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Landkreis Berchtesgadener Land

Der Landkreis Berchtesgadener Land liegt im Südosten Bayerns im Regierungsbezirk Oberbayern. Er gehört zur Euregio Salzburg – Berchtesgadener Land – Traunstein und ist im Osten, Süden und Südwesten vom österreichischen Bundesland Salzburg umgeben. Lediglich im Nordwesten und Norden grenzt er an seinen einzigen bayerischen Nachbarlandkreis Traunstein an.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Während der nördliche Teil leicht hügelig ist, mit einigen kleinen Seen wie dem Abtsdorfer See, der Salzach als Grenze zu Österreich, ist der südliche Landkreis (ab Bad Reichenhall bzw. dem Hallthurmer Berg) in den bayrischen Alpen gelegen.

Der südliche Landkreis bietet mit dem Hintersee und vor allem dem Königssee zwei Seen die gerne von Landschaftsmalern als Motive verwendet werden und auch touristische Ziele sind.

Der Landkreis Berchtesgadener Land bildet die Südostecke Bayerns. Keilförmig ("Schwanzspitze des bayerischen Löwen") ragt er nach Österreich hinein. Im Osten, Süden und Südwesten ist die Landkreisgrenze zugleich Staatsgrenze. Westlicher und nordwestlicher Nachbar ist der Landkreis Traunstein. Der Landkreis gliedert sich in drei geographische Regionen: die voralpine um Laufen und Freilassing, die alpine um Bad Reichenhall und die hochalpine um Berchtesgaden. Höchster Punkt: 2713 m (Watzmann-Mittelspitze), tiefster Punkt: 383 m (Einmündung des Schinderbaches in die Salzach in Laufen).

Fläche

Mit einer Fläche von 840 km² nimmt der Landkreis Berchtesgadener Land unter den 71 bayerischen Landkreisen die 43. Stelle ein; unter den 20 oberbayerischen Landkreisen steht er an 9. Stelle. Er gehört damit in Bayern zu den mittelgroßen Landkreisen.

Bevölkerung

Zum 30. Juni 2004 hatte der Landkreis 101.926 Einwohner (davon ca. 52% weiblich). Damit gehört er auch der Bevölkerung nach zu den mittelgroßen Landkreisen. In Oberbayern steht er an 13., in Bayern an 46. Stelle. Die Bevölkerungsdichte entspricht mit 121 Einwohnern pro Quadratkilometer dem bayerischen Durchschnitt. Durch die "Völkerwanderungen" der Kriegs- und Nachkriegszeit schnellten von 1944 bis 1950 die Bevölkerungszahlen ungewöhnlich hoch. 1946 war 35 % der Landkreisbevölkerung Heimatvertriebene (1972 nur noch 25 %). 82 % der Bevölkerung sind römisch-katholisch, 14 % evangelisch-lutherisch. Der Ausländer-Anteil beträgt 11 %. Trotz eines seit Jahren anhaltenden Geburtenrückgangs (zu beobachten in der ganzen Bundesrepublik Deutschland) hat der Landkreis von 1972 – 2004 über 13.000 Einwohner durch Zuzug gewonnen.

Wirtschaft

Tourismus und Landwirtschaft spielen neben der mittelständischen Wirtschaft eine tragende Rolle. Weiterhin hat das Berchtesgadener Land überregional bedeutende Unternehmen der Lebensmittelbranche aufzuweisen, wie die Confiserie Reber (Mozartkugeln) und die Milchwerke Berchtesgadener Land. In Berchtesgaden wird darüber hinaus Salzbergbau betrieben, die erzeugte Sole wird in der Bad Reichenhaller Saline zusammen mit dort zutage gepumpter Sole gesiedet.

Die Berchtesgadener War', typische Berchtesgadener Handwerkskunst, wie Holzschnitzereien und Spanschachteln, die in vergangenen Jahrhunderten in ganz Europa bekannt war, spielt heute nur noch eine untergeordnete Rolle.

Verkehr

Durch das heutige Kreisgebiet führt der 1860 eröffnete Abschnitt Rosenheim - Salzburg der bayerischen Maximiliansbahn, mit dem München und Salzburg verbunden wurden. Sie erhielt in der Grenzstadt Freilassing durch die Bayerische Staatsbahn einen wichtigen Knotenbahnhof, seit 1866 hier die Bahn nach Bad Reichenhall abzweigt, die 1888 über die schwierige Steilstrecke bis Berchtesgaden verlängert worden ist. Seit 2006 ist die Bahnstrecke Freilassing–Berchtesgaden in das S-Bahnsystem von Salzburg integriert.

1890 wurde die Bahnverbindung von Freilassing nach Norden zunächst bis Laufen an der Salzach und 1894 weiter in Richtung Mühldorf eröffnet.

