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Schweizer Bauernkrieg

Der Schweizerische Bauernkrieg von 1653 in der Alten Eidgenossenschaft hatte verschiedene Ursachen. Zum einem waren die Städte, welche die Zentren der politischen und wirtschaftlichen Macht darstellten, abgeschottet. Im Laufe des 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts beschränkten sie nach und nach die Aufnahme von Neubürgern, d.h. Hintersässen aus dem Untertanengebiet und dem Ausland, bis schliesslich keine Neubürger mehr aufgenommen wurden. Damit wurde für die Landbevölkerung eine Barriere errichtet, welche sowohl eine soziale wie auch politische Einflussnahme verhinderte. Hinzu kam die ungünstige wirtschaftliche Entwicklung, die Nachkriegsdeflation nach dem Dreißigjährigen Krieg und die Abwertung der Währung. Viele bäuerliche Betriebe waren hoch verschuldet, weshalb die Landbevölkerung finanzielle Erleichterungen, wirtschaftliche Freiheiten sowie eine grössere politische Selbständigkeit forderte.

Die Aufstände begannen zuerst im Luzerner Entlebuch, dann im Untertanengebiet Berns und schliesslich im Gebiet der Städte Solothurn, Basel sowie in den Freien Ämtern. Die Klagen der Bauern bezogen sich in erster Linie auf ihre wirtschaftliche Not und sie legitimierten ihre Forderungen mit „altem Recht und Herkunft“, insbesondere mit dem Stanser Verkommnis.

Schweizerischer Bauernkrieg Feldzüge.

Bern und dann zögernd auch Luzern forderten von den anderen Eidgenossen Hilfe. Zürich, das den Aufstand seiner Untertanen 1645 und 1646 mit Gewalt unterdrückt hatte, erwartete keine neuen Unruhen auf seinem Untertanengebiet und sandte, um Kosten zu sparen, lediglich seinen Bürgermeister Johann Heinrich Waser zur Beschwichtigung der Untertanen ins Berner und Luzerner Gebiet. Dies blieb allerdings ohne Erfolg.

Vertreter der Untertanen von Luzern, Bern, Solothurn und Basel hatten sich unterdessen in Huttwil an einer Landsgemeinde zu einem Bauernbund zusammengeschlossen und belagerten Luzern, Bern und Aarau. Die eidgenössischen Orte beschlossen daraufhin an der Tagsatzung, mit militärischen Mitteln gegen die Aufständischen vorzugehen. Während Zürich ein Tagsatzungsheer aushob, schloss Niklaus Leuenberger, der Anführer der Berner Untertanen, einen Separatfrieden mit der Obrigkeit von Bern (Vertrag vom Murifeld). Mit der Waffenniederlegung der Rebellen erklärte jedoch kurz darauf Bern diesen Vertrag wieder für nichtig. In den folgenden Tagen kam es dann im Luzerner und Berner Gebiet bei Herzogenbuchsee zu neuen Zusammenstössen.

Das schlecht ausgerüstete Bauernheer mit 20'000 Mann zog gegen Zürich und schlug sein Lager westlich von Mägenwil auf. Von Osten her rückten die 9'000 Mann starken Truppen der Zürcher Obrigkeit unter dem Befehlshaber Konrad Werdmüller vor, die das Städtchen Mellingen besetzten. Am 3. Juni 1653 kam es bei Wohlenschwil und Büblikon zu einem Gefecht, wobei die Zürcher gezielt Brände legten. Wohlenschwil brannte bis auf vier Häuser vollständig nieder. Am Tag darauf ergaben sich die Bauernführer Niklaus Leuenberger und Christian Schybi und unterzeichneten den Mellinger Friedensvertrag.

Letztendlich wurden alle Aufständischen besiegt. Die Anführer wurden mit Bußen, Verbannung oder mit dem Tod bestraft. Trotz der blutigen Niederschlagung hatte der Bauernkrieg eine nachhaltige Wirkung. Bis 1798 wagte es die Obrigkeit nicht mehr, von den Bauern direkte Steuern zu erheben. So fehlten den Städteorten die finanziellen Mittel, um die geplanten stehenden Heere und die Beamtenapparate aufzubauen. Das sparsame Schweizer Milizsystem bei Verwaltung und Militär - teilweise bis ins 20. Jahrhundert - ist eine Folge des Bauernkrieges.


Literatur

 Commons: Schweizerischer Bauernkrieg von 1653 – Bilder, Videos und Audiodateien

Siehe auch