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Oberhof

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der thüringischen Stadt Oberhof. Für weitere Bedeutungen siehe Oberhof (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 50° 42′ N, 10° 44′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Schmalkalden-Meiningen
Höhe: 810–836 m ü. NN
Fläche: 23,47 km²
Einwohner: 1673 (31. Dez. 2006)[1]
Bevölkerungsdichte: 71 Einwohner je km²
Postleitzahl: 98559
Vorwahl: 036842
Kfz-Kennzeichen: SM
Gemeindeschlüssel: 16 0 66 047
Adresse der Stadtverwaltung: Zellaer Straße 10
98559 Oberhof
Webpräsenz:
www.oberhof.de
Bürgermeister: Thomas Schulz (Freie Wähler)
Lage der Stadt Oberhof im Landkreis Schmalkalden-Meiningen

Oberhof ist eine Stadt im Landkreis Schmalkalden-Meiningen in Thüringen (Deutschland). Sie liegt am Kamm des Thüringer Waldes auf etwa 815 m ü. NN in der Nähe des Rennsteigs.

Oberhof ist als deutsches Wintersportzentrum bekannt. Besonders populär sind hier die Sportarten Biathlon, Rennrodeln bzw. Bobsport, Skilanglauf und die Nordische Kombination. Die Stadt lebt vom Tourismus. Im Jahr 2005 kamen 130.000 Gäste nach Oberhof, die insgesamt 436.000 Übernachtungen tätigten.[2] Damit ist Oberhof nach Erfurt und Weimar der meistbesuchte Ort in Thüringen sowie der meistbesuchte Ferienort im Thüringer Wald. Es ist auch ein staatlich anerkannter Luftkurort.

Oberhof ist auch bekannt für sein Sportgymnasium, welches das Zentrum der Wintersport-Nachwuchsförderung in Thüringen darstellt sowie für die dort stationierte Sportfördergruppe der Bundeswehr, welche einige der Oberhofer Leistungssportler betreut.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Oberhof liegt im Thüringer Wald, einem Mittelgebirge, in etwa 815 Metern Höhe. Südlich des Ortes verläuft der Rennsteig, der den Kamm des Gebirges darstellt. Die Stadt liegt auf einer Hochfläche, weshalb es im bebauten Gebiet keine großen Höhenunterschiede gibt. Direkt ans Stadtgebiet grenzt südlich der 904 Meter hohe Schützenberg. Etwa vier Kilometer südöstlich liegen mit dem 983 Meter hohen Großen Beerberg und dem 978 Meter hohen Schneekopf die beiden höchsten und bekanntesten Berge Thüringens. Südwestlich von Oberhof liegen auch zwei Rennsteigpässe: der Grenzadler (ehemalige Sächsisch-Preußische Grenze) und das Rondell. Sie waren seit alters her Übergänge von Handelsstraßen. Bei Oberhof entspringen auch mehrere Flüsse, die Gera im Osten, die Ohra im Norden, die Hasel im Süden und die Schönau im Westen.

Die Umgebung Oberhofs ist komplett bewaldet, meist verbreitete Baumart ist die Fichte.

Ausdehnung des Stadtgebiets

Das Stadtgebiet hat die Form eines auf den Kopf gestellten T, wobei sich der älteste Siedlungskern im Südosten befindet. Später wuchs der Ort dann Richtung Westen und in den letzten 50 Jahren auch in Richtung Norden. Das Gründle, eine natürliche Feuchtfläche im Nordosten der Stadt blieb bis 1997 unbebaut. Dann wurden hier die Rennsteigthermen Oberhof und ein Hochseilgarten errichtet.

Oberhof besitzt keine Ortsteile.

Nachbargemeinden

Oberhof liegt im nordöstlichsten Zipfel des Landkreises Schmalkalden-Meininigen und grenzt im Südwesten an drei weitere Gemeinden dieses Kreises, nämlich an Oberschönau, Steinbach-Hallenberg und Zella-Mehlis. Im Osten grenzt die Stadt an die Gemeinden Gehlberg, Gräfenroda und Frankenhain im Ilm-Kreis. An die zum Landkreis Gotha gehörigen Gemeinden Luisenthal und Tambach-Dietharz grenzt Oberhof im Norden.

