Heim

Geschichte Kambodschas

Dieser Artikel oder Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (Literatur, Webseiten oder Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst gelöscht. Hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Die Geschichte Kambodschas umfasst einen Zeitraum von annähernd 1.200 Jahren, in dem sich das Reich der Khmer (gesprochen: kmen) entwickelte, wie sich die Kambodschaner selbst und wie sie auch ihre Sprache nennen.

Inhaltsverzeichnis

Frühzeit

Reich der Khmer

Der Beginn des Khmer-Reiches von Angkor (khmer: Stadt), von den Khmer selbst Kambuja genannt, wird üblicherweise mit dem Jahr 802 angegeben, jenem Jahr, in dem sich Jayavarman II. zum Deva-raja (etwa: „König der Könige“) erheben ließ. Er einte die Khmer unter seiner Herrschaft, machte das Reich unabhängig vom Seereich Javas und gründete mit Hariharalaya die erste Hauptstadt in der Region von Angkor.

In seiner größten Ausdehnung umfasste Kambuja das heutige Staatsgebiet von Kambodscha, das Delta des Mekong, das südliche Laos sowie das untere Thailand (Siam) bis zum Isthmus von Kra.

Wirtschaftlich basierte das Reich auf der Landwirtschaft, insbesondere dem durch künstliche Bewässerung sehr erfolgreich betriebenen Anbau von Reis, und dem Fischfang. Angkor liegt nahe am fischreichen See Tonle Sap, dem größten See in Südostasien. Daneben wurde auch Handel mit benachbarten Reichen und insbesondere China betrieben.

Die Kultur der Khmer war stark von Hinduismus und Buddhismus beeinflusst, wobei letzterer auch heute noch ein tragendes Element der kambodschanischen Gesellschaft darstellt.

1177 wurde Angkor erstmals von den benachbarten Cham aus dem Reich der Champa eingenommen, doch sehr viel gefährlicher waren die Thai-Völker, die sich im Laufe des 13. und 14. Jahrhunderts zu den Staatsgebilden von Sukhothai und Ayutthaya zusammenschlossen und die Herrschaft der Khmer abzuschütteln begannen. Diese Reiche begannen zunächst als Vasallenstaaten, doch wurde Angkor nach und nach aufgesogen, bis es 1431 schließlich fiel.

Angkor wurde als Hauptstadt aufgegeben, nachdem die Siamesen das Gebiet eingenommen hatten. Einzelne Tempel, wie der Angkor Wat, wurden zwar weiterhin besucht, aber die Mehrzahl der Bauwerke wurde von der tropischen Vegetation überwachsen und verfiel. Einer breiteren Öffentlichkeit im Westen wurden die Überreste von Angkor Ende des 19. Jahrhunderts bekannt, nachdem Forscher wie Henri Mouhot bebilderte Reiseberichte und geraubte Kunstwerke nach Europa gebracht hatten. Diese Entdeckungsreisenden bereiteten schließlich den französischen Zugriff auf Indochina vor.

Zeittafel

Unter Fremdherrschaft

1431 war Kambodscha zu einem Vasallen der Thai geworden. Seit dem 17. Jahrhundert, als sich im Osten das Reich Annam (Vietnam) bildete, wuchs auch von dort der Druck auf das Staatswesen. Auch Annam verlangte Tribut. Im späten 18. Jahrhundert eroberte Annam Cochinchina, das bis dahin von Kambodscha abhängig war. Im Westen verlor Kambodscha Provinzen an Siam. 1807 errichtete das vereinigte Vietnam ein Protektorat auf kambodschanischem Boden. Im 19. Jahrhundert lag die Hauptstadt des Protektorats in Odongk. Im Jahr 1840/41 führte ein Aufstand gegen die vietnamesische Vorherrschaft in Kambodscha zu einer vietnamesisch-siamesischen Verständigung, nach der das Land durch beide Nachbarn gemeinschaftlich beherrscht werden sollte. Die Regierungszeit des seinerzeitigen Königs Ang Duong war jedoch eher eine Zeit des Friedens und eines gemäßigten Wohlstands. Der König „ersuchte“ 1854 Frankreich um Schutz, doch wurde ein Zusammentreffen des Königs mit den Franzosen im Jahr 1856 von den am Hof weilenden siamesischen Beobachtern vereitelt. König Norodom, der 1859 den Thron bestieg, verlegte die Hauptstadt nach Phnom Penh.

Kolonialherrschaft

1863 erklärte Frankreich Kambodscha zum Protektorat, man versorgte den König mit Militärhilfe, um eine Rebellion niederzuschlagen. Gleichzeitig verlangte Frankreich Schürfrechte und das Recht zur Exploration des Gebiets, da man hier – wie auch in Laos – große Goldvorkommen vermutete. 1867 schloss Frankreich einen Vertrag mit Siam, wonach den Siamesen die Hoheit über Battambang und Siem Reap zugestanden wurde, im Gegenzug aber Frankreichs Interessen im vormaligen siamesischen Vasallenstaat Kambodscha anerkannt wurden.

Der französische Einfluss blieb zunächst gering, da das Land von einem König regiert wurde. Erst 1884 brachte ein französisches Kanonenboot einen Gouverneur nach Kambodscha, der einen Vertrag aushandeln wollte, nach dem der König umfangreiche Reformen vornehmen sollte, unter anderem die Abschaffung der Sklaverei (tatsächliche Abschaffung 1884), die Einführung des Rechts an Besitz von Privatland. Der König zögerte, musste aber schließlich zustimmen. Bis 1887 geschah aber nichts, um die Reformen in Gang zu setzen. In diesem Jahr wurde Kambodscha Teil des neu geformten Indochina.

