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Gegenreformation

Als Gegenreformation bezeichnet man allgemein [1] die Reaktion der katholischen Kirche auf die von Martin Luther in Wittenberg ausgehende Reformation, die sich im Bereich der Theologie und der Kirchen abspielte und meist auf geistige Auseinandersetzungen beschränkt blieb.

Der Begriff Gegenreformation bezeichnet außerdem die Versuche der römisch-katholischen Kirche seit ca. 1540, den sich sowohl politisch als auch in seinen institutionell etablierenden Protestantismus insgesamt, auch gewaltsam, zurückzudrängen, nachdem die theologisch-geistlichen Argumente sich erschöpft hatten. Die Gegenmaßnahmen des Katholizismus erstreckten sich seither sowohl auf den kirchlichen als auch auf den politischen Bereich und umfassten zugleich Maßnahmen der Rekatholisierung protestantischer Territorien einschließlich des Dreißigjährigen Krieges.
Dieser Prozess reichte bis in das 18. Jahrhundert. Die wichtigsten Mittel waren Diplomatie, staatliche Repression und eine missionarische Rekatholisierung. Barocker Kirchenbau, Marienverehrung und barockes Theater spielen eine wichtige Rolle in der gegenreformatorischen Propaganda (von Lateinisch propaganda fide: "Zur Verbreitung des Glaubens"). Die Gegenreformation kann zugleich als groß angelegter Versuch einer Sozialdisziplinierung im Sinne Gerhard Oestreichs aufgefasst werden. Anstelle des Begriffspaares Reformation-Gegenreformation, das eine positive Reformation und eine negative Gegenreformation vorgibt, wird in der modernen Geschichtswissenschaft der Begriff Konfessionalisierung verwendet, womit der Akzent auf die Modernisierung der frühneuzeitlichen Gesellschaft gelenkt wird.

Katholischerseits ist der Terminus der Gegenreformation als Bezeichnung einer von der katholischen Kirche ausgehenden Bewegung umstritten. Man verweist auf eine Vielzahl von Erneuerungsbewegungen innerhalb der katholischen Kirche als Antwort auf die Reformation, die durchaus auch eine innere Kirchenerneuerung anstrebten. Einige Lenker der kirchlichen Macht hätten ihrerseits die gewaltsamen und intoleranten Methoden der Reformatoren gegen Andersglaubende kopiert, was kirchlicherseits nicht nur auf Zustimmung gestoßen sei. Die katholischen weltlichen Machthaber hätten sich - defensiv - der traurigen Notwendigkeit gebeugt, die Freiheit der Katholiken vor den Ausschreitungen der weltlichen Macht der Protestanten zu schützen.

Im Nachhinein verweist man auf zahlreiche Bewegungen, die als Antwort auf die Reformation entstanden und große Kulturgüter hervorbrachten.

Inhaltsverzeichnis

Begriffsgeschichte

Den Ausdruck Gegenreformation führte 1776 der Göttinger Jurist Johann Stephan Pütter in die Literatur ein. Er verstand darunter die gewaltsame Rückführung von Protestanten zur katholischen Religionsausübung. Die Verwendung des Begriffes Gegenreformation im Sinne eines Zeitalters prägte 1889 Moriz Ritter, der dehnte den Zeitraum der Gegenreformation bis zum Dreißigjährigen Krieg aus. Allerdings war es schon Leopold von Ranke, der 1843 vom „Zeitalter der Gegenreformation“ unter Berücksichtigung der tiefgreifenden katholischen Bewegung sprach. Bewusst ist Ranke somit schon die innerkirchliche Reformbewegung gewesen, die Wilhelm Maurenbrecher schließlich als "katholische Reformation" bezeichnete. Durch die Kritik insbesondere von Hermann Baumgarten und in weitaus stärkerem Maße von Hubert Jedin wurde dieser Begriff durch den der Katholischen Reform ersetzt.

Der Begriff setzte sich nur langsam durch, weil hierbei konfessionelle Vorbehalte geltend gemacht wurden. Ein Teil der katholischen Historiker lehnte die beiden Ausdrücke entschieden ab, da sie ihnen Werturteile zugunsten des Protestantismus zu enthalten schienen, andere suchten einen Ausgleich, indem sie zwischen katholischer Selbstreform und politischer Gegenreformation unterschieden und als Epochenbezeichnung „Zeitalter der Glaubensspaltung“ (1517-1555) und „Zeitalter des konfessionellen Absolutismus“ (1555-1648) gebrauchten. In der modernen Geschichtswissenschaft wird dafür der von Wolfgang Reinhard und Heinz Schilling eingeführte Begriff Konfessionalisierung verwandt.

