Timur
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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter Timur (Begriffsklärung) aufgeführt.

Timur (Mitteltürkisch: تیمور‎, „das Eisen“, eigentlich Temür[1][2]), voller Name Timur bin Taraghay Barlas; auch bekannt unter seinem Namen aus persischen Quellen Tīmur-e Lang (persisch تیمور لنگ‎, „Timur der Lahme“) bzw. die davon abgeleitet latinisierte Version Tamerlan oder die türkisierte Form Timur Lenk – (* 8. April 1336 in Kesh, heute Shaxrisabz; † 19. Februar 1405 in Schymkent) – zentralasiatischer Eroberer am Ende des 14. Jahrhunderts und Gründer der Timuriden-Dynastie.

Alternative Aussprache- und Schreibweisen seines Namens sind u. a.: Timur-i Lenk, Timur Läng, Timur Khan, Amir Temur. Selbst bezeichnete er sich als Tīmur-e Gurkāni[3] (تيمور گوركانى‎), die iranisierte Form des ursprünglich mongolischen Wortes kürügän[4][5], was „Schwiegersohn“ bedeutet. Der Name war eine Anspielung Timurs auf seine Heirat in die Familie Dschingis Khans und sollte seine Herrschaftsansprüche stärken.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Herkunft und Aufstieg

Timur wurde in persischen Quellen pejorativ Timur Lang („Timur, der Gelähmte“) genannt. Aufgrund einer Verwachsung an der rechten Kniescheibe (Knochentuberkulose lt. sowj. Forschern) war er von einer Lähmung des rechten Beines betroffen, dazu kam eine Verwachsung an der rechten Schulter, des Weiteren hatte ein Pfeilschuss die Beweglichkeit der rechten Hand eingeschränkt, wie sowjetische Wissenschaftler bei einer Untersuchung des Skelettes im Jahre 1941 bestätigten. „Timur der Lahme“ wurde in Europa zu dem hier gebräuchlichen Namen Tamerlan verkürzt.

Timur entstammte dem im 13. Jahrhundert in Transoxanien eingewanderten nomadischen Stamm der Barlas. Manche Quellen zählen die Barlas zu den türkisierten Mongolenstämmen. Nach anderen Quellen waren die Barlas ein türkischer Stamm.[6] Der Stamm der Barlas teilte sich in mehrere Zweige auf und Timurs Vater Taragai beherrschte als Stammesfürst[7] die Gegend um Kesch und das Tal des Flusses Kaschkadarja. Die Barlas führten, wie einst Dschingis Khan, ihre Abstammung auf den mongolischen Kriegsherren Bodon'ar Mungqaq zurück. Die Kindheit Timurs liegt weitgehend im Dunkeln und wurde später nach seinem Aufstieg stark mythologisiert. Es ist bekannt, dass seine Mutter Tikina-hatun sehr früh starb und dass er drei Brüder und zwei Schwestern hatte.

Als Heranwachsender trat Timur in die Dienste des Emir Kazagans (134657), was der damals durchaus üblichen Laufbahn von Kindern des niederen Adels entsprach, und verblieb dort mehrere Jahre. Er nahm auch nach der Ermordung von Kazagan durch einen Rivalen an den Bürger- und Stammeskriegen in Transoxanien weiterhin aktiv teil und versuchte durch etliche Intrigen und ständigen Positionenwechsel zwischen dem 1360 in diese Gegend eingefallenen Mongolenherrscher Tughluq Timur († 1363) und Hadji Barlas, seinem Onkel, der den Widerstand gegen die Mongolen anführte, seine Machtbasis zu erhalten. 1361 fiel Tughluq Timur noch einmal in Transoxanien ein. Hadschi Barlas floh und kam auf ungeklärte Art und Weise um. Timur, der sich als Erster der Macht des Mongolenfürsten unterwarf, erhielt von ihm einen Beraterposten bei seinem Sohn und neuem Herrscher von ganz Transoxanien Ilias Hoja. Timur hatte versucht, die Macht an sich zu reißen, jedoch überschätzte er seine Popularität und sein Auflehnungsversuch wurde im Keime erstickt. Er musste fliehen und fand bei seinem Schwager Hussain, dem Enkel Kazagans, einen Unterschlupf. Da aber Hussain auch über keine ausreichende Machtbasis verfügte, zogen die beiden in Begleitung weniger Soldaten in der Gegend umher, bevor sie sich entschlossen, in Choresm um Hilfe zu ersuchen. Auf dem Weg dorthin wurde ihre Abteilung in einer Schlacht fast vollständig aufgerieben und Timur geriet in Gefangenschaft in der Nähe der Stadt Merw. Jedoch bald war er wieder frei und sammelte um sich einen Haufen von Abenteurern und Söldnern, die zu einem Schrecken des ganzen Transoxanien wurden.

