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Verschluss (Waffentechnik)

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Der Verschluss einer Feuerwaffe fixiert die Patrone oder Kartusche im Patronen- oder Kartuschenlager. Er verhindert konstruktionsbedingt oder in Verbindung mit der Patronenhülse/Kartusche ein unkontrolliertes Austreten heißer Gase, beim Abfeuern der Treibladung. Als Verschlusssystem kann der Verschluss weitere Funktionselemente zum Laden, Abfeuern, Sichern und Entladen einer Feuerwaffe kombinieren.



Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Schon zur Zeit der Vorderladerwaffen wurde die Notwendigkeit erkannt, an den zu damaliger Zeit fest verschlossenen Teil des Laufes zu gelangen, in dem das Pulver gezündet werden sollte um die davor platzierte Kugel aus dem Lauf zu verschießen. Zündete das Pulver nicht, war die Entfernung der Kugel aus dem Lauf ein umständliches Unterfangen. Die Lösung für diese Problem war der Vorläufer der Feuerwaffenverschlüsse, die Schwanzschraube, die den Lauf nach hinten verschloss.

Einen Zwischenschritt in der Entwicklung moderner Verschlusssysteme bildete das 1827 von Johann Nikolaus von Dreyse entwickelte Zündnadelsystem, dessen weitere Entwicklung zu einem schon in den Jahren von 1839 bis 1840 von der preußischen Armee getesteten Hinterladergewehr führte.

Einen anderer Weg wurde in Bayern beschritten, dort wurden Vorderlader-Perkussionsgewehre auf Hinterladergewehre mit Perkussionszündung umgebaut. So wurde das „Podewils Lindner Gewehr M1858/67“ 1861 als Vorderlader „M/58/II“ von August Francotte of Liége gebaut und etwa 1867 in Amberg zum Hinterlader umgebaut und in „M/58/67 II“ umbenannt. Der Verschluss besteht aus einer Schraubenverriegelung mit einem aufgeschnittenen Gewinde und Staubschutzdeckel, der von Edward Lindner entwickelt wurde. Die Perkussionszündung blieb so gut wie unverändert erhalten.

Der Vorteil der Hinterladergewehre war wegen höherer Schusskadenz und der Möglichkeit diese Waffen im Liegen zu laden, also eine Deckung des Schützen nicht aufgeben zu müssen um die Waffe zu laden, unbestritten. Einerseits erwies sich, bis zur Einführung von Metall-Patronenhülsen, der Umstand,der nach hinten mangelnden Gasdichtigkeit der Papierpatronen als Problem, andererseits musste für die Verwendung von Metall-Patronenhülsen die Treibladung derart verstärkt werden, dass die Ausdehnung der Patronenhülse im Patronenlager zu einer Liderung führt, die das Patronenlager nach hinten gasdicht abschließt, was entwicklungstechnisch zwangsläufig zum verriegelten Verschlusssystem führte um die größeren Kräfte und höheren Drücke weiterhin beherrschen zu können. Diese Entwicklungen führten in ihrer Konsequenz dann letztlich zu modernen Waffenkonstruktionen mit verschiedenen modernen Verschlusssystemen.

Verschlusstechnik

Der Verschluss muss beim Schuss den hohen Kräften standhalten, die der Gasdruck der Treibladung ausübt, um einerseits die Funktion der Waffe zu gewährleisten und andererseits eine Gefährdung des Schützen durch ausströmende Gase oder Aufsprengung auszuschließen. Die Abdichtung nach hinten erfolgt bei modernen Waffen in erster Linie durch die Liderung der Patronenhülse, wobei der Verschluss den Patronenboden nach hinten abstützt. Verschlüsse von Waffen mit hülsenloser Munition werden formschlüssig abgedichtet.

Bis auf Vorderladerwaffen und Revolver verfügen praktisch alle Arten von Feuerwaffen über einen Verschluss. Der Verschluss selbst besteht gegebenenfalls aus verschiedenen einzelnen Teilen und bildet somit ein Verschlusssystem. Beispielsweise sind u. a. folgende Teile in Verschlusssystemen zu finden:

Revolver benötigen bis auf wenige Ausnahmen (z. B. gasdichte Revolver) keine Verschlussmechanismen. Die Trommel bildet das Magazin und auch das Patronenlager, das vom Lauf separiert ist. Die Abdichtung erfolgt durch die Liderung der Patronenhülse und die hintere Unterstützung des Patronenlagers und der darin enthaltenen Patrone wird durch den Rahmen des Revolvers gewährleistet.

Verriegelungstechnik

Grund für die Verriegelung

Ein Verschluss muss während der Schussabgabe die Abdichtung beziehungsweise die Abstützung der Patrone aufrecht erhalten und darf nicht öffnen, bevor der Gasdruck auf einen ungefährlichen Wert abgesunken ist. Bei Selbstladewaffen kommen auch unverriegelte Verschlüsse zum Einsatz, bei denen das Öffnen des Verschlusses durch seine Masse verzögert wird. Eine Verriegelung erlaubt jedoch die Verwendung wesentlich leistungsstärkerer Munition.

