ihren Kapazitäten erweiterten und neue Firmen (Mäser, Klinger) nach Freistadt kamen. Die Wohnbautätigkeit wurde forciert und die Infrastruktur – Straßen, Wasserleitung und Kanalisation, Kläranlage – wurde erneuert, ausgebaut oder neu errichtet. In den 1960er Jahren wurde das ehemalige Gaswerksgebäude (Azetylen-Gasbeleuchtung zwischen 1905 und 1919) abgebrochen und an dessen Stelle die heutige Bezirkshauptmannschaft Freistadt errichtet.[5]

Für das mittelalterliche Stadtbild war die Besatzungszeit gut, da niemand investieren wollte. Als Investitionen wieder sinnvoll waren, kam es in Freistadt zum Umdenkprozess - die Altstadt wurde erhalten, um den Tourismus zu fördern. 1967 wurde die Stadtpfarrkirche renoviert und der gotische Ursprung größtenteils wieder hergestellt, in dem man die Umbauten der Barockzeit entfernte. Bahnbrechend war die Fassadenaktion seit 1972 und schließlich die neue Bauordnung 1979. Die großen Plätze – Schlosshof und Hauptplatz - wurden gepflastert, die Beleuchtung verbessert und die Türme und Tore der Stadtmauer renoviert. Das Schwimmbad und die Sportanlagen wurden erneuert sowie ein neues Hallenbad errichtet.

Ab 1955 entwickelte sich Freistadt immer mehr zur Schulstadt. 1956 wurde das neue Gebäude der Volksschule eröffnet und 1972 wurde ein eigener Hauptschulbau bezogen. Im Jahr 1964 wurde eine Handelsschule und 1971 eine Handelsakademie in Freistadt gegründet. Eine Polytechnische Schule, eine gewerbliche Berufsschule (für Maurer, Zimmerer und Dachdecker)[11], eine Landwirtschaftsschule, eine Landesmusikschule und eine Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe stehen für die Ausbildung zur Verfügung. Eine Schule für Gesundheits- und Krankenpflege mit Diplomabschluss rundet das Angebot der Stadt ab.

Durch die Katastrophe von Tschernobyl erhöhte sich 1986 das Jahresmittel der Gammadosisleistung schlagartig von 93 auf 145 nSv/h. Erst rund 20 Jahre später wurde der ursprüngliche Wert vor der Katastrophe wieder erreicht.[12]
Anfang der 1990er Jahre wurde im Süden der Stadt das neue Landeskrankenhaus mit vier Fachabteilungen und 176 Betten errichtet. In dieser Zeit wurde das Freibad neben dem Hallenbad neu gebaut und das alte Freibad zu einem Tennisplatz mit Tennishalle umgebaut. 1994 wurde ein Citybus mit aktuell (2008) zwei Linien eingerichtet, die das gesamte Stadtgebiet im Stundentakt versorgen.[13] Das Biomasseheizkraftwerk verbrennt seit 1999 das Hackgut von 153 Bauern der Region und beheizt vor allem die öffentlichen Bauten der Stadt. Im Jahr 2008 erfolgt eine Erweiterung der Kapazität.[14]

2002 wurden während des Jahrhunderthochwassers Stadtteile entlang der Feldaist bis zu einem Meter überflutet, 138 von 1530 Gebäuden (rund 9 %) im Gemeindegebiet wurden beschädigt. Am 7. August 2002 fielen in Freistadt 172 Liter Regen pro Quadratmeter (= 172 mm), in Summe fiel zwischen dem 6. und 13. August 2002 die vierfache Monatsnormalmenge. Mit 367 mm Niederschlag in dieser Zeitspanne, wurde der bisherige Höchstwert von 259 mm im Juli 1910 weit übertroffen.[15]

Der Salzhof (ehemalige alte Burg) wurde 2003 zum Kultur- und Veranstaltungszentrum umgebaut. Hier finden unter anderem: Konzerte, Theateraufführungen, Bälle oder Kongresse statt. Ebenfalls 2003 wurde die Messe- und Veranstaltungshalle mit bis zu 6.000 Stehplätzen oder 3.000 Sitzplätzen errichtet. In dieser Halle werden regelmäßig Veranstaltungen wie Ausstellungen, Messen, Bälle und Musikveranstaltungen angeboten [16] 2004 wurde eine neue multifunktionelle Sporthalle zwischen der Volksschule 1 und Volksschule 2 eröffnet, die von den lokalen Sportvereinen genutzt wird.[17]

