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Cheops-Pyramide

Cheops-Pyramide
Ägyptischer Name

3ḫt ḫwfw
Achet Chufu
„Horizont des Cheops“
Daten
Ort Gizeh
Erbauer Cheops
Bauzeit 4. Dynastie
Basismaß 230,33 m
Höhe (ursprünglich) 146,59 m
Höhe (heute) 138,75 m
Volumen 2.583.283 m³
Neigung 51°50′
Nebenpyramide ja
Königinnenpyramiden 3

Die Cheops-Pyramide ist die älteste und größte der drei Pyramiden von Gizeh und wird deshalb auch als Große Pyramide bezeichnet. Sie ist die höchste Pyramide der Welt und wurde als Grabmal für den ägyptischen Pharao Chufu, weitaus bekannter unter seinem griechischen Namen Cheops, errichtet, der während der 4. Dynastie im Alten Reich regierte. Im klassischen Altertum hieß die Pyramide griechisch ἡ μεγάλη Πύραμις τοῦ Хέοπος (hê megálê Pýramis tou Chéopos, „Die Große Pyramide des Cheops“) oder αἱ Πυράμιδες Αἰγυπτίαι (hai Pyrámides Aigyptíai, „die ägyptischen Pyramiden“), lateinisch Pyramides Aegyptiae oder Magna Pyramis Cheopis.

Diese Pyramide bildet zusammen mit ihren Schwestern, der Chephren-Pyramide und der Mykerinos-Pyramide, zugleich das älteste und letzte noch existierende Weltwunder der Antike. Die Fertigstellung des Bauwerks wird auf 2580 v. Chr. in die Zeit des Alten Reiches datiert. Sie ist genau nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet, und der Unterschied in den Längen ihrer vier Seiten beträgt weniger als ein Promille. Oft wird sie mit der Chephren-Pyramide, der zweitgrößten ägyptischen Pyramide, verwechselt. Die Chephren-Pyramide ist die mittlere der drei Pyramiden von Gizeh und wirkt größer als die des Cheops, da sie auf einem höheren Felsen errichtet wurde und deshalb ca. 10 m höher steht, aber knapp 3 m niedriger in ihrer Ursprungsgröße ist.

Inhaltsverzeichnis

Daten

Eine exakte Bestimmung der ursprünglichen Pyramidenmaße ist jedoch nicht möglich, da Kanten und Flächen heute weitgehend abgetragen und zerstört sind. Dies erschwert beispielsweise eine korrekte Winkelmessung (Neigungswinkel). Zudem ist das Bauwerk in seiner Symmetrie selbst nicht perfekt, so dass Abweichungen bei den Vermessungen entstehen. In der ägyptologischen Literatur sind die Angaben nach Peter Jánosi, Mark Lehner, Miroslav Verner, Zahi Hawass und Alberto Siliotti zum Basismaß der Seitenlänge (230,33 bis 230,37 m) und der aus dem Neigungswinkel berechneten Höhe (146,59 bis 146,60 m) geringfügig abweichend. Die Neigungswinkel werden in neuerer Literatur generell mit 51° 50' angegeben, wobei die Bogensekunden meist unberücksichtigt bleiben.

Mit der Ursprungshöhe von knapp 146,60 m war sie fast 4000 Jahre lang das höchste Bauwerk ihrer Zeit und wurde erst im 14. Jahrhundert von der Kathedrale von Lincoln übertroffen.

Die Pyramide

Die Pyramide trägt den Namen „Achet-Chufu“ - Horizont des Chufu/Cheops und besteht aus Kalksteinblöcken, Basalt oder Granit mit einem Gewicht von zwei bis vier Tonnen (im Durchschnitt 2,5 Tonnen) pro Block.

Somit resultiert aus dem Pyramidenvolumen nach Abzug aller bisher nachgewiesenen Hohlräume von etwa 2.500.000 m³ ein Pyramidengesamtgewicht von etwa 6,25 Millionen Tonnen. Errichtet wurde sie auf einem natürlichen Hügel. Zwar ist die Cheops-Pyramide die höchste und größte aller ägyptischen Pyramiden, jedoch ergeben die unter Pharao Snofru gebauten Pyramiden in Meidum (Meidum-Pyramide) und Dahschur (Knickpyramide und Rote Pyramide) zusammen eine Masse von etwa 8,4 Millionen Tonnen. Das sind rund 2,15 Millionen Tonnen oder 25,6 Prozent mehr an Material, als durch Cheops verbaut wurde.