Der halbstarre Rollenverschluss und Masseverschlüsse mit übersetzter Kraftübertragung, wie etwa beim H&K G3-Gewehr (Rollenverschluss) oder beim französischen FAMAS (Hebelübersetzung), stellen eine Sonderform zwischen verriegeltem und unverriegeltem Verschluss dar.

Unverriegelter Verschluss

Der unverriegelte Verschluss (auch als Masseverschluss bezeichnet), beruht auf der Massenträgheit des massiv gehaltenen Verschlusses. Der Verschluss wird beim Schuss durch den Rückstoß in Bewegung gesetzt, wobei diese Rückwärtsbewegung langsam genug erfolgt, um sicherzustellen, dass die Patrone erst nach ausreichendem Absinken des Gasdruckes ganz aus dem Patronenlager ausgezogen wird. Die Kraft der Rückholfeder hat bei diesen Systemen kaum Einfluss auf das Öffnungsverhalten unmittelbar nach Schussabgabe. Verschlussmasse und Federspannung setzen der Leistung der verwendeten Munition enge Grenzen. Ab einer bestimmten Leistungsklasse der Munition muss der Verschluss relativ schwer ausgeführt werden (vgl. UZI oder Sten Gun), oder es muss eine sehr starke Schließfeder verwendet werden (vgl. „Le Francaise“ und alte „Astra“ Waffen), was die Waffenhandhabung erschwert.

Verriegelter Verschluss

Beim verriegelten Verschluss stellen massive Verriegelungselemente die Verbindung zwischen Lauf oder Laufhülse, oder Verschlusssystemhülse, Waffengehäuse und Verschluss beim Schuss sicher.

Beispiele für Verschluss Zuhaltungen sind:

Zeitliche Verschlusssteuerung

Zusätzlich zum Zeitpunkt, muss der Ablauf des Ver- und Entriegelns des Verschlusses mechanisch gesteuert werden. Hierfür existieren eine Reihe unterschiedlicher konstruktiver Lösungen. Die weitaus meisten Lösungen basieren darauf, dass Verschluss und Lauf beim Schuss zunächst eine gemeinsame Bewegung nach hinten antreten und sich bei Erreichen eines definierten Punktes (z. B. einer Klinke oder Steuerkurve) trennen, d. h. die Verriegelung wird aufgehoben. Eine besondere Lösung dieses Problems zeigt der „unterknickte Kniegelenkverschluss“ der Pistolenfamilie der 08 Pistolen von Georg Luger (auch: Parabellumpistole). Danach bleibt der Lauf stehen, während der Verschluss seine Rückwärtsbewegung so lange fortsetzt, bis die Kraft der Schließfeder ihn wieder nach vorn treibt. Gemeinsam treten Lauf und Verschluss sodann in ihre Ruhelage zurück, wobei die Verriegelung eintritt.

Die Steuerung des Mechanismus der Verschluss- und Verriegelungssysteme wird beim Schuss entweder über die Rückstoßenergie auf den Stoßboden des Verschlusses oder durch Rücklauf des gesamten Systems (Lauf mit Verschluss wie z. B. bei Kanonen), oder auch per Gasdruck durch mechanische Übertragung der Energie des beim Schuss in alle Richtungen wirkenden Gasdrucks auf das Verschluss- und Verriegelungssystem bewerkstelligt (siehe Gasdrucklader).

Während bei Selbstladegewehren beide Systeme vorkommen, und die Gasdrucklader unter den modernen Waffen verbreiteter sind, funktionieren verriegelte Selbstladepistolen, bis auf wenige Ausnahmen, als Rückstoßlader (Rückstoß wie Rücklauf).

Verschlusssysteme

Es werden allgemein unverriegelte und verriegelte Verschlusssysteme unterschieden. Unverriegelte Verschlusssysteme finden vorwiegend bei Waffen im Kleinkaliber oder mit kleinkalibriger Munition Verwendung, die Ausnahme bilden Maschinenpistolen. Verriegelte Verschlusssysteme sind in Waffen zum verschießen starker Munition unumgänglich.

Masseverschluss

Der Masseverschluss [1] ist ein unverriegelter Verschluss für automatische Waffen, der die Verschlussfunktionalität aufgrund seiner eigenen großen Masse, im Verhältnis zur Stärke der mit ihm verwendeten Patronenmunition, gewährleistet. Die Masse des Verschlusses ist dabei so ausgelegt, dass sie eine sichere Schussabgabe erlaubt und der nach hinten auf den Verschluss wirkende Gasdruck ausreichend ist um den Repetiervorgang (das Auswerfen der abgeschossenen Patronenhülse, Spannen des Schlagstücks und Abzugssystems, sowie das Nachladen der Waffe mit einer neuen Patrone) durchzuführen. Die Verschlusssteuerung erfolgt hierbei über die Massenträgheit des Verschlusses. Verwendung findet dieses System beispielsweise in automatischen Kleinkalibergewehren und -Pistolen, sowie in Maschinenpistolen und einigen Exoten unter den Selbstladepistolen, wie z. B. der Heckler & Koch HK VP70.

