Heim

Haus

Dieser Artikel behandelt ein Gebäude. Für weitere Bedeutungen des Wortes Haus, siehe Haus (Begriffsklärung).

Als Haus bezeichnet man allgemein ein Wohngebäude. Als Namensbestandteil -haus(en), -hus(en), -us, -house(n) ist es in Orts-, Haus- und Personennamen häufig.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Als eigenständiger Begriff[1] [2] wird Haus vor Allem für Gebäude mit Wohnfunktion gebraucht: „Haus ist ein Gebäude, das Menschen zum Wohnen, Unterkunft und Beschäftigung dient.“[1] Umgangssprachlich wird das Wort synonym zu Gebäude – ohne Kontext der Nutzung – verwendet (wie in Hochhaus). Haus wird im Deutschen mit verschiedenen Begriffen zur Bezeichnung unterschiedlicher Gebäudetypen oder dem Verwendungszweck verknüpft, zum Beispiel Wohnhaus, Bauernhaus, Parkhaus, Rathaus, Kaufhaus, Krankenhaus, Waisenhaus, Elefantenhaus, etc.

Das Wort selbst hat eine lange Geschichte mit etlichen Bedeutungswandlungen:[1]

Althochdeutsch hûs heißt ursprünglich „das Bedeckende“. Es wurzelt in einer sehr alten, indogermanischen Grundbedeutung *kû/*[s]keuSchutz, umhüllen“, zu finden auch etwa in sanskr. sku „bedecken“, griech. σκευη skeyeKleidung, Rüstung“, σκυτος skytosHaut, Leder“, oder lat. scûtum „Schild“, wie auch Scheune[3]. Das deutsche Schluss-«s» wird als „Rest eines Mittel oder Werkzeuge andeutenden Suffixes[1] gedeutet, und steht daher dem althochdeutschen hût nahe, das sich zu den Worten Hütte, (Ob-)Hut/hüten, und Haut ausdifferenziert, und wohl auch dem Hut m. zugrunde liegt.[4]. Erhalten ist diese Bedeutung auch im Gehäuse.

Mittelhochdeutsch steht verbreitet ausschließlich hûs im sächlichen Geschlecht, plur. hûs und hiuser, und das Wort bezeichnet neben „Gebäude“ schon „Wohnstätte“ (vergl. hausen „wohnen“), für „Wohnung“ auch im Sinne Gemach, die „Haushaltung“ und das „Gut des Hauses“ (Hausrat), sowie den Hausstaat, also die „Ehe[5] und die „Familie“.[6]
In diesem Kontext erweitert sich der Begriff auch auf:

Neuhochdeutsch diphthongiert das lange «û» im Bairischen zu haus, hauß, von wo es Eingang in die Hochsprache findet, während niederländisch huys, huis bildet, englisch house, die skandinavischen Sprachen behalten hus. Im Hochdeutschen ist es auch apokopiert (Verlust der mittelhochdeutschen Substantivendung «-e»), in „zu hause“, „im Hause“ hat sich aber ein Rest erhalten.

Haus als Rechtsbegriff

Das Wort Haus, ursprünglich „Schutz“ (wie Gehäuse), dann „Wohnstatt“ (in hausen), heute „Wohngebäude“ ist schon in den Frühzeiten des Schrifttums auch als Rechtsbegriff üblich.

Das Hausrecht[15] ist ein weltweit übliches Konzept, dass die rechtliche Hoheitsgewalt (die Hausgewalt) über sein Eigentum und Besitz dem Hausherren zusteht, in Unterscheidung zum Kommunalrecht. Das Hausrecht umfasst die Hausgerichtsbarkeit und die Schirmgewalt (das Recht zur Verteidigung). Es ist schon im römischen Recht verankert und findet in der deutschsprachigen Rechtsauffassung auch im germanischen Recht Stütze.

„Hausrecht“ in umgangssprachlichen Sinne als das Privileg, sich bei jemand anderem „wie zuhause“ zu fühlen, geht darauf zurück.

Haus und Hof[16] heißt schon ab den 12. Jhd., spätestens ab dem 15. Jh. auch im rechtlichen Sinne „Wohnhaus und Länderbesitz“[1], ist also kein Hendiadyoin (Beschreibung mit gleichem), sondern alliterierende Floskel. So findet sich 1227:

„sal sweren, dat he sines huses noch houes nicht ne wete “

– [Er] soll schwören, dass er nicht sein Haus noch Hof betritt[17]

Etwa Ende des 14. Jh. heißt es:

„im an eigen und an hofen … mit … eigen, do meint er acker und huz; daz heissen wir legende eigen; domete daz er spricht hofen, do meint er steende eigen, alzo husere “

– „Ihm an Eigen und an Höfen“ – mit „Eigen“ meint er „Acker und Haus“, das nennen wir liegendes Gut, sagt er „Höfe“, meint er stehendes Gut, also „Häuser“[18]