Als Verlängerung der Salzburger Lokalbahn nahm 1907 eine elektrische Staatsbahnstrecke von der Landesgrenze bei Schellenberg den Betrieb nach Berchtesgaden auf, der Abschnitt wurde aber 1938/39 für den Bau einer nie vollendeten zweigleisigen Hauptbahn nach Salzburg stillgelegt. Von 1909 bis 1966 verkehrte von Berchtesgaden die Königsseebahn weiter zum Königssee. Die wichtigste Fernverkehrsanbindung des Landkreises ist die Bundesautobahn 8 von München kommend nach Salzburg mit den Anschlussstellen Piding und Neukirchen, der Behelfsanschlussstelle Anger sowie der Halbanschlussstelle am Walserberg. In Längsrichtung von Berchtesgaden bis Laufen und von hier aus weiter nach Norden zieht sich die B 20 als Verkehrsachse durch den Landkreis. Die Deutsche Alpenstraße B 305 beginnt in Berchtesgaden und stellt für den südlichen Landkreisteil die kürzeste Anbindung an den Nachbarlandkreis Traunstein dar. Die Bundesstraße 21 ist die kürzeste Verbindung zwischen dem Norden des österreichischen Bundeslandes Salzburg und Tirol. Die Route stellt deshalb eine bedeutende Transitstrecke für das Nachbarland Österreich dar ("kleines deutsches Eck").

Panoramastrassen erschliessen die einzigartige Bergwelt, z. B. die Roßfeldhöhenringstraße (mautpflichtig, Scheitelpunkt 1600 m), die Kehlsteinstraße (nur Busbetrieb, bis 1700 m) oder die Hochschwarzeckstraße.

Das Berchtesgadener Land ist gut an den Luftverkehr angebunden. Der internationale Flughafen Salzburg ist vom Landkreis aus in wenigen Kilometern zu erreichen. Der internationale Flughafen München ist in ca. 1,5 Autostunden zu erreichen.

Geschichte

Vorgeschichte

Das Gebiet des heutigen Landkreises Berchtesgadener Land kann als Grenzregion auf eine in den meisten Teilen sehr bewegte Geschichte zurückblicken. Gemeinsame Klammer war über Jahrhunderte die große Bedeutung des Salzes für die Region. Das heutige Landkreisgebiet gehörte ursprünglich komplett zum bayerischen Stammesherzogtum. Mit dem Aufstieg Salzburgs zum eigenständigen Fürsterzbistum und der Selbständigkeit der Fürstpropstei Berchtesgaden, trennten sich die Wege über mehrere Jahrhunderte:

Das hochalpine Gebiet um Berchtesgaden wurde durch erste Rodungsaktivitäten der Augustiner im 11. Jahrhundert besiedelt und schon bald zur unabhängigen Fürstpropstei. 1122 wurde die Stiftskirche in Berchtesgaden eingeweiht. Im Laufe der Jahrhunderte konnte sich das Gemeindewesen entwickeln und gelangte auf Grund der reichen Salzvorkommen und ihrer Verwertung zu erheblichem Wohlstand. Dies äußerte sich u.a. darin, dass Berchtesgaden zur Fürstpropstei ernannt wurde und völlige Reichsunmittelbarkeit erhielt. Nach Jahrhunderten wechselvoller Geschichte, die besonders durch kriegerische Auseinandersetzungen wegen des Salzes gekennzeichnet waren, wurde schließlich im Rahmen der allgemeinen Säkularisation im Jahre 1803 die Fürstpropstei Berchtesgaden aufgehoben. 1810 kam das Gebiet zum Königreich Bayern.

Bad Reichenhall dagegen blieb durchgehend bayerisches Territorium. Aus keltischen und römischen Anfängen erreichte auch dieses Gebiet dank der Solevorkommen und der Salzverarbeitung Reichtum und Ansehen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es hier auch ein Soleheilbad.

Der nördliche Teil des Landkreises hingegen gehört zum Rupertiwinkel, der Teil des Fürsterzbistums Salzburg wurde. Die Bezeichnung Rupertiwinkel geht auf den ersten Bischof von Salzburg, Rupertus (690 - 710), zurück. Dieses Gebiet unterstand bis zur Säkularisation im Jahre 1803 dem Erzbistum Salzburg. 1810 kam es mit ganz Salzburg zu Bayern und verblieb hier auch 1816 als das Salzburger Land durch die Saalach-Salzach-Linie getrennt wurde und der östliche Teil zu Österreich kam.

Damit war ab 1810 das heutige Kreisgebiet durchgehend bayerisch. Es gehörte aber zu unterschiedlichen Landgerichten, Bezirken bzw. Landkreisen. Auf dem heutigen Kreisgebiet entstanden Anfang des 19. Jahrhunderts die Landgerichte Berchtesgaden (1811), Reichenhall (1803) und Laufen (1810). Sie gehörten zum Isarkreis (Hauptstadt München) der 1838 in Oberbayern umbenannt wurde. 1862 entstand aus den Landgerichtsbezirken Berchtesgaden und Reichenhall der Bezirk Berchtesgaden. Das Landgericht Laufen bildete mit dem 1811 errichteten Landgericht Tittmoning den Bezirk Laufen. 1929 schied Bad Reichenhall aus dem Bezirk Berchtesgaden aus und wurde eine kreisunmittelbare Stadt.