Rollenverschluss

Der Rollenverschluss ist konstruktiv ein umgelenkter Massenverschluss und kann starr (verriegelt) oder halb-starr ausgeführt sein. Bei diesem Verschlusstyp finden auch Verschlussbezeichnungen wie „beweglich abgestützt“ oder „verzögert“ Verwendung, diese Systeme können auch als „nicht starr verriegelt“ bezeichnet werden. Hierzu zählen u. a. der Rollenverschluss des Heckler & Koch G3 Sturmgewehrs (und seine Derivate, einschließlich der Maschinenpistolen der Serie H&K MP5 und der Pistole H&K P 9 S), sowie die "gasgebremsten" Verschlüsse der Pistolen Steyr GB und der Pistolenbaureihe Heckler & Koch P 7. Durch Umlenkungsmechanismen wird die Kraft des auf den Verschluss wirkenden Gasdrucks reduziert, was in einer geringeren Größe der benötigten Masse des Verschlusses resultiert.[2]

Kipplaufverschluss

Bei dieser Verschlussart kann der Lauf um eine Drehachse gekippt werden und gibt so das Patronenlager frei, so dass eine Patrone eingelegt beziehungsweise entnommen werden kann. Der Verschluss ist Teil des Systemgehäuses (Basküle) und ist heute die bei weitem häufgste Form des Baskülverschlusses. Seit dem 18. Jahrhundert wurden Kipplaufverschlüsse für Hinterlader konstruiert. Der Kipplaufverschluss gehört bei modernen Jagdwaffen und Waffen für das sportliche Flintenschießen zu den am meisten verwendeten Konstruktionen. Beim weit verbreiteten Greener-System greifen Verschlusskeile in Haken unterhalb des hinteren Laufendes und verriegeln den Verschluss. Die Ver- und Entriegelung geschieht manuell durch den Schützen über einen Bedienhebel, die Patronen werden beim Öffnen des Verschlusses durch Auszieher ein Stück aus dem Patronenlager gehoben. Bei einigen Modellen werden leere Patronenhülsen mittels eines federgetriebenen Auswerfers (Ejektor) ausgeworfen.

Moderne Waffen mit Kipplaufverschluss besitzen in der Regel einen bis vier Läufe. Bei mehrläufigen Waffen existieren zahlreiche Bauformen mit verschiedenen Laufanordnungen und Kombinationen von Kalibern.

Kipplaufrevolver bilden das Bindeglied zwischen Revolverkonstruktion und dem Kipplaufverschluss.

Blockverschluss

Fallblockverschluss

Beim Fallblockverschluss wird ein massiver Verschlussblock mittels einer Hebelmechanik hinter dem Patronenlager des Laufes bewegt, gegen den sich die Patrone beim Abfeuern abstützen kann.

Rolling-Block-Verschluss

Der Rolling-Block-Verschluss ist eine Konstruktionsvariante des Fallblockverschlusses, der eine rollende Bewegung, anstatt einer auf und ab Bewegung, vollzieht.

Kippblockverschluss

Der Kippblockverschluss,[3] der vorzugsweise in Gasdruckladern Verwendung findet, ist eine moderne Weiterentwicklung der Blockverschlüsse.

Tabernakelverschluss

Der Tabernakelverschluss gehört konstruktiv zu den Blockverschlüssen und wird genauer als Wellenblockverschluss mit Lademulde bezeichnet.

Zylinderverschluss

Der Zylinderverschluss ist der Verschluss mit den meisten Konstruktionsprinzipien, er wird auch als Kammerverschluss bezeichnet. Bekannt ist diese Verschlussvariante durch das Mauser System 98 des K98. Verriegelungen dieses Verschlusses erfolgen entweder über eine unterschiedliche Anzahl von Verriegelungswarzen, die in entsprechende Aussparungen im Lauf oder der Systemhülse greifen, oder über den Kammerstängel (bei kleinkalibrigen Systemen), der in eine entsprechende Aussparung, seitlich in der Systemhülse greift.

Geradezugverschlüsse verschiedener Bauart, zu denen auch einige Kniegelekverschluss-Konstruktionen gehören, sind wie Drehverschluss und Drehkopfverschluss, die sich im Verschlussträger drehen, konstruktionstechnische Zylinderverschlüsse.

Besonderheiten

Verschlüsse selbstladender Waffen

Verschlüsse selbstladender Waffen werden nach Abgabe des Schusses automatisch geöffnet, um die abgeschossene Hülse auszuwerfen und das Schlagstück zu spannen. Das Öffnen des Verschlusses darf auch hier erst dann erfolgen, wenn der Gasdruck im Lauf auf einen ausreichend niedrigen Wert gesunken ist. Dies ist kurz nach dem Austritt des Geschosses aus der Laufmündung der Fall. Es muss jedoch noch ausreichend Energie für den Antrieb des Verschluss- und Verriegelungsmechanismus zur Verfügung stehen. Die „Verschlusssteuerung“ in Abhängigkeit von der verwendeten Munition bildet also ein zentrales, konstruktives Problem für den Bau von Selbstladern.

Einzelnachweise

  1. Grafik Masseverschluss
  2. Grafik Rollenverschluss
  3. Grafik Kippblockverschluss

Literatur