Entwicklung der Gegenreformation

Vorreiter der Gegenreformation ist der im Jahre 1534 durch Ignatius von Loyola gegründete Jesuitenorden. Überhaupt hatten die Jesuiten, die von Papst Gregor XIII. entschieden gefördert wurden (siehe auch Reformpapsttum), bedeutsamen Anteil an der Gegenreformation in Europa.

Den Ausgangspunkt der Gegenreformation bildete das Konzil von Trient (von 1545 bis 1563 mit Unterbrechungen). Es betonte die dogmatischen und liturgischen Differenzen zum Protestantismus und stellte gleichzeitig die wichtigsten Missstände in der damaligen katholischen Kirche ab (z. B. Bestimmungen über die Priesterausbildung und Beseitigung von Pfründen- und Ablassmissbrauch). Damit wurde gleichzeitig versucht, dem Protestantismus durch die Abstellung der wichtigsten Mängel die Angriffsmöglichkeiten einzugrenzen.

Im Heiligen Römischen Reich bildete der Augsburger Religionsfriede 1555 mit seiner Bestimmung, dass der Landesherr über die Konfession seiner Untertanen entschied (cuius regio, eius religio), die Grundlage, auf der gegenreformatorische Bestrebungen basierten. Ein erster Höhepunkt war der Kölner Bistumskrieg 1583, durch den der Kölner Bischofssitz und das zugehörige Kurfürstentum sowie im Gefolge auch andere Fürstbistümer wieder katholisch wurden.

In den habsburgischen Erblanden, die bis auf Tirol überwiegend protestantisch geworden waren, begann die Gegenreformation im großen Stil mit Kaiser Rudolf II. ab 1576 und wurde mit besonderer Schärfe durchgeführt. Die in der böhmischen Konföderation zusammengeschlossenen protestantischen Stände rebellierten dagegen. Diese Revolte ging als sogenannter Prager Fenstersturz in die Geschichte ein, der 1618 den Anlass für den Dreißigjährigen Krieg bildete. Die böhmische Konföderation wurde 1620 in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag von Ferdinand II. geschlagen.

Katholischerseits wurde die Gegenreformation in der Literatur vor allem durch scharf polemisierende jesuitische Autoren wie Jakob Gretser, Caspar Schoppe sowie Conrad Vetter vorangetrieben. Der Publizist und Übersetzer Aegidius Albertinus wurde 1593 durch Herzog Wilhelm den Frommen eigens für die Belange der Gegenreformation aus Spanien nach München gebracht.

Ein nicht zu unterschätzendes Medium der Gegenreformation bildete das Jesuitentheater, dessen zentrale Rolle im jesuitischen Schulprogramm erst in neuerer Zeit erforscht wurde. Abertausende von Theaterstücken[2], von denen heute z.T. nur noch die sog. "Periochen" (Programmhefte) erhalten sind, wurden in sämtlichen jesuitischen Lehranstalten aufgeführt, und namhafte katholische Barockdichter wie Avancini und Bidermann traten als Autoren dieser Stücke an die Öffentlichkeit.

Der protestantische Adel sowie die Geistlichkeit Böhmens und Österreichs wurden des Landes verwiesen oder zum Konfessionswechsel gezwungen. Unter diesen "Exulanten" fanden sich bedeutende deutsche Dichter wie Sigmund von Birken, Catharina Regina von Greiffenberg, Wolf Helmhardt von Hohberg und Johann Wilhelm von Stubenberg, die vor allem im Raum Regensburg-Nürnberg einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung der deutschen Barockliteratur ausübten.