Klima

Das Klima Oberhofs ist sehr rau, deshalb konnte sich der Ort vor 1900 auch nicht entwickeln. Entgegen anderen Orten des Thüringer Waldes liegt Oberhof ungeschützt nach Norden, Westen und Osten auf einer Hochfläche. Die nächst gelegene Wetterstation ist auf der Schmücke in etwa sechs Kilometern Entfernung am Rennsteig (Klimadiagramm). Die jährliche Niederschlagsmenge ist mit etwa 1300 mm sehr hoch, die Jahresdurchschnittstemperatur liegt mit 4,4 °C im niedrigen Bereich. Die durchschnittliche Juli-Temperatur liegt bei 12,8 °C, die Januar-Temperatur bei -4,0 °C. Schnee liegt üblicherweise von Mitte November bis Ende März.

Geschichte

Oberhof wurde 1470 erstmals urkundlich erwähnt. 1861 kamen die ersten Feriengäste in den Ort. Mit der Fertigstellung des Brandleitetunnels der Bahnstrecke ErfurtRitschenhausen erhielt Oberhof 1884 einen Bahnanschluss. Bis 1918 gehörte der Ort zu Sachsen-Coburg und Gotha.

Im Jahr 1906 wurde die erste Bobbahn und die erste Skisprungschanze eingeweiht. Im Jahr 1931 wurden im Ort erstmals Weltmeisterschaften ausgetragen, und zwar im Zweierbob und in der Nordischen Kombination.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten etwa 170 Frauen und Männer aus den von Deutschland besetzten Ländern Zwangsarbeit verrichten: beim Forstamt, bei der Bahnmeisterei, in Wehrmachtsreservelazaretten und im Fremdenverkehrsgewerbe. Im April 1945 kamen beim Todesmarsch des KZ Bad Salzungen drei Häftlinge ums Leben und wurden später auf dem Waldfriedhof an der Crawinkler Straße begraben, wo ein Gedenkstein an sie erinnert.[3]

1964 wurde der Bau der Großschanze am Rennsteig für das Skispringen abgeschlossen und 1971 die Rennschlittenbahn fertiggestellt, auf der 1973 erstmals die Rennrodel-Weltmeisterschaft ausgetragen wurde. Am 7. Oktober 1985 erhielt Oberhof das Stadtrecht.

Die jüngsten sportlichen Großereignisse in Oberhof waren die Austragung der Biathlon-Weltmeisterschaften 2004 in der Rennsteig-Arena Oberhof und die Rennrodel-Weltmeisterschaft 2008 auf der Rennrodelbahn Oberhof.

Einwohnerentwicklung

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1994 31. Dezember):

  • 1665 - 51
  • 1705 - 150
  • 1900 - 400
  • 1933 - 1.149
  • 1939 - 1.086
  • 1994 - 2.189
  • 1995 - 2.118
  • 1996 - 2.052
  • 1997 - 1.981
  • 1998 - 1.884
  • 1999 - 1.845
  • 2000 - 1.803
  • 2001 - 1.726
  • 2002 - 1.693
  • 2003 - 1.647
  • 2004 - 1.613
  • 2006 - 1.674
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik

Städtepartnerschaften

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Naturdenkmäler

Am Südostrand der Stadt, in der Nähe des 868 m hohen Pfanntalskopfs bietet der Rennsteiggarten Oberhof als Botanischer Garten für Gebirgsflora auf sieben Hektar einen Überblick über ca. 4000 verschiedene Pflanzenarten aus vielen Gebirgsregionen der Erde.

