Nordafrika
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Nordafrika

Als Nordafrika bezeichnet man das Gebiet des Kontinents Afrika, das nördlich der Wüste Sahara liegt.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Ausdehnung

Nordafrika umfasst die Maghrebstaaten und Ägypten und manchen Definitionen zufolge auch den Sudan.

Manche nordafrikanische Länder, vor allem Ägypten und Libyen, werden politisch oft zum Nahen Osten gezählt, wegen der intensiven Kontakte mit diesem. Zudem gehört die Sinai-Halbinsel (Teil Ägyptens) zu Asien und ist unumstrittener Teil des Nahen Ostens.

Klimaentwicklung

Das Pleniglazial um 18.000 v. Chr. war in Nordafrika durch extrem trockene Bedingungen gekennzeichnet. Man geht davon aus, dass die mittlere Temperatur bis zu 9° niedriger war als heute. Die Sahara erstreckte sich 500 km weiter südlich als heute. Das Innere der Wüste wurde unbewohnbar, und die dort ansässigen Jäger und Sammler zogen in feuchtere Gegenden, wie etwa ins Niltal.

Am Übergang zum Holozän wanderte der Monsun-Gürtel rasch nach Norden. Dadurch wurde das Klima in Nordafrika plötzlich deutlich feuchter, und zwar feuchter als heute. Schätzungen liegen zwischen 5 und 15x feuchter als heute. Die Seespiegel waren deutlich höher als im Moment.

Im mittleren Holozän wurde das Klima zunehmend trockener, obwohl es auch einige feuchtere Klimaperioden gab.

Kultur

Kontakte zwischen Nord- und Schwarzafrika beschränkten sich, auf Grund der Schwierigkeiten, die Wüste zu durchqueren, fast ausschließlich auf den Handel entlang der Ost- und Westküste des Kontinents und das Befahren des Nils. Dies blieb bis nach der arabischen Expansion und der Ausbreitung des Islam der Fall.

Obwohl die nordafrikanische Kultur wie auch seine Einwohner sowohl afrikanische als auch mittelöstliche Wurzeln hat, sind die meisten Nordafrikaner entweder arabisch oder berberisch sprechende Moslems. Die Christen Kopten sind hierbei eine Ausnahme.

Staaten Nordafrikas

Manchmal werden Äthiopien, Eritrea und Mauretanien ebenfalls als Teil dieser Region angesehen. Gewöhnlich sind aber Eritrea und Äthiopien ostafrikanische und Mauretanien ein westafrikanischer Staat.

Geschichte

Vorgeschichte

Epipaläolitische Fundstellen sind in Nordafrika selten, viele wurden vermutlich durch den steigenden Meeresspiegel vernichtet. In der Höhle von Haua Fteah (Libyen, Kyrenaika) fanden sich die Reste von wilden Schafen, Auerochsen und Gazellen. Schafknochen stammen auch aus der Höhle von Hagfet ed-Dabba. Aus Fundorten im Maghreb stammen Mahlsteine und Klingen mit Sichelglanz.

Aus der Zeit des klimatischen Optimums im frühen Holozän stammen mesolithische Fundstellen mit Knochenharpunen, Mikrolithen und Mahlsteinen. Fische, Muscheln und Schnecken, Krokodile, Süßwasserschildkröten und Flusspferde wurden zur Ernährung genutzt, Knochen von Antilopen und Wildrindern zeigen, dass man auch in der Savanne jagte. In der Sahara wurden wilde Gräser wie Hirse gesammelt, in Nordafrika auch Früchte und Wurzelknollen. Keramik tritt hier sehr früh auf und ist nicht an eine voll-neolithische Wirtschaftsweise gebunden.