Ursprünglich war die Cheops-Pyramide mit poliertem Tura-Kalkstein verkleidet. Allerdings sind viele dieser Steine herausgebrochen und später für Gebäude in Kairo wiederverwendet worden, so dass die darunterliegende Struktur nun stufenförmig ist. Aber noch heute gewinnt man eine Ahnung vom ehemaligen Glanz der Pyramiden, wenn man sich die Spitze der neben der Cheops-Pyramide liegenden Pyramide des Chephren anschaut. Dort ist das Pyramidion, die Spitze der Pyramide, noch mit den alten Verkleidungssteinen erhalten, auch wenn diese durch Witterungsverhältnisse mittlerweile mit einer braunen Schicht überzogen sind.

Die Substruktur

Die Cheops-Pyramide unterscheidet sich in ihrem inneren Aufbau deutlich von den anderen Pyramiden Ägyptens und den beiden weiteren Pyramiden von Gizeh, da sie nicht über nur eine, sondern als einzige der ägyptischen Pyramiden über insgesamt drei Grabkammern verfügt – und darüber hinaus die sogenannte „große Galerie” besitzt. Die größere Zahl von Kammern und Gängen, die überaus präzise Ausrichtung nach den Himmelsrichtungen sowie die hervorragende Verarbeitung begründen also ihre Einzigartigkeit.

Es gibt insgesamt drei Kammern in der Pyramide des Cheops:

  1. die sogenannte „Felsenkammer” unterhalb der Pyramide im natürlichen Felsengestein (nach Meinung der Forscher wollten die Erbauer mit dieser unfertigen Kammer die Unterwelt darstellen)
  2. die sogenannte „Königinnen-Kammer” (deren Name daher rührt, dass in der Anfangszeit Archäologie/Ägyptologie hier das Grab der Gemahlin des Pharaos vermutet wurde) und
  3. die sogenannte „Königskammer”: die oberste Kammer etwa in der vertikalen Mitte des Bauwerks. In ihr kann man noch heute die Überreste eines steinernen Sarkophags besichtigen.

Zur Entlastung der Decke der Königskammer haben die antiken Baumeister fünf niedrige Entlastungskammern eingebaut, wobei die Granitblöcke der oberen Kammern wie ein Giebeldach angeordnet sind. In diesen Entlastungskammern wurden Inschriften der Arbeiter gefunden, die nachweislich aufgebracht worden waren, bevor die Steine verbaut wurden.

Zu dieser – heute unscheinbaren – Kammer führt die „große Galerie” mit einer Gewölbekonstruktion, die auch bereits König Snofru in seiner Roten Pyramide anwandte. Es handelt sich um ein Kraggewölbe, also einen Raum, dessen Wände nach oben spitz zulaufen: eine Konstruktion, die dem Zweck dient, die Last der darüber liegenden Steine seitlich abzulenken, damit die Decke nicht zusammenbricht.

Das normale Kammernsystem dieser Pyramide ist, wie auch die Kammern aller anderen Pyramiden und privaten Grabanlagen dieser Epoche, vollkommen ohne Inschriften. Erst sehr viel später, ab der 5. Dynastie, finden sich im Inneren von Pyramiden Inschriften, wie z. B. die Pyramidentexte in der Pyramide des Pharaos Unas.

Die Cheops-Pyramide reiht sich mit der Steilheit ihrer Seiten in den historischen Kontext ein. So sind frühere Pyramiden meist flacher, spätere meist steiler gebaut. Die bei der Cheops-Pyramide eingesetzten Konstruktionsprinzipien sind die klare Folge der zuvor unter Pharao Snofru gemachten Erfahrungen und Erkenntnisse beim Pyramidenbau.

Eine Besonderheit der Cheops-Pyramide sind die sogenannten Luftschächte. Zwei dieser Schächte gehen von der Königskammer im Winkel zu den nördlichen und südlichen Außenwänden und scheinen auf das Sternbild Orion bzw. den damaligen Polarstern ausgerichtet zu sein. Schnell wurde daraufhin die These aufgestellt, die Pyramiden hätten als Observatorium gedient. Zwei eindeutige Gründe widersprechen dieser Theorie:

  1. diese Schächte sind nur von der Cheops-Pyramide bekannt
  2. sie verlaufen nicht gerade, eine Sicht auf den Nachthimmel ist also nicht möglich.

