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Der Unhold

Filmdaten
Deutscher Titel: Der Unhold
Originaltitel: The Ogre
Produktionsland: Deutschland,
Frankreich,
Großbritannien
Erscheinungsjahr: 1996
Länge (PAL-DVD): 117 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 12
Stab
Regie: Volker Schlöndorff
Drehbuch: Jean-Claude Carrière,
Volker Schlöndorff
Produktion: Gebhard Henke,
Ingrid Windisch
Musik: Michael Nyman
Kamera: Bruno de Keyzer
Schnitt: Nicolas Gaster,
Peter Przygodda
Besetzung

Der Unhold (Originaltitel: The Ogre) ist ein deutsch-französisch-britisches Filmdrama aus dem Jahr 1996. Regie führte Volker Schlöndorff, der gemeinsam mit Jean-Claude Carrière das Drehbuch anhand des Romans Le Roi des Aulnes von Michel Tournier schrieb.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Der schmächtige blasse Waisenjunge Abel Tiffauges wird in einer strengen französischen Klosterschule erzogen. Ad culavum! Ist der Aufruf der Patres an jeden Knaben, der sich eines Vergehens gegen die Schulordnung schuldig macht. Die körperliche Züchtigung muß das Kind sich daraufhin in einem Bestrafungsraum abholen. Auf ein Klingelzeichen, das der Knabe selbst zu geben hat, erscheint ein Klosterbruder, schwarzgewandet, und schlägt ihn ins Gesicht.

Nestor, der schwergewichtige Sohn des Hausmeisters, ist in dieser empathiefreien Umgebung Abels Beschützer und seine Bezugsperson. Nestor gibt sich nächtlichen Freßgelagen hin, bei denen Abel ihm aus einem kanadischen Abenteuer-Trapperbuch vorliest.

Kinder wünschen sich häufig Rache für den Bestrafer, Abel wünscht sich, dass die ganze Schule abbrennen möge. Tatsächlich entsteht Minuten später ein Brand, dem die Schulgebäude zum Opfer fallen. Abel ist sich sicher, dass sein Wunsch durch Magie in Erfüllung gegangen ist. Der Quell der Peinigungen, die Schule ist verbrannt. Leider stirbt in den Flammen auch Nestor, sein Freund und Beschützer.

Nestor und die Trapper-Abenteuer des Buches bleiben für Abel auch später, als Erwachsener, das Zentrum seiner Gedankenwelt.

Jahre später.

Abel ist jetzt ein Mann, groß und kräftig von Statur. Er lebt allein und verdient seinen Lebensunterhalt mit einer kleinen Autowerkstatt. Schnell begreift man, dass Abels seelische Entwicklung auf der Stufe eines Zwölfjährigen stehen geblieben ist. Die Frau, die einmal pro Monat vorbeikommt, die Buchführung macht und mit Abel schläft, nennt er das weibliche Element in seinem Leben. Seelisch hat er keinen Zugang zu Frauen. Seine mechanische Art beim Geschlechtsakt läßt die Frau ausrufen: Du Unhold! Du bist ein Unhold!

Durch seinen emotionalen Entwicklungsstillstand fühlt sich Abel zu Kindern als den Seelen-Verwandten hingezogen, er glaubt, sie gegen die Welt der Erwachsenen beschützen zu müssen. Hobbymäßig fotografiert er Kinder. Ein kleines Mädchen möchte seine wertvolle Kamera ausprobieren. Abel erlaubt das nicht. Kurz darauf wird das Kind auf der Straße belästigt. Man verdächtigt den allein lebenden Abel. Bei einer Gegenüberstellung im Polizeirevier rächt sich das Kind an Abels Weigerung, ihr die Kamera zu geben, indem sie ihn als den Belästiger beschuldigt.

Einer der Polizisten hält Abel einen kleinen zerbrochenen Spiegel vor. Da! Du siehst aus wie ein Vergewaltiger, wie ein Unhold. Der Gefängnisstrafe entgeht Abel durch die Zusage, sich im Krieg (zweiter Weltkrieg) an der Front zu bewähren.

Szenenwechsel. Abel als französischer Soldat.

Sein Verbleiben bei der französischen Armee ist sehr kurz. Abel wartet den Offizieren auf freiem Feld bei Täubchen und Rotwein auf, da blicken alle plötzlich in die Mündungen Deutscher Gewehre. Abel ist Kriegsgefangener.