Fundstellen im östlichen Hoggar in Libyen belegen die Jagd vor allem auf Wildschafe. Ab dem 7. Jahrtausend sind Strukturen wie Pferche und Windschirme belegt, zum Beispiel aus der Höhle von Uan Afuda. Hier fand sich auch mit Wellenlinien verzierte Keramik. Schafkoprolithen mit zerquetschen Samen belegen eine absichtliche Fütterung und daher wohl auch Stallhaltung morphologisch wilder Schafe. Auch wilde Hirse (Panicum und Setaria) wurde nachgewiesen. Aus dem 5. Jahrtausend sind eindeutige Belege domestizierter Rinder bekannt (Ti-n-Torha, Uan Muhuggiag, Aures, Amekni und Meniet in Algerien, Adrar Bous und Arlit im Niger), daneben wurde auch noch gejagt und Gräser und Wurzelknollen gesammelt. Auch Felsbilder stellen solche domestizierten Tiere dar. Sie stammen vor allem aus dem mittleren Holozän, als die Viehzucht immer bedeutender wurde.

Felsbilder in der Sahara zeigen teilweise Menschen mit schwarzer Hautfarbe. Ob es sich dabei um die "Urbevölkerung" der Sahara handelt, ist unklar.

J. D. Clark (1962, 1964) brachte den Anfang des Ackerbaus in Nordafrika mit einer Einwanderung relativ weniger Menschen aus dem Vorderen Orient über das dem Niltal ca. 4000 v. Chr. in Verbindung. Die Ausbreitung ins Sahel, ausgelöst durch zunehmende Austrocknung, setzt er um 2000 v. Chr. an. Aus Marokko sind Funde der neolithischen Cardial-Kultur bekannt, die auch an den Küsten Italiens, Frankreichs und Spaniens gefunden wurde. Intensiver Ackerbau ist erst seit dem ersten Jahrtausend bekannt, als in den Oasen des südwestlichen Libyens eine dichtere Besiedlung nachzuweisen ist, und Ackerbau mit unterirdischen Bewässerungskanälen (foggara) betrieben wurde. Dies ist vermutlich mit den Garamanten zu verbinden, die aus den Werken des griechischen Schriftstellers Herodot bekannt sind.

Siehe auch: Capsien

Das antike Nordafrika

Die Geschichte Nordafrikas beginnt mit der Geschichte des Alten Ägyptens an und führt über die Geschichte Karthagos, der Garamanten und des Römischen Reichs bis zu dessen Niedergang. Die Wandalen und einige andere Völker eroberten im Zuge der Völkerwanderung über die Straße von Gibraltar Teile Nordafrikas. Sie stellen, wie das Byzantinische Reich, nur eine kurze Episode in der Geschichte Nordafrikas dar.

Das Bekehrungserlebnis des Augustinus

Nordafrika unter muslimischer Herrschaft

Nach 632, dem Tod Mohammeds, geriet Nordafrika sehr schnell unter islamischen Einfluss. Bereits 640 besiegten die Muslime unter der Führung von Amr ibn al-As in der entscheidenden Schlacht von Heliopolis eine byzantinische Armee. 670 begannen sie mit der Eroberung des heutigen Tunesiens, damals neben Ägypten der ökonomisch und kulturell bedeutendste Teil Nordafrikas. Hier wurde die Stadt Kairouan gegründet, die als die "dritte heilige Stätte" des Islam gilt. Von Kairouan aus erfolgte die weitere Eroberung Nordafrikas, das von den Arabern Ifriqiya genannt wurde. Während in Ägypten die christlichen Gemeinschaften unter der muslimischen Herrschaft überlebten, verschwanden jene im westlichen Nordafrika, die immerhin Persönlichkeiten von kirchen- und philosophiegeschichtlich großer Tragweite wie Augustinus hervorgebracht hatten, relativ rasch. Der Grund ist wohl darin zu suchen, daß die vorwiegend berberische Bevölkerung sich nicht weiterhin einer fremden Oberhoheit unterwerfen wollte. Als Muslime galten sie als gleichberechtigt mit den Eroberern. Vereinzelte christliche Gemeinden hielten sich in abgelegenen Oasen bis in das 18. Jahrhundert[1].