1363 gelang es Timur und Hussain, die Truppen des Ilias Hoja zu schlagen und in die Stadt Kesch einzuziehen. Im gleichen Jahr gelang es ihnen, den mittlerweile zum Khan aufgestiegenen Ilias Hoja noch einmal zu besiegen. Er floh in sein östliches Stammland Mogulistan. Timur, der selbst keine gesetzliche Legitimation besaß, musste akzeptieren, dass zum obersten Herrscher von Transoxanien von den versammelten Adeligen ein Nachfahre Dschingis Khans namens Kabul Khan gewählt wurde.

Jedoch bereits zwei Jahre später wurden die transoxanischen Truppen von wiedererstarktem Ilias Hoja in einer Schlacht in der Nähe Taschkents vernichtend geschlagen. Die Mongolen besetzten große Gebiete und belagerten erfolglos Samarkand. Ilias Hoja wurde wenig später von einem Rivalen umgebracht und die Mongolen zogen sich zurück. Jedoch sah Timur sich starker Rivalität seines Schwagers Hussain ausgesetzt, der jetzt die Macht übernahm und musste wiederum das unstete Leben eines Flüchtlings führen. Nach mehreren Scharmützeln und kleinen Auseinandersetzungen gelang es Timur, eine starke Armee aufzustellen. Er besetzte Baktrien und zog den Herrscher von Badachschan auf seine Seite. Kurz darauf stand seine Armee vor den Mauern von Balch. Hussain, der von seinen Getreuen verlassen wurde, unterwarf sich und ging als Pilger nach Mekka. Auf dem Weg dorthin wurde er mutmaßlich auf Befehl von Timur umgebracht. Am 10. April 1370 hatte sich Timur zum Herrscher von ganz Transoxanien ausgerufen und nahm den Titel eines Emirs an.

Merkmale seiner Herrschaft

Timur heiratete in das Haus Tschagatais, d. h. die Familie Dschingis Khans ein und wollte allem Anschein nach dessen Reich unter dem Vorzeichen des Islam erneuern. Das hinderte ihn aber nicht daran, die Muslime massakrieren zu lassen oder gegen die Herrschaften der Dschingisiden vorzugehen. Dieser scheinbare Widerspruch wird erklärbar vor dem Hintergrund seiner Heimat: Der Respekt vor der mongolischen Tradition war ungebrochen und ein Maßstab der Politik, selbst wenn dem mongolischen Recht längst das islamische Recht gegenüberstand und die Dschingisidenprinzen selten besondere Persönlichkeiten darstellten. Ein Khan wurde Timur Lenk daher nie, er hatte stattdessen zwei Khane aus dem Haus Tschagatai zu seiner Legitimation eingesetzt. Als „Emir“ beanspruchte er allerdings aufgrund der Heirat mit Sarai Mulk den Titel Gurgani (benutzt im Sinne von „Königlicher Schwiegersohn“, mongolisch: güregen - „Schwiegersohn“).

