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Otto I. (HRR)

Otto I. (als Herzog von Sachsen: Otto II.; * 23. November 912 in Wallhausen bei Sangerhausen; † 7. Mai 973 in Memleben bei Naumburg an der Saale) aus dem Geschlecht der Liudolfinger war Herzog der Sachsen, König des Ostfrankenreichs ab 936 und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches ab 962.

Unter der Herrschaft Otto des Großen erlebte das Reich einen ersten Höhepunkt seiner Macht: Im Inneren konsolidierte Otto seine Regentschaft, band die Herzogtümer durch eine geschickte Heiratspolitik an sich, besetzte sie mit seinen Verwandten und entzog ihnen königliche Rechte. Dadurch provozierte er Aufstände, durch deren siegreiche Bewältigung er aus den Herzögen statt nahezu gleichwertigen Vertretern der Stämme eher königliche Amtsträger machte. Um dies zu erreichen stärkte er auch die Reichskirche als wesentliche Stütze königlicher Machtbasis und unterwarf sie seiner Kontrolle. In der Außenpolitik festigte er das Reich 955 durch seinen Sieg über die Ungarn, eroberte 961 das Königreich Italien und dehnte sein Reich nach Norden, Osten und bis nach Süditalien aus. 962 ließ er sich unter Rückgriff auf die Kaiseridee Karls des Großen vom Papst Johannes XII. in Rom zum Kaiser krönen. Im Jahr 968 gründete er in Magdeburg ein Erzbistum, jener Stadt die wie keine zweite mit seinem Nachruhm verbunden ist. Der Beiname der Große gilt spätestens seit dem mittelalterlichen Geschichtsschreiber Otto von Freising[1] als festes Namensattribut.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Der Thronfolger

Otto wurde als Sohn des Sachsenherzogs Heinrich I., der kurz nach der Geburt Ottos König des Ostfrankenreiches wurde, und seiner zweiten Ehefrau, Mathilde geboren. Aus der annullierten ersten Ehe Heinrichs I. hatte Otto den Halbbruder Thankmar. Ottos jüngere Geschwister waren Gerberga, Hadwig, Heinrich sowie Brun. Über seine Jugend ist nichts bekannt, seine Ausbildung war wohl eher kriegerisch ausgerichtet. Otto sprach der Überlieferung zufolge kein Latein und lernte erst spät lesen und schreiben. Erste Erfahrungen als Anführer sammelte Otto an der Ostgrenze des Reiches im Kampf gegen slawische Stämme. Mit einer vornehmen Slawin zeugte Otto den Sohn Wilhelm, der später Erzbischof von Mainz wurde. Möglicherweise handelte es sich dabei um eine von den christlichen Chronisten unterschlagene Ehe aus Bündnisgründen, Belege für diese Ansicht gibt es aber nicht.

Nach dem Tod Konrads I., der in Anerkennung der machtpolitischen Verhältnisse den Verzicht seines Bruders Eberhard erwirkt und stattdessen Heinrich zu seinem Nachfolger bestimmt hatte, war durch die Wahl Heinrichs (919) die Königswürde erstmals nicht an einen Franken, sondern an einen Sachsen übergegangen. Anfangs wurde Heinrich nur von den Franken und den Sachsen gewählt. Der bayrische Herzog Arnulf ließ sich ebenfalls zum ostfränkischen König wählen, doch durch eine geschickte Politik der militärischen Unterwerfung und anschließenden Aussöhnung zu annehmbaren Konditionen verstand es Heinrich, auch die Stammesherzogtümer Schwaben (919) und Bayern (921/22) an sich zu binden und außerdem Lothringen, das sich zu Zeiten Konrads dem Westfrankenreich angeschlossen hatte, dem ostfränkischen Königreich wieder anzugliedern (925). Um seiner Familie die durch ihn erlangte Herrschaft über das Ostfrankenreich und diesem zugleich die Einheit zu sichern, verfasste Heinrich I. 929 eine an seine Gemahlin gerichtete Urkunde, die Otto zum alleinigen Erben des Königstitels erklärte. Darüber hinaus wurden das Witwengut für Mathilde und die Zukunft der weiteren Söhne geregelt, sowie alle Großen des Reiches zur Anerkennung und Unterstützung dieses „Testaments“ aufgerufen. In einem Memorialbuch des Klosters Reichenau wird Otto bereits 930 als rex (König) bezeichnet. Durch diese Nachfolgeregelung, die nicht nur die nicht-sächsischen Anwärter, sondern auch die Brüder Ottos ausschloss, vollzog Heinrich eine bedeutsame Abkehr vom Prinzip der fränkisch-karolingischen Erbfolge, die jedem Mitglied des Königshauses eine Anwartschaft zuerkannte, und begründete damit die Unteilbarkeit des Reiches als ein leitendes Prinzip der Thronfolge, das auch von seinen Nachfolgern beibehalten wurde.

Parallel zu diesen Vorbereitungen müssen auch die Verhandlungen mit dem englischen Königshaus um eine Verheiratung Ottos mit einer Halbschwester König Æthelstans geführt worden sein. Heinrich bemühte sich damit um eine Anbindung seines Hauses an Dynastien außerhalb seines Reiches; ein Vorgehen, das bis dahin im ostfränkischen Reich unüblich gewesen war. Neben der zusätzlichen Legitimation durch die Verbindung mit einem anderen Herrscherhaus drückte sich darin eine Stärkung des „Sachsentums“ aus, da die englischen Herrscher sich auf die im 5. Jahrhundert auf die Insel ausgewanderten Sachsen beriefen. Darüber hinaus brachte die Braut das Prestige mit, aus der Familie des als Märtyrer gestorbenen heiligen Oswald zu stammen. Nachdem zwei Halbschwestern des englischen Königs an den Hof Heinrichs I. gereist waren, wurde Edgitha als Braut für Otto ausgewählt, ihre Schwester heiratete in das Königshaus von Hochburgund ein. Nach der Hochzeit Ottos 930 stellte Heinrich den designierten Thronfolger in Franken und in Aachen den Großen der jeweiligen Region vor, um deren Zustimmung für seine Thronfolgeregelung einzuholen.

Thronbesteigung

Unmittelbar nach dem Tod seines Vaters Heinrich I. wurde Otto von fränkischen und sächsischen Adeligen gehuldigt und die Aachener Pfalz als Ort einer allgemeinen Wahl bestimmt. Am 7. August 936 wurde Otto, nachdem ihm auch die anderen Stämme des Ostfrankenreiches vor der Pfalzkapelle gehuldigt hatten, vom Erzbischof Hildebert von Mainz, assistiert vom Kölner und Trierer Erzbischof, zum ostfränkischen König gesalbt und gekrönt. Otto stellte sich durch die Wahl des Krönungsortes und dadurch, dass er bei der Krönung fränkische Kleidung trug, bewusst in die Tradition Karls des Großen. Zudem verdeutlichte der Wahl- und Krönungsort im lothringischen Reichsteil und die Ausführung der Krönung (Kleidung) einen Anspruch des aus Sachsen stammenden Königs auf die Herrschaft auch über die westlich gelegenen Territorien. Beim anschließenden Festmahl versahen die Herzöge Lothringens (Kämmerer), Frankens (Truchsess), Bayerns (Marschall) und Schwabens (Mundschenk) die Hofämter.