Indochina bestand aus Tongking, Annam, Kambodscha und Laos, das 1893 eingegliedert wurde. Seit 1897 handelte der Generalgouverneur (resident général) im Namen des Königs. Die französische Kolonialverwaltung betrachtete Vietnam als das Herz von Indochina, Kambodscha war mehr ein Anhängsel. Viele Vietnamesen waren in der Verwaltung des Landes angestellt. Insbesondere dieser Umstand verstärkte den seit Jahrhunderten schwelenden Konflikt der Kambodschaner mit den Vietnamesen. 1907 musste Siam in einem Vertrag den Verzicht auf die Provinzen Battambang und Siem Reap erklären, die zu Kambodscha und damit zu Indochina kamen.

Im 2. Weltkrieg kapitulierte die Regierung Pétain (die Vichyregierung) vor dem Deutschen Reich. Sie unterzeichnete im gleichen Jahr den Henry-Matsuoka-Vertrag, der Japan das Recht einräumte, Truppen in Indochina zu stationieren. Damit wurde Französisch-Indochina abhängig von Japan. Nach einem kurzen Krieg zwischen Thailand und Frankreich trat Frankreich die beiden Provinzen Battambang und Siem Reap wieder an Thailand ab. Im gleichen Jahr setzten die Franzosen Prinz Norodom Sihanouk auf den kambodschanischen Thron. Im Frühjahr 1945 ermutigten die Japaner den König, Kambodscha für unabhängig zu erklären, was auch am 13. März 1945 erfolgte. Nachdem aber Japan am 15. August kapituliert hatte, kehrten die Franzosen nach Indochina zurück.

Zeittafel

Die erste Unabhängigkeit 1955–1965

Dieser Zeitraum prägte im Wesentlichen den Begriff der „Schweiz Asiens“ und wird von vielen älteren Kambodschanern und ausländischen Besuchern als ein goldenes Zeitalter betrachtet.

Etwa 90 % der Bevölkerung lebte auf dem Land und von der Landwirtschaft und dem Fischfang. Der Handel und die Finanzen lagen in den Händen chinesischer Minderheiten, während vietnamesische Minderheiten den Großteil der öffentlichen Verwaltung bildete. Einerseits verfügte Kambodscha über reiche Bodenschätze in Form der größten durchgehenden (und außerordentlich fruchtbaren) Anbauflächen und der Fischvorkommen im Tonle Sap, anderseits waren die meisten der Kleinbauern tief verschuldet und die landwirtschaftliche Bebauung und Infrastruktur veraltet und marode. Im Gegensatz zu der Situation in den meisten anderen asiatischen Staaten waren die kambodschanischen Kleinbauern auch Landeigner, jedoch waren die Anbauflächen häufig zu klein, um sie effektiv zu bewirtschaften. Das Bewässerungssystem für den Reisanbau war in vielen Teilen des Landes seit langen Jahren nicht modernisiert worden und in einem desolaten Zustand.

Südostasien bildete mehr und mehr den Schauplatz für den Konflikt zwischen den Supermächten China, UdSSR und den USA, repräsentiert durch die pro-westlichen Nachbarstaaten Südvietnam und Thailand auf der einen Seite und dem kommunistischen Nordvietnam auf der anderen Seite. Die nach der Unabhängigkeit von Frankreich gegründete kleine kambodschanische Armee mit rund 35.000 Soldaten war schlecht ausgerüstet und schwach ausgebildet und hätte keinem der umliegenden Nachbarländer im Falle eines ernsthaften Konfliktes standhalten können. Die Supermächte China, UdSSR und die USA buhlten um die Gunst des kleinen Landes.

König Norodom Sihanouk befürchtete, dass sein Land die gerade gewonnene Unabhängigkeit in diesem Konflikt wieder verlieren könnte und zwischen den Nachbarländern zerrieben würde. Die einzige Chance für Kambodscha, langfristig als souveräner Staat zu überleben, sah er in einer strikten Neutralität nach dem Vorbild der Schweiz und einer wirtschaftlichen Unabhängigkeit vom Ausland. In seiner buddhistisch geprägten Mentalität sollte Kambodscha „zum Freund aller Länder und Blöcke“ werden.

Diese Form der Neutralität wurde von den USA und den pro-amerikanischen Nachbarstaaten Thailand und Süd-Vietnam ungläubig betrachtet und jeder Kontakt Kambodschas mit Nord-Vietnam oder der Volksrepublik China als Konfrontation gegen die USA und Parteinahme bewertet.

Wirtschaftspolitisch suchte König Norodom Sihanouk einen Weg des langsamen Übergangs von einer landwirtschaftlich dominierten Wirtschaft zu einer Kombination aus Landwirtschaft und Industrie, ohne dabei in ausländische Abhängigkeit zu geraten oder die kulturellen Traditionen Kambodschas zu stören. Seine Vision für Kambodscha bestand aus einem neutralen, buddhistisch geprägten Sozialismus.

Dies sah im Einzelnen vor:

Kambodscha nahm die Hilfe der USA für den Aufbau, die Ausbildung und Bezahlung des Militärs und der Polizei sowie Teile des Straßenbaus entgegen, während China und die UdSSR sich um erste Industrieprojekte und Krankenhäuser kümmerten.

Norodom Sihanouks Politik trug Früchte im Bildungswesen:

und auch in der Infrastruktur. Bis 1961 wurde

Die Bevölkerung, insbesondere auf dem Land, verehrte Norodom Sihanouk zu dieser Zeit wie einen Gottkönig.

