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Mensch

Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem modernen Menschen, der Art Homo sapiens. Weitere Bedeutungen finden sich unter Mensch (Begriffsklärung).
Homo sapiens

Darstellung des Menschen von Leonardo da Vinci

Systematik
Teilordnung: Altweltaffen (Catarrhini)
Überfamilie: Menschenartige (Hominoidea)
Familie: Menschenaffen (Hominidae)
Tribus: Echte Menschen (Hominini)
Gattung: Menschen (Homo)
Art: Homo sapiens
Wissenschaftlicher Name
Homo sapiens
Linnaeus 1758

Der Mensch (Homo sapiens) ist innerhalb der biologischen Taxonomie ein Säugetier aus der Ordnung der Primaten (Primates). Er gehört zur Unterordnung der Trockennasenaffen (Haplorhini) und dort zur Familie der Menschenaffen (Hominidae). Unter den Lebewesen zeichnen den Menschen vor allem zahlreiche kognitive Fähigkeiten aus. Diese konstituieren letztlich die menschliche Kultur und Gesellschaft sowie die Fähigkeiten zur Reflexion und Transzendenz.[1]

Früher wurden Mensch (Hominidae) und Menschenaffen (Pongidae) insbesondere aufgrund der besonderen geistigen Entwicklung des Menschen als zwei getrennte Familien betrachtet, jüngere Untersuchungen sehen zwischen beiden Gruppen ein engeres Verwandtschaftsverhältnis und stellen sie daher in eine gemeinsame Familie. Der moderne Mensch ist die einzige bis heute überlebende Art der Gattung Homo.

Früher wurde für den modernen Menschen auch die wissenschaftliche Bezeichnung Homo sapiens sapiens benutzt, um zum Ausdruck zu bringen, dass der Neandertaler (früher auch Homo sapiens neanderthalensis) zu derselben Art gehörte wie der moderne Mensch. Diese Ansicht gilt heute als veraltet. Die moderne Bezeichnung lautet deshalb schlicht Homo sapiens. Sie leitet sich aus dem Lateinischen von homo „Mensch“ und sapiens „weise“ ab.

Inhaltsverzeichnis

Die Stellung des Menschen im Tierreich

Wie manche andere Tiere weist der Mensch einige hoch spezialisierte Merkmale auf. In mehreren Eigenschaften unterscheidet er sich von den heute bekannten übrigen Tierarten:

Kulturelle Evolution: Die biologische Evolution ist gegenüber der schnelleren kulturellen Evolution, die durch die menschliche Sprache sehr gefördert wird, in den Hintergrund getreten. Aufgrund seiner intellektuellen oder auch kulturellen Fähigkeiten ist er in der Lage, sich veränderten Umweltbedingungen sehr viel besser und schneller anzupassen als jedes andere Tier. Von einigen Wissenschaftlern wird dieser Prozess unter dem Begriff der Memetik (Evolution von Memen losgelöst von Genen) erforscht. Andere Tierarten dagegen evolvieren nach heutigem Wissen gemeinsam mit ihrer Kultur.

Wissensvermittlung: In diesem Zusammenhang ist festzustellen, dass andere Tiere nicht im selben Maße wie der Mensch die Fähigkeit besitzen, ihre im Phänotyp entwickelten Fähigkeiten, ihr erlerntes Wissen, auf die nachfolgenden Generationen zu übertragen. Der Mensch besitzt ein historisches Bewusstsein: Er steht nicht in der Notwendigkeit, Informationen entweder durch die genetische Vererbung zu erhalten oder Erfahrungen genauso wie seine Vorgänger immer aufs Neue selbst machen zu müssen, sondern er kann auf Handlungen und Informationen zurückgreifen, die viele Generationen vor ihm geschaffen haben (wobei es aber auch bei sonstigen Tierarten zur Traditionsbildung kommt, beispielsweise bei Menschenaffen). Der Mensch ist vermutlich viel stärker als jedes andere Tier in der Lage, in seinem zeitlichen Bewusstsein Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft in kausale Zusammenhänge zu bringen. Somit kann er seine Handlungen vergleichen, planen und somit teilweise eine Zukunft entwerfen (Kreativität), die er durch absichtsvolle Handlungen zumindest teilweise erreichen kann. Der Mensch ist in der Lage, die Lebensbedingungen seiner Art durch Arbeit bewusst zu gestalten, solange er sich seine Arbeit aussuchen kann und ihn keine sonstigen Hindernisse daran hindern. Nach Ansicht des Soziologen Niklas Luhmann ist der Mensch „das einzige Lebewesen, dem die Aussicht auf einen zukünftigen Hunger schon jetzt Sorgen macht“.