Auseinandersetzungen in der Königsfamilie und in Sachsen

Der Herrschaftsantritt Ottos erfolgte trotz Designation durch Heinrich I. nicht reibungslos. Bereits vor der Krönung scheint es Auseinandersetzungen innerhalb der Herrscherfamilie gegeben zu haben. Zeitgenössische Quellen berichten, dass Ottos Mutter die Thronfolge durch ihren jüngeren Sohn Heinrich bevorzugt habe. Heinrich war im Gegensatz zu Otto „unter dem Purpur“ geboren, also als Heinrich I. bereits gekrönt war, woraus eine höhere Würde abgeleitet wurde. Während der Krönung Ottos blieb Heinrich unter Aufsicht in Sachsen. Unmittelbar nach der Thronbesteigung ordnete Otto in Quedlinburg das Witwengut für seine Mutter neu, indem er ihr mit der Stiftungsurkunde für das dortige Frauenkloster einen Großteil der von Heinrich I. zugesicherten Verfügungsgewalt über Quedlinburg entzog. Gleichzeitig legte Otto dadurch Quedlinburg als Ort der Memoria für sein Herrschergeschlecht fest und als wichtigsten Hauptort der Ottonen in ihrem sächsischen Kernland.

Unmittelbar nach der Krönung kam es auch zu Auseinandersetzungen innerhalb Sachsens. Dort waren mehrere bedeutende Adlige gestorben. Bei der Neubesetzung der jeweiligen Ämter und Besitzungen nahm Otto kaum Rücksicht auf zuvor vereinbarte Erbregelungen oder Ansprüche, die sich aus der herausgehobenen Stellung von Nachfolgekandidaten ergaben. Vielmehr versuchte er Adlige zu stärken, die ihm gegenüber loyal waren, wodurch sich oft die Getreuen seiner Mutter benachteiligt fühlten. Insbesondere enttäuschte er seinen Halbbruder Thankmar, dem er zuerst das Erbgut seiner Mutter Hatheburg vorenthielt. Als 937 auch noch Thankmars Hoffnung zerstob, Nachfolger seines Onkels Siegfried zu werden und Otto stattdessen Gero zum neuen Markgrafen der sächsischen Ostmark ernannte, verweigerten viele der sächsischen Großen Otto die Gefolgschaft und schlossen sich einer offenen militärischen Rebellion Thankmars an, die später auch vom jüngeren Bruder Heinrich unterstützt wurde. Den jüngsten Bruder Brun, der eine Ausbildung zum Geistlichen durchlief, holte Otto 937 als Zwölfjährigen an seinen Hof und machte ihn im Herbst 940 zum Kanzler.

Aufstand im Reich

Die erste Machtprobe auf Reichsebene stand bevor, als sich der von seinem Vater designierte und von den bayrischen Großen zum neuen bayrischen Herzog erwählte Eberhard 937 weigerte, Otto zu huldigen, nachdem dieser von ihm für die Anerkennung den Verzicht auf die Investitur der Bischöfe in Bayern forderte; eine Krise, die zwei Feldzüge erforderte, bis Otto Eberhard verbannen und durch Eberhards Onkel Berthold ersetzen konnte, der sowohl auf die Bischofsinvestitur als auch das alte karolingische Königsgut in Bayern verzichtete und Otto immer treu blieb. Dies war ein Schritt, der als erste Abkehr vom Stammesherzogtum und Hinwendung zum Amtsherzogtum gedeutet werden kann.

Unterdessen hatte im sächsisch-fränkischen Grenzbereich Herzog Eberhard von Franken, ein Konradiner und Bruder des früheren Königs Konrad I., eine Fehde mit einem sächsischen Vasallen siegreich bestanden. Dennoch entschied Otto vor dem Königsgericht zugunsten des Sachsen, da er missbilligte, dass Eberhard den Fall nicht vor dem Königsgericht verhandeln ließ. Aufgrund der verhängten schmählichen Strafen, und da Eberhard es nicht einsah, auf sein Gewohnheitsrecht der Selbstjustiz durch Fehde gegen Vasallen zu verzichten, weitete sich dieser Urteilsspruch zu einer Rebellion zur Wiederherstellung der Ehre aus: Eberhard verbündete sich mit dem Grafen Wichmann I. aus dem Geschlecht der Billunger, der mit einer Tante Ottos verheiratet war und sich ebenfalls in seiner Ehre herabgesetzt fühlte: Otto hatte statt seiner Wichmanns jüngeren Bruder Hermann Billung zum Markgrafen der sächsischen Nordmark an der unteren Elbe erhoben. Eberhard und Wichmann Billung verbündeten sich darauf mit dem bereits im Aufstand befindlichen Thankmar, der wiederum seinen Halbbruder Heinrich in seine Gewalt brachte und an Eberhard auslieferte. Bei dieser Gefangennahme kam ein konradinischer Neffe des schwäbischen Herzogs ums Leben. Dieser fasste der Überlieferung zufolge diesen Todesfall als göttlichen Fingerzeig auf, sich mit seinen Gefolgsleuten auf die Seite Ottos zu stellen. Für die Annäherung an Otto dürfte aber eher die zunehmende Isolierung der Aufständischen ausschlaggebend gewesen sein. Eberhard war, nachdem sich Wichmann mit dem König ausgesöhnt hatte und Thankmar nach der Befreiung Heinrichs in der Kirche der Eresburg getötet worden war, isoliert und selbst innerhalb seiner eigenen Sippe nicht mehr der unangefochtene Führer, sodass er sich Otto unterwarf, der ihn nach kurzer Verbannung begnadigte.

Bereits vor seiner Begnadigung hatte Eberhard ein neues Bündnis gegen Otto vorbereitet, indem er dessen jüngerem Bruder Heinrich versprochen hatte, ihm zur Krone zu verhelfen. Zu diesen beiden kam als dritter Verbündeter Herzog Giselbert von Lothringen, der mit Ottos Schwester Gerberga verheiratet war. Otto errang zwar zunächst einen Sieg in einer Schlacht bei Birten nahe Xanten, der seinem Gebet vor der Heiligen Lanze zugeschrieben wurde, konnte aber die Verschwörer nicht gefangen nehmen und belagerte erfolglos deren Stützpunkte. Währenddessen verheerten Giselbert und Eberhard die Ländereien königstreuer Adeliger. Die Erhebung brach aber eher zufällig und ohne direktes Zutun Ottos zusammen: Eberhard und Giselbert wurden 939 nach einem Plünderungszug in die Gebiete zweier Gefolgsleute des Herzogs von Schwaben, der konradinischen Grafen Konrad Kurzbold im Niederlahngau und Udo in der Wetterau, von diesen beim Überqueren des Rheins bei Andernach überrascht und in der Schlacht von Andernach am 2. Oktober 939 vernichtend geschlagen, wobei die beiden aufständischen Herzöge ums Leben kamen. Heinrich unterwarf sich und erhielt von Otto das durch Giselberts Tod freigewordene Herzogtum Lothringen in einem Versuch, ihn an der Macht zu beteiligen. Als Ausgleich behielt Otto das ebenfalls vakant gewordene Herzogtum Franken unter direkter königlicher Verwaltung und sicherte seinem Sohn Liudolf durch Verheiratung das Herzogtum Schwaben.

