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Irish Republican Army

Die Irish Republican Army (IRA, deutsch: Irisch-Republikanische Armee, irisch: Óglaigh na hÉireann) ist eine paramilitärische Gruppe, die die Befreiung Nordirlands von der britischen Besatzung, die Loslösung von Großbritannien und die Vereinigung mit Südirland in der Republik Irland zum Ziel hat. Sie ist traditionell eng mit der Partei Sinn Féin verbunden. Am 28. Juli 2005 schwor die IRA der Gewalt ab und versprach, ihre Ziele von da an auf demokratischem und politischem Wege erreichen zu wollen.

Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Entwicklung der IRA seit 1916. Auf die neuere Geschichte seit 1969 geht der Artikel über die Provisional Irish Republican Army detailliert ein.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung

Die Irisch-Republikanische Armee (Irisch: Óglaigh na hÉireann) entstand aus dem Zusammenschluss eines Teils der Irish Volunteers mit der Gewerkschaftsmiliz Irish Citizens Army nach dem Osteraufstand von 1916, und bildet den militärischen Teil der irischen Unabhängigkeitsbewegung.

Nach der einseitigen Unabhängigkeitserklärung durch das irische Parlament 1919 führte die IRA bis 1921 Krieg