Zum dritten sind menschliche Individuen sich selbst und ihrer eigenen Sterblichkeit bewusst (Selbstbewusstsein). Durch das absehbare Sterben ergibt sich nur für den Menschen die Frage nach dem Sinn des Lebens und dem Leben nach dem Tod. Diese Fragen sind in Philosophie und Religion zentrale und wiederkehrende Themen. Allerdings scheinen auch andere Menschenaffen ein Selbstbewusstsein zu besitzen, wahrscheinlich aber wohl nicht in dem Ausmaß bzw. in der Art wie der Mensch.

Nicht allein typisch für den Menschen, jedoch bei ihm besonders stark ausgeprägt, ist seine Eigenschaft, sich hochorganisiert in größeren Gruppen zusammenzuschließen, was man in einer sehr abgeschwächten Form auch bei anderen Tieren wie zum Beispiel Wölfen, Löwen oder Affen beobachten kann. Dies wird begünstigt durch die im Vergleich zu anderen Tieren komplexe Sprache des Menschen, die eine differenzierte Arbeitsteilung ermöglicht. Auf der anderen Seite steht zu vermuten, dass die Entwicklung der Zivilisation auch die Entwicklung der Sprache in enger Wechselwirkung förderte und beides letztlich zu den hoch entwickelten Kulturen führte, die die Menschheit heute besitzt.

Entwicklung

Menschwerdung

Mit der Entwicklungsgeschichte der Menschheit von ihren Anfängen bis zum heutigen Jetzt-Menschen beschäftigen sich die Archäologie, Paläoanthropologie und Genetik, welche wichtige Datenquellen für die Forschung liefern. Viele Vorgänge der Menschwerdung aus affenartigen Vorfahren, vermutlich im Osten Afrikas, sind noch nicht endgültig geklärt. Der gegenwärtige Stand der Erkenntnisse wird im Artikel Hominisation aufgezeigt.

Neben der biologischen Entwicklung ist für den Menschen jedoch auch seine kulturelle Entwicklung maßgeblich, welche auf die Entwicklung der Sprache zurückzuführen ist, mit der es dem Menschen erst möglich wurde, Ideen auszutauschen. Der kulturelle Entwicklungsstand des Menschen war zunächst über Jahrhunderttausende hinweg nahezu konstant. Mit der Entstehung des modernen Menschen und seiner nachfolgenden Auswanderung aus Afrika beschleunigte sich jedoch die kulturelle Innovation, bis seit Ende der letzten Eiszeit mit dem Aufkommen von Ackerbau und Viehzucht der Mensch erstmals großräumig gestaltend in seine Umgebung eingriff. Seit dieser Zeit besitzt der Mensch eine über weitaus mehr als ein paar Generationen zurückreichende Geschichte, auf deren Grundlage die Individuen agieren müssen.

Merkmale des modernen Menschen im Vergleich:

Als Vorfahren des Homo sapiens kommen insbesondere die afrikanischen Populationen von H. ergaster und H. erectus in Frage. Die Zuordnung der Fossilfunde zu einzelnen Arten ist allerdings umstritten.

Ausgehend vom Begriff Homo sapiens aus der biologischen Taxonomie, haben sich auch in anderen Wissenschaftsbereichen wie der Soziologie oder der Wirtschaftswissenschaft verschiedene Attributierungen durchgesetzt, um bestimmte Modelle und Paradigmen zu bezeichnen.

Die Entwicklung des Menschen muss auch deutlich im Zusammenhang mit der Entwicklung des von ihm bewohnten Planeten, der Erde, gesehen werden. So zwangen die vielen Eiszeiten den Menschen, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen. Der Mensch war also in der Lage, sich immer wieder anzupassen und er kam und kommt mit den verschiedensten Lebensbedingungen zurecht. Im Gegensatz dazu sind die meisten Tiere auf einen Lebensraum beschränkt.