Aussöhnung mit der Familie

In Lothringen konnte Heinrich sich nicht durchsetzen und erhielt auch wenig Unterstützung durch seinen Bruder. Stattdessen entzog Otto ihm das Herzogtum wieder und setzte den einheimischen Grafen Otto von Verdun als Verwalter ein. Heinrich schloss sich daraufhin erneut den aufständischen sächsischen Adligen an. Beim Pfingstfest 941 wurde die erneute Verschwörung Heinrichs aufgedeckt, deren Ziel die Ermordung Ottos gewesen war. Heinrich wurde in der Pfalz Ingelheim inhaftiert, seine Verbündeten hingerichtet oder verbannt. Heinrich konnte jedoch aus der Haft entkommen und unterwarf sich Weihnachten 941 in Frankfurt formell seinem Bruder, der ihm daraufhin ebenso formell verzieh. Eine Bestrafung wäre für Otto unklug gewesen, da Heinrichs Anspruch auf Beteiligung an der Macht von zahlreichen Adeligen, nicht zuletzt auch der gemeinsamen Mutter Mathilde wegen, für berechtigt angesehen wurde. Kurz darauf kam es zur Aussöhnung zwischen Mathilde und Otto, vermutlich auf Vermittlung von Königin Edgith. Otto besuchte seine Mutter auf ihrem Witwengut Grone, bat sie in einem formellen Fußfall um Verzeihung und erhielt den Versöhnungskuss. Darauf gewährte Otto seiner Mutter den vollen Zugriff auf die ihr von Heinrich I. zugesicherten Witwengüter.

Adelspolitik

Ein Grund für die Adelserhebungen gegen Otto war zum einen die noch ungewohnte Einzelthronfolge und die daraus folgende, anfangs ungeklärt gebliebene Frage der Versorgung der Brüder des Königs, zum anderen aber auch der gegenüber seinem Vater Heinrich I. autoritärere Regierungsstil Ottos. Heinrich hatte auf die Salbung verzichtet, die ihn symbolisch über die Reichsgroßen erhoben hätte, und seine Regierung auf Freundschaftspakte mit wichtigen Personen gestützt. Der gesalbte Otto glaubte, seine Entscheidungen ohne Rücksicht auf Ansprüche und unabhängig von der internen Hierarchie der Adelssippen treffen zu können, da seine Auffassung des Königtums im Gegensatz zu der seines Vater ihn weit über den übrigen Adel erhob.

Nach den Adelserhebungen änderte Otto nicht seine Politik, Herzogtümer als Ämter des Reiches zu behandeln und nach seinem Gutdünken zu besetzen, verband sie jedoch mit dynastischer Politik: Die Tochter Ida des Herzogs Hermann von Schwaben, des Anführers der ihm treu gebliebenen Konradiner, verheiratete er mit seinem Sohn Liudolf. Dadurch wertete er Hermann auf und sicherte seinem eigenen Haus die Nachfolge im Herzogtum, da Hermann keine Söhne hatte. 954 wurde deshalb Liudolf wie geplant Herzog von Schwaben. Einen weiteren möglicherweise Verwandten der Konradiner, den Salier Konrad den Roten, setzte Otto 944 als Herzog in Lothringen ein und band diesen 947 durch die Heirat mit seiner Tochter Liudgard enger an die Königsfamilie. Den Anspruch seines Bruders Heinrich auf eine Teilnahme an der Macht stellte er dadurch zufrieden, dass er ihn mit Judith von Bayern aus der Herzogsfamilie der Luitpoldinger verheiratete und 948, nachdem dieses Herzogtum frei geworden war, als Herzog in Bayern einsetzte.

Diese Verheiratungen erhellen deutlich Ottos Heiratspolitik gegenüber den alteingesessenen Herzogshäusern zum Zwecke der Stärkung seiner Macht. Nachdem er selbst Herzog von Sachsen war und das Herzogtum Franken nach 939 in königliche Verwaltung übernommen wurde, waren um 955 die übrigen Herzöge des Reiches sein Sohn Liudolf, sein Bruder Heinrich und sein Schwiegersohn Konrad. Durch diese Verwandtschaft auf den Herzogstühlen schien der Zusammenhalt seines Reiches gefestigt.

Kurz nach dem Tod Edgithas am 29. Januar 946 begann Otto, die eigene Nachfolge zu regeln. Er ließ die bereits 939 ausgehandelte Ehe Liudolfs mit Ida, der Tochter des schwäbischen Herzogs, schließen und erklärte Liudolf offiziell zu seinem Nachfolger als König. Das Herrscherhaus sicherte Otto außerdem mit der Verheiratung seiner Tochter Liudgard mit Konrad dem Roten ab. Die Verleihung der bayerischen Herzogswürde an Ottos ehemals aufständischen Bruder Heinrich 948 markierte dessen endgültigen Verzicht auf die Königswürde. Damit hatte Otto, ähnlich wie sein Vater Heinrich I., bereits frühzeitig die Weitergabe der Königswürde an seinen Sohn abgesichert, allerdings mit dem Unterschied, dass dieses Vorgehen inzwischen akzeptiert worden war und nicht mehr aufwändig durchgesetzt werden musste.

Außenpolitik

Ottos Außenpolitik begann bereits mit der Wahl Aachens als Krönungsort. Aachen lag in Lothringen, auf das die westfränkischen Könige, die noch immer Karolinger waren, Anspruch erhoben. Allerdings war das Herrscherhaus bereits stark geschwächt. Die eigentliche Macht im Westfrankenreich lag in den Händen des Hochadels. Indem Otto sich als legitimer Nachfolger Karls des Großen darstellte, bekräftigte er auch seinen Anspruch auf Lothringen. Während des Adelsaufstands Heinrichs und 940 versuchte der westfränkische König Ludwig IV., sich in Lothringen festzusetzen, dies scheiterte aber zum einen an Ottos militärischer Stärke, besonders aber aufgrund dessen, dass Ludwigs innenpolitischer Rivale Hugo der Große mit Ottos Schwester Hadwig verheiratet war. Ludwig unterstrich seine Ansprüche auf Lothringen zwar dadurch, dass er die Witwe des 939 gefallenen aufständischen Herzog Giselbert heiratete. Da diese eine weitere Schwester Ottos war, wurde er damit aber zugleich auch ein Schwager Ottos und seines eigenen innenpolitischen Rivalen Hugo. Otto betrieb also dem Westfrankenreich gegenüber eine ähnliche Heiratspolitik wie mit den Herzögen im Ostfrankenreich.

Der ostfränkische König gelangte dadurch in die Rolle eines innenpolitischen Vermittlers im Westfrankenreich, die er mehrfach durch Vermittlungsversuche, aber auch durch Feldzüge auszufüllen versuchte. Bei letzteren ging es nicht um Eroberungen im Nachbarreich, sondern darum, auf die dortigen Konfliktparteien Druck auszuüben. 948 trat Otto als Gastgeber der Universalsynode von Ingelheim auf, die den zentralen Streitpunkt zwischen Ludwig und Hugo, die Besetzung des Erzbistums Reims, lösen sollte. Hugo blieb dem Treffen allerdings fern. An mehreren Hoftagen in Lothringen nahmen auch Mitglieder der westfränkischen Königsfamilie teil, was wiederum das Prestige Ottos erhöhte.

Zum Königreich Burgund hatte das Ostfrankenreich eine gute Beziehung, seitdem Heinrich I. von dessen König Rudolf II. die Heilige Lanze erworben hatte. Als Rudolf 937 starb, holte Otto dessen minderjährigen Sohn Konrad an seinen Hof, um damit eine Übernahme Burgunds durch Hugo von Italien zu verhindern, der sofort Rudolfs Witwe geheiratet und seinen Sohn Lothar mit dessen Tochter Adelheid verlobt hatte. Nach dem Tod des italienischen Königs Hugo 947 oder 948 sorgte Otto außerdem dafür, dass Teile von Hugos Königsgut in der Provence und an der Rhône an Burgund fielen, was sein Verhältnis zum burgundischen Königshaus weiter festigte.

Auch in Byzanz wurde Otto unter den westeuropäischen Herrschern als herausgehobene Figur wahrgenommen.