Während des Nationalsozialismus war der Obersalzberg bei Berchtesgaden inoffizieller zweiter Regierungssitz des Deutschen Reichs.

1939 wechselte, wie im ganzen Deutschen Reich auch die Bezeichnung der Bezirke Berchtesgaden und Laufen auf Landkreise. 1940 wurde Bad Reichenhall wieder in den Landkreis Berchtesgaden eingegliedert, 1948 aber wieder kreisfrei.

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges quartierten sich einige hohe Stäbe der Wehrmacht im Landkreis ein, nach der Bombardierung des Obersalzbergs verlegten diese allerdings in den Pinzgau oder lösten sich auf. Aber auch Sudetendeutsche und Deutsche aus Südosteuropa flohen vor der Roten Armee hierher. Geblieben sind viele Deutsche aus den Ostgebieten, die einen großen Anteil am Nachkriegsaufschwung im Berchtesgadener Land hatten. Viele der heute wichtigsten Unternehmen im Landkreis gehen auf sie zurück.

Landkreisgeschichte

Bei der Gebietsreform in Bayern 1972 wurden der Landkreis Berchtesgaden (Kfz-Kennzeichen BGD), der südliche Teil des Landkreises Laufen (LF) sowie die kreisfreie Stadt Bad Reichenhall (REI) zum neuen Landkreis Bad Reichenhall zusammengelegt. Am 1. Mai 1973 erhielt der Kreis dann seine heutige Bezeichnung Landkreis Berchtesgadener Land (BGL). Als Kreisstadt hatte der Kreistag Freilassing gewählt, der Freistaat Bayern bestimmte allerdings davon abweichend die Stadt Bad Reichenhall, die zudem aufgrund des Verlustes der Kreisfreiheit zur Großen Kreisstadt erhoben wurde. Nach dem Einzug in das neu errichtete Landratsamt in Bad Reichenhall wurde die Außenstelle des Landratsamtes in Berchtesgaden aufgelöst. In den ehemaligen Kreisstädten Berchtesgaden bzw. Laufen verblieben allerdings verschiedene Einrichtungen des Landkreises sowie Behörden anderer Gebietskörperschaften.

Ehemalige Landräte

Politik

Die 60 Kreisräte verteilen sich in der Wahlperiode 2008 - 2014 wie folgt:

unter ihnen: Anton Kern, Roland Richter, Georg Hackl (alle CSU) und Bärbel Kofler (SPD).

Landrat ist seit 1. Mai 2002 Georg Grabner (CSU).

Tourismus und Sehenswürdigkeiten

Der Landkreis lebt zu einem guten Teil vom Tourismus, vor allem der südliche Teil mit Berchtesgaden, Ramsau bei Berchtesgaden und Schönau am Königssee.

Wappen

Für das Gebiet des früheren Landkreises Berchtesgaden, frühere Fürstpropstei Berchtesgaden, stehen die gekreuzten Schlüssel als Attribute von deren Patron St. Petrus; der Anteil des früheren Landkreises Laufen stand lange Zeit unter der Herrschaft der Fürsterzbischöfe von Salzburg, worauf der sog. Salzburger Löwe hinweist; die frühere kreisfreie Stadt Bad Reichenhall schließlich wird als Teil der wittelsbachischen Kernlande durch die bayerischen Rauten symbolisiert.

Landkreispartnerschaften

Der Landkreis Berchtesgadener Land pflegt eine enge Beziehung zum polnischen Landkreis Bełchatowski. Am 13. September 2007 wurde die Vereinbarung zur Landkreispartnerschaft, im Rahmen einer gemeinsamen Sondersitzung beider Kreistage unterzeichnet.

Städte und Gemeinden

(Einwohner am 30. September 2006)

Städte

  1. Bad Reichenhall, Große Kreisstadt (18.015)
  2. Freilassing (16.000)
  3. Laufen (6.637)

Märkte

  1. Berchtesgaden (7.686)
  2. Marktschellenberg (1.800)
  3. Teisendorf (9.137)

Gemeinden

  1. Ainring (10.025)
  2. Anger (4.223)
  3. Bayerisch Gmain (2.957)
  4. Bischofswiesen (7.462)
  5. Piding (5.345)
  6. Ramsau b.Berchtesgaden (1.793)
  7. Saaldorf-Surheim (5.266)
  8. Schneizlreuth (1.395)
  9. Schönau a.Königssee (5.344)

Gemeindefreie Gebiete
(71,33 km², alle unbewohnt)

  1. Bischofswiesener Forst (29,46 km²)
  2. Eck (12,60 km²)
  3. Forst Sankt Zeno (12,26 km²)
  4. Schellenberger Forst (17,01 km²)

Siehe auch frühere Gnotschaften

 Commons: Landkreis Berchtesgadener Land – Bilder, Videos und Audiodateien