Während China mit Kambodscha zunächst eine beratende Freundschaft pflegte, kam es immer wieder mit Südvietnam zu Grenzkonflikten. Kambodschas strikte Neutralität und Kambodschas Ablehnung, in die SEATO (amerikanisch geleitetes Militärbündnis Süd-Ost-Asiatischer Staaten) einzutreten, führten zum Ende der amerikanischen Militärhilfe und einem Wirtschaftsembargo Kambodschas durch Südvietnam und Thailand. Schließlich inszenierten Südvietnam und Thailand 1959 mit Hilfe der USA einen erfolglosen Militärcoup gegen Norodom Sihanouk.

Zeittafel

Die Entwicklung zum ersten Bürgerkrieg 1966–1970

Der Zeitraum von 1966 bis zur Machtübernahme durch den Premier- und Verteidigungsminister General Lon Nol wird im Wesentlichen durch folgende Ereignisse und Entwicklungen gekennzeichnet:

Dies gipfelt schließlich im Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit den USA, der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Nord-Vietnam und dem Vietcong und der Gefangennahme amerikanischer Soldaten auf kambodschanischem Territorium. Die USA befürchten, mit der Anerkennung der territorialen Grenzen Kambodschas sowie der Neutralität und der Souveränität des Landes ihre Partner Thailand und Südvietnam zu verärgern. Erst 1969 werden die diplomatischen Beziehungen zwischen Kambodscha und den USA wiederhergestellt, gleichzeitig beginnen die USA jedoch mit zunächst geheimen Flächenbombardements auf Vietcong-Stützpunkte in Kambodscha.

Während Prinz Sihanouk weiterhin bei der Landbevölkerung eine gottgleiche Verehrung erfuhr, geriet er bei der Wirtschafts- und Intelligenzelite in Phnom Penh unter Druck.

Die Intelligenzelite bestand zu einem großen Teil aus den Studenten, die er im Rahmen seines sozialistischen Programmes mit Stipendien in das Ausland geschickt hatte, um Kambodscha von ausländischen Beratern und Spezialisten unabhängig zu machen. Unter diesen Auslandsstudenten befand sich unter anderem der Mann, der später unter dem Namen Pol Pot die Terrorherrschaft der Roten Khmer leiten sollte. Als diese Studenten zurückkehrten, fanden sie einerseits wenig offene Positionen vor und anderseits wurden viele Positionen eher aufgrund von Loyalität als aufgrund von Fachwissen besetzt. Dazu kam eine zu große Toleranz Prinz Sihanouks für Korruption in seiner Regierung und Verwaltung und seiner eigenen Familie, die zu weiterer Unzufriedenheit der linksgerichteten Intelligenzelite führte.

Die USA betrieben massive Wirtschafts- und Militärhilfe in Thailand und Südvietnam, und die wirtschaftliche Elite Kambodschas befürchtete, durch Prinz Sihanouks strikte Neutralität den Anschluss an diesen Boom zu verpassen. Die Verstaatlichung der privaten Banken und des Exporthandels im Rahmen von Prinz Sihanouks sozialistischem Programm unterstützten diese Unzufriedenheit.

Während einer Auslandsreise wurde Prinz Sihanouk 1970 überraschend durch das rechtsgerichtete Parlament abgewählt, und der bisherige Premier- und Verteidigungsminister General Lon Nol übernahm die Macht in Kambodscha. Aufgrund sehr enger Kontakte zwischen seinem Vertreter und der amerikanischen Regierung wird bis heute vermutet, dass diese Abwahl durch die USA inszeniert worden sei, jedoch liegen, im Gegensatz zum Putschversuch von 1959, keine Beweise dafür vor.

Wenige Tage nach der Machtübernahme von General Lon Nol begannen gemeinsame Angriffe der kambodschanischen, amerikanischen und südvietnamesischen Armee gegen Vietcong-Stützpunkte in Kambodscha, und Kambodscha erklärte den Krieg gegen die Vietcong und die Nordvietnamesische Armee.

Auf Anraten der Volksrepublik China gründete Prinz Sihanouk in seinem Exil in Peking zusammen mit Vertretern der Roten Khmer die kambodschanische Befreiungsfront und rief die Bevölkerung Kambodschas in Radioansprachen zum Widerstand gegen die kambodschanische Regierung unter General Lon Nol auf. Die Roten Khmer deklarierten Prinz Sihanouk zum offiziellen Führer, jedoch ließen sie ihn diese Rolle lediglich nach außen aus seinem Exil wahrnehmen. Die Volksrepublik China, Nordvietnam und der Vietcong begannen mit der Ausrüstung und Ausbildung der Roten Khmer.

Diese verhängnisvolle Kombination aus der Popularität Prinz Sihanouks bei der Landbevölkerung Kambodschas, seiner neuen Rolle als Repräsentant der Roten Khmer und dem Beginn der externen Unterstützung der Roten Khmer bildete einen der beiden Voraussetzungen für den ersten Bürgerkrieg in Kambodscha.

Zeittafel

Der erste Bürgerkrieg 1970–1975

Nach der Machtübernahme durch General Lon Nol verlässt Kambodscha seine neutrale Position im Indochina-Konflikt und schließt sich den USA, Thailand und Südvietnam an. Nordvietnam und der Vietcong wiederum brauchen nicht mehr auf die durch Prinz Sihanouk vorher betriebene und durch die Volksrepublik China unterstützte Neutralität Rücksicht zu nehmen und verlegen ihre Truppen tief nach Kambodscha. Die kambodschanische Armee ist mit dieser Situation völlig überfordert. Die einzigen beiden Offensiven (Operation Chenla 1 + 2) scheitern mit großen Verlusten der Regierungsarmee.