Eingreifen in Italien und Hochzeit mit Adelheid von Burgund

Ebenso wie Otto in Burgund die Opposition gegen Hugo gestützt hatte, tat er dieses auch in Italien selbst, das theoretisch noch zum Frankenreich gehörte. Die Kaiserwürde war an das italienische Regnum geknüpft. Otto musste daher die Herrschaft in Italien erlangen, wenn er Kaiser werden wollte. Wie in Burgund und teilweise auch im Westfrankenreich nutzte Otto dabei innere Rivalitäten, indem er einen Rivalen Hugos, Berengar von Ivrea, an seinem Hof aufnahm und gegen Hugo schützte. Berengar gelang es tatsächlich, Hugo und dessen Sohn Lothar aus der Macht zu drängen. Lothar starb 950. Nach Langobardischer Tradition konnte seine Witwe Adelheid durch Eheschließung die Königswürde weitergeben, weshalb Berengar sie gefangen setzte und sich am 15. Dezember 950, nur drei Wochen nach dem Tod Lothars, zum König erklärte und seinen jüngeren Sohn Adelbert zum Mitregenten machte.

Adelheid war jedoch nicht nur Witwe des italienischen Königs, sondern verfügte als Schwester Konrads III. über Verbindungen zu Otto. Wesentlich wichtiger war aber die Tatsache, dass Adelheid eine Nichte von Ida von Schwaben war, der Gemahlin von Ottos Sohn Liudolf. Vor allem aber hatte Otto selbst großes Interesse am Eingreifen in Italien, weil er als Witwer die Möglichkeit zur Heirat Adelheids und damit zur Ausdehnung seiner Herrschaft mit Perspektive auf die Kaiserwürde hatte. Nach der Festsetzung der Königswitwe riefen die inneren Gegner Berengars Otto um Hilfe an, die er sofort zusagte. Allerdings kam ihm sein eigener Sohn Liudolf unter Berufung auf seine engere Verwandtschaft mit Adelheid mit einem Italienzug zuvor. Ob er gezielt versuchte, die Pläne seines Vaters zu vereiteln oder ob es ihm dabei vor allem um den eigenen Machtzuwachs ging, lässt sich heute nicht mehr abschließend bestimmen. Gesichert ist, dass Liudolf ohne Ottos Einverständnis nach Italien zog und sich deshalb das Verhältnis zwischen Vater und Sohn stark eintrübte. Liudolfs Unternehmen blieb erfolglos, nicht zuletzt weil sein Onkel Heinrich als Herzog von Bayern bei den norditalienischen Fürsten massiv gegen ihn vorging, so dass Liudolf in Italien keinerlei Unterstützung bekam.

In Anerkennung von Heinrichs Vorgehen gegen Liudolf machte Otto seinen Bruder zum Heerführer und wichtigsten Mittelsmann auf seinem eigenen Italienzug im September 951. Der Italienzug lief ohne Kämpfe ab. Heinrich führte Adelheid von ihrer Fluchtburg Canossa nach Pavia, wo Otto sie im Oktober heiratete und damit zugleich die italienische Königswürde annahm. Die Sondierungen durch Erzbischof Friedrich von Mainz in Rom um die Kaiserkrönung scheiterten jedoch.

Der Aufstand Liudolfs

Ottos Ehe mit Adelheid führte zu Spannungen zwischen dem König und seinem designierten Nachfolger. Liudolf befürchtete, von einem Sohn Ottos aus der neuen Ehe aus der Position als Thronfolger gedrängt zu werden, und misstraute zudem dem wachsenden Einfluss seines Onkels, des ehemaligen Rebellen Heinrich. Darüber hinaus war Liudolfs Position in Schwaben keineswegs gefestigt. Wohl als Bestrafung für das eigenmächtige Eingreifen seines Sohnes in Italien schränkte Otto die Verfügungsrechte Liudolfs über sein Herzogtum ein. Eine für Liudolf unsichere Größe war zudem seine Schwiegermutter Reginlind, die große Teile des Familienbesitzes der Burkhardinger kontrollierte und zudem als Äbtissin über das Zürcher Nonnenkloster und die Abtei Säckingen verfügte; beides überaus wohlhabende Einrichtungen. Reginlind unterstützte ihre Tochter und damit Liudolf keineswegs unumschränkt, sondern stand über ihren Sohn Burkhard II. in enger Verbindung mit Adelheid. Zudem standen mehrere Adlige aus der Familie der Matrone in Konflikt mit Liudolf.

In dieser Lage reiste Liudolf gemeinsam mit Erzbischof Friedrich von Mainz aus Italien ab. Der Erzbischof war bei Otto in Ungnade gefallen, weil seine Mission in Rom erfolglos geblieben war.

Die eigenmächtige Abreise des Sohnes bedeutete einen klaren Affront Otto gegenüber. Zu Weihnachten 951 veranstaltete Liudolf zudem in Saalfeld ein Fest mit adligen Gästen, das Otto als Plattform zum Sammeln von Verbündeten gegen ihn interpretieren musste. Als Reaktion kehrte Otto im Februar 952 mit Adelheid nach Sachsen zurück, um seine Position zu festigen. Dem Sohn verweigerte er demonstrativ seine Huld.

Zunächst gewann aber Liudolf einen mächtigen Verbündeten: seinen Schwager Konrad den Roten. Der war von Otto in Italien zurückgelassen worden und hatte dort mit Berengar und Adelbert ausgehandelt, dass beide von Otto erneut als italienische Könige anerkannt werden würden, im Gegenzug aber Otto den Treueid schwören mussten. Otto erfüllte diese Vereinbarung jedoch nicht sofort, sondern ließ Berengar und Adelbert über die Alpen kommen und hielt sie dort bis zum August hin. Selbst dann war die feierliche Verleihung der italienischen Königswürde auf dem Lechfeld mit harten Bedingungen verbunden: Berengar musste die Marken Verona und Aquileja an den Herzog von Bayern, also Ottos Bruder Heinrich abgeben. Da in dem ursprünglichen Abkommen davon keine Rede gewesen war, fühlte Konrad der Rote sich beleidigt und machte dafür vor allem Heinrich verantwortlich. Da dieser auch der Gegenspieler von Liudolf war, schloss sich Konrad dem rebellierenden Königssohn an.

Nachdem Adelheid im Winter 952/953 einen ersten Sohn geboren hatte, brach der Aufstand offen aus. Liudolf, Konrad und zahlreiche verbündete Adlige zwangen Otto 953 dazu, den Ort für die königliche Osterfeier dreimal zu verlegen, was deren Wert als Repräsentationsfeld königlicher Macht schmälerte. Immer mehr Adelsgruppen verbündeten sich mit Liudolf. In Liudolfs Herzogtum Schwaben stand nur noch Bischof Ulrich von Augsburg zu Otto, Sachsen war entsprechend der Auseinandersetzungen am Beginn seiner Herrschaft weitgehend von Otto abgefallen, in Bayern hatten sich die Liutpoldinger, die vor Heinrichs Einsetzung die Herzogsfamilie gewesen waren, Liudolf angeschlossen. Bei einem Gerichtstag in Fritzlar erschienen Liudolf und Konrad nicht. Otto entzog darauf Konrad das Herzogtum Lothringen, sprach aber kein Urteil gegen seinen Sohn. Heinrich von Bayern trat als Ankläger auf und erhielt von Otto die Erlaubnis, gegen mehrere Verbündete der Aufständischen vorzugehen, was Heinrich auch die Möglichkeit gab, persönliche Feinde zu bekämpfen. Ottos stärkster Rückhalt war in Franken und in Lothringen, wo Ottos Bruder Brun als Erzbischof von Köln und zugleich als neu ernannter Herzog von Lothringen seinen Einfluss nutzte. Fast das gesamte Reich Ottos wurde in den Konflikt verwickelt. Otto belagerte im Sommer Mainz und im Herbst das von Liudolf besetzte Regensburg. Beide Belagerungen musste er nach schweren Verlusten abbrechen.