Der Herrscher versuchte sowohl der traditionellen Lebensweise der Nomaden als auch der Stadtkultur gerecht zu werden. Das lag schon allein darin begründet, dass sich seine Macht sowohl auf turkomongolische - als auch in zunehmenden Maße auf iranische Truppenverbände (besonders aus Khorasan) stützte, und eine persisch geprägte Verwaltung. Er vollendete die Islamisierung der in Zentralasien eingewanderten Mongolen, die allerdings schon unter Tarmaschirin ihren Höhepunkt erlebt hatte. In der Theorie galt in seinem Reich die mongolische Jassa, in der Praxis eher die Schari'a, das islamische Gesetz. Persönlich war er von einer volkstümlichen Frömmigkeit, die sich damals in Derwischorden und Qalandaren niederschlug, und wurde auch zu Füßen eines Derwischs begraben. Er gilt als Sunnit, aber das Verhältnis ist widersprüchlich, denn in Syrien trat er als Schirmherr der Schia auf. Zudem hielt er an turkomongolischen Traditionen fest, auch wenn sie mit der Schari'a im Widerspruch standen.

Der Emir schuf eines der größten und kurzlebigsten Reiche, die jemals in Mittelasien existierten. Dabei erlangte er den Ruf eines skrupellosen Eroberers, der die Bevölkerung in den eroberten Gebieten und Städten zu hunderttausenden ermorden (u. a. in Indien und Georgien) und Aufstände gnadenlos unterdrücken ließ. Beispielsweise wurden bei der Eroberung von Isfahan 1387 laut Hafiz-i Abru 28 Schädeltürme auf einer Stadtseite gezählt, so dass man durchaus von einer Zahl von 70.000 Toten ausgehen kann. In der Stadt Isfizar ließ er z. B. 2000 Menschen lebendig einmauern.

Trotz seiner die Mongolen übertreffenden Bestialität gibt es ein gewisses System: Die Spitzen der städtischen Aristokratie wurden für gewöhnlich verschont, die Geistlichkeit sowieso, man verzeichnet Verhandlungen um Freikaufpreise, Tributeintreibungen und (seltener) sogar Requisitionsscheine. Timur hatte hier offensichtlich die Absicht, das im 13./14. Jahrhundert versunkene wirtschaftliche und kulturelle Niveau Transoxaniens durch eine Flut an gestohlenen bzw. entführten Tieren, Waffen, Lebensmitteln, Gebrauchsgütern, Theologen, Gelehrten und Handwerkern zu heben.

Den Zerstörungen seiner Soldaten steht auch eine Förderung städtebaulicher Maßnahmen gegenüber, allerdings beschränkt auf einige wenige transoxanische Städte, und sogar eine gelegentliche Wiederherstellung zerstörter Bewässerungsanlagen. Wirtschaftliche Planungen lassen sich aber nicht erkennen. Das „Zentrum der Welt“ – seiner Welt: Samarkand, Buchara, Kesh – wurde prachtvoll ausgebaut. In Mittelasien entstand in der Folge ein eigener (der timuridische) Architekturstil (Gur-e Amir, Bibi Chanum-Moschee usw.). Persien (Khorasan) war für ihn dabei offenbar Inbegriff aller Kultur, denn der persische Geschmack war vorherrschend. Die Hauptstadt war Samarkand im heutigen Usbekistan. Dort empfing er unter anderem eine spanische Gesandtschaft unter Clavijo und wechselte Gesandtschaften mit Ming-China, letzteres um sich in seinen unablässigen Kämpfen den Rücken freizuhalten.

Überblick der Eroberungen

Seit 1380 begann er die Eroberung des Südens von Khorasan, Mittel- und West-Persiens und des Irak, wobei die lokalen Dynastien wie die Kartiden, Sarbadaren, Muzaffariden und Dschalairiden beseitigt wurden. Bereits 1394 kontrollierte Timur ein Gebiet, das sich von Teilen des heutigen Iraks mit Bagdad, Iran (das damalige Persien), Aserbaidschan, Usbekistan, Armenien und Georgien erstreckte. Im Osten erreichten seine Truppen über das restliche Tschagatai-Gebiet in Moghulistan die Grenze zur Mongolei (ca. 1389). Sein Reich zerfiel bald infolge von Nachfolgestreitigkeiten.

In den Jahren 1391 und 1395 errang Timur entscheidende Siege über die Mongolen, deren Reich danach unaufhaltsam zerfiel. 1398 eroberte er Delhi, 1401 fielen Damaskus sowie Bagdad in seine Hände und 1402 besiegte er -zu dem Zeitpunkt schon fast blind- den Osmanen-Sultan Bayezid I. bei Ankara, wo dessen Truppen zum Teil überliefen. Bayezid wurde gefangen und Timur wurde nun auch in Europa „berühmt“.