Gehirnmassen der Hominiden

Name Masse in g
Menschenaffen 400–500
Australopithecinen 560–720
Homo habilis 600–700
Homo erectus 880–900
Homo sapiens 1200–1400
Frau 1245
Mann 1375

Hinsichtlich der Intelligenz sind zwischen Mann und Frau keine signifikanten Unterschiede festzustellen. Siehe Gehirn, Abschnitt „Gehirne von Männern und Frauen“.

Verbreitung des modernen Menschen über den Globus

Fossilien, die dem biologisch modernen Menschen zugerechnet werden, gibt es seit etwa 160.000 Jahren, verstärkt seit ca. 100.000 Jahren. Alle heute lebenden Menschen sind sehr nahe miteinander verwandt, näher als andere biologische Arten, wie molekularbiologische Untersuchungen an der ribosomalen RNA und mitochondrialen DNA gezeigt haben. Die größten Unterschiede finden sich innerhalb der afrikanischen Populationen. Die Populationen außerhalb Afrikas sind – mit Ausnahme einiger erst relativ spät aus Afrika ausgewanderter Gruppen – genetisch sehr uniform. Moderne Funde unterstützen die „Out-of-Africa“-These, also die Ausbreitung des modernen Menschen vom afrikanischen Kontinent aus. Lange Zeit lebte die Art in Afrika zeitparallel zum primär europäischen Neandertaler, der besonders an das Leben in gemäßigten bis arktischen Zonen angepasst war.

Im Unterschied zum Neandertaler verfügte der moderne Mensch nachweislich bereits zur Zeit seiner Ausbreitung über mindestens 5 Kulturgüter, welche sich der Neandertaler auch nach Begegnungen nicht aneignen konnte. Dazu gehören: Verwendung von Ocker (auch Rötel) als Pigment, die Fähigkeit, Boote herzustellen (der moderne Mensch überwand Rotes Meer und die Meere Indochinas bis Australien, der Neandertaler nie die Meerenge von Gibraltar nach Afrika und besiedelte keine Mittelmeerinsel), die Fähigkeit, Fische in geflochtenen Reusen, Netzen oder ähnlichem zu fangen, die Fähigkeit, Grassamen (Getreide) zwischen zwei Reibsteinen zu quetschen (mahlen) und die Befähigung zum Fernhandel (zur Erläuterung des Handels: Steinwerkzeuge von Neandertaler und modernem Menschen mögen sich äußerlich sehr ähneln, aber das Material des Neandertalers ist immer regionaler Herkunft, während Homo sapiens in der gleichen Epoche Feuerstein entfernten Ursprungs standardmäßig nutzte und sich auch fernab aller Küsten mit Muschelketten schmückte). Die Erfindung, Gefäße aus Ton herzustellen (diese ging den Polynesiern viel später verloren) und die Nadel kamen nach dem vermuteten Aufbruch aus Afrika bald hinzu.

Zunächst im Vorderen Orient, seit dem frühen Jungpaläolithikum auch in Europa, kamen beide gleichzeitig in der gleichen Region vor, in Vorderasien etwa 40.000 Jahre lang, in Mitteleuropa knapp 10.000 Jahre lang. Für die Ausbreitung des Homo sapiens vom Balkan bis zur Iberischen Halbinsel nahm die Forschung bisher etwa 7000 Jahre an. Paul Melars von der Cambridge University berichtete 2006 in Nature, dass es vermutlich nur 5000 Jahre dauerte. Einige Gruppen breiteten sich entlang der Po-Ebene in Italien aus, andere wählten den Weg durch das Donautal, wiederum andere drangen fast bis Sibirien vor.

Die Ausbreitungsgeschwindigkeit betrug im Schnitt 400 m/Jahr. Die Atlantikküste auf der Iberischen Halbinsel wurde frühestens vor 41.000 Jahren erreicht, vielleicht später. Die neuen Erkenntnisse verdanken wir revidierten Ergebnissen der Kohlenstoffdaten (C14), die auch eine kürzere bis allenfalls sehr kurze Koexistenz-Zeit mit dem Neandertaler in Europa wahrscheinlich machen. Das spekulative Element ist bei all diesen Annahmen jedoch sehr groß, da aus der Zeit vor mehr als 30.000 Jahren bislang nur ein einziger europäischer Knochenfund des Homo sapiens existiert, nämlich ein mit ca. 31.000 Jahren datierter Schädel aus Tschechien, und die vermeintlich bis zu 40.000 Jahre alten Funde aus Cro-Magnon und der Schwäbischen Alb sich auf Grund der C14-Datierung als maximal 30.000 Jahre (Cro-Magnon) bzw. maximal 5.000 Jahre alt (Schwaben) erwiesen haben. Manche Kulturgüter wie die äußere Form von Steinwerkzeugen und Höhlenzeichnungen scheinen sich in Regionen der Koexistenz angeglichen zu haben.

