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Konkrete Kunst

Der Begriff Konkrete Kunst wurde 1924 von Theo van Doesburg eingeführt und 1930 in einem Manifest bei der Gründung der Gruppe Art concret programmatisch festgelegt für eine Richtung der Kunst, die im Idealfall auf mathematisch-geometrischen Grundlagen beruht. Sie ist im eigentlichen Sinne nicht „abstrakt“, da sie nichts in der materiellen Realität Vorhandenes abstrahiert, sondern im Gegenteil Geistiges materialisiert, keinerlei symbolische Bedeutung besitzt und mehr oder weniger rein durch geometrische Konstruktion erzeugt ist.

Inhaltsverzeichnis

Zitate

„Das Kunstwerk muss im Geist vollständig konzipiert und gestaltet sein, bevor es ausgeführt wird. Es darf nichts von den formalen Gegebenheiten der Natur, der Sinne und der Gefühle enthalten. Wir wollen Lyrismus, Dramatik, Symbolik usf. ausschalten. Das Bild muss ausschließlich aus plastischen Elementen konstruiert werden, d. h. aus Flächen und Farben. Ein Bildelement hat keine andere Bedeutung als sich selbst.

Denn wir haben die Zeit des Suchens und der spekulativen Experimente hinter uns gelassen. Auf der Suche nach der Reinheit waren die Künstler gezwungen, die Naturform zu zerstören. Heute ist die Idee der Kunstform ebenso veraltet wie die Idee der Naturform.

Wir sehen die Zeit der reinen Malerei voraus. Denn nichts ist konkreter, wirklicher, als eine Linie, eine Farbe, eine Oberfläche… Konkrete und nicht abstrakte Malerei. Denn der Geist hat den Zustand der Reife erreicht. Er braucht klare, intellektuelle Mittel, um sich auf konkrete Art zu manifestieren.

Die Farbe ist die Grundsubstanz der Malerei. Sie bedeutet nur sich selbst. Die Malerei ist ein Mittel, um auf optische Weise den Gedanken zu verwirklichen. Jedes Bild ist ein Farbgedanke. Bevor das Werk in Materie umgesetzt wird, besteht es auf vollständige Art im Bewusstsein. Es ist auch nötig, dass die Realisierung eine technische Perfektion aufweist, die der des geistigen Entwurfes ebenbürtig ist. Wir arbeiten mit den Größen der Mathematik und der Wissenschaft, das heißt: mit den Mitteln des Denkens.“

Doesburg [1]

Als Ziel der Konkreten Kunst formuliert Max Bill 1947 in seiner Einleitung zum Katalog der Ausstellung Zürcher konkrete Kunst:

„das ziel der konkreten kunst ist es, gegenstände für den geistigen gebrauch zu entwickeln, ähnlich wie der mensch sich gegenstände schafft für den materiellen gebrauch. […] konkrete kunst ist in ihrer letzten konsequenz der reine ausdruck von harmonischem maß und gesetz. sie ordnet systeme und gibt mit künstlerischen mitteln diesen ordnungen das leben.“

Max Bill

Vom Konstruktivismus und Abstrakter Kunst grenzt sich die konkrete Kunst durch ihr wissenschaftliches Denken (speziell die Erforschung geometrischer Gesetzmäßigkeiten), ihre Konzentration auf das Zusammenspiel von Form und Farbe und ihr Interesse an der Erforschung der Farbe ab.

Wegbereiter der Konkreten Kunst

Um 1903 herum begann eine große Wende in der Kunst. Malerei und Plastik entfernten sich zusehends von der sichtbaren Wirklichkeit. Henri Matisse sagte, dass man beim Betrachten eines Bildes völlig vergessen müsse, was es darstelle. Es ist Kunst, die Form, Farbe und Bildgestaltung weitgehende Autonomie von Gegenständlichem zugesteht. Diese Absatzbewegung von der Welt des Sichtbaren wurde Abstraktion genannt. Es geht um die Konzentration auf das Wesentliche, das Notwendige.

Ab 1910 tauchte eine Kunst auf, die den Weg der Abstraktion konsequent weiterführte. Jeder Rest von Darstellung, bildlich oder figürlich, wurde abgelehnt: „Ließ sich eine solche – offensichtlich völlig unabhängig gewordene – Kunst noch als Extremform der Abstraktion, als integrale oder totale Abstraktion bezeichnen? Lag da nicht etwas grundlegend Neues vor, eine vollständige Autonomie des bildnerischen Gestaltens?“

Wassily Kandinsky stellte fest, die Kunst folge nur noch ihren eigenen, kunstimmanenten Gesetzmäßigkeiten. Es sei eine Kunst der reinen Gegenstandslosigkeit.