Er wird in einem Viehwaggon nach Polen gebracht. Dort macht er sich sofort wieder nützlich.

Der Reichs-Oberforstmeister sucht unter den Kriegsgefangenen einen Automechaniker: Abel. Abel darf mit dem Oberforstmeister den Gefangenentreck verlassen und wird in die Staatsforsten gefahren. Tief im Wald wurde für Feldmarschall Hermann Göring ein Märchenschloß aus dem Boden gestampft, hybrid, morbid, verschwenderisch und unwirklich mit Marmortreppen, bunten Kirchenglasfenstern, hohen Sälen: Der Jägerhof.

Göring, infantil und allmächtig, residiert und jagt dort. Die Freude ist kurz. Die Ostfront rückt näher. Ein Telegramm des Führers befiehlt Göring zurück nach Berlin. Der Oberforstmeister muss an die Ostfront. Abel äußert seinem Mentor gegenüber die Bitte, als Kriegsgefangener auf der nahe gelegenen Napola-Burg Kaltenborn arbeiten zu dürfen. Die Bitte wird ihm gewährt. Einen mächtigen Friesenrappen erhält er als Abschiedsgeschenk, da dieser nach Abreise Görings nicht mehr zum Verschieben der Jagdstrecke benötigt wird.

Auf Burg Kaltenborn wird Abel mit den rassistischen Ideologien der Nationalsozialisten konfrontiert und beginnt, für den Leiter des Internats Jungen aus der Umgebung zu rekrutieren.

Abel rettet einen kleinen jüdischen Jungen und versteckt ihn auf der Napola-Burg. Als die Rote Armee vor der Burg steht, versucht Abel, ein Gemetzel unter den Jungen in der Burg zu verhindern. Sein Plan wird vom Kommandant der Burg, SS-Obersturmbannführer Raufeisen (Heino Ferch), verhindert. Alle Jungen werden in den Kampfhandlungen getötet. Abel flieht mit dem kleinen Häftling auf den Schultern über einen zugefrorenen See und führt einen Monolog über Unschuld.

Kritiken

Stephen Holden verglich den Film in der New York Times vom 11. Dezember 1998 mit einer Oper von Richard Wagner. Er sei eine „gewaltige, gequälte Allegorie“, auf die sich die zentraleuropäischen Filmemacher spezialisiert hätten. Der Film sei anspruchsvoll und stellenweise brillant, aber er wirke uneinheitlich. Holden lobte die Darstellungen von John Malkovich, Armin Mueller-Stahl und Gottfried John. nytimes.com [1]

Film-Dienst schrieb, der Film sei eine „ambitionierte, aufwendige Literaturverfilmung“, die versuche, „die Faszination des nationalsozialistischen Kultes auf ihre mythischen und romantischen Wurzeln hin zu durchleuchten“. Er sei ein „historisch und politisch um Differenzierung bemühter wuchtiger Bilderbogen, der in seiner Intention allerdings eher verwirrend“ bleibe. kabeleins.de Filmlexikon [2]

"Ein ebenso unheimlicher wie bildgewaltiger Film, der anschaulich demonstriert, wie effektiv die Manipulation durch die "Macht der Bilder" im Nazi-Regime funktionierte. Vielleicht etwas zu "bildungsbürgerliches", aber sehens- und diskussionswertes deutsches Vergangenheitsbewältigungskino der spannenden Art." filmtipps.at [3]

Symbolik - Emblematik

Auszeichnungen

Volker Schlöndorff wurde im Jahr 1996 für den Goldenen Löwen der Internationalen Filmfestspiele von Venedig nominiert und erhielt den UNICEF Award des gleichen Festivals.

Hintergründe

Der Film wurde in Malbork, in Norwegen und in Paris gedreht.[5] Am 13. September 1996 wurde er auf dem Toronto International Film Festival gezeigt.[6] Der Film spielte in den Kinos der USA rund 49.000 US-Dollar ein.[7]

Einzelnachweise

  1. Filmkritik von Stephen Holden, abgerufen am 22. April 2008
  2. Zitat auf www.kabeleins.de, abgerufen am 22. April 2008
  3. filmtipps.at abgerufen am 29. Juni 2008
  4. Text Gen 4, 1-24 Text Gen 4, 1-24
  5. Drehorte für Der Unhold, abgerufen am 22. April 2008
  6. Premierendaten für Der Unhold, abgerufen am 22. April 2008
  7. Einspielergebnisse für Der Unhold, abgerufen am 22. April 2008