Bis 1973 wird der Kampf hierbei fast ausschließlich durch die Nordvietnamesische Armee und den Vietcong geführt, die bereits ab 1971 etwa vier Fünftel von Kambodscha unter ihrer Kontrolle haben. Die Roten Khmer bauen sich in dieser Zeit ihre Unterstützung bei der Landbevölkerung und ihrer Waffenausrüstung auf. Dörfer werden in kommunistische Kooperativen aufgeteilt und die Nachrichtenverbindungen zwischen den Dörfern durch die Roten Khmer kontrolliert. Nachdem die Roten Khmer ihre Ausbildung und Ausrüstung durch den Vietcong und Nordvietnam 1973 abgeschlossen und ihre Unterstützung durch die Landbevölkerung gesichert haben, kommt es zur Trennung und zu ersten Differenzen zwischen den Roten Khmer und dem Vietcong. Fast parallel kommt es zu Angriffen auf vietnamesische Zivilisten durch die Regierungsarmee, und etwa 300.000 vietnamesische Einwanderer werden aus Kambodscha vertrieben. Dabei werden zahlreiche Vietnamesen durch die Regierungsarmee und die Roten Khmer ermordet.

Kurz nach der Machtübernahme marschieren etwa 20.000 amerikanische Soldaten auf der Suche nach Stützpunkten der Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams (FNL) nach Kambodscha ein, was jedoch erheblichen politischen Widerstand gegen eine Ausweitung des Krieges in den USA nach sich zieht und zu einem Abzug der Soldaten führt. Daraufhin verstärken die USA ihre zunächst geheimen Flächenbombardements in Kambodscha. Von März 1969 bis August 1973 werden rund 3.500 B-52-Flächenbombardements durch die US Airforce geflogen und dabei 539.129 Tonnen Bomben mit teilweise bis zu 200 Einsätzen pro Woche abgeworfen. Dies entspricht etwa 3 Tonnen Bomben pro Quadratkilometer oder der doppelten Menge der Bombenlast, die auf Japan im zweiten Weltkrieg abgeworfen wurde, und kostet den amerikanischen Steuerzahler etwa 7 Milliarden Dollar. Die Schätzungen der Opfer unter der kambodschanischen Zivilbevölkerung reichen dabei von 200.000 bis zu 1,1 Millionen. Der Großteil des kambodschanischen Farmlandes wird zerstört.

Diese Flächenbombardements und der daraus resultierende Hass der Landbevölkerung auf die USA bilden die zweite Voraussetzung für den Aufstieg der Roten Khmer.

Parallel dazu werden von 1971 bis 1975 seitens der USA rund 1,1 Milliarden Dollar an Militärhilfe in Form von Waffen, Ausrüstung und Sold nach Phnom Penh transferiert. Bereits 1973 schätzt der US-Senat die Anzahl der Kriegsflüchtlinge in Kambodscha auf 2 Millionen Menschen. Trotzdem werden jeden Tag weiterhin für 1 Million Dollar Waffen, Munition und Sold nach Phnom Penh geliefert, während die humanitären Lieferungen für die Flüchtlinge gerade mal 3 Millionen Dollar pro Jahr betragen. Phnom Penhs Bevölkerung wächst von 650.000 auf rund 2 Millionen Menschen an und die Stadt versinkt in Korruption. Ein Großteil der Waffenlieferungen wird von Generälen der Regierungsarmee direkt an den Vietcong verkauft, die Ausrüstungen landen auf dem Markt in Phnom Penh, und ganze Divisionen existieren nur auf dem Papier. Der Sold verschwindet direkt in die Taschen der Kommandeure. Die einfachen Regierungssoldaten kämpfen barfuß, sofern sie kein Geld haben, um sich auf dem Markt die für sie bestimmte Ausrüstung zu kaufen, und nehmen ihre Familien mit in die Kampfgebiete, da sie nur mit Reis bezahlt werden und ihre Familien sonst nicht ernähren könnten.

Die Flächenbombardements der USA sorgen nicht nur für eine breite Unterstützung der Landbevölkerung für die Roten Khmer, sondern hinterlassen auch zahlreiche Kriegswaisen, die von den Roten Khmer aufgenommen und zu erbarmungslosen Kindersoldaten ausgebildet werden. Umgekehrt werden zahlreiche Flüchtlingskinder in Phnom Penh durch die Regierungsarmee aufgegriffen und in die Uniform gezwungen. Die Kämpfe zwischen Regierungssoldaten und Roten Khmer werden mit zunehmend erbarmungsloser Grausamkeit geführt. Die gegenseitige Tötung verwundeter Gegner und das Herausschneiden und öffentliche Verspeisen von Leber und Herz nähren zusammen mit den Flächenbombardements den Hass der Landbevölkerung gegen die Stadtbevölkerung, der sich in der späteren Diktatur der Roten Khmer entlädt und fast zur vollständigen Tötung der ehemaligen Stadtbevölkerung führt.

Aus seinem Exil in Peking repräsentiert Prinz Sihanouk mit Hilfe der Volksrepublik China die Roten Khmer gegenüber der Weltöffentlichkeit als nationale Befreiungsorganisation für Kambodscha. Zunehmende Angebote für Friedensverhandlungen lehnt er ab.