Entscheidend dabei ist, dass Timur außerhalb seines Kernlandes keine geregelte Verwaltung hinterließ, d. h. er setzte einige seiner Nachkommen als Fürsten in Persien und Mittelasien ein, beließ aber die Gebiete in Südrussland und Moghulistan bei mongolischen Prinzen und machte auch keine Anstalten zur Verwaltung des Vorderen Orients. Die Statthalterposten im Kernland, d. h. in Iran und Transoxanien waren uneinheitlich bemessen und organisiert. So gab es große und kleine Statthalterschaften, erblich oder auch nur auf Zeit verliehen, steuerbefreit oder auch nicht. Die Organisation ließ dem Herrscher auch weitreichende Eingriffsmöglichkeiten offen, z. B. indem den Statthaltern nur kleine Kontingente der jeweils ausgehobenen Truppen unterstellt wurden. Kurz: die Qualität der Verwaltung war ausbaufähig, aber als Ersatz für derartige Maßnahmen diente ihm die Furcht vor dem massiven Terror, mit dem die Unterworfenen im Falle einer Auflehnung zu rechnen hatten.

Als ein letztes Problem sah Timur seine allerdings unbedeutende Vasallen-Stellung gegenüber dem Kaiserreich China der Ming-Dynastie, dem er eine Zeitlang Tribut hatte zahlen müssen. 1405 brach er mitten im Winter zum Feldzug nach China auf, starb aber in der Nähe des heutigen Schymkent in Kasachstan nach einem mehrtägigen Alkoholexzess. Er wurde in Samarkand bestattet, sein Mausoleum Gur-e Amir ist eines der bedeutendsten Architekturdenkmäler dieser Zeit.

Timur und die Goldene Horde

Der Konflikt mit der Goldenen Horde unter Toktamisch prägte während vieler Jahre die Politik Timurs und stellte für diesen eine ernst zu nehmende Herausforderung dar. Toktamisch erschien zum ersten Mal in Samarkand 1376, jedoch nicht als Gegner, sondern als Bittsteller. Da seine Thronambitionen von Urus Khan vereitelt wurden, suchte Toktamisch Timur auf, ihm zu seinem Erbe zu verhelfen. Toktamisch bekam sehr schnell die von ihm erbetenen Truppen und griff die Goldene Horde an, wurde jedoch von Urus Khan vertrieben. Dann nahm Timur den Kampf selbst auf und ging im Winter 1376/1377 gegen Urus Khan mit großem Erfolg vor. Urus Khan wurde in einer Schlacht irgendwo bei Otrar vernichtend geschlagen und verstarb bald darauf. Somit bekam Toktamisch die Macht in der Goldenen Horde nur dank der tatkräftigen Unterstützung Timurs.

Zehn Jahre später, 1387 erschien Toktamisch wieder an der Grenze zu Transoxanien, diesmal allerdings mit einem starken Heer. Da Timur sich zu diesem Zeitpunkt in Karabach befand und auf einen Überfall nicht vorbereitet war, hatte er kaum Truppen, um Toktamisch aufzuhalten. Sein Sohn, Miran Shah, kam ihm noch rechtzeitig zur Hilfe, und Toktamischs Truppen wurden vernichtend geschlagen. Timur befahl, entgegen den Gepflogenheiten der Zeit, die Gefangenen zu schonen und sie in ihre Heimat zu entlassen. Damit wollte er ein ostentatives Signal an die Goldene Horde senden und ihr zeigen, dass er kein Feind der Tschingisiden sei.

Toktamisch ließ aber nicht locker. Bereits im Winter 1388/1389 erschien sein Heer, das in sich die ganze Völkervielfalt der Goldenen Horde vereinigte (darunter sogar Kaukasier, Russen und Bulgaren), wieder an den Grenzen von Timurs Reich. Im Januar 1389 kam es zur Entscheidungsschlacht in der Nähe von Chodschent. Die mit äußerster Härte geführte Schlacht wurde durch das unerwartete Eingreifen eines der Söhne Timurs, Omar Scheichs, entschieden, der die Nachhut des Gegners aufrieb und ihn in Panik versetzte. Die Truppen Toktamischs flohen und zerstreuten sich in alle Himmelsrichtungen.

