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Brownsche Bewegung

Dieser Artikel befasst sich mit dem naturwissenschaftlichen Phänomen der brownschen Bewegung. Das mathematische Modell gleichen Namens wird unter Wiener-Prozess beschrieben.

Als Brownsche Bewegung (bzw. Brown'sche Bewegung oder Brownsche Molekularbewegung) wird die vom schottischen Botaniker Robert Brown im Jahr 1827 wiederentdeckte Wärmebewegung von Teilchen bezeichnet. Dabei beschreibt jedes Atom oder Molekül bei Temperaturen über 0 K eine Bewegung. Weniger bekannt ist, dass bereits 1785 Jan Ingenhousz die Bewegung von Holzkohlestaub auf Alkohol beschrieb.

Brown beobachtete unter dem Mikroskop, wie Pollen in einem Wassertropfen unregelmäßig zuckende Bewegungen machten.

 Brownsche Bewegung lässt Fetttröpfchen in Milch tanzen. ?/i

Die Erklärung dafür liefern die Moleküle des Wassertropfens, die permanent von allen Seiten gegen die größeren, sichtbaren Pollenteilchen stoßen, wie 1860 durch die Maxwell'sche Geschwindigkeitsverteilung mathematisch exakt beschrieben werden konnte.

Verwendet man den Wiener-Prozess als mathematisches Modell für die Bewegung, so kann man σ2 als mittlere quadratische Verschiebung eines Teilchens pro Zeiteinheit verstehen und experimentell schätzen. Einstein konnte 1905 zeigen, dass gilt, wobei R die universelle Gaskonstante, T die absolute Temperatur, L die loschmidtsche Zahl, r der Radius eines brownschen Teilchens und η die Zähigkeit (innere Reibung) der Flüssigkeit bzw. des Gases ist.[1] Zu diesem Resultat kam auch Marian Smoluchowski (1906) unabhängig von Einstein.[2] So lässt sich die Boltzmannkonstante experimentell bestimmen. U. a. hierfür erhielt Jean Baptiste Perrin 1926 den Nobelpreis für Physik.

Diffusion, Osmose und auch die Lichtmühle basieren auf dieser Bewegung der Teilchen.

Ursprünglich nahm Brown an, dass dies ein Hinweis auf die Lebenskraft sei, die lange Zeit von Wissenschaftlern als existent vermutet wurde, siehe organische Chemie. Aber den Effekt konnte er schließlich auch an eindeutig unbelebten Staubkörnern beobachten.

Ein durchschnittlich großes Kolloid stößt pro Sekunde etwa 1021-mal mit einem Lösungsmittelmolekül zusammen. Dadurch erfährt es jedesmal eine Kraft, was zu einer zufälligen Bewegung, einem sogenannten Random Walk führt. Ohne äußere Einflüsse ist die Wahrscheinlichkeit einer Bewegungsänderung in jede Richtung gleich groß. Daher erhält man bei längerer Betrachtung für die Summe der Richtungsänderung Null.

Inhaltsverzeichnis

Mathematisches Modell

In der Mathematik ist eine brownsche Bewegung ein zentrierter Gauß-Prozess mit Kovarianzfunktion für alle . Der resultierende stochastische Prozess ist heute zu Ehren von Norbert Wiener, der die wahrscheinlichkeitstheoretische Existenz desselben 1923 bewies, als Wiener-Prozess bekannt. Viele wichtige Details sind im Artikel dort zu finden.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, eine brownsche Bewegung zu konstruieren:

dann ist eine brownsche Bewegung.

Die brownsche Bewegung spielt auch bei der Simulation von Aktienkursverläufen eine Rolle, außerdem dient sie als Grundlage der Erforschung von Warteschlangen.[3]

Beispiel aus der Biologie

Bei der Menge von Teilchen, welche durch eine Membran diffundieren, spielt die Brownsche Molekularbewegung ebenfalls eine große Rolle. Bei einer Zelle in der außerhalb der Membran (Doppellipidschicht) Ionen sind (extrazellulärer Raum), welche durch die Membran diffundieren oder durch Leckströme die Membran passieren, spielt die Temperatur sowohl für die Aktivität der ATP verbrauchenden, enzymatischen Tunnelproteine als auch für die Diffusion eine große Rolle. Bei Betrachtung der Intensität: Je höher die Temperatur ist, desto stärker ist die Bewegung, jedoch nur die Brownsche Molekularbewegung, die Proteine haben ein Maximum!

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Einstein, A.: Über die von der molekularkinetischen Theorie der Wärme geforderte Bewegung von in ruhenden Flüssigkeiten suspendierten Teilchen.. In: Annalen der Physik. 17, 1905, S. 549-560.
  2. Smoluchowski, M.: Zur kinetischen Theorie der Brownschen Molekularbewegung und der Suspensionen. In: Annalen der Physik. 21, 1906, S. 756-780.
  3. Mathematik des Schlangestehens "Beim Warten sind wir wie Moleküle“ www.sueddeutsche.de 20.12.2007, 11:11