Es ist aufgrund unserer Kenntnisse unwahrscheinlich, dass sich beide Arten in nennenswertem Umfang vermischt haben: die Mehrzahl der Fossilien weist deutlich erkennbare morphologische Unterschiede auf. Die neuesten molekulargenetischen Analysen der mtDNA sprechen gegen eine Vermischung beider Arten. Das inzwischen sehr umfangreiche Fundmaterial vor allem auch in Nahost weist auf eine Koexistenz dieser genetisch primär sehr unterschiedlichen biologischen Arten hin. Sie kannten einander, hatten aber keine Neigung sich zu vermischen oder zumindest blieben Nachkommen aus. In Nahost besiedelten sie mehrmals abwechselnd die gleichen Siedlungsräume.

Die alternative, früher verbreitetere Theorie nimmt an, dass sich der Homo sapiens an verschiedenen Orten des Globus unabhängig voneinander aus dem H. erectus entwickelt hat. Nach den molekulargenetischen Untersuchungen der jüngeren Zeit kommt dieser These allerdings nur geringe Wahrscheinlichkeit zu.

Eine unverhoffte Unterstützung der Out-of-Africa-These erfolgte kürzlich durch Genanalyse von Kopfläusen, die ein Team um David Reed von der Universität Utah vorlegte. Der Kopflaus ist schon unser Urahn als Wirt vertraut gewesen. Vor 1,2 Millionen Jahren zog auch die Kopflaus mit dem H. erectus nach Norden. Dort entwickelte sich die Genpopulation unabhängig von der afrikanischen weiter. Als 1 Million Jahre später der Homo sapiens sich aufmachte, aus Afrika nach Europa zu kommen, brachte er die alte afrikanische Population mit. Es muss davon ausgegangen werden, dass die Populationen sich begegneten, denn sie existieren beide noch heute. Ergo hatte der Homo sapiens wenigstens indirekt Kontakt mit dem H. erectus bzw. Neanderthaler, der die neue europäische Population von Kopfläusen trug.

Biologie

Anatomie

Hauptartikel: Anatomie des Menschen

Der menschliche Körper ist ein kompliziertes Gebilde, das zu 60 bis 70 % aus Wasser, etwa 20 % Proteinen, 15 % Fetten und 5 % Mineralen und anorganischen Stoffen besteht. Insgesamt wird die chemische Zusammensetzung mit etwa 65% Sauerstoff, 18% Kohlenstoff, 10% Wasserstoff, 3% Stickstoff, 1,5% Calcium und 1,0% Phosphor angegeben, plus geringe Konzentrationen von Schwermetallen wie Eisen, Zink, Kupfer, Blei, Cadmium und Chrom. Bei der Einäscherung eines Menschen verbleiben etwa 2 bis 3 kg Asche, die zum größten Teil aus Tricalciumphosphat (einem wichtigen Mineraldünger) besteht. Laut der Technischen Regel "Einäscherungsanlagen" (VDI 3891) müssen die Rauchgas-Filterrückstände wegen des hohen Schwermetallgehaltes als Sondermüll entsorgt werden.

Ein erwachsener Mensch hat eine typische Körpergröße zwischen 150 cm und 200 cm. Wie bei anderen Wirbeltieren auch, lässt sich der Körper anatomisch strukturieren in einen Stütz- und Bewegungsapparat, die inneren Organe, das Nervensystem und die Sinnesorgane.

Einzigartig sind besonders die Geschlechtsorgane des Menschen (siehe Evolution des Sexualverhaltens).