Seit 1. März 2005 sendet das Freie Radio Freistadt ein 24-stündiges Vollprogramm. Im Juni 2001 wurde das Radio zwei Wochen als Medienprojekt betrieben. Durch das große Interesse wird im Gymnasium Freistadt seit März 2003 ein Schulradio (Radius 106.6) gestaltet, welches vor und nach dem Unterricht sendet. Die beiden Radiosender arbeiten beim Radioprogramm (Jugendprogramm) zusammen. [18][19] Weiters übernimmt das Freie Radio Freistadt auch Sendungen des Jugend-Internetradios ICM aus Krumau.[20]

Ende April 2008 wurde das neue Altstoffsammelzentrum eröffnet, da das Alte (1989 eröffnet) zu klein für die anfallende Müllmenge wurde und am alten Standort regelmäßig ein Verkehrschaos auftrat.[21]

Aktuelle und zukünftige Entwicklungen

Die Planungen der ASFiNAG für die autobahnähnliche Umfahrungsstraße S10 (Mühlviertler Schnellstraße), die ab 2009 gebaut werden soll, finden auch auf Freistädter Gemeindegebiet statt. Am 23. April 2008 begann die Umweltverträglichkeitsprüfung der Schnellstraße bis Freistadt Nord.[22] Bis 2015 soll die Verkehrsfreigabe erfolgen und die B310 im Stadtgebiet vom Durchzugsverkehr entlasten.[23]

Eine grenzüberschreitende Landesausstellung ist unter dem Titel: Hopfen, Salz und Cyberspace gemeinsam mit Bad Leonfelden, Český Krumlov (Krumau) und Vyšší Brod (Hohenfurth) für das Jahr 2013 geplant. Der „Hopfen“ steht im Ausstellungskonzept als Synonym für die Ess- und Trinkkultur, speziell für die traditionelle Bedeutung der Bierkultur in dieser Region. Das „Salz“ steht für die wirtschaftliche Bedeutung der Handelsstraße und den damit verbundenen Reichtum der Region. „Cyberspace“ ist als Synonym für die zukünftige Dimension, die ständigen Veränderungen unserer Gesellschaft, Wirtschaft und Politik, zu verstehen.[24]

Einzelnachweise

Die Grundlage dieses Artikels ist die ausführliche Geschichte der Stadt Freistadt auf der offiziellen Homepage der Stadt, verfasst von Othmar Rappersberger.

  1. Beiträge zur Frühgeschichte der Stadt Freistadt: Zur Frühgeschichte der Stadt Freistadt, Seite 32
  2. Geschichte Oberösterreichs, Seite 140
  3. Geschichte Oberösterreichs, Seite 221
  4. Messe Mühlviertel: Geschichte Stand 8. April 2008
  5. a b c Geschichte der Gaswirtschaft in OÖ: Azetylenbeleuchtung Stand 24. April 2008
  6. Bundesgymnasium Freistadt: Chronik Stand 19. April 2008
  7. Diözese Linz: Geschichte der Diözese Linz, Seite 108f
  8. Stadtgemeinde Freistadt: Vereine Stand 4. April 2008
  9. Sozialisten-Morde - Freistädter Geschichtsblätter, Band 11, Seite 158ff
  10. Neues freies Österreich - Freistädter Geschichtsblätter, Band 11, Seite 5 - 157
  11. Berufsschule Freistadt: Lehrberufe Stand 24. April 2008
  12. Österreichischer Verband für Strahlenschutz: Radioaktivitätsmessungen in Österreich, Seite 30
  13. Stadtgemeinde Freistadt: Citybus Linien Stand 3. April 2008
  14. Was ist los?: Fernheizwerk Freistadt wird noch ausgebaut Stand 25. April 2008
  15. Plattform Hochwasser: Hochwasser 2002, Seiten 27 und 63
  16. Messehalle Freistadt: Startseite Stand 3. April 2008
  17. Stadtgemeinde Freistadt: Sporthalle Stand 4. April 2008
  18. Freies Radio Freistadt: Über uns Stand 3. April 2008
  19. Radio Radius 106,6: Sendeplan 2007/08 Stand 3. April 2008
  20. Stadtgemeinde Freistadt: Aktuell aus dem Rathaus, Nr. 01/2007
  21. Stadtgemeidne Freistadt: Neues Altstoffsammelzentrum
  22. OÖ Nachrichten: Startschuss für Mühlviertler Schnellstraße Stand 19. April 2008
  23. Asfinag : Strassenbauprojekte - S 10 Stand 31. März 2008
  24. Landesausstellung 2013: Hopfen, Salz und Cyberspace Stand 1. April 2008

Literatur

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