„Die neue Kunst hat den Grundsatz in den Vordergrund gestellt, dass Kunst nur sich selbst zum Inhalt haben kann. So finden wir denn in ihr nicht die Idee von irgendetwas, sondern nur die Idee von der Kunst selbst, von ihrem Selbstinhalt. Die ureigene Idee der Kunst ist ihre Gegenstandslosigkeit.“

Wassily Kandinsky

Maler der Konkreten Kunst

Bildhauer der Konkreten Kunst

Konkrete Fotografie

Angeregt durch den Sammler Peter C. Ruppert - dessen Sammlung Konkrete Kunst in Europa nach 1945 im Museum im Kulturspeicher Würzburg seit 2002 zu sehen ist - erschien, begleitend zu der im Jahr 2005 dort gezeigten Ausstellung Konkrete Fotografie, in welcher Fotokünstler von 1916 bis 2005 vorgestellt wurden, ein Buch mit dem Titel Konkrete Fotografie [2] das Abbildungen und Erläuterungen zu weiteren, nicht in der Ausstellung vertretenen Künstlern enthält.

Die Konkrete Fotografie gehört zur Gruppe der Strukturbilder einer bilderzeugenden Fotografie. Die bilderzeugenden - nicht abstrakten oder darstellenden Fotografien - die seit Beginn der Geschichte der Fotografie zwar existieren, für die es aber bis 2005 keine einheitliche Begrifflichkeit gab, wurden in diesem Buch unter eben diesem Begriff der Konkreten Fotografie zusammengefasst.

„Konkrete Fotografien sind in diesem Sinne nicht semantisches Medium, sondern ästhetisches Objekt, nicht Repräsentat, sondern Präsentat, nicht Reprodukt, sondern Produkt, wollen nichts abbilden, nichts darstellen: sie sind Objekte, die auf sich beruhen, eigenständig, authentisch, autonom, autogen - Fotografien der Fotografie. Konkrete Fotografien sind nicht Abstraktionen von Etwas, es sind reine Fotografien, die gegen elementare Voraussetzungen des Medium verstoßen, Regeln brechen, gegen den Apparat angehen.“

Gottfried Jäger

Fotografen der Konkreten Kunst

  • William Anastasi (USA 1933)
  • Monika Baumgartl (D 1942)
  • Manfred Bogner (D 1967)
  • Jörg Boström (D 1936)
  • Kilian Breier (D 1931)
  • Marco Breuer (D 1966)
  • Francis Joseph Bruguière (USA 1879–1945)
  • Richard Caldicott (GB 1962)
  • Rolf Cavael (D 1898–1979)
  • Chargesheimer (D 1924–1972)
  • Alvin Langdon Coburn (GB 1882–1966)
  • Pierre Cordier (B 1933)
  • Björn Dawid Dawidsson (S 1949)
  • Liz Deschenes (USA 1966)
  • Jan Dibbets (NL 1941)
  • Inge Dick (A 1941)
  • Frantizek Drtikol (CZ 1983–1961)
  • Walter Ebenhofer (A 1982)
  • Hugo Erfurth (D 1874–1948)
  • Winfred Evers (NL 1954)
  • Ralf Filges (D 1954)
  • Adam Fuss (GB 1961)
  • Hein Gravenhorst (D 1937)
  • Hetum Gruber (D 1937)
  • Heinz Hajek-Halke (D 1898–1983)
  • Raoul Hausmann (A/F 1886–1971)
  • Heinrich Heidersberger (D 1906)
  • Tom Heikaus (D 1964)
  • John Hilliard (GB 1945)
  • Neil Reddy (GB 1964)
  • Christiane Richter (D 1963)
  • Helen Robertson (GB 1959)
  • Alexander Rodtschenko (RUS 1891–1956)
  • Jaroslav Rössler (CZ 1902–1990)
  • Andrzej Rózycki (PL)
  • Jack Sal (USA 1954)
  • Christian Schad (D 1894–1982)
  • A. T. Schaefer (D 1944)
  • Xanti Schawinsky (CH 1904–1979)
  • John Schuetz (USA 1944)
  • Michael Schuster (A 1956)
  • Hartwig Schwarz (D 1953)
  • Günther Selichar (A 1961)
  • Arthur Siegel (USA 1913–1978)
  • Gar Smith (CAN 1946)
  • Otto Steinert (D 1915–1978)
  • Carl Strüwe (D 1898–1988)
  • Kurt Laurenz Theinert (D 1963)
  • Wolfgang Tillmans (D 1968)
  • Timm Ulrichs (D 1940)
  • Marc Volk (D 1967)
  • James Welling (USA 1951)
  • Kurt Wendtland (D 1917–1918)
  • Randy West (USA 1947)
  • Kanji Wakae (J 1944)
  • Albrecht Zipfel (D 1944)

Quelle[2]

Konkrete Poesie

siehe auch Artikel: Konkrete Poesie oder Visuelle Poesie

Museen für Konkrete Kunst

Siehe auch

Literatur

Quellen

  1. Willy Rotzler: Annäherung an das Konkrete. In: Peter Volkwein (Hrsg.) Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt. 1993, S. 47f.
  2. a b Gottfried Jäger, Rolf H. Krauss, Beate Reese: Concrete Photography / Konkrete Fotografie. Kerber Verlag, Bielefeld 2005, ISBN 3-936646-74-0 (englisch)