Ansonsten ist auffällig, dass das Haupthaar zumindest für einige Jahre unkontrolliert wachsen kann. Dies ist indes eine Besonderheit unter verwandten Spezies und kann im Gegensatz zu ähnlichem Haarwachstum nicht mit einem naheliegenden physiologischen Vorteil erklärt werden (wie Pferdeschwanz zum [wenig erfolgreichen] Verscheuchen von Fliegen). Dieses Haarwachstum kann als eine Produktion von festen und allzeit verfügbaren Fasern zur Länge von etwa einem Meter beschrieben werden und dazu wurde spekuliert, dass diese für einen unbekannten Abschnitt der Evolution zum Flechten und Anbinden genutzt wurden und hierbei einen selektiven Vorteil vermittelten. Eine andere Deutung besteht darin, dass das stetig nachwachsende Haupthaar steter Pflege bedarf und somit die soziale Stellung seines Trägers vermittle.

Evolution des Menschen

Hauptartikel: Hominisation

Die Entwicklung des Menschen führte vermutlich über die Hauptstufen Ardipithecus ramidus, Australopithecus afarensis, Homo rudolfensis, Homo habilis und Homo ergaster / Homo erectus zu Homo sapiens.

Genetische Verwandtschaft

Das menschliche Genom enthält (wie das jedes anderen Lebewesens) sowohl kodierende als auch nicht-kodierende DNA-Sequenzen, die denjenigen verwandter Lebewesen erkennbar homolog sind ("gleiches" Gen) und mit DNA-Sequenzen sehr nahe verwandter Arten wie der anderer Menschenaffen sogar nahezu völlig übereinstimmen. Die hohe genetische Ähnlichkeit wird erklärt durch eine sehr geringe Population (am Rande des Aussterbens befindlich) im Laufe der frühen Evolution unserer Spezies.

Die quantitative Messung der Ähnlichkeit der Basenpaarketten lässt den Verwandtschaftsgrad berechnen. Dies bestätigt Schimpansen und Bonobos, Gorillas und Orang-Utans (in dieser Reihenfolge) als nächste menschliche Verwandte.

Mittlerweile kann z.B. belegt werden (siehe z.B. Peter Lu), dass es zumindest aus genetischer Sicht seit Ausbreitung des modernen Menschen keine Epochen mit dramatischem Artensterben gab, sondern die Entwicklung im Gegenteil eher kontinuierlich verlief; lediglich die zugrunde liegende Fundsituation ist epochal stark schwankend. Mittlerweile sind Genetiker sogar in der Lage, anhand von speziellen Muttergenen sowohl die geografische wie auch die zeitliche Ausbreitungsgeschichte des Menschen über den Globus und sogar die Abstammungsgeschichte bestimmter Populationen nachzuvollziehen. Weiterhin sind Berechnungen anhand des heutigen Aufkommens bestimmter Gene möglich, wodurch nachvollziehbar wird, wann diese erstmalig in der Evolution aufgetreten sein dürften.

Der Mensch in der Gesellschaft

Geschichte

Der Eintritt der Menschen in die Geschichte im Sinne der Geschichtswissenschaft findet erst mit dem Beginn der Hochkulturen statt.

Soziologie

Die Soziologie beschäftigt sich mit dem Menschen, obwohl es in den 1920er Jahren Versuche gab, eine „Tiersoziologie“, sogar eine „Pflanzensoziologie“ zu etablieren.

Warum das biologisch erschlossene Tier „Mensch“ besondere Eigenarten hat, untersuchen beziehungsweise beantworten im weiteren Sinne die Anthropologie, die Soziobiologie und die Biosoziologie. Daher nimmt dann die Soziologie ihre Axiome, wenn nicht Soziologen selber soweit ausgreifen.

Weiterhin gibt es Ansätze, eine Soziologie für hypothetische extraterrestrische Lebewesen (en) zu entwerfen, so in der Exosoziologie. Diese verfolgt teils auch den Ansatz, soziologische Grundmuster zu beschreiben, die von der konkreten physischen, biologischen oder historischen Dimension unabhängig und damit dem Wesen des Sozialen immanent seien.

Siehe auch: Homo Sociologicus

Bildung

Der Mensch wird nicht geboren, sondern erzogen! ... so der Humanist Erasmus von Rotterdam, der in vielen seiner Bücher den Menschen Bildung vermitteln wollte: „... Nichts ist naturgemäßer als Tugend und Bildung – ohne sie hört der Mensch auf, Mensch zu sein.“ Ähnlich argumentierten seit der griechischen Philosophie viele Geisteswissenschaftler und Philosophen, die in den meist „ungebildeten“ Menschen den Homo insipiens eine „Vorstufe“ zum Homo sapiens sahen. Für Friedrich Nietzsche war der Homo sapiens allerdings auch nur eine Vorstufe zum idealen Übermenschen.