„Haus“ und „Hof“ tauschen in der Sprachgeschichte ihre Bedeutung in Bezug auf die Liegenschaft aus: Hier steht huz noch für Grundstück, den früheren Begriff Hof, „Acker und Hof“ für Grund und Boden, (Bau-)Grundstück und Flurstück, und husere, hofen für das heutige Haus als Bebauung. Während ursprünglich „Hof“ die Wohnstätte als Konzept bezeichnet, Haus nur die konkreten baulichen Maßnahmen, ist heute Haus das Abstraktum („zuhause“), und Hof nur untergeordneter baulicher Raum (Innenhof, Vorhof).[8][19]

Weitere stehende Wendungen sind:

Haus als baulicher Begriff

Zugrunde liegt dem Begriff im namenkundlichen Aspekten immer die Bedeutung „festes Gebäude“, in Abgrenzung zu provisorischen und „windigen“ Bauten. So steht im § 297 des Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches 1812:

„Eben so gehören zu den unbeweglichen Sachen diejenigen, welche auf Grund und Boden in der Absicht aufgeführt werden, daß sie stets darauf bleiben sollen, als: Häuser und andere Gebäude …“

Insbesondere äußert sich das in der mittelalterlichen Rechtswendung Haus und Rauch[13] für das heizbare Hauptgebäude, so erhalten in zweierlei Sinne:

Namenkunde

Orte mit der Namensendung -haus/e/n[22] sind typisch für Siedlungsgründungen im Zuge der fränkischen Landnahme, die im späten 5. bis 7. Jahrhundert stattfand, und den anschließenden Erweiterungen des Frankenreiches auf Bayern, und später Österreich und Sachsen bis zum 9. Jahrhundert, wo sie aber deutlich seltener sind. Namen dieser Art finden sich aber auch in wesentlich späteren Sprachschichten.

Der Name ist im gesamten deutschen Sprachgebiet verbreitet und findet sich auch im Niederländischen und Norwegischen.

Namensvarianten:

Entsprechungen

 Commons: Häuser – Bilder, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Haus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
 Wikiquote: Haus – Zitate

Einzelnachweise

  1. a b c d e Eintrag HAUS, n. domus. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Leipzig 1854-1960 (germazope.uni-trier.de)
  2. Eintrag 1Haus. In: Deutsches Rechtswörterbuch (DRW), Heidelberger Akademie der Wissenschaften (drw-www.adw.uni-heidelberg.de)
  3. Duden Etymologie – Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache, 2. Auflage, Dudenverlag, 1989
  4. Eintrag HUT, m. pileus. In: Grimm: Deutsches Wörterbuch. (germazope.uni-trier.de)
  5. DRW: 1Haus. V. Hausgemeinschaft. zu Haus fangen, kommen: heiraten
  6. Eintrag HÛS, stn. haus, wohnung. In: Georg Friedrich Benecke, Wilhelm Müller, Friedrich Zarncke: Mittelhochdeutsches Wörterbuch. Leipzig 1854–1866, Nachdruck: S. Hirzel, Stuttgart 1990. (germazope.uni-trier.de)
  7. a b DRW: 1Haus. I3f als Stätte von Sicherheit und Frieden.
  8. a b Grimm: HAUS II7)
  9. DRW: 1Haus. III (ständiger) Wohnsitz.
  10. Grimm: HAUS II5)
  11. DRW: 1Haus. I2c eine Burg als ein festes Haus.
  12. Grimm: HAUS II9c)
  13. a b DRW: 1Haus. VI Haushaltung, Hauswirtschaft, Hausvermögen.
  14. a b Grimm: HAUS II2d)
  15. H. Beck, H. Steuer: Haus und Hof in ur- und frühgeschichtlicher Zeit. Göttingen, 1997.
  16. E.-W. Böckenförde: Haus und Hof - die Gefährdung. In: Kultur des Eigentums. Bibliothek des Eigentums, Band 3. Springer 2006, ISBN 3-540-33951-5
  17. Hänselmann: Ottonisches Stadtrecht. In: Urkundenbuch der Stadt Braunschweig. Zitiert nach: DRW: 1Haus. III 1 (ständiger) Wohnsitz. allgemein. (Übersetzung Wikipedia)
  18. Glosse. In: Das Sächsische Weichbildrecht. Zitiert nach: DRW: 1Haus. I 3 a Einordnung. (Übersetzung Wikipedia)
  19. Eintrag HOF, m. area, villa, aula. 3) In: Grimm, Deutsches Wörterbuch
  20. Grimm: HAUS II2c)
  21. Grimm: HAUS II3)
  22. Konrad Kunze: dtv-Atlas Namenkunde. dtv-Band 2490. dtv, 1998 (1. Aufl), ISBN 3-423-03266-9, S. 91