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Nohra (bei Weimar)

Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 50° 58′ N, 11° 14′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Weimarer Land
Verwaltungsge-
meinschaft:
Grammetal
Höhe: 315 m ü. NN
Fläche: 19,58 km²
Einwohner: 1922 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 98 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99428
Vorwahlen: 03643
03643 im OT Nohra
Kfz-Kennzeichen: AP
Gemeindeschlüssel: 16 0 71 067
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der Gemeindeverwaltung: Herrenstr. 34
99428 Nohra
Webpräsenz:
www.vg-grammetal.de
Bürgermeister: Andreas Schiller

Nohra ist eine Gemeinde im Westen des Landkreises Weimarer Land und Teil der Verwaltungsgemeinschaft Grammetal. Nohra ist namensgebend für eine Auffahrt auf die BAB 4.

Inhaltsverzeichnis

Ortsteile

Zur Gemeinde Nohra gehören Nohra, Ulla, Obergrunstedt sowie das am 1. Dezember 2007 eingemeindete Utzberg.

Geschichte bis 1900

Erstmalig wurde Nohra in einer Urkunde vom 30. November 1217 genannt. Infolge des Thüringer Grafenkrieges kam Nohra 1343 zur Stadt Erfurt. Eine Inschrift am Turmsockel der Kirche zeugt vom Kirchenumbau im Jahre 1392. Während des Sächsischen Bruderkrieges (1445-1451) gab es verheerende Brände in Nohra.

Henning Göde, der Vertraute Friedrich des Weisen und führende Jurist seiner Zeit, wurde am 3. September 1516 von der Stadt Erfurt feierlich vor Nohra empfangen. Er war 1509 aus Erfurt geflohen. Als Martin Luther zum Reichstag nach Worms reiste, betrat er am 5. April 1521 in Nohra erstmals ein Territorium außerhalb des Kurfürstentums. Hier empfingen ihn 40 Mann zu Pferde, voran der Rektor der Universität und eine große Menge Erfurter. Sie geleiteten ihn nach Erfurt. 1564 erhielt die Kirche einen Taufstein, der heute noch genutzt wird. 1613 wütete die Thüringer Sintflut auch in Nohra. Volckmar Leisring wurde am 24. September 1618 in Nohra ordiniert. Der 30-jährige Krieg bedeutete Einquartierungen und Plünderungen für die Dörfer um Erfurt. 1622 wurden in Nohra die Leuchter vom Altar, der Krankenkelch und das Taufbecken gestohlen. Kurz nach 1700 wurde die Kirche St. Petri erweitert.

1715 wurde der Kantor durch das Erfurter Ministerium gerügt, weil er auch Mädchen im Adjuvantenchor singen ließ. 1736 beginnen die Kirchenbücher. Nach der großen Hungersnot erhielt Nohra 1772 eine Glocke, die daran mit folgenden Worten erinnert: Deutschland von der ungeheuren, dreijährigen Teuerung und schrecklichen Sterblichkeit durch Gottes Fügung befreit. 1783 Tod des Läuters Andreas Kühn. Sein Grabstein ist ein seltenes Beispiel für die Darstellung der Todesursache auf dem Grabstein.

Aus Protest gegen die Verlegung von Militär in die Stadt zog am 9. Juli 1792 ein großer Teil der Studenten aus Jena bis nach Nohra, dem ersten Ort außerhalb des Fürstentums, um hier für ihre Rechte zu streiten. Nachdem die Weimarer Minister ihre Forderungen erfüllten, zogen sie wieder nach Jena zurück. Die livländischen Studenten schufen sich daraufhin eine neue Fahne, auf der zu lesen war Vivat Libertas Academica! (Hoch lebe die akademische Freiheit). Ihre alte Fahne wurde dem Dorf geschenkt.

1887 erhielt Nohra einen Bahnhof an der Ilmtalbahnstrecke, der jedoch 2 km vom Ort entfernt liegt.

1892 schlug der Blitz in den Kirchturm ein, dabei wurde Turm und Teile des Kirchenschiffs zerstört. So erhielt die Kirche einen neuen markanten Turm. 1898/99 Bau der Schule (heute Gemeindeamt und Kinderkrippe).