Mit der Beendigung der amerikanischen Flächenbombardements 1973 und dem Abzug der FNL und der nordvietnamesischen Armee aus Kambodscha „kambodschanisiert“ sich der Krieg und wird nur noch durch die Waffenlieferungen der Volksrepublik China für die Roten Khmer und der Militärhilfe der USA für die Regierungsarmee aufrechterhalten. Bei der Bevölkerung Phnom Penhs entsteht zunehmend der Eindruck, dass der Krieg nur noch zur Bereicherung der Generäle betrieben werde. Lebensmittelknappheit und Inflation führen zu nachlassender Unterstützung durch die Stadtbevölkerung. Viele sehen sich vor die Wahl gestellt, aus der Stadt zu flüchten und ihre Seele an die Roten Khmer zu verkaufen oder in der Stadt zu verhungern.

Im April 1975 ergeben sich die rund 2 Millionen Einwohner Phnom Penhs. Etwa 20.000 Soldaten der Roten Khmer besetzen die Stadt. Das Durchschnittsalter der Soldaten beträgt 13 Jahre. Die Roten Khmer werden zunächst mit Begeisterung als Befreier empfangen, die Stadtbevölkerung glaubt, dass Prinz Sihanouk als offizieller Repräsentant der Roten Khmer für eine Versöhnung der Stadt- und Landbevölkerung Kambodschas sorgen werde. Die Roten Khmer befürchten jedoch einen Aufstand der Stadtbevölkerung und vertreiben die Menschen binnen drei Tagen mit Waffengewalt auf das Land. Stadtbewohner, die sich in ihren Häusern verstecken, werden getötet. Nach einer Woche ist Phnom Penh eine Geisterstadt, und die vierjährige Diktatur der Roten Khmer beginnt, in deren Verlauf fast die gesamte ehemalige Stadtbevölkerung getötet wird.

Zeittafel

Die Diktatur der Roten Khmer 1975-1979

Die Vision der Roten Khmer sah die Wiederauferstehung des Reiches von Angkor vor. Dies bedeutete außenpolitisch die Rückgewinnung von Landgebieten, die im Laufe der Jahrhunderte an Thailand und Vietnam gefallen waren und innenpolitisch die Etablierung eines kommunistischen Bauernstaates, der weitestgehend unabhängig vom Ausland wäre.

Dazu führten die Roten Khmer eine Reihe von Maßnahmen ein:

Isolierung des Landes
Isolierung der Menschen untereinander
Aufhebung aller Klassen und Unterschiede zwischen den Menschen
Entwicklung des Bauernstaates
Vereinheitlichung des Justizsystems

Zu Anfang blieb die Landbevölkerung von diesen Maßnahmen größtenteils verschont, während die ehemalige Stadtbevölkerung großteils direkt betroffen war. Die Tötung von Menschen durch die Roten Khmer wurde zunächst heimlich durchgeführt. Mit zunehmender Kontrolle der Roten Khmer, insbesondere durch die politische Schulung von Kindern und Nutzung dieser Kinder als bewaffnete Bewacher oder Kontrolleure, wurde jedoch auch die Landbevölkerung mehr und mehr von diesen Maßnahmen in vollem Umfang getroffen und die Ermordung von Menschen fand später uneingeschränkt öffentlich statt.

Um für die außenpolitischen Ziele genügend Waffen zu haben, schlossen die Roten Khmer mit China einen Vertrag, der die Lieferung von Waffen gegen Reis vorsah. Dies erforderte die Verdreifachung der geplanten und ohnehin nicht erreichten Reisproduktion. Der daraus resultierende Druck auf die lokalen Funktionäre und die durch eine Dürre verstärkte Hungersnot der Bevölkerung führte vereinzelt trotz der totalitären Kontrolle zu Revolten, die jedoch brutal niedergeschlagen wurden. Ebenso gnadenlos wurden die bestraft, die Zahlen fälschten, um das Erreichen des Solls vorzugeben. Die Nichteinhaltung der Planziele wurde durch die Führung der Roten Khmer als Sabotage der lokalen Funktionäre betrachtet und führte zu wiederholten politischen Säuberungsaktionen in den eigenen Reihen der Roten Khmer.

Außenpolitisch griffen die Roten Khmer wiederholt, jedoch erfolglos Grenzgebiete in Thailand und Vietnam an. Vietnam löste in dieser Zeit seine politischen Verbindungen mit der Volksrepublik China und intensivierte seine Beziehungen mit der UdSSR (Freundschafts- und Beistandspakt im November 1978), während die Roten Khmer ihre Verbindungen mit der Volksrepublik China vertieften. Schließlich konzentrierten die Roten Khmer ihre Angriffe primär auf Vietnam, was seitens der Weltöffentlichkeit als Stellvertreterkrieg zwischen der UdSSR und der Volksrepublik China betrachtet wurde. Die kommunistische Partei der Sozialistischen Republik Vietnam hatte jeglichen Einfluss auf ihre früheren Gesinnungsgenossen verloren.

Durch die Isolation des Landes drangen kaum Berichte über die Zustände an die Weltöffentlichkeit und die wenigen Berichte wurden als unglaubwürdig oder wahlweise als vietnamesische oder amerikanische Propaganda deklariert.

Nach massiven Angriffen der Roten Khmer auf vietnamesische Dörfer marschierte die vietnamesische Armee nach Kambodscha ein und besetzte das Land binnen weniger Tage. Die Roten Khmer flüchteten in die schwer zugänglichen Berggebiete an der Grenze zu Thailand und begannen mit Unterstützung der Volksrepublik China, der USA und Thailand einen Guerillakrieg gegen die vietnamesischen Besatzer.