In dieser Situation kam es zu einem Einfall der Ungarn. Sie waren an der Ostgrenze des Ostfrankenreiches trotz der als Sicherung gegen Einfälle heidnischer Slawen und Magyaren eingerichteten Ostmarken eine dauerhafte Bedrohung geblieben und über die Situation im Reich gut informiert. Die innere Schwäche veranlasste sie dazu, im Frühjahr 954 mit einer großen Streitmacht in Bayern einzufallen. Sowohl Otto als auch die Aufständischen warfen der jeweils anderen Seite vor, die nichtchristlichen Ungarn zur Unterstützung herbeigerufen zu haben. Liudolf hatte wohl tatsächlich Zahlungen an sie geleistet, verteidigte sich aber, dass er damit nur die Verschonung seiner Territorien erkauft habe. Das angebliche oder tatsächliche Paktieren der Gegenseite mit den Ungarn nutzte Otto eher, da es dazu führte, dass die Aufständischen den Rückhalt ihrer Gefolgsleute verloren. Der Angriff von außen führte jedenfalls zu keiner Abschwächung der Kämpfe im Reich. Ebenfalls im Frühjahr 954 trafen das königliche Heer und das der Aufständischen zu einer Schlacht an der Iller zusammen, die jedoch ohne klares Ergebnis endete.

Kurz darauf vermittelten die Bischöfe von Augsburg und Chur ein Treffen zwischen den Konfliktparteien in Langenzenn, bei dem Liudolf die meisten seiner Unterstützer verlor: Konrad der Rote verzichtete auf sein Herzogtum, Friedrich von Mainz leistete einen Reinigungseid, der ihn vom Vorwurf des Hochverrats befreite, und beide unterwarfen sich Otto. Liudolf wollte diesen Weg nicht gehen. Als Konsequenz der Verhandlungen von Fürth begrenzte sich der Konflikt zunächst auf die Brennpunkte Sachsen und Regensburg. Im ottonischen Kernland kämpften vor allem Hermann Billung auf der Seite Ottos gegen seine Neffen Wichmann und Ekbert. Letztere warfen Hermann vor, sie um ihre Erbe gebracht zu haben, und verbündeten sich mit benachbarten Slawenstämmen unter den Abodritenfürsten. Um Regensburg und das Umland, wohin Liudolf sich zurückgezogen hatte, entwickelte sich eine zähe Belagerung. Angesichts der Hungersnot in der Stadt war Liudolf schließlich bereit, sich seinem Vater zu unterwerfen. Otto sicherte ihm freien Abzug und einen Waffenstillstand bis zur offiziellen Gerichtsverhandlung über ihn zu, die in Fritzlar stattfinden sollte. Diesen Termin wartete Liudolf jedoch nicht ab und stützte sich bei seinen weiteren Schritten vermutlich auf die Vermittlung seines Onkels Brun: Im Herbst 954 warf er sich während der Königsjagd nahe Weimar vor dem Pferd Ottos zu Boden und flehte um Gnade, die ihm auch gewährt wurde, worauf der Königssohn schwor, seinem Vater in Zukunft gehorsam zu sein.

Regensburg selbst wollte sich nicht ergeben und kämpfte weiter gegen das Heer Ottos unter der Führung Heinrichs von Bayern. Der militärisch zunehmend erfolgreiche Heinrich ging massiv gegen die Aufständischen in seinem Herzogtum vor. So ließ er den Erzbischof von Salzburg blenden und belagerte Regensburg im Frühjahr 955 erneut, räumte der Stadt bei ihrer Kapitulation jedoch vergleichsweise großzügige Bedingungen ein.

Die Ungarn waren unterdessen vor Augsburg durch die zähe Verteidigung der Stadt unter Leitung des Bischofs Ulrich von Augsburg aufgehalten worden. Dies verschaffte Otto die Zeit, ein Heer zu sammeln und mit diesem zum Entsatz Augsburgs zu eilen. Die Schlacht auf dem Lechfeld am 10. August 955 beendete die Ungarngefahr dauerhaft. Der triumphale Sieg, dem zum Dank Otto das Bistum Merseburg gründete, wie auch der Sieg gegen die Slawen in der Schlacht an der Recknitz festigte Ottos Macht und Ansehen. Nach Widukind von Corvey [2], dessen Darstellung angezweifelt wird, soll Otto noch auf dem Schlachtfeld vom siegreichen Heer zum imperator ausgerufen worden sein, die Hofkanzlei veränderte Ottos Titel jedoch nicht [3]. Mit dem Ende der äußerst grausam geführten Kämpfe gegen die Slawen im Herbst 955 endete auch die unruhige Periode um den Aufstand Liudolfs.

Restrukturierung und Anfänge des Reichskirchensystems

Nach der Schwächephase um den Aufstand seines Sohnes kam es zu einer Restrukturierung des Reiches. Ottos Bruder Heinrich von Bayern war noch 955 gestorben. Konrad der Rote, der zwar nicht mehr Herzog aber immer noch eine der bedeutendsten Figuren des Ostfrankenreiches war, fiel in der Schlacht auf dem Lechfeld. Liudolf wurde Ende 956 nach Italien geschickt, um dort die ottonische Macht zu stärken, möglicherweise sogar, um dort König zu werden. Allerdings starb er schon am 6. September.

Damit waren innerhalb kürzester Zeit eine Reihe wichtiger Akteure verschwunden. Otto reagierte, indem er sich zunehmend auf seinen jüngeren Bruder Brun stützte. Dieser war seit 940 Kanzler, seit 951 zugleich Erzkaplan des Reiches und seit 953 Erzbischof von Köln. Otto hatte ihm zudem die Konrad dem Roten aberkannte Herzogswürde von Lothringen zugesprochen, und er behielt diese nach Konrads Tod, wobei diese Regelung weiter nur als Übergang gelten konnte. Brun hatte in seinem Gebiet freie Hand und vertrat auch Ottos Interessen im Westfrankenreich.

Dort waren inzwischen sowohl Hugo der Große als auch Ludwig IV. gestorben. Vormund beider Erben war Brun, während Hugos und Ludwigs Witwen Hadwig und Gerberga, die Schwestern Ottos und Bruns, diese erzogen. Brun war damit der Prototyp des Bischofs im ottonisch-salischen Reichskirchensystem: vorbereitet auf die Bischofswürde in der Hofkapelle und damit in den Königsdienst eingebunden.

Neben Brun wurde Ottos unehelicher Sohn Wilhelm, seit 954 Erzbischof von Mainz, eine wichtige Stütze, auch wenn dieser zunächst gegen die von Otto vorgesehene Gründung des Bistums Magdeburg opponierte, die zu Lasten des Erzbistums Mainz gegangen wäre. Weitere wichtige Helfer Ottos waren der Erzbischof von Hamburg sowie der Abt von Fulda.