Dieser Überfall zeigte Timur deutlich, dass er die Bedrohung durch seinen früheren Schützling ernst nehmen muss. Er konnte nicht mehr gefahrlos seine Macht in Iran und Afghanistan konsolidieren, da er mit ständigen Überfällen durch Toktamisch während seiner Abwesenheit rechnen musste. Um diese Bedrohung ein für allemal zu beseitigen, bereitete sich Timur zu einem Feldzug gegen Toktamisch und führte ihn im Jahr 1391 aus. Er beschloss, die Steppengebiete so schnell wie möglich zu überqueren und seinen Gegner zu einer Entscheidungsschlacht zu zwingen. Ganze drei Monate bewegte sich sein Heer durch die Weiten der kasachischen Steppe, immer bestrebt, die Spuren der Nomaden zu finden. Timurs Armee erreichte das Gebiet des heutigen Tobolsk, wo sie sich dann in Richtung Nordwesten bewegte. In dieser Gegend, die im heutigen Sibirien liegt, wurden die Armeen aus Mittelasien zum ersten Mal mit dem Phänomen des Polartages konfrontiert, so dass die Mullahs das Abendgebet vorübergehend aussetzten. Nach fast viermonatiger Suche gelang es Timurs Sohn Omar Scheich, den Feind in der Nähe des Flusses Kundurtscha westlich des Urals zum Kampf zu stellen. Timurs Hauptstreitmacht erschien wenige Stunden, nachdem der Kampf ausgebrochen war. Die Schlacht dauerte mit mehreren Unterbrechungen drei Tage lang, vom 19. bis 21. Juni 1391, und endete mit vollständiger Niederlage Toktamischs, der vom Schlachtfeld floh.

Jedoch erwies sich Toktamisch als ein zäher Gegner. Unterstützt vom Moskauer Fürsten Wassili erschien Toktamisch 1395 im Nordkaukasus, wo zu dieser Zeit Timurs Truppen damit beschäftigt waren, georgische Fürsten zu unterwerfen. Toktamischs Plan bestand darin, die erst vor kurzem von Timur eroberten Gebiete von Aserbaidschan auf seine Seite zu ziehen und sich dadurch eine Operationsbasis zu schaffen, von wo aus er in Verbindung mit Mameluken treten wollte. Nachdem er angefangen hat Schirwan zu belagern, floh Toktamisch, sobald er von Timurs Herannahen hörte und stellte sich erst am 15. April 1395 nördlich des Flusses Terek zur Schlacht. Die Schlacht war blutig, den Nomaden gelang es, Timur zu umzingeln, der sich selbst verteidigen musste und erst durch die Aufopferung seiner Leibgarde, die fast ausnahmslos im Kampf umkam, aus der Not gerettet wurde. Toktamisch verlor die Schlacht und mit ihr endgültig seine Machtstellung in der Goldenen Horde. Er floh nach Litauen. Timurs Truppen plünderten im Wolgadelta und zerstörten die Hauptstadt der Goldenen Horde, die Stadt Sarai.

Vermächtnis

Die Person und Politik Timur des Eroberers vereinigte Gegensätze in sich, die sorgsam gegeneinander abgewogen werden müssen. Er war in erster Linie ein zentralasiatischer Militärführer und selbst für damalige Maßstäbe ein grausamer Zerstörer, aber nicht ohne kulturelle Interessen und geistige Bildung. Er konnte weder lesen noch schreiben, beherrschte aber die osttürkische und die persische Sprache und bediente sich beider, pflegte auch den Umgang mit Vertretern des geistigen Lebens (z. B. Gespräche mit Ibn Chaldun). Das Empfinden für die Notwendigkeit einer längerfristig orientierten Verwaltung scheint bei ihm nicht sonderlich ausgeprägt gewesen zu sein. Daraus resultierte die Schwäche seiner Dynastie: die Herrschaft war eine private Verfügungsgewalt und konnte auf militärischem Wege angefochten werden, was gleich nach seinem Tod passierte.