In Frankreich versuchten ab 1559 die bis dahin im Untergrund agierenden Hugenotten, eine Anerkennung ihres Glaubens zu erreichen. Dabei wurden sie auch durch die englische Königin Elisabeth I. und deren Agenten Nicholas Throckmorton - offiziell Botschafter am französischen Hof - und William Cecil gegen den katholischen Herzog François de Lorraine, duc de Guise unterstützt. Die englische Krone versuchte, auch unter Ausnutzung des Aufstandes in den spanischen Niederlanden, die französischen Katholiken in die Defensive zu drängen und ihre 1559 verloren gegangenen Besitzungen in Frankreich wiederzuerobern. Besonders lag den Engländern dabei an Calais, wo ihnen die Kontrolle über den Ärmelkanal verloren gegangen war.

Die Verweigerung der Rechte der Hugenotten und ihre staatliche Verfolgung beginnend mit der Bartholomäusnacht vom 24. August 1572 führten zu konfessionellen Bürgerkriegen, die 1598 mit dem Edikt von Nantes endeten. Am 23. Oktober 1685 wurde das Edikt von König Ludwig XIV. im Edikt von Fontainebleau widerrufen. Hierdurch flohen viele Hugenotten aus Frankreich nicht zuletzt nach Erlangen oder auch nach Kurbrandenburg unter dem toleranten "Großen Kurfürsten" Friedrich Wilhelm, welches den flüchtigen Hugenotten infolge dieses Ediktes mit dem Edikt von Potsdam Asyl gewährte.

Gegenreformation und Hexenverfolgungen

Es lässt sich eine zeitliche Übereinstimmung zwischen gewaltsamer Rekatholisierung und Massenprozessen gegen Hexen beobachten, genauso [3] wie zuvor die Reformation mit Massenprozessen gegen Hexen einher ging [4]. Hexenverfolgungen wurden auch als Mittel der Konfessionskämpfe eingesetzt, so dass Hexereiprozesse als Instrument der Glaubenskämpfe angesehen werden. (Gerhard Schormann, Hexenprozesse in Deutschland, 1986, S. 110-115) Gleichzeitig muss aber auch festgehalten werden, dass Hexenverfolgungen auch in protestantischen Gebieten, insbesondere in Deutschland und der Schweiz, ein weit verbreitetes Phänomen waren.

Beispielhaft seien genannt: Johann Schweikhard von Kronberg, Erzbischof und Kurfürst von Mainz (1604 bis 1626); er führte die Gegenreformation und massive Hexenverfolgungen durch.

Johann Georg II. Fuchs von Dornheim war Fürstbischof von Bamberg (1623-1633) und Streiter für die Gegenreformation sowie unbarmherziger Hexenverfolger ("Hexenbrenner").

Julius Echter von Mespelbrunn, Bischof in Würzburg (1573 - 1617), war ein bedeutender Vertreter der Gegenreformation, was mit der Intensivierung der Hexenprozesse und der Vertreibung von Protestanten einherging.

Bischof Johann Christoph von Westerstetten (Fürstbischof von Eichstätt 1612 - 1637) berief 1614 die Jesuiten nach Eichstätt. 1617 führte er das Bistum der Katholischen Liga zu. In seiner Regierungszeit betrieb er die Gegenreformation. Die Hälfte der protestantisch gewordenen Gebiete seines Bistums gewann er wieder zum katholischen Glauben zurück. Er galt als einer der berüchtigten fränkischen Hexenbischöfe.

Balthasar von Dernbach (Fürstabt von Fulda 1570-1576 und 1602-1606) führte die Gegenreformation und Hexenverfolgungen durch.

In der zeitgenössischen katholischen Literatur befürwortet der Münchener Autor Aegidius Albertinus noch 1602 die Hexenverfolgungen, doch der rheinische Jesuit Friedrich Spee von Langenfeld setzt sich 1631 gegen sie ein.

Siehe auch

Literatur

Quellen

  1. Das Zeitalter der Reformation 1500-1550. 2. Aufl., 1972 (mehr nicht erschienen)

Darstellungen

Anmerkungen

  1. im Anschluss an den protestantischen Historiker Leopold von Ranke
  2. Jean-Marie Valentin verzeichnet 7.650 Titel
  3. "...,und wenn die protestantischen Glaubensprediger den Hexenwahn in die Länder trugen, die sie der Reformation gewannen, dann taten die Katholiken das gleichermaßen mit den Gebieten, die sie Rom zurückeroberten." (Trevor-Roper, Sozialer Umbruch, S.135)
  4. "Wohin die Protestanten kamen, sie brachten den Hexenwahn mit sich." (Trevor-Roper, Sozialer Umbruch: S.135)