In der knapp vierjährigen Diktatur der Roten Khmer starben durch Krankheiten, Hunger und politische Massenmorde schätzungsweise 2-3 Millionen Kambodschaner.

Zeittafel

Die Vietnamesische Besatzung und der zweite Bürgerkrieg 1979–1989

Bedingt durch die absolute Kontrolle aller Nachrichtenverbindungen durch die Roten Khmer, wussten die meisten Kambodschaner weder etwas über den Krieg mit Vietnam noch über die Invasion der vietnamesischen Armee in Kambodscha. In manchen Dörfern verschwanden die Roten Khmer einfach über Nacht und ließen die Dorfbewohner unwissend zurück, andere Dörfer verwandelten sich ohne Vorwarnung in Schlachtfelder zwischen der vietnamesischen Armee und flüchtenden Roten Khmer, wobei die Roten Khmer zahlreiche Kambodschaner als „lebende Schutzschilde“ und „Arbeitssklaven“ in die schwer zugänglichen Bergregionen an der Grenze zu Thailand verschleppten.

Die Misswirtschaft der Roten Khmer im Reisanbau, gezielte Zerstörung der verbleibenden Reisvorräte durch die Roten Khmer, Reis-Beschlagnahmen durch die vietnamesische Armee, aber auch die einfache Flucht der Feldarbeiter aus den ehemaligen Kollektiven zu ihren Heimatdörfern führte zu einer landesweiten Hungersnot, die im Oktober und November 1979 zum Tode von etwa 200.000 Kambodschanern führte.

Die Bilder der über die Grenze nach Thailand flüchtenden Kambodschaner, die kaum mehr als lebende Skelette waren, lösten eine weltweite Welle der Hilfsbereitschaft aus. Auf massiven Druck der USA öffnete Thailand schließlich seine Grenzen für die Flüchtlinge und gestattete den Aufbau von Flüchtlingslagern, die von der UNO, dem Roten Kreuz und anderen Hilfsorganisationen versorgt wurden. Zwischen 1979 und 1992 flüchten etwa 300.000 kambodschanische Flüchtlinge in Camps an der thailändischen Grenze. Weitere 350.000 leben außerhalb von Flüchtlingscamps in Thailand und etwa 100.000 flüchten nach Vietnam. Die Camps in Thailand werden extern durch das thailändische Militär bewacht und intern zu einem Großteil durch die Roten Khmer kontrolliert. Etwa 250.000 Kambodschaner aus diesen Camps fanden im Laufe der Jahre Aufnahme in Europa und den USA (206.052, davon alleine 84.559 in Kalifornien), die anderen wurden 1992 nach der Besetzung Kambodschas durch die UNO wieder zurückgesiedelt.

Aber nicht nur die Knappheit an Lebensmitteln traf Kambodscha. Phnom Penh füllte sich rasch wieder mit Menschen, nachdem die befreiten, überlebenden Kambodschaner auf der Suche nach ihren Familien wieder zurück an ihre Heimatorte zogen. Dort zeigten sich die Auswirkungen des Terrorregimes. Die meisten erwachsenen Männer waren tot. Im Durchschnitt überlebte pro drei Frauen nur ein Mann und schon bald entwickelte sich in Phnom Penh ein „Männermarkt“, auf dem Männer durch ihre Familien zeitweise vermietet oder zum Überleben gänzlich verkauft werden mussten. Im Laufe der folgenden Jahre entwickelte es sich temporär zur Normalität, dass mehrere Frauen sich einen Mann als Ehemann teilten, ohne dabei innerhalb der beiden Familien zusammenzuleben.

Vietnam setzte nach seinem Einmarsch in Kambodscha und der Vertreibung des Regimes der Roten Khmer eine provisorische Übergangsregierung aus Exilkambodschanern ein. Diese bestanden zu einem großen Teil aus ehemaligen Roten Khmer, die während der politischen Säuberungen der Roten Khmer in Kambodscha nach Vietnam geflüchtet waren. Chef dieser Regierung (Revolutionärer Volksrat) war Heng Samrin. Parallel dazu stationierte Vietnam rund 225.000 Soldaten in Kambodscha und besetzte alle wichtigen Positionen durch Vietnamesen.

Rund 30.000 Rote Khmer flohen in das Umland, vor allem in die unwegsamen Dschungelgebiete an der Grenze zu Thailand. In einem Blitzkrieg stießen vietnamesische Elitetruppen der 5. Division bis zur thailändischen Grenze vor. Die Vertreibung der Roten Khmer und die Besetzung Kambodschas durch Vietnam wurde seitens der USA, der Volksrepublik China und der pro-westlichen ASEAN-Staaten als Versuch einer vietnamesischen Expansion mit sowjetischer Unterstützung in Asien betrachtet. Auf Druck dieser Staaten erkannte die UNO die neue kambodschanische Regierung nicht an, vergab den kambodschanischen Sitz in der UNO an die Roten Khmer und forderte den sofortigen Abzug aller vietnamesischen Truppen aus Kambodscha. Die Besetzung Kambodschas durch Vietnam wurde seitens der UNO bis 1988 offiziell als einziges Problem Kambodschas betrachtet, während die Bedrohung des kambodschanischen Volkes durch die Roten Khmer nicht in den Konflikt des kalten Krieges passte und daher aus politischen Gründen ignoriert wurde.

