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Julirevolution

Dieser Artikel beschreibt die Julirevolution von 1830 in Frankreich. Für die Julirevolution von 1925 in Ecuador siehe Julirevolution (Ecuador).

Die Julirevolution von 1830 hatte den endgültigen Sturz der Bourbonen in Frankreich und die erneute Machtergreifung des Bürgertums in einem liberalen Königreich zur Folge. Ursache der Revolution war die reaktionäre Politik König Karls X. Er beabsichtigte, die bürgerliche Revolution zurückzusetzen und so vor die Französische Revolution zurückzugehen, um damit die Vorherrschaft des Adels wieder durchzusetzen (siehe Restauration). Als der König versuchte, das Parlament aufzulösen, erhoben sich im Juli 1830 in Paris Handwerker, Arbeiter und Studenten und zwangen den König zur Abdankung. Er floh nach England.

Inhaltsverzeichnis

Ablauf

Das Kabinett unter dem Grafen Polignac regierte konsequent an der Abgeordnetenkammer vorbei. Gemeinsam mit den sozialen Problemen der einsetzenden Industrialisierung (siehe Industrielle Revolution) führte dies im Sommer 1829 zu einer politisch explosiven Stimmung. Zwar konnte im Frühjahr 1830 Algerien erobert werden, gleichzeitig waren dadurch jedoch Teile der königstreuen Armee im Ausland gebunden. Ähnlich der „großen“ Revolution von 1789 verband sich das liberale (und auch bonapartistische) Bürgertum mit der proto-proletarischen Unterschicht, die erstmals seit 1795 wieder politisch aktiv wurde. Vorbereiter der Revolution war der Chefredakteur der liberalen Zeitung Le National Adolphe Thiers, der in den folgenden Regierungen zu einem der wichtigsten französischen Politiker wurde.

Auslöser

Unmittelbarer Auslöser der Julirevolution waren die „Juliordonnanzen“ vom 26. Juli, in denen die Abgeordnetenkammer aufgelöst, der Wahlzensus nach oben gesetzt und die Pressefreiheit weiter eingeschränkt wurde. Am 27. Juli begannen Barrikadenkämpfe, die König Karl X. nach drei Tagen zu Abdankung und Flucht nach Großbritannien zwangen. Die Unruhen der proletarischen Unterschicht konnten ohne Probleme unterdrückt werden und die Republikaner begannen sich zu arrangieren. Die „Jakobiner“ konnten sich nicht durchsetzen, zumal ein republikanisches Frankreich außenpolitische Schwierigkeiten bis zu einer Intervention der Heiligen Allianz hätte fürchten müssen. Aus diesem Grunde setzte sich die gemäßigte Partei des Großbürgertums um Thiers und vor allem François Pierre Guillaume Guizot durch. Ein entfernter Vetter des Königs wurde auf den Thron gesetzt: Louis Philippe von Orléans, der sogenannte Bürgerkönig. Danach begann die Periode der „Julimonarchie“, die als Goldenes Zeitalter des französischen Bürgertums galt.

Weitere Auswirkungen

Diese Revolution wirkte sich auch auf den Rest Europas aus. Nicht nur, dass die liberale Bewegung überall Auftrieb erhielt, sondern es gab auch in einigen Staaten des Deutschen Bundes wie z. B. des Königreichs Sachsen, des Königreichs Hannover, Hessen-Kassels sowie des Herzogtums Braunschweig Unruhen und neue Verfassungen, die jedoch noch im landständischen Rahmen blieben.

Auch in den italienischen Staaten, so zum Beispiel im Kirchenstaat, in Parma und in Modena gab es Unruhen (vgl. Risorgimento), vor allem aber im seit dem Wiener Kongress von 1814/15 zwischen Preußen, Österreich und Russland aufgeteilten Polen (Kongresspolen), wo die polnische Frage durch den Aufstand von neuem aufgeworfen wurde. Der Zar wurde als König von Polen abgesetzt und eine nationale Regierung unter Adam Jerzy Fürst Czartoryski gebildet. Erst im Herbst des Jahres 1832 konnte der Aufstand von russischen Truppen niedergeschlagen werden; Polen sank in den Rang einer russischen Provinz, in Paris entstand eine einflussreiche polnische Emigrantenszene, die sich aber bald in „Weiße“ und „Rote“ aufspaltete. Auch in der unmittelbaren nordöstlichen Nachbarschaft Frankreichs gab es Auswirkungen: Die südlichen Niederlande rebellierten gegen die nördliche Bevormundung, wurden unabhängig und im November 1830 wurde das Königreich Belgien ausgerufen. Die Verfassung, die sich der neue Staat gab, galt als die fortschrittlichste Verfassung Europas. Die Grenzen des Landes wurden nach diversen Militäraktionen erst 1839 mit der Teilung des Großherzogtums Luxemburgs festgelegt.

Längerfristig stärkte die Julirevolution die liberalen und demokratischen Bestrebungen in ganz Europa. Als der „Bürgerkönig“ Louis-Philippe sich immer mehr von seinen liberalen Wurzeln des Juste Milieu entfernte und sich schließlich der vom metternichschen System geprägten Heiligen Allianz anschloss, kam es 1848 zur Ausrufung einer weiteren bürgerlich-liberalen Revolution in Frankreich, der Februarrevolution 1848, bei der es zur Ausrufung der Zweiten Französischen Republik kam. Die Februarrevolution von 1848 löste auch die Märzrevolution in vielen anderen Staaten Europas aus, die zur Überwindung der metternichschen Restauration führte.

 Wiktionary: Julirevolution – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik