Pregarten
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Pregarten

Wappen Karte
Basisdaten
Bundesland: Oberösterreich
Politischer Bezirk: Freistadt (FR)
Fläche: 27,8 km²
Koordinaten: 48° 21′ N, 14° 32′ OKoordinaten: 48° 21′ 20″ N, 14° 31′ 50″ O
Höhe: 425 m ü. A.
Einwohner: 4875 (1. Jan. 2007)
Bevölkerungsdichte: 175 Einwohner je km²
Postleitzahl: 4230
Vorwahl: 07236
Gemeindekennziffer: 40 614
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Stadtplatz 12
4230 Pregarten
Offizielle Website:
www.pregarten.at
Politik
Bürgermeister: Anton Scheuwimmer (ÖVP)
Gemeinderat: (2003)
(31 Mitglieder)
17 SPÖ, 14 ÖVP,

Pregarten ist eine Stadtgemeinde in Oberösterreich im Bezirk Freistadt im Mühlviertel mit 4.875 Einwohnern. Der zuständige Gerichtsbezirk ist Pregarten.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Pregarten liegt auf 425 m Höhe im Mühlviertel. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 10,8 km und von West nach Ost 5 km. Die Gesamtfläche beträgt 27,7 km². 22,4% der Fläche sind bewaldet und 67,9% der Fläche landwirtschaftlich genutzt. Das Zentrum der Stadtgemeinde liegt auf einer Anhöhe nahe dem Fluss Feldaist. Ortsteile der Gemeinde sind: Aist, Burbach, Gmeinerhof, Greising (siehe auch: Greisinghof), Greisingberg, Grünbichl, Halmenberg, Kranzlgarten, Kriechmayrdorf, Meitschenhof, Netzberg, Pregarten, Pregartsdorf, Reichenstein, Selker, Silberbach, Wögersdorf und Zainze.

Wappen

Offizielle Beschreibung des Gemeindewappens: Erniedrigt geteilt von Silber und Grün; oben drei rote, nebeneinandergestellte Kugeln, die mit je einem in eine Pfeilspitze endigenden Kreuz besteckt sind. Die Verwendung des Wappens ist erstmals für 1555 dokumentiert.[1] Die Gemeindefarben sind Grün-Weiß-Rot .

Die Deutung des Motives ist ungeklärt. Die Darstellung der mit dem Kreuz besteckten Kugel ist ähnlich dem in der alten Chemie gebräuchlichen Zeichen für Eisensafran. Für die Beziehungen der Regionen nördlich der Donau mit den südlich gelegenen gewann im Spätmittelalter neben dem Salz aus dem Kammergut vor allem das Innerberger Eisen im Rahmen des Verlagssystems an Bedeutung: die Straße von Mauthausen über Pregarten nach Freistadt entwickelte sich zu einem wichtigen Süd-Nord-Handelsweg. Hinweise für spätmittelalterliche Eisenverarbeitung in Pregarten gibt es jedoch nicht. Eine weitere Deutung sieht in den drei Symbolen Webstühle. Pregarten war bedeutender Weberort, die ansässigen Meister durften je höchstens drei Webstühle betreiben.[2]

Geschichte

Frühgeschichte und Mittelalter

Neolithische Funde weisen auf die frühe Besiedlung des heutigen Gemeindegebiets hin. Im Rahmen der Kolonisation der Gegend durch Mönche aus Sankt Florian mit Zentrum im nahe Pregarten gelegenen Ort Wartberg dürfte die eigentliche Kernsiedlung um den heutigen Stadtplatz entstanden sein, die ca. 1230 erstmals urkundlich erwähnt wird.[3] Bereits im 13. Jahrhundert verfügte Pregarten über das Marktrecht. Besitzungen am damaligen Dorfgebiet besaßen sowohl das Stift Sankt Florian als auch die Herrschaft Reichenstein. Die Bewohner lebten neben der Landwirtschaft v.a. vom Weberhandwerk.[4] 1422 wurde Pregarten bei Einfällen hussitischer Taboriten eingeäschert, auch 1424 und 1443 wurde der Ort im Zuge kriegerischer Auseinandersetzungen schwer in Mitleidenschaft gezogen.[5]

Bis 1800

Großen Zulauf erhielt im 16. Jahrhundert in Pregarten der Protestantismus. 1528 war ein Großteil der Einwohner lutherisch, in der St. Anna-Kapelle predigten protestantische Prädikanten. 1590 erhielt der zum Protestantismus konvertierte Wartberger Pfarrer Urban Dräer in Pregarten Unterschlupf. Der katholische Pfarrer klagte ca. 1650: Ich stand der Pfarre in einer unglücklichen Zeit vor. In der Predigt seind gemainiglich kaumb 20 oder 30 Personen gebliben.[6] 1611 quartierte sich im Ort eine 1500 Mann starke marodierende Söldnerarmee unter dem wallonischen Oberst Ramee zu Verpflegungszwecken ein, was die örtliche Versorgungslage enorm belastete. 1626, während des oberösterreichischen Bauernkrieges, wurde der Ort von einem etwa 5000 Mann starken Bauernheer unter Christoph Zeller heimgesucht, beschossen und niedergebrannt. Zahlreiche Anhänger gewann ab 1632 im Gebiet zwischen den Gemeinden Pregarten, Gallneukirchen und Luftenberg ein der Reformation nahe stehender Luftenberger Prediger, der schillernde Charismatiker Martin Aichinger (vulgo Laimbauer). Mit seinem einige hundert v.a. junge Leute umfassenden Anhang durchzog Laimbauer, der seinen Angaben nach 1635 selbst im Himmel gewesen sein wollte, mehrmals das Pregartner Gebiet, bis er auf Geheiß des Landeshauptmanns 1636 auf dem Frankenberg bei Langenstein nach großen Blutvergießen gestellt und noch im selben Jahr auf dem Linzer Hauptplatz hingerichtet wurde.[7] Im Rahmen der Gegenreformation wurde die Bevölkerung wieder überwiegend katholisch. 1644 kam Pregarten zur Herrschaft Freistadt zu Haus[8] . Zu dieser Zeit zählte der Markt 66 Feuerstätten. 1784 bekam Pregarten eine eigene Pfarre.

Bis zur Zwischenkriegszeit

Während der Napoleonischen Kriege hatte der Markt durch Einquartierungen und Plünderungen durch französische Truppen schwer zu leiden.[9] Bergauf ging es mit dem Ort besonders in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Mit dem Gemeindegesetz vom 17. März 1849 wurden die Grundherrschaften auf dem heutigen Gemeindegebiet aufgelöst und die drei Gemeinden Pregarten, Pregartsdorf und Selker geschaffen. Die erste Gemeindeversammlung trat am 17. Juli 1850 zusammen, erster Bürgermeister wurde Josef Meisl[10] Um diese Zeit war es noch jedem Hausbesitzer im Ort erlaubt, eine Höchstanzahl von zwölf Schafen zu halten.[11] Doch die Moderne hielt langsam ihren Einzug: 1849 bekam der Ort ein Postamt, 1852 wurden die ersten Laternen zur Straßenbeleuchtung angeschafft, 1853 wurde das Bezirksgericht in Pregarten angesiedelt und im Zuge des Eisenbahnbaus der Strecke Linz-Budweis (siehe: Summerauer Bahn) erhielt Pregarten einen eigenen Bahnhof.[12] 1872 kam der erste Dampfzug nach Pregarten.[13] Um 1900 zählte der Markt 127 Häuser. Während des Ersten Weltkrieges war die Bevölkerung von Lebensmittelmangel betroffen. Die Glocken der 1897 fertig gestellten neuen Pfarrkirche wurden für Kriegszwecke eingeschmolzen. Im Ersten Weltkrieg fielen 75 Pregartner, 17 wurden als vermisst gemeldet.[14] Für verarmte Bürger wurde ein eigenes Versorgungshaus (Haus Nr. 22) unterhalten, welches in der später krisengeschüttelten Zwischenkriegzeit im Jahr 1930 von einem noch größeres Armenhaus abgelöst wurde.[15]