Forscher vermuten, dass diese beiden Schächte entweder symbolisch den Weg des verstorbenen Pharaos in den Himmel freigeben sollen (siehe Ba) oder eine logistische Funktion während des Pyramidenbaus erfüllten.

Mit dem Untergang des Alten Reiches am Ende der 6. Dynastie und dem Ende des Totenkultes für die verstorbenen Könige kam es zur Plünderung der Grabanlagen in Gizeh, der auch die Cheops-Pyramide zum Opfer fiel. In dieser Zeit wurde vermutlich der Grabräubergang angelegt, durch den auch heute noch die Pyramide betreten werden kann und dessen Anlage darauf hinweist, dass die ersten Grabräuber vor etwa 4000 Jahren die Pläne der Pyramide kannten, da sie sich gezielt an den durch Blockiersteine versperrten Passagen vorbeiarbeiteten.

Neuere Erforschungen

Im Sommer 1986 entdeckten die französischen Architekten Jean-Patrice Goidin und Gilles Dormion in der Cheops-Pyramide damals noch unbekannte Kammern. Nachdem sie mit elektronischen Mikrosonden durch zwei Meter starkes Gestein hatten vordringen können, kam zunächst ein drei Meter breiter und rund 5,5 Meter hoher, mit Quarzsand gefüllter Raum zum Vorschein. Weiterhin wurde hinter der nordwestlichen Wand der Königinnenkammer noch ein Hohlraum geortet. Beide Räume wurden bis heute jedoch nicht geöffnet.

Im Jahr 1993 untersuchte der Münchner Ingenieur Rudolf Gantenbrink in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Archäologischen Institut (DAI) in Kairo und Leitung von Rainer Stadelmann mit Hilfe des Mini-Roboters Upuaut-2 beide Schächte der Königinnenkammer. Diese Schächte haben im Gegensatz zu denen der Königskammer keine Öffnungen an den Außenwänden der Pyramide. Im nördlichen Schacht entdeckte das Gerät nach ungefähr vierzig Metern eine in einer Schachtbiegung fest verkantete längere Eisenstange, die 1872 von dem englischen Hobbyarchäologen und Entdecker dieser beiden Schächte Waynman Dixon bei einer blinden Inspektion nicht mehr entfernt werden konnte. Eine weitere Erkundung in diesem Schacht war deshalb unmöglich, und es ist geplant, mit einem Spezialgerät eines Tages diese verkantete Stange wieder vollständig zu entfernen. In den südlichen Schacht drang Upuaut-2 65 Meter ein und stieß dann auf einen Blockierstein aus der Bauzeit, der eine weitere Kammer vermuten ließ. Diese Steinplatte wurde im Jahr 2002 mit einem Roboter-Fahrzeug durchbohrt und mit einer Kamerasonde inspiziert. Der Vorgang konnte durch Fernsehübertragung zeitgleich in der ganzen Welt mitverfolgt werden. Hinter der Blockade befand sich ein leerer Hohlraum, der ebenfalls durch einen Blockierstein abgeschlossen ist. Besondere Entdeckungen wurden bei der Inspektion nicht gemacht.

Im August 2004 haben Gilles Dormion und der von ihm engagierte Geophysiker Jean-Pierre Baron unter Zuhilfenahme von Endoskopen, Geo-Radar und mit weiteren elektromagnetischen Messungen einen seit 4600 Jahren unangetasteten Gang ermittelt. Viele Ägyptologen halten jedoch die dadurch ausgelösten Spekulationen über weitere Grab- oder Schatzkammern für unsinnig. Ihrer Ansicht nach haben die entdeckten Gänge nur eine rein statische Bedeutung: Sie dienten vermutlich zum Ableiten der erheblichen Steindrücke.