756 zerbrach das arabisch-muslimische Großreich in einen östlichen und einen westlichen Teil. 761-800 fiel auch das westliche Nordafrika (Maghreb) vom Kalifat ab und zerbrach in einzelne Reiche, die die Keimzellen für die modernen Staaten Marokko, Algerien und Tunesien bildeten. In Algerien bildete sich unter den Rustamiden eine Theokratie. Marokko kam unter die Herrschaft der Idrisiden, die aber schon bald ausstarben und das Land zum Zankapfel zwischen dem Emirat von Córdoba und den übrigen nordafrikanischen Staaten machten. Die Aghlabiden, die in Tunesien herrschten, expandierten ab 827 nach Sizilien, das sie in langwierigen Kriegen von den Byzantinern eroberten. Damit kontrollierten sie strategisch wichtige Position zwischen westlichen und östlichen Mittelmeer.

Nach wechselnden Dynastien etablierten sich nach dem Sturz des Almohadenreiches 1269 stabilere Herrschaftsstrukturen im Maghreb. Ab diesem Zeitpunkt regierten die Hafsiden in Tunesien, die Abdalwadiden in Algerien und die Mariniden in Marokko. Algerien blieb eher bäuerlich-agrarisch strukturiert, Marokko eher abgeschlossen und unzugänglich. Im 14. Jahrhundert begannen die Hafsiden mit der staatlich organisierten Piraterie. 1270 richtete sich der 7. Kreuzzug, beeinflusst von Karl von Anjou unter Ludwig d. Heiligen gegen Tunis, das belagert wurde. 1415 eroberten die Portugiesen Ceuta und griffen bei ihrer Eroberung Tangers 1471 in innermuslimische Zwistigkeiten ein.

Nach der Eroberung des mameluckischen Ägyptens durch das Osmanische Reich 1517 geriet auch Nordafrika unter osmanischen Einfluss. In den Provinzen Tripolitanien, Tunis und Algerien wurden türkische Paschas eingesetzt. Marokko hingegen kam nie unter türkisch- osmanische Oberhoheit, sondern begann eine expansive Politik Richtung Süden, in den Raum des Niger. Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts wurde die Gewalt der osmanischen Sultane über den Maghreb immer mehr nominell. In der Provinz Tripolitanien etablierte sich Anfang des 18. Jahrhunderts die ursprünglich griechische Familie der Qaramanli, die dort mehr oder weniger souverän die Staatsgewalt ausübte. Auch die Husainiden, die ab 1705 in Tunesien herrschten, waren ursprünglich griechischer Herkunft. In Algerien wurde der letzte osmanische Statthalter durch das "Piratenparlament" abgesetzt und eine Wahlmonarchie etabliert, die 1711 offiziell aus dem Osmanischen Reich ausschied. Durch die verstärkte Flottenpräsenz europäischer Mächte waren die nordafrikanischen Staaten, die von den Europäern "Barbareskenstaaten" genannt wurden, gezwungen die Piraterie nach und nach aufgeben. Marokko suchte im Laufe des 18. Jahrhunderts Kontakt mit dem französischen Hof. Man erhoffte sich durch europäische Experten eine Modernisierung von Staat und Armee. 1774 ließ Marokko alle christlichen Sklaven frei.

Europäische Expansion

In der frühen Neuzeit kam der Großteil des Gebietes, mit Ausnahme von Marokko und dem Innern der Sahara unter die lockere Kontrolle des Osmanischen Reichs. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde es von Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien besetzt.

Die direkte europäische Festsetzung in Nordafrika lässt sich mit dem Jahr 1830 fixieren. Nach der sogenannten "Bacri- Busnach- Affaire" in dessen Verlauf der französische Geschäftsträger beim Dey von Algier angeblich mit einer Fliegenklappe geschlagen worden sei, gab Karl X. den Vorwand, Algier besetzen. Offenbar wollte er bessere Handelsbedingungen für Frankreich und vor allem, wie vermutet wird, von innenpolitischen Schwierigkeiten ablenken. Dieser Schritt war in Frankreich lange Zeit sehr unpopulär. Die Franzosen blieben zunächst auch nur auf die Küstenplätze beschränkt.