Zur Zeit des Nationalsozialismus

Mit dem Anschluss Österreichs an Deutschland 1938 erhielt der Marktplatz, der erst seit wenigen Jahren Dollfußplatz hieß, die nur wenige Jahre länger währende Bezeichnung Adolf-Hitler-Platz, wo nun Führerreden via Lautsprecher übertragen wurden. Im selben Jahr wurden Pregarten die Gemeinden Pregartsdorf, Selker, Hagenberg, Wartberg und Untergaisbach einverleibt, wodurch die neue Großgemeinde nun 4.853 Einwohner zählte.[16] Die Arbeitssituation verbesserte sich insbesondere durch den Ausbau der Königswiesener Bundesstraße sowie die neuen Arbeitsplätze in den Hermann-Göring-Werken in Linz. Ab 1940 wurden in den Pregartner Landwirtschaften polnische Zwangsarbeiter eingesetzt. 220 Gemeindebürger waren Mitglieder der NSDAP, Bürgermeister dieser Zeit war Ferdinand Fröhlich. 1944 warfen amerikanische Flugzeuge auf dem Rückflug von Linz nach Nordosten über Pregarten mehrmals Bomben ab, die Sachschäden anrichteten und Todesopfer forderten. Zahlreiche Flüchtlinge aus dem Osten drängten zu dieser Zeit durch den Ort, die Volksschule wurde geschlossen und in ihr eine Gemeinschaftsküche eingerichtet, die im Februar 1945 täglich bis zu 1000 Personen zu verköstigen hatte. Anfang desselben Monats wurden im Zuge der sog. Mühlviertler Hasenjagd mindestens drei aus dem Konzentrationslager Mauthausen flüchtige Häftlinge durch zwei Volkssturmmänner nahe dem Pregartner Bahnhof im Beisein von SS-Angehörigen erschossen. Die Schützen wurden später zu Haftstrafen verurteilt. Noch Ende April wurde der regimekritische Rauchfangkehrer Johann Hanausek vermutlich ermordet. Am 3. Mai 1945 zogen erstmals russische Soldaten durch Pregarten, zwei Tage später übergab Bürgermeister Fröhlich den mit weißen Fahnen beflaggten Ort am Bahnhof den Amerikanern. NSDAP-Ortsgruppenleiter Sandhöfer und Fröhlich begingen Selbstmord.[17] Pregarten hatte im Zuge des Zweiten Weltkrieges 112 Gefallene und 81 Vermisste zu beklagen.

Bis zur Gegenwart

Bevölkerungs-
entwicklung
Datum Einwohner
1869 2.012
1880 2.155
1890 2.180
1900 2.230
1910 2.257
1923 2.174
1934 2.263
1939 2.310
1951 2.576
1961 2.818
1971 3.310
1981 3.809
1991 4.199
2001 4.815
2007 4.875

Durch die Auflösung der Pregartner Großgemeinde sank die Bevölkerungszahl neuerlich, auf 2437 Einwohner. Zu Beginn der Besatzungszeit kam es zu Übergriffen vonseiten alliierter Soldaten auf die Zivilbevölkerung.[18] Ab 1955 siedelten sich stetig neue Bewohner in Pregarten an, zunächst v.a. im Haidfeld und in Sandleiten, später v.a. in Grünbichl und Silberbach. Für Neuansiedelungen wurde Pregarten insbesondere durch seine gute Verkehrsanbindung in Richtung Linz attraktiv, ganz besonders seit dem Bau der Mühlkreisautobahn. Pregarten hat deshalb heute ein hohes Pendleraufkommen.

1959 wurde eine neue Hauptschule (heutige Volksschule) erbaut. Am 17. Juni 1972 richtete ein Erdbeben der Stärke 6 Sachschäden an. In den letzten Jahrzehnten entfaltete sich in Pregarten rege Bautätigkeit: 1977 wurde der Ort an die Fernwasserversorgung angeschlossen 1978 die neue Doppelhauptschule erbaut, 1984 eine eigene Kläranlage errichtet, 1990 ein neues Amtshaus fertig gestellt, 1994 das Erlebnisbad Lagune eröffnet, 1999 die örtliche Umfahrungsstraße freigegeben und im selben Jahr das Kulturhaus Bruckmühle eingeweiht. Zwei öffentliche Buslinien verkehren im Ort seit 2002. Pregarten wurde 2003 zur Stadtgemeinde erhoben.