Recht

Gem. Art. 1 GG ist jeder Mensch, und damit jedes menschliche Leben [2], Träger der Menschenwürde. Es gibt Gesellschaften, in denen das nicht jeder Mensch ist: In Stammesgesellschaften beispielsweise kann ein Neugeborenes bis zur Anerkennung durch den Vater ohne Rechtsfähigkeit sein; in Staaten mit Sklaverei gelten Sklaven zuweilen als „Sachen“ u. a.

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen soll in jedem Staat einen Grundstatus vorgeben. Gemäß diesem Menschenbild besitzt jeder einzelne Mensch von Geburt an eine besondere, unantastbare und unveräußerliche Würde. Aus diesem Grund hat jeder Einzelne bestimmte Rechte, zum Beispiel das Recht auf Leben, auf körperliche Unversehrtheit, auf Religionsfreiheit und auf Meinungsfreiheit sowie auf einen angemessenen Arbeitslohn. Dieses Ideal ist aber nicht überall verwirklicht, denn in vielen Staaten werden Leute ohne Gerichtsverfahren eingesperrt, Gefangene gefoltert, Frauen und Kinder unterdrückt und Menschen leben in Armut. Ferner wird das Grundrecht auf Leben, obgleich mit dem Begriff der Würde eng verknüpft, in keinem Land als unantastbar angesehen, da eine solche Unantastbarkeit mit jeglicher Bewaffnung (Armee, Polizei usw.) im Widerspruch stünde. Zum Grundrecht auf Leben siehe auch die Entscheidung des deutschen Bundesverfassungsgerichts zum Abschießen von durch Terroristen entführten Flugzeugen [3].

Manche Kulturkreise und Religionen kennen keine allgemein gültigen Menschenrechte. Insbesondere im Judentum, Christentum, Islam, der indischen und der chinesischen Kultur gibt es Strömungen, die einen Unterschied zwischen „Gläubigen“ und „Ungläubigen“ oder zwischen den Rechten des Mannes und denen der Frau machen.

Religion

Der Mensch kann selbst sowohl als glaubendes, betendes, Riten ausübendes Subjekt handeln, als auch als Objekt religiöser Riten und Anbetungen. In einer Vielzahl von Religionen gilt er als direkte (und größte) Schöpfung eines oder mehrerer Götter.

Religionen und religiöse Motive haben nahezu die gesamte bekannte Geschichte des Menschen begleitet, zuerst als Verehrung von Naturkräften und Ahnenkult, dann als Polytheismus und Monotheismus. Dies führte zu der philosophischen Frage, in wieweit Religiosität zu den spezifischen Merkmalen des Menschen gehöre.

Das Christentum, das Judentum und der Islam betrachten die Entwicklung des Menschen, wie auch die gesamte Schöpfung als Werk Gottes, gehen allerdings von einem differenten Gottesbild aus. Für die großen christlichen Religionsgemeinschaften bestehen dabei keine Widersprüche zwischen dem aktuellen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse und dem christlichen Glauben, weil nach ihrer Auffassung Theologie und Wissenschaft unterschiedliche Fragestellungen behandeln.

Der Buddhismus betrachtet die Menschen zu den drei oberen der Sechs Daseinsbereiche gehörend und geistig fähig, das eigene Leiden zu erkennen, um so den leidvollen Daseinskreislauf (Samsara) zu durchbrechen und zur Befreiung (Nirvana) und zum Erwachen (Bodhi) zu gelangen.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Hans-Peter Krüger, Gesa Lindemann, "Philosophische Anthropologie im 21. Jahrhundert: Wer oder was ist der Mensch? - Paradigma der philosophischen Anthropologie heute", S 15ff
  2. BVerfG, Urteil vom 25. Februar 1975, Az. 1 BvF 1/74, 1 BvF 2/74, 1 BvF 3/74, 1 Bvf 4/74, 1 BvF 5/74, 1 BvF 6/94, BVerfGE 39, 1ff. , Rn 187
  3. Das Bundesverfassungsgericht

Literatur

 Commons: Mensch – Bilder, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Mensch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
 Wikiquote: Mensch – Zitate