Vermutlich auf der Synode von Ingelheim 948 wurden die Bischöfe von Ripen, Schleswig und Aarhus ordiniert. Diese Bistumsgründungen und die im gleichen Jahr erfolgten Gründungen weiterer Missionsbistümer in Brandenburg und Havelland sollten im Vorfeld des Sachsenlandes ähnlich wirken wie einst die Gründung von Bistümern in Sachsen durch Karl den Großen. Zudem stärkte Otto die rechtliche Stellung vieler Bischöfe und Äbte. Sie erhielten in ihrem Gebiet die Rechte von Grafen, die Befugnisse der von ihnen eingesetzten Gerichte wurden ausgedehnt, zudem erhielten sie zahlreiche Regalien. Diese Entwicklung setzte sich unter Ottos Nachfolgern fort. Bei der Einsetzung neuer Bischöfe achtete Otto darauf, dass der neue Amtsinhaber nicht nur durch die Hofkapelle gegangen war, sondern außerdem meist nicht aus dem Gebiet stammte, in dem er sein Amt ausüben sollte. Dadurch beugte er einer engen Bindung an den Adel der Region vor.

Die Verbindungen nach England waren mit dem Tod Edgiths nahezu vollkommen erloschen, zumal dort Thronstreitigkeiten ausgebrochen waren. Auf den per Treueeid gebundenen Berengar in Italien hatte Otto de facto kaum Einfluss.

Das durch den Tod Heinrichs frei gewordene Herzogtum Bayern wurde nicht wieder vergeben, sondern unter der Regentschaft von Heinrichs Witwe Judith für ihren vierjährigen Sohn Heinrich belassen. Lediglich Schwaben erhielt einen vollwertigen neuen Herzog: Adelheids Onkel Burkhard, der später durch die Heirat mit Judiths und Heinrichs Tochter Hadwig enger an die Herrscherfamilie gebunden wurde. Damit waren Otto kurz nach seinem Triumph gegen den verbreiteten Aufstand plötzlich wichtige Strukturen seines Reiches weggebrochen. Hinzu kam, dass die beiden ersten Söhne seiner zweiten Ehe im jungen Alter gestorben waren und der dritte Sohn Otto erst Ende 955 geboren worden war. Die schwere Krankheit Ottos im Jahr 958 bedeutete dadurch eine schwere Krise des Reiches.

Vorbereitung des zweiten Italienzugs

Berengar II. hatte die Krise während Liudolfs Aufstand genutzt und die Festigung seiner Macht weiter betrieben, obwohl er Italien formal nur noch als Lehen Ottos hielt. Liudolfs Tod sowie Ottos Probleme im nördlichen Reichsteil angesichts zahlreicher vakanter Herzogtümer und seiner schweren Krankheit scheinen Berengar dann ermutigt zu haben, nach Oberitalien auch Rom und den Kirchenstaat unter seinen Einfluss zu bringen. Dieses brachte ihn in Konflikt mit Papst Johannes XII., der Weihnachten 960 Otto um Hilfe ersuchte. Mit ähnlichem Ziel intervenierten auch mehrere Flüchtlinge aus Italien an Ottos Hof, darunter der Erzbischof von Mailand und der Bischof von Como. Der Hilferuf des Papstes eröffnete Otto die Perspektive, die Kaiserkrönung als Gegenleistung für ein Eingreifen in Italien zu fordern.

Der inzwischen wieder genesene König bereitete den Romzug sorgfältig vor. Auf dem Hoftag zu Worms im Mai 961 ließ er seinen siebenjährigen Sohn Otto II. zum Mitkönig wählen und diesen in Aachen auch krönen. Vermutlich geht diese Krönung auf das Betreiben Adelheids zurück, da ein solcher Vorgang im Ostfrankenreich unüblich, in Italien aber bekannt war. Außerdem wäre Adelheid im Fall von Ottos Tod mit einem bereits gekrönten Sohn in einer wesentlich stabileren Stellung als Regentin gewesen und Otto II. hätte als Erbe Adelheids und Ottos I. eine personelle Klammer des nord- und des südalpinen Reichsteils dargestellt. Die beiden Erzbischöfe Brun und Wilhelm erhielten die Verwaltung des Reiches, die Grenze im Osten hüteten altbewährte Gefolgsleute.

Kaiserkrönung und italienische Politik

Im August 961 brach Ottos Heerzug nach Italien auf, überquerte den Brennerpass und nahm Oberitalien kampflos in Besitz, da Berengar sich in seine Burgen zurückzog. An den ausgestellten Privilegien und Urkunden lässt sich ablesen, dass Otto I. das italienische Reich nicht nur für sich, sondern ausdrücklich für seine Familie, also auch Adelheid und den gemeinsamen Sohn, in Besitz nahm.

Im Januar 962 erreichte das Heer Rom, wo am 2. Februar Papst Johannes XII. Otto zum Kaiser krönte. Auch Adelheid wurde gesalbt und gekrönt und erhielt so den gleichen Rang, was die erste verlässlich bezeugte Krönung einer Kaiserin in Westeuropa darstellte. Auch darin zeigte sich, dass Otto nicht in erster Linie als Einzelperson, sondern stellvertretend für sein Herrscherhaus agierte. Im Gegenzug bestätigte der neue Kaiser in einem Privileg (Pactum Ottonianum) den Besitzstand der Päpste. In der Urkunde war aber auch geregelt, dass ein neuer Papst nicht ohne die vorherige Zustimmung des Kaisers geweiht werden dürfte. Letztlich erhielt damit der Kaiser das Recht, den Papst zu bestätigen. Der Papst wurde gewissermaßen oberster Reichsbischof. Nach der Kaiserkrönung begab sich Otto zurück nach Pavia, von wo aus er weiter den Feldzug gegen Berengar leitete, der sich 963 in die unerstürmbare Burg San Leo bei San Marino zurückzog.

Ein Kaiser, der sich nicht nur als Beschützer der römischen Kirche titulierte, sondern auch die Oberherrschaft in Rom ausüben wollte, widersprach dem Interesse Johannes XII., der nunmehr gegen Otto taktierte und schließlich sogar Berengars Sohn Adalbert in Rom aufnahm. Otto antwortete damit, dass er wieder nach Rom zog und dort Johannes XII. von einer Synode italienischer und deutscher Bischöfe absetzen ließ. Neuer Papst wurde mit Ottos Zustimmung Leo VIII. Diesmal blieb Otto in Rom, entließ allerdings einen Großteil seines Heeres, zumal Berengar inzwischen kapituliert hatte und nach Bamberg verbannt worden war. Nach einem vermutlich vom abgesetzten Papst angestachelten Aufstand der Römer im Januar 964 verließ Otto Rom, was Johannes XII. veranlasste, wieder dort zu erscheinen. Eine Synode von Bischöfen aus der Umgebung Roms erklärte die Beschlüsse der vorherigen Synode für ungültig und Leo VIII. für abgesetzt. Otto marschierte daraufhin erneut in Rom ein, wo inzwischen Johannes XII. gestorben und der ohne Ottos Zustimmung gewählte Benedikt V. Papst geworden war. Otto setzte Leo VIII. wieder ein, Benedikt wurde in die abgelegenste Kirchenprovinz des Reiches nach Hamburg verbannt. Zwischenzeitig führte Otto, meist durch die Vermittlung Adelheids, zahlreiche Verhandlungen mit dem italienischen Adel. Nachdem er die Kaiserkrone erhalten hatte, kehrte Otto im Frühjahr 965 nach Deutschland zurück, um sich im Glanz der neuen Würde zu präsentieren.