Bevölkerung

Der Bevölkerungsanstieg der letzten Jahre in Pregarten ist fast ausschließlich auf Zuzug zurückzuführen. Während etwa 2005 die Sterbe-Geburten-Differnz lediglich ein Plus von 1 Person aufwies, zogen im selben Jahr 77 Personen zu. Von den 2.335 Erwerbstätigen (2001) pendeln täglich 1.569 Personen zur Arbeit in andere Gemeinden. Die Bevölkerungsdichte beträgt 175 Einwohner/km², 91% sind römisch-katholisch. 97,5 % österreichische Staatsbürger. Zwischen 1993 und 2002 wurden in Pregarten 141 neue Wohneinheiten errichtet. 1999 gab es noch 133 land- und forstwirtschaftliche Betriebe, davon 72 Haupterwerbsbetriebe. Die Einnahmen der Gemeinde im ordentlichen Haushalt beliefen sich 2005 auf 6,7 Mio. Euro. [19]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche St. Anna

Die neugotische Pfarrkirche von Pregarten wurde von Dombaumeister Otto Schirmer errichtet. Mit dem Bau der Kirche wurde im Jahre 1893 begonnen, nachdem die alte Kirche am Marktplatz zu klein wurde. Bereits nach einem Jahr Bauzeit konnte das Turmkreuz aufgesteckt werden. Im August 1897 wurde die Pfarrkirche feierlich eingeweiht. Ihre Schutzpatronin ist die Hl. Anna, deren Statue sich im oberen Teil des Hochaltars befindet. Die Figur links vom Tabernakel stellt den Hl. Joachim (= Gatte von Anna) dar, und die Figur rechts ist der Hl. Johannes der Täufer. Der linke Seitenaltar zeigt die Gottesmutter Maria und der rechte den Hl. Josef. Für die Altäre verwendete man weißen Marmor aus Carrara in Italien. Hergestellt wurden die Altäre und die Statuen in Innsbruck. Mauern und Säulen sind aus Granit.

Das Holzkreuz über dem Volksaltar stammt noch von der früheren St.-Anna-Kirche und stellt die Tradition von der alten zur neuen Kirche dar.

Die Glocken wurden in St. Florian gegossen, die Orgel stammt von einem Orgelbaumeister aus Ottensheim (Breinbauerorgel).

Das Gotteshaus hat eine Länge von 40 m und misst 21 m in der Breite. Der Turm an der Westseite ist 56 m hoch. In der Kreuzkugel befinden sich Urkunden und Münzen aus der Zeit der Erbauung. Der Baustil der Pfarrkirche ist neugotisch.

Literatur

Anmerkungen

  1. Herbert Erich Baumert, Ortschronik Band 5, S. 138.
  2. Richard Kartusch, Ortschronik Band 5, S. 56.
  3. Helmut Treu, Geschichte der Marktgemeinde Pregarten, S. 6.
  4. Vgl. Richard Kartusch, Ortschronik Band 5, S. 56.
  5. Alois Scheuwimmer, Ortschronik Band 5, S. 29-41.
  6. Zitiert in: Richard Kartusch, Ortschronik Band 5, S. 54.
  7. Obige Angaben aus: Alois Scheuwimmer, Ortschronik Band 5, S. 45-53.
  8. Reinhilde Haas, Ortschronik Band 5, S. 152.
  9. Helmut Treu, Geschichte der Marktgemeinde Pregarten, S. 10.
  10. Erwin Zeinhofer, Ortschronik Band 5, S. 131.
  11. Richard Kartusch, Ortschronik Band 5, S. 60.
  12. Josef Mahr, Geschichte des Marktes Pregarten, S. 168-170.
  13. Alois Scheuwimmer, Ortschronik Band 5, S. 145.
  14. Helmut Treu, Geschichte der Marktgemeinde Pregarten, S. 10-12
  15. Hedwig & Karl Weiß, Ortschronik Band 5, S. 78.
  16. Franz Buchberger, Ortschronik Band 5, S. 117.
  17. Obige Angaben aus: Hedwig Weiß und Fritz Fellner, Ortschronik Band 5, S. 79-113.
  18. Fritz Fellner, Ortschronik Band 5, S. 111ff.
  19. Angaben aus: Statistik Austria