Abd el-Kader

Im Landesinneren Algeriens erklärte sich Abd el-Kader als Emir für unabhängig. Erst 1840 ging König Louis Philippe daran das Land vollständig zu erobern. Die Kolonisierung Algeriens durch französische Siedler war ebenfalls keineswegs von Anfang an geplant. Die ersten "colons" bis 1871 kamen größtenteils als Verbannte der jeweiligen französischen Regimes. Nach 1871 siedelten viele Franzosen aus dem ans Deutsche Reich gekommene Elsaß nach Algerien über. Eine weitere Einwanderungswelle nach Algerien und generell in den Maghreb fand in den 1880er Jahren statt, als eine Reblausinvasion große Teile der französischen, aber auch der italienischen und spanischen Weinproduktion ruinierte. Napoleon III schwebte eine französisch- algerische Personalunion vor. Diese Vision wurde allerdings nicht in die Tat umgesetzt, satt dessen wurde 1848 Algerien mit seinen Departements Alger, Constantine und Oran zum Teil des französischen Mutterlandes erklärt. In den 1860er Jahren kamen alle Bewohner Algeriens die französische Staatsbürgerschaft und die Strukturen der Stämme wurden abgeschafft. Die Muslime sollten unter dem modernen europäisch- aufgeklärten Recht des Code Napoleon leben. 1871 brach in Algerien ein landesweiter Aufstand aus, der von der französischen Fremdenlegion niedergeschlagen wurde. Es war die letzte Erhebung der algerischen Bevölkerung bis 1954. Viele entwurzelte Algerier verließen die ländlichen Gebiete, wo die fruchtbarsten Böden in Händen von französischen Großgrundbesitzern lagen und wanderten in die Städte ab, wo sie sich als Tagelöhner und Hafenarbeiter durchschlugen und mit der Zeit ein Proletariat bildeten.

Ägypten und Tunesien kamen im Laufe der 1880er Jahre unter europäische Kontrolle. Ägypten, das seit Anfang des 19. Jahrhunderts unter Muhammad Ali und seinen Nachfolger faktisch unabhängig vom Osmanischen Reich regiert wurde, kam seit dem Bau des Suezkanals mehr und mehr in finanzpolitische Zwangslagen und wurde durch innere Unruhen erschüttert. Als Reaktion auf Unruhen der Urabi-Bewegung besetzte Großbritannien um "Sicherheit und Ordnung" wieder herzustellen 1882 Ägypten. Tunesien wurde, nachdem am Berliner Kongress 1878 die Einflusssphären der Mächte in Südosteuropa und im Mittelmeerbecken abgesteckt wurden, 1881 zum französischen Protektorat.

Französische Artillerie in Rabat, 1911

Marokko geriet im Laufe des 19. Jahrhunderts immer mehr unter Druck Frankreichs, Großbritanniens und Spaniens. Unterstützung der algerischen Aufständischen gegen die Franzosen und ein Krieg mit Spanien 1860 hatten das Land an den Rand des wirtschaftlichen Ruins gebracht. Schließlich war das Land gezwungen seine Zolleinnahmen zu verpfänden. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Marokko zum Objekt der Zwistigkeiten Deutschland und Frankreichs, was die Dauer seiner unabhängigen Existenz nur um wenige Jahre aufschob. 1911 besetzte Frankreich Fès und erklärte 1912 das Protektorat, wobei Spanien der Rif zugesprochen wurde.

Tripolitanien, das spätere Libyen, geriet wie alle anderen Staaten Nordafrikas wegen der staatlich sanktionierten Piraterie in Konflikt mit europäischen Staaten und den USA. 1830 verbot Tripolitanien schließlich die Piraterie, was zu einem Krieg innerhalb der herrschenden Familie der Qaramanli führte, in den das Osmanische Reich eingriff. Die Provinz, die einzige, die je zum Osmanischen Reich zurückkehrte, konnte allerdings erst 1858 "pazifiziert" werden. Im Landesinneren entwickelte sich die Senussi- Bruderschaft, die sich gegen die europäische Einflußnahme wehrte. 1911- 1912 besetzte Italien das Land und traf nur auf geringen osmanischen, dafür aber in den folgenden Jahren auf umso heftigeren einheimischen Widerstand.