Die letzten Jahre

Die Rückkehr in den nördlichen Reichsteil nach dreieinhalb Jahren wurde von mehreren repräsentativen Hoffesten begleitet, deren Abschluss ein Reichstag in Köln im Mai 965 bildete. Es wurde ein ottonisches Familientreffen, bei dem von Mathilde, der Witwe Heinrichs I., über Ottos Schwester Gerberga mit ihrem Sohn, König Lothar von Frankreich, bis hin zu Otto II. sämtliche Ottonen sowie mehrere Herzöge und Bischöfe anwesend waren. Anschließend machte sich Otto daran, ihm wichtige Angelegenheiten zu regeln, insbesondere die Gründung des Bistums Magdeburg. Der Tod Bruns am 11. Oktober 965 beraubte Otto eines wichtigen Helfers, Bruns Nachfolger erhielt nicht dessen Amtsfülle. Wilhelm von Mainz, der seinen Widerstand gegen die Gründung Magdeburgs, die zu Lasten des Bistums Mainz gehen würde, eingestellt hatte, wurde alleiniger Erzkanzler und Erzkapellan. Die endgültige Errichtung des Bistums Magdeburg erforderte die Mitwirkung des Papstes, inzwischen war dies Johannes XIII. als Nachfolger des 965 gestorbenen Leo VIII. Johannes XIII. war von innerrömischer Opposition zur Flucht aus Rom gezwungen worden, sein Hilferuf an Otto und der Umstand, dass Berengars Sohn Adelbert sich weiterhin im Aufstand befand, erforderten einen weiteren Romzug.

Bereits Weihnachten 966 war Otto wieder in Rom, wo er gemeinsam mit dem Papst harte Urteile über die Aufständischen verhängte. Zu Ostern 967 bestätigte der Papst die Gründung des Erzbistums Magdeburg mit seinen Suffraganbistümern. Am Weihnachtstag 967 sicherte Otto endgültig seine Nachfolge: Otto II., bereits seit 961 Mitkönig, wurde zum Mitkaiser gekrönt. In Italien nahm Otto in der Tradition Karls des Großen die Huldigung der langobardischen Fürsten von Benevent und Capua entgegen. Da Byzanz ebenfalls die Oberhoheit über diese Gebiete beanspruchte und seine Herrscher sich als einzige legitime Träger des Kaisertitels sahen, verschärften sich die Konflikte mit den oströmischen Kaisern; 968 bis 970 führten Otto und Byzanz in Apulien sogar Krieg gegeneinander. Allerdings tauschten beide Reiche gleichzeitig Gesandtschaften aus, von Ottos Seite mit dem Ziel, eine byzantinische Prinzessin als Gattin für seinen Sohn zu erhalten. Kaiser Nikephoros II. verlangte als Gegenleistung für eine Prinzessin die Abtretung Roms und Ravennas an Byzanz; für Otto eine unannehmbare Forderung.

Ein gewaltsamer Thronwechsel in Byzanz brachte politische Entspannung. Im Herbst 971 sandte Otto den Kölner Erzbischof Gero nach Byzanz. Der neue oströmische Kaiser Johannes Tsimiskes ging auf die Brautwerbung der Ottonen ein und sandte mit seiner Nichte Theophanu eine zwar nicht „purpurgeborene“, aber doch aus dem Kaiserhaus stammende Prinzessin nach Rom. 972, direkt nach der Hochzeit, wurde auch Theophanu am 14. April vom Papst zur Kaiserin gekrönt. Im Anschluss daran zogen beide Kaiserpaare zurück über die Alpen, wo ihre Anwesenheit dringend nötig war. Nach dem Tod seines Sohnes Wilhelm am 2. März und seiner Mutter Mathilde am 14. März 968 waren Ottos Tochter Mathilde als Äbtissin in Quedlinburg und Herzog Heinrich von Bayern die beiden einzigen Mitglieder des engeren Königshauses nördlich der Alpen, die beide aber noch sehr jung waren. Nach seiner Rückkehr aus Italien hielt Otto 973 einen glänzenden Hoftag in Quedlinburg ab, zu dem Gesandte aus nahezu der gesamten bekannten Welt eintrafen.

Otto I. starb am 7. Mai 973 auf seiner Pfalz Memleben. Er wurde nach einem prunkvollen 30-tägigen Leichenzug neben seiner 946 verstorbenen Frau Edgitha im Magdeburger Dom beigesetzt. Durch diese lange vorbereitete Grablege und die damit verbundenen Stiftungen wurde das von Otto geschaffene Erzbistum noch einmal aufgewertet. Der Übergang der Herrschaft auf seinen Sohn Otto II. erfolgte nahtlos, da die Nachfolge durch die Krönung Ottos II. bereits geregelt war.

Herrschaftsverständnis

Das Herrschaftsverständnis und die Herrschaftspraxis Ottos I. waren geprägt von der Vorstellung des „Hauses“, der Herrscherfamilie. Darin drückte sich eine erste Stufe der Entpersonalisierung der Herrschaft aus. Das Reich bestand letztlich unabhängig von der Person des Herrschers, wenn auch zu dem Ziel, dieses abstrakte Reich ungeteilt in der engsten Familie weiter zu vererben. Diese Auffassung unterschied sich von dem fränkischen Vorgehen, nach dem auf Reichs- und Territorialebene nicht unbedingt der älteste Sohn alleiniger Erbe sein sollte, sondern Erbteilungen oder die Nachfolge durch besonders angesehene Mitglieder des erweiterten Verwandtenkreis üblich waren.

Der hohe Stellenwert des Herrscherhauses drückte sich in Ottos intensiv betriebener Heiratspolitik aus, die aber gleichzeitig zeigt, dass die Entpersonalisierung des Reiches noch nicht weit vorangeschritten war, denn sie bedurfte der Absicherung durch persönliche, am besten verwandtschaftliche Verbindungen. Im Inneren des Reiches wurden die Herzöge durch Heiraten nicht nur an den Herrscher selbst, sondern an die gesamte Familie gebunden. Gleichzeitig betrieb Otto eine auf Heiratspolitik basierende Diplomatie außerhalb seines Reiches, die wiederum auch den Zweck hatte, die Spitzengruppe des Herrscherhauses vom Hochadel des eigenen Reiches abzuheben. Etwas vergleichbar Hochwertiges zu einer Heirat mit einer byzantinischen Prinzessin, wie er sie für seinen Sohn erreichte, konnte eben kein Herzog vorweisen.

Ein Grund für diese Betonung der Herrscherfamilie liegt darin, dass der Wechsel von den auf das gesamte Frankenreich ausgerichteten Karolingern zu den klar auf das Ostfrankenreich konzentrierten und aus Sachsen stammenden Ottonen einen Epochenwechsel darstellte. Erst mit ihm hatte sich das Ostfrankenreich als eigenständiges Gebilde und damit als Vorläufer des Heiligen Römischen Reiches und letztlich Deutschlands etabliert. Allerdings kann man nicht davon sprechen, dass Otto diese Konzentration auf die Herrscherfamilie „erfunden“ hätte. Ähnliche Tendenzen zeigten sich in seiner Zeit auch in den Fürsten- und Adelshäusern des Reiches.

Neben der Herrscherfamilie nutzte Otto I. als zweites wichtiges Herrschaftsinstrument die Reichskirche. Die Hofkapelle, an deren Spitze Verwandte des Königs standen, wurde zur wichtigen Station für zukünftige hohe kirchliche Würdenträger, was deren enge Verbundenheit zur Herrscherfamilie begründete. Die Reichsbischöfe und -äbte erhielten weitreichende Befugnisse und Immunitäten. Das Kirchengut vergrößerte der König, da er darauf als Oberhaupt der Reichskirche weiter Zugriff hatte und nicht fürchten musste, dass die ehelosen Kirchenfürsten diese Besitztümer weiter vererben würden. Zudem dienten die stabilen kirchlichen Grundherrschaften als Quellen für militärische Unterstützung.