Sport

Zu den Besonderheiten Oberhofs gehört die Konzentration vieler Wintersportanlagen auf engstem Raum, so zum Beispiel die Sprungschanzen (Hans-Renner-Schanze), die DKB-Ski-Arena Oberhof sowie die Rennrodelbahn Oberhof. Diese kann im Winter, wenn gerade keine Wettkämpfe auf ihr stattfinden, von jedermann für Ice-Rafting oder zum Bobfahren genutzt werden. Von Mai bis September gibt es auch Angebote für Sommerbobfahrten. Für Abfahrtsläufer wurde 1998 ein 800 m langer Hang für Abfahrtsläufer und Snowboarder einschließlich Sessellift, Beschneiungsanlage und Flutlicht betrieb geschaffen. Die Stadt eignet sich im Winter auch besonders für Skilangläufer auf vielen Kilometern gespurter Loipen, während im Sommer die Gegend gut geeignet für Wanderungen ist. Auch der Rennsteig-Radfernweg führt durch die Stadt.

Am Grenzadler befindet sich auch die Sportfördergruppe der Bundeswehr. Dort gehen unter anderem Biathleten, Bobfahrer, Nordische Kombinierer, Rennrodler und Langläufer des Bundeskaders ihrem Training nach. Auch erfolgreiche Trainer wie Frank Ullrich sind dort Sportsoldaten.

Die Rennsteig-Thermen bieten mit Freizeitbad und Saunalandschaft ganzjährigen Badespaß. Neben den Rennsteigthermen gibt es den Hochseilgarten Woodjump, in dem man in 10 bis 14 m Höhe 20 Hochseilstationen erklettern kann.

Mit dem Herzoglichen Golfclub Oberhof besitzt die Stadt nicht nur einen der ältesten, sondern auch den einzigen denkmalgeschützten Golfclub in Deutschland.

Wirtschaft und Infrastruktur

Die Wirtschaft Oberhofs ist einzig und allein auf den Tourismus gestützt. Somit sind die größten Arbeitgeber verschiedene Hotels, außerdem gibt es zahlreiche Gaststätten, Sportgeschäfte, ein Spaßbad, einen Hochseilgarten, ein Exotarium sowie weitere für den Tourismus benötigte Infrastruktureinrichtungen. Auch die Wintersportstätten schaffen zahlreiche Arbeitsplätze.

Verkehr

Oberhof liegt an der Landesstraße 3247 (ehemals Bundesstraße 247), welche das etwa 20 Kilometer südlich gelegene Suhl mit dem 30 Kilometer nördlich gelegenen Gotha verbindet. Über die L 3247 sind auch die A 71-Anschlussstelle Oberhof (etwa acht Kilometer südlich) und die A 4-Anschlussstelle Gotha (etwa 23 Kilometer nördlich) erreichbar. Landesstraßen führen von Oberhof nach Schmalkalden im Westen, Ilmenau im Osten sowie Gräfenroda und Crawinkel/Arnstadt im Nordosten.

Einen Bahnanschluss hat Oberhof seit dem 1. August 1884 an der Bahnstrecke Erfurt–Schweinfurt. Der Bahnhof liegt jedoch etwa fünf Kilometer südlich der Stadt. Dort besteht alle zwei Stunden Anschluss nach Erfurt und Würzburg (RE 7: „Mainfranken-Thüringen-Express“) sowie nach Erfurt und Meiningen mit der Südthüringenbahn-Linie 4, ebenfalls alle zwei Stunden. Zusätzlich verkehrt im Winter an Wochenenden der „Rodelblitz“, ein Zug auf der Relation EisenachBad SalzungenSchmalkaldenZella-Mehlis–Oberhof–Arnstadt. Dieses Angebot ist darauf ausgerichtet, Tagesgäste nach Oberhof zu bringen. Vom Bahnhof verkehren regelmäßig bei Abfahrt und Ankunft der Züge Anschlussbusse vom bzw. ins Stadtzentrum. Weitere Busverbindungen gibt es in alle nahe gelegenen Mittelzentren.

Medien

Die regionale Tageszeitung der Stadt ist das Freie Wort, Lokalausgabe Zella-Mehlis.

Persönlichkeiten

Sportler, die in Oberhof trainieren

Sportler, die in Oberhof trainierten

Weitere Persönlichkeiten

Quellen

  1. Einwohnerzahlen
  2. Thüringer Landesamt für Statistik
  3. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 255, ISBN 3-88864-343-0
 Commons: Oberhof – Bilder, Videos und Audiodateien