Sehenswürdigkeiten

Folgende Objekte wurden u.a. in die Denkmalliste des Kreises Weimarer Land aufgenommen:

Wirtschaft

Bedeutende ansässige Unternehmen:

Religion

Die evangelischen Christen gehören zur Kirchgemeinde Nohra (Katharina von Bora) zusammen mit Gemeindegliedern aus Ulla, Bahnhof Nohra, Isseroda und Bechstedtstraß. Gottesdienste finden etwa 14-tägig statt. Das Pfarramt ist in Nohra.

Militär

1916 Beginn des Baus am Flughafen Nohra mit 6 Flugzeughallen, vor allem durch russische Kriegsgefangene. 1919 gab es in Nohra 12 Piloten. Mit dem [Friedensvertrag von Versailles] musste der Flughafen 1920/21 umfunktioniert werden. Es entstand eine Maschinenfabrik, die zugleich als Tarnobjekt eine weitere militärische Nutzung des Platzes ermöglichte. 1926 der Bau einer Betonpiste. 1928 wurde hier die Heimatschule Deutschland eröffnet, die sich der Erwachsenenbildung widmete und den Freiwilligen Arbeitsdienst in der Region organisierte. Zugleich nutzte der paramilitärische Stahlhelm das Gelände zu Schulungen. Nach dem Reichstagsbrand begann am 28. Februar 1933 die formale Legitimierung des faschistischen Terrors. Über 200 Thüringer Antifaschisten wurden in den folgenden Wochen in der Heimatschule Deutschland bei Nohra ("Sammellager für Kommunisten") interniert. In der Literatur wird es als das erste KZ in Deutschland geführt.[2] Zur gleichen Zeit wurden die Flughallen erweitert. Nun wurde der Flugplatz Ausbildungsstätte des nationalsozialistischen Luftsportverbandes, dem Vorläufer der Luftwaffe. Er übernahm wenig später die Gebäude der Heimatschule. Am 1.März 1935 wurde aus dem Flugplatz der „Fliegerhorst Weimar-Nohra“. 1937 wurde Bau der Kasernenanlage im Süden (versteckt in einem Wald) begonnen. Nun wurde der Flugplatz vor allem zur Ausbildung genutzt. Nach der Kapitulation am 11. April 1945 übernimmt die 9. Airforce der US-Armee den Flugplatz. [3] Am 3. Juli 1945 wurde die 8. Gardearmee unter Gardegeneraloberst Tschuikow nach Nohra verlegt. Sie hatte in Stalingrad gekämpft und Berlin mit erobert. [4] So wurde Nohra einer der wichtigsten Standorte der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Hier stand die größte Hubschrauberstaffel Ostdeutschlands. Als die sowjetischen Truppen 1992 aus Nohra abzogen, umfassten die militärische Liegenschaft eine Fläche von ca. 240 ha. Bis heute wurden ungefähr 200 Gebäude auf dem Gelände abgerissen, ca. 13 Hektar Landebahn und Hubschrauber-Stellflächen renaturiert. Die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen hat einen Teil der Fläche renaturiert und der Kommune Nohra zur Entwicklung eines Landschaftsparks mit eingelagertem Sondergebiet für gewerbliche Freizeitgestaltung veräußert. Bis Sommer 2003 wohnten bis zu 500 Spätaussiedler in drei erhaltenen Gebäuden. Die letzten Wohnblocks wurden 2007 abgerissen. Ein Teil des früheren Schulgebäudes wurde saniert. Heute befindet sich darin ein Montessori-Kindergarten und eine Montessori-Grundschule. Die Kaserne im Südteil hat bis heute keine neue Nutzung gefunden.

Anmerkungen

  1. Einwohnerzahlen
  2. Udo Wohlfeld das Netz Die Konzentrationslager in Thüringen 1933-1937, Weimar 2000; |TAZ-Artikel
  3. Record of the 327. Fighter Control Squadron, Weimar 1945
  4. http://www.thueringen.de/imperia/md/content/staatsarchive/weimar/schaukasten/Folge_3.pdf