Nachkommen

von der vornehmen Slawin:

mit Edgitha:

mit Adelheid von Burgund:

Quellenlage

Zu den ergiebigsten zeitgenössischen Quellen zählen das zweite und dritte Buch der Res gestae Saxonicae von Widukind von Corvey. Vor allem die Königskrönung in Aachen und die Schlacht auf dem Lechfeld werden darin ausführlich geschildert.

Widukind, neben Hrotsvit eine der Hauptquellen für das Leben Ottos I., hat diesen wie folgt beschrieben:[4]

„Auf die Jagd ging er häufig, liebte das Brettspiel und nahm bisweilen mit Anmut und körperlichem Anstand am Reiterspiel teil. Hinzu kam noch der gewaltige Körperbau, der die volle königliche Würde zeigte, das Haupt mit ergrauendem Haar bedeckt, die Augen funkelnd und wie ein Blitz durch plötzlich treffenden Blick einen besonderen Glanz ausstrahlend. Der Bart wallte voll herab, ganz wider die alte Sitte. Die Brust war wie mit einer Löwenmähne bedeckt, der Bauch nicht zu stattlich, der Schritt einst rasch, jetzt gemessener. Seine Tracht war die heimische, die er nie mit fremder vertauschte. So oft er aber unter der Krone gehen mußte, bereitete er sich stets durch Fasten sorgfältig darauf vor.“

Diese Beschreibung ist, da sie an Einhards Beschreibung Karls des Großen angelehnt ist, möglicherweise bereits idealisierend, auch wenn sie zeitgenössisch ist.

In Fragmenten erhalten ist die ottonische Familienchronik Gesta Ottonis der Hrotsvit von Gandersheim, die auch Ottos Leben bis 965 behandelt. Eine weitere wichtige Quelle ist das sechste Buch der Weltchronik Chronica sive Historia de duabus civitatibus des Otto von Freising, der allerdings bereits zweihundert Jahre Abstand zum Leben Ottos des Großen hatte.

Alle diese Quellen sind hinsichtlich ihrer historischen Genauigkeit mit Vorsicht zu lesen, da sie eine klare politische Motivation hatten. Weniger als um exakte Wiedergabe der Ereignisse bemühte Berichte waren sie vor allem propagandistische Schriften, die der politischen und historischen Rechtfertigung des Kaisertums verpflichtet waren. Daher wird die Tradition durch Verweise auf idealtypische Vorgänger, vor allem Karl den Großen, betont. Otto von Freising hingegen ging es als Verwandtem von Friedrich Barbarossa um dessen Legitimation und somit um die Idealisierung Ottos I. als ersten deutschen Kaiser und Reichsgründer. Der Beiname „der Große“ wurde ihm von Otto von Freising beigefügt, der damit würdigte, dass Otto I. durch sein auf den Akt der Salbung gestütztes sakrales Königtum das Vorbild für das mittelalterliche Herrschaftsmodell geschaffen hat und zudem durch die Erneuerung des abendländischen Kaisertums dieses für lange Zeit mit dem deutschen Königtum verbunden hat.

Rezeption

In der Auseinandersetzung um einen deutschen Nationalstaat im 19. Jahrhundert spielte die Diskussion über die mittelalterliche Kaiserpolitik eine wichtige Rolle. Bereits Karl dem Großen wurde vorgeworfen, „nationale“ Interessen durch die Kaiserkrönung in Rom an Italien verraten zu haben. Dieser Vorwurf wurde dann im großen Historikerstreit des 19. Jahrhunderts – nach seinen Initiatoren Sybel-Ficker-Streit genannt – auf Otto I. und seine kaiserlichen Nachfolger ausgedehnt. Für den preußischen Historiker Heinrich von Sybel wurde so der Vater Ottos, Heinrich I., zum „Stern des reinsten Lichtes an dem weiten Firmament unserer Vergangenheit. [...] Man kann ihn den Gründer des deutschen Reiches und damit den Schöpfer des deutschen Volkes nennen.“ Die Kaiserpolitik Ottos und seiner Nachfolger verurteilte er wegen ihrer südlichen Ausrichtung nach Rom; sie habe „nutzlose Opfer“ gekostet, und es sei weder dem deutschen Reich noch dem deutschen Königtum „Heil aus dem so errungenen Glanze“ erwachsen. Denn es fand nicht mehr das statt, was Sybel an Heinrich I. bewunderte: „Die Kräfte der Nation, die sich mit richtigem Instinkte in die großen Kolonisationen des Ostens ergossen, wurden seitdem für einen stets lockenden und stets täuschenden Machtschimmer im Süden der Alpen vergeudet.“ Schlossen sich Deutschösterreicher dieser Sichtweise an, so wurde Ottos Sieg von 955 von dieser Kaiserkritik ausgenommen, denn er ermöglichte den Bajuwaren die Ausdehnung nach Osten zur Erschließung der Ostmark.

Adolf Hitler schloss sich der Sybelschen Einschätzung an. Er nannte in "Mein Kampf" drei wesentliche und bleibende Erscheinungen, die aus dem "Blutmeer" der deutschen Geschichte hervorgegangen sind: Die Eroberung der Ostmark, die Eroberung des Gebietes östlich der Elbe und die Schaffung des brandenburgisch-preußischen Staates.[5] Folglich nannte er „Die militärische Weisung für den Einmarsch in Österreich vom 11. März 1938“, das erste Dokument seiner Tätigkeit als neuer Oberbefehlshaber der Wehrmacht, „Unternehmen Otto“, das mit der Weisung zur Umbenennung Österreichs in „Ostmark“ vom 24. Mai 1938 abgeschlossen wurde. Hitlers neuer Generalstabschef Franz Halder, unbeteiligt am „Unternehmen Otto“, arbeitete 1940 den Feldzug gegen Russland als „Plan Otto“ aus. Zur Vermeidung einer Doppelung wurde daraus das Unternehmen Barbarossa. „Unternehmen Barbarossa“ und Himmlers „Programm Heinrich“, mit dem er in den Fußspuren des von Sybel verherrlichten Heinrichs I. zu gehen meinte, bauen aufeinander auf: Ersteres folgte den Planungen der Wehrmacht; das „Programm Heinrich“ war Himmlers Bezeichnung für alles, was unter SS-Regie in Osteuropa von der „germanischen“ Besiedlung bis zum Völkermord durchzusetzen war.

Quellen

Urkunden und Regestenwerke

Literarische Quellen

Literatur

Biographien

Allgemeine Darstellungen

 Commons: Otto I. – Bilder, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Otto von Freising: Chron. VI, 24. In MGH Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi 45: Ottonis episcopi Frisingensis Chronica sive Historia de duabus civitatibus. Herausgegeben von Adolf Hofmeister. Hannover 1912, S. 286 (Digitalisat).
  2. Die Sachsengeschichte des Widukind von Corvey, III, 49.
  3. Althoff, Die Ottonen, S.107
  4. zit. nach Beumann: Otto der Große, in: Kaisergestalten des Mittelalters, S. 50
  5. Adolf Hitler, Mein Kampf. Zweiter Band, Die nationalsozialistische Bewegung, München 1933, S. 733–742.
Vorgänger Amt Nachfolger
Heinrich I. Herzog von Sachsen
936–973
Bernhard I.
Ostfränkischer König und Römischer Kaiser
936/962-973
Otto II.
Berengar II. König von Italien
951-973


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Personendaten
Otto I.
Otto der Große
Herzog der Sachsen, König des Ostfrankenreichs ab 936 und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (HRR)
23. November 912
Wallhausen (bei Sangerhausen)
7. Mai 973
Memleben bei Naumburg (Saale)