Die Zahl Pi

Vor allem in populärwissenschaftlicher Literatur taucht gelegentlich die Aussage auf, die Erbauer hätten in den Maßen der Pyramide die Kreiszahl π (Pi) „verschlüsselt“. Die doppelte Grundseite (230,37 m)[1] geteilt durch die Höhe (146,60 m)[2] ergäbe π (3,14). Es ist jedoch wahrscheinlicher, dass ein ganzzahliges Verhältnis der Seitenlänge (440 Königsellen) zur Höhe (280 Königsellen) = 11:7 von den Erbauern gewählt wurde und nur zufällig die Hälfte von π ergibt. Die Abweichung von 11:7 zu π / 2 beträgt nur 0,04%. Die Aussage, der Errichtung des Bauwerkes habe die Absicht zugrunde gelegen, bewusst mathematische Verschlüsselungen, wie z. B. π, einzubringen, ist dennoch nicht nachgewiesen.

Der Pyramidenkomplex

Die Pyramide war von einer über 8 Meter hohen Mauer aus Kalkstein umgeben und im Osten mit dem üblichen Totentempel versehen. Dieser heute völlig zerstörte Totentempel bildete den einzigen Zugang zum Bauwerk selbst. Ein Aufweg führte von hier zum Taltempel, dessen Standort erst in den letzten Jahren lokalisiert werden konnte, jedoch weiß man nichts über ihn.

Nebenpyramiden

Östlich vor der Pyramide stehen drei Nebenpyramiden für die Königinnen, die heute (von Nord nach Süd) mit G1a bis G1c bezeichnet werden.

Die Zuordnung der Namen zu den Nebenpyramiden ist allerdings umstritten.

Der Standort einer vierten, kleinen Kultpyramide (G1d) am Südostende der Hauptpyramide ist erst vor wenigen Jahren durch Zahi Hawass ermittelt worden.

Friedhöfe

→ Hauptartikel: Nekropole von Gizeh

Östlich und westlich der Großen Pyramide entstanden klar geplante Mastaba-Friedhöfe. Auf dem Ostfriedhof befinden sich die Grabanlagen der Angehörigen des Cheops, insbesondere seiner Söhne (Bauefre, Chaefchufu, Chaefmin, Horbaef, Djedefhor und Kawab). Die größte Mastaba des Ostfriedhofs gehört Anchhaf, einem Sohn des Snofru und damit wohl ein Bruder oder Halbbruder des Cheops. Auf dem Westfriedhof – den größten Gräberfeld auf dem Gizeh-Plateau – wurden Beamte bestattet. Beide Anlagen wurden während der 5. und 6. Dynastie um zahlreiche Gräber erweitert. Eine weitere Reihe von Mastabas wurde während der 6. Dynastie südlich der Cheops-Pyramide angelegt.

Bootsgruben

Bis heute wurden im Pyramidenbereich sieben schiffförmige Bootsgruben entdeckt. In allen befanden sich auseinandergenommene Teile echter Schiffe. Eines dieser Schiffe, das sogenannte Sonnenschiff, wurde 1954 von dem ägyptischen Architekten Kamal el-Mallakh und dem Archäologen Zaki Nur entdeckt. Die Barke war in 1224 Einzelteile zerlegt worden und wurde unter der Leitung von Ahmed Yussef Mustafa (Restaurator) erst im Jahr 1968 wieder vollständig zusammengesetzt. Bei einer Länge von 43,3 m ist es 5,6 m breit und hat einen Tiefgang von 1,50 m. Es kann heute im Museum an der Südseite der Cheopspyramide besichtigt werden.[3] Aufgrund der Fundstelle wird hier ein Bezug zur ägyptischen Mythologie vermutet, derzufolge der verstorbene König mit Booten den nächtlichen Sternenhimmel befuhr und selbst zum Stern wurde.

Eine kleine Sensation erlebten die Ägyptologen bei der Öffnung der Barkengräber: Sie wurden von König Radjedef angelegt, der somit als der Nachfolger des Cheops feststeht und die Bestattung seines Vaters vorgenommen hat.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Alberto Siliotti: Pyramiden - Pharaonengräber des Alten und Mittleren Reiches. S. 48
  2. Alberto Siliotti: Pyramiden - Pharaonengräber des Alten und Mittleren Reiches. S. 48
  3. Alberto Siliotti: Pyramiden - Pharaonengräber des Alten und Mittleren Reiches, S.54

Literatur

Allgemein

Detailfragen

Film

 Commons: Die große Pyramide von Gizeh – Bilder, Videos und Audiodateien


Koordinaten: 29° 58′ 44" N, 31° 8′ 2" O