Obwohl die Vertreibung der Roten Khmer durch die vietnamesische Armee für viele Kambodschaner eine Erlösung und die Rettung vor dem sicheren Tode war, war das Land weit entfernt von der Rückkehr in die Weltgemeinschaft, da es wieder einmal zum Spielball der Supermächte wurde. Ein absurder Stellvertreterkrieg begann. Die Sowjetunion hatte im November 1978 einen Freundschafts- und Beistandspakt mit Vietnam geschlossen und war Hauptwaffenlieferant Vietnams. China leitete nach der vietnamesischen Invasion eine Strafaktion ein, bei der chinesische Truppen die vietnamesische Grenze überschritten. Die USA waren lachende Dritte und begannen schließlich sogar, Pol Pot mit Waffenlieferungen in seinem Kampf gegen die kambodschanische Regierung zu unterstützen. Menschenrechtsüberlegungen gegen den Terror von Pol Pot spielten auf allen Seiten keine Rolle.

Das Wirtschaftsembargo der westlichen Welt gegenüber Vietnam wurde daher auf Druck der USA auch auf Kambodscha übertragen und die geflüchteten Roten Khmer als nicht-kommunistische Widerstandsgruppe und legitime Regierung Kambodschas deklariert. Die Haltung der USA und der UNO und die völlige Ignoranz gegenüber den Verbrechen der Roten Khmer in und außerhalb Kambodschas verbitterte die Vietnamesen und die neue kambodschanische Regierung. Dies führte wiederum zu einem tiefen Misstrauen gegenüber allen westlichen Organisation und einer Blockade gegenüber allen Hilfslieferungen durch den Westen in das Landesinnere. So wurde die westliche Hilfe weitgehend an die durch die Roten Khmer kontrollierten Flüchtlingslager an der thailändischen Grenze oder in den Stützpunkten der Roten Khmer in der grenznahen Bergregion Kambodschas verteilt. Wie schon in der Zeit zwischen 1970 und 1975 standen viele Kambodschaner vor der Wahl, zu verhungern oder sich als Arbeitssklaven in die von den Roten Khmer kontrollierten Gebiete zu begeben.

Trotz der Haltung der UNO kamen jedoch mehr und mehr Berichte über den Völkermord der Roten Khmer an die Weltöffentlichkeit und machten eine weitere Unterstützung der Roten Khmer durch die USA unmöglich. Als politische Lösung gründete Prinz Sihanouk auf Druck der USA, der Volksrepublik China und der ASEAN-Staaten 1982 gemeinsam mit den Roten Khmer und einer weiteren kambodschanischen Exilgruppe eine gemeinsame Befreiungsfront. Prinz Sihanouk ersetzte dabei den Führer der Roten Khmer, Pol Pot, als Exil-Präsident Kambodschas. Damit traten die Roten Khmer in der Hintergrund und die Weltöffentlichkeit konnte sich weiterhin auf die Besetzung Kambodschas durch Vietnam konzentrieren. Während Prinz Sihanouk mit der Unterstützung der USA und der Volksrepublik China das politische Gesicht der Exilregierung einnimmt, erhalten die Roten Khmer umfangreiche Waffenlieferungen aus China, die zum Teil durch die USA finanziert wurden und bilden die bewaffnete Front.

In den folgenden zehn Jahren kommt es jedes Jahr während der Regenzeit zu Angriffen der Roten Khmer auf die vietnamesische Armee, während die vietnamesische Armee in der Trockenzeit ihre jährliche Offensive startet. Da die Roten Khmer ihre Stützpunkte in den Flüchtlingslagern ansiedeln, werden diese Lager dabei immer wieder angegriffen bzw. durch Kämpfe zerstört. Jeder dieser Kämpfe treibt weitere kambodschanische Flüchtlinge in die Flüchtlingslager nach Thailand.

1984 rückt Kambodscha mit dem Film „The Killing Fields“, benannt nach den Killing Fields, auf denen die Massenmorde stattfanden, erneut in das Licht der Weltöffentlichkeit. Der Film zeigt am Beispiel des kambodschanischen Journalisten Dith Pran das Terrorregime der Roten Khmer und wird international ein Kassenschlager. Die Hauptrolle wird von dem kambodschanischen Arzt Dr. Haing S. Ngor gespielt, der selber als einziger seiner Familie das Terrorregime der Roten Khmer trotz mehrfacher Folter im Gefängnis überlebte und für seine Rolle mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Die Roten Khmer wurden daraufhin in der Weltöffentlichkeit mit den Nazis gleichgesetzt und der Begriff „Killing Fields“ Teil des allgemeinen Sprachgebrauchs. Trotzdem ändert sich nichts am Verhalten der UNO und des Westens in Bezug auf die weitere Unterstützung und Anerkennung der Roten Khmer als Teil der Exilregierung und UNO-Vertreter Kambodschas, und der Fokus der Politik bleibt auf der Besetzung durch Vietnam behaftet. Vorschläge Australiens zur Errichtung eines internationalen Gerichtshofes zur Untersuchung der Verbrechen der Roten Khmer werden auf Druck der USA blockiert, da dies die kambodschanische Exilregierung und deren Unterstützung durch die USA und die Volksrepublik China angreifbar gemacht hätte. Seitens der USA spielte hier neben dem generellen Konflikt mit der UdSSR vor allen Dingen auch die Frage des ungeklärten Schicksals amerikanischer Soldaten in Vietnam eine Rolle und verhinderte eine Normalisierung der Beziehungen zwischen den USA und Vietnam, in deren Verlauf auch eine pragmatischere Haltung zur Kambodscha-Problematik möglich gewesen wäre.

Der erste Durchbruch zur Lösung des Kambodscha-Problems erfolgte auf Initiative der UdSSR. Michael Gorbatschows Ziel, die Beziehungen mit der Volksrepublik China und den USA zu normalisieren, führten zu Gesprächen zwischen der UdSSR, Vietnam und der Volksrepublik China in Bezug auf Kambodscha und zur vietnamesischen Zusage, bis 1990 alle Truppen aus Kambodscha abzuziehen.