Sämtliche Bemühungen Timurs hoben das Niveau Transoxaniens nur einige Generationen hindurch, denn letztlich wogen die Zerstörungen der Nachbarländer schwerer und hatten zur Folge, dass das Europa der Renaissance mit der islamischen Welt gleichzog. Das alte Konstantinopel, Hort der antiken Kultur, bekam eine Atempause vor der osmanischen Eroberung, und auch Moskau wurde durch Toktamischs Niederlage mittelfristig vom Druck der Goldenen Horde befreit. Die Denk- und Lebensweise der Nomaden übte einen erneuerten Einfluss im Iran aus, wie man an der mangelhaften Staatsorganisation der Turkmenen im Verlauf des 15. Jh. sehen kann. Trotzdem war die von Timur begründete Dynastie der Timuriden nicht glanzlos: sie verzeichnete Persönlichkeiten wie den Astronomenprinz Ulug Beg (gest. 1449) und herrschte bis Anfang des 16. Jahrhunderts in Transoxanien (bis 1500/01) und Khorasan (bis 1507). Timurs Urenkel Zaher ud-Din Muhammad Babur gründete 1526 das Mogulreich in Indien.

Aber auch darüber hinaus diente Timur zur historischen Legitimation unterschiedlicher Herrscher. Er gilt trotz aller Verbrechen und trotz seines eingeschränkten politischen Weitblicks im heutigen Usbekistan als eine Art Nationalheld.

Timur ist immer wieder musikalisches Sujet gewesen: Georg Friedrich Händel schrieb die dramatische Oper Tamerlano (Libretto von Nicola Francesco Haym), Rudolf Nelson die Musik und Kurt Tucholsky den Text zu einem gleichnamigen Kabarett-Song („Mir ist heut so nach Tamerlan zu Mut – ein kleines bisschen Tamerlan wär gut“).

Nach dem Besuch des Mausoleums Gur-e Amir in Samarkand schrieb der polnische Dichter Władysław Broniewski ein Antikriegsgedicht „Grób Tamerlana“ (Tamerlans Grab 1942).

Literatur

Anmerkungen

  1. Beatrice Manz The Rise and Rule of Tamerlane, S.1 - [...]Tamerlane is more correctly called by his Turkic name, Temür; the western version of his name comes from the Persian Timur-i Lang, Temür the lame.[...] - [1]
  2. Matuz (1985), S. 45
  3. Sharaf ud-Dīn Alī Yazdī, „Zafarnāma“ (zeitgenössische Biografie; Im Auftrag von Timur entstanden), 14. Jht
  4. B.F. Manz, „Tīmūr Lang“, in Encyclopaedia of Islam, Online Edition, 2006
  5. Thackston, Wheeler M., „The Baburnama: Memoirs of Babur, Prince and Emperor“. Modern Library Classics. ISBN 0375761373
  6. Mahin Hajianpur: Das Timuridenreich und die Eroberung von Mawarannar durch die Usbeken, in: Fischer Weltgeschichte, Band 16, Zentralasien, hg. von Dr. Gavin Hambly, Frankfurt am Main 1966, S.162; Monika Gronke: Timur und seine Nachfolger, in: Geschichte Irans, München 2003, S. 60
  7. „Sein Vater Taraghai war ein türkischer Emir vom Clan der Barlas …“ Mme. Mahin Hajianpur: Das Timuridenreich und die Eroberung von Mawarannar durch die Usbeken, Artikel in: Fischer Weltgeschichte, Band 16, Zentralasien, S. 162
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Personendaten
Khan, Timur
Lenk, Timur-i; Läng, Läng; Khan, Timur; Temur; Taimur; Timour; Timur Lenk; Timur i Leng; Tamerlane; Tamburlaine; Taimur-e-Lang (Timur the Lame)
türkischer Anführer und Eroberer am Ende des 14. Jahrhunderts
8. April 1336
Kesh
19. Februar 1405
Schymkent