20. Jahrhundert

Aufgrund des Eintritts des Osmanischen Reiches auf Seiten der Mittelmächte in den Ersten Weltkrieg im Herbst 1914 annektierte Großbritannien sowohl Zypern als auch Ägypten, womit sämtliche theoretischen Suzeränitätsansprüche Konstantiopels auf diese Territorien endgültig erloschen waren. Damit stand die gesamte nordafrikanische Mittelmeerküste vom Suezkanal bis zur Straße von Gibraltar unter direkter europäischer Herrschaft. 1921 kam es mit der Ausrufung der Rifrepublik im Norden Marokkos unter Abd el-Krim zu einer ersten bewaffneten Unabhängigkeitsbewegung. Dieser Staat bestand über fünf Jahre, bevor er 1926 von französischen und spanischen Truppen besiegt wurde. 1922 wurde Ägypten von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen.

Algier im Jahr 1921

In der Zwischenkriegszeit entstanden in allen Ländern Nordafrikas, vor allem in Tunesien und Algerien nationalistische Gruppierungen. Zwischen 1940 und 1943 wurden Tunesien und die damalige italienische Kolonie Libyen im Afrikafeldzug zu einer Nebenfront des Zweiten Weltkrieges. Der französische Teil Nordafrikas gehörte zum nicht-besetzten Teil Frankreichs und stand unter der Regierung von Marschall Pétain. Der westliche Teil Nordafrikas wurde zu einem Aufmarschgebiet der Alliierten, die im November 1942 an der algerischen Küste landeten. In Casablanca wurde eine der geheimen Kriegskonferenzen zwischen den westlichen Verbündeten Churchill und Roosevelt abgehalten.

Die ersten beiden Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg standen in Nordafrika im Zeichen der Entkolonisierung beziehungsweise der Zurückdrängung des europäischen Einflusses. Diese Entwicklung verlief zum Teil gewalttätig. So kam es 1945 zu einer Aufstandsbewegung in Algerien, die vom französischen Militär mit aller Härte niedergeschlagen wurde. Italien verzichtete 1947 auf seine Besitzungen in Libyen, welches ein unabhängiges Königreich wurde. 1951 putschte der Offizier Gamal Abdel Nasser gegen den ägyptischen König Faruq. Zwei Jahre später wurde die Republik Ägypten ausgerufen. Nassers vertrat vehement den Panarabismus und versuchte die Armut in seinem Land zu bekämpfen. Sein Bestreben, den Suezkanal zu verstaatlichen, führte zur Suezkrise, während deren Verlauf Ägypten von Großbritannien, Frankreich und Israel angegriffen wurden. 1956 erlangten Tunesien und Marokko unter König Mohammed V. ihre staatliche Unabhängigkeit.

In Algerien verweigerte sich Frankreich unter der Parole: "Ici la France" (Hier ist Frankreich) äußerst hartnäckig dem geforderten Rückzug. Die bewaffnete Auseinandersetzung lag schon länger in der Luft, bekam aber ihren Auslöser durch die französische Niederlage in Indochina im Frühjahr 1954. Im Herbst des gleichen Jahres brach der Algerienkrieg aus, der auf beiden Seiten mit äußerster Härte geführt wurde. Die FLN, die algerische Befreiungsbewegung hatte 30000 Kämpfer unter Waffen und versuchte die Kolonialmacht mit den Mitteln des Guerillakrieges am Land und Terroranschlägen in den Städten in die Knie zu zwingen. Die Franzosen setzten hingegen in der " Französischen Doktrin" auf Mittel des Staatsterrorismus wie Folter und "Verschwindenlassen" von Menschen. Militärhistoriker sprechen hier von dem ersten Fall einer sogenannten "Asymmetrische Kriegführung".

Barrikaden in Algier 1960

Zunehmende Spannungen innerhalb Frankreichs, Kritik an der Art der Kriegsführung und eine große Sympathiewelle in der ganzen Welt für die algerischen Kämpfer führten eine Wende herbei. Viele tote Wehrpflichtige und der Kursverfall des Franc trugen ein übriges dazu bei, daß sich die öffentliche Meinung in Frankreich änderte. Charles de Gaulle leitet schließlich 1962 gegen den erbitterten Widerstand von Teilen des französischen Militärs, die sich in Algerien zu der terroristischen Geheimorganisation OAS zusammenschlossen, Friedensgespräche ein.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Franz Ansperger, Geschichte Afrikas. München (Beck'sche Reihe Wissen)2004, Seite 33- 35