Durch das persönliche Engagement und die intensive Zusammenarbeit des russischen Diplomaten Igor Rogachew und des französischen Diplomaten Claude Martin, die beide Teile ihres Lebens im Vorkriegs-Kambodscha verbracht hatten, wurden erstmals direkte Gespräche zwischen Prinz Sihanouk als Präsidenten der kambodschanischen Exilregierung und Hun Sen als kambodschanischer Premierminister im Dezember 1987 initiiert. Weitere Gespräche zwischen den beiden Politikern folgten unter weiterer Vermittlung der beiden Diplomaten.

Im Juni 1988 trat Prinz Sihanouk vom Amt des Präsidenten der Exilregierung zurück und beendete damit die Koalition mit den Roten Khmer. Vietnam zog parallel dazu die Hälfte seiner Truppen aus Kambodscha ab. Mit der zunehmenden Lösung der vietnamesischen Besatzung erhielt die Bedrohung durch eine mögliche weitere Machtübernahme der Roten Khmer einen neuen Stellenwert. Erstmals änderte die UNO ihre Haltung und verlangte neben dem Abzug der vietnamesischen Truppen auch einen Plan zur Verhinderung einer neuen Machtübernahme durch die Roten Khmer. Der kambodschanische Sitz in der UNO wurde Prinz Sihanouk zugesprochen, und auch die Volksrepublik China verkündete nach Gesprächen mit dem sowjetischen Außenminister Eduard Schewardnadse, dass sie jegliche Hilfe für die Roten Khmer nach Abzug der vietnamesischen Truppen einstellt.

Angezogen durch die wirtschaftlichen Potentiale änderte auch Thailand seine Haltung unter einem neuen Premierminister und baute einerseits intensive diplomatische Verbindungen mit der kambodschanische Regierung auf und begann andererseits, auf die USA hinsichtlich einer politischen Lösung des Kambodscha-Problems einzuwirken.

Die Bemühungen Frankreichs und der UdSSR trugen Früchte, und im Juli 1989 einigten sich die Außenminister der USA, der UdSSR und der Volksrepublik China darauf, dass die Roten Khmer keine Machtposition in einer neuen kambodschanischen Regierung erhalten dürften. Im September 1989 zog Vietnam schließlich alle Truppen aus Kambodscha ab. Nach Aussagen Vietnams waren während der Besetzung Kambodschas 55.300 vietnamesische Soldaten bei den Kämpfen mit den Roten Khmer gefallen.

Der Abzug der vietnamesischen Truppen, der zunehmende Druck durch die thailändische Armee und die Aussicht auf eine schlecht ausgerüstete kambodschanische Armee führte zu einem Rückzug der Roten Khmer auf kambodschanisches Gebiet. Innerhalb kurzer Zeit nahmen die Roten Khmer die Provinzhauptstädte Pailin und Battambang ein. Während Pailin eines der bedeutendsten Edelsteinabbaugebiete Asiens darstellt, ist Battambang die Reiskammer Kambodschas. Immer wieder griffen die Roten Khmer andere Landesteile Kambodschas an und verschleppten Kambodschaner als Arbeitssklaven in die von ihnen kontrollierten Gebiete. Mit Hilfe korrupter thailändischer Militärs entwickelte sich rasch ein lukrativer Handel mit Reis und Edelsteinen aus den von den Roten Khmer besetzten Gebieten gegen Waffen aus Thailand.

Ende 1989 legte Australien einen Plan zu einer Besetzung Kambodschas durch die UNO und einer Entwaffnung aller politischen Parteien mit anschließenden Wahlen vor. Dieser Plan wurde von dem russischen Diplomaten Igor Rogachew und dem französischen Diplomaten Claude Martin wiederum in intensiver gemeinsamer Arbeit als Grundstein für die spätere UNTAC-Mission gelegt.

Zeittafel

  1. Auflösung und Verbot der Roten Khmer
  2. Rückzug aller vietnamesischen Truppen nach der Auflösung der Roten Khmer
  3. Durchführung freier Wahlen unter internationaler Aufsicht
  4. Sicherstellung einer friedvollen Koexistenz aller südostasiatischen Staaten, unabhängig von den gewählten politischen Systemen
  5. Beendigung der Einmischung aller Staaten außerhalb Südostasiens in die Politik Südostasiens
  6. Entwicklung internationaler Garantien und internationale Überwachung für die Durchführung der oben genannten Bedingungen
  1. Rückzug aller vietnamesischen Truppen aus Kambodscha
  2. Einrichtung einer UN-Überwachungskommission
  3. Nationale Versöhnung unter Selbstbestimmung
  4. Freie Wahlen unter UNO-Überwachung
  1. Rückzug der vietnamesischen Truppen aus Kambodscha und Einsatz einer japanischen Friedenstruppe
  2. Durchführung freier Wahlen unter UNO-Aufsicht und mit Vorbereitung durch die UNO
  3. Unterstützung des Wiederaufbaus in Kambodscha durch Japan

UN-Verwaltung und der dritte Bürgerkrieg 1990–1998

Der Wiederaufbau und die zweite Unabhängigkeit 1998 bis heute

Siehe auch

Literatur

Quellen

  1. http://www.treaty.un.org/LibertyIMS::/Cmd=Request;Request=TREATYBYLOC;Form=none;VF_Volume=UNVOL07;VF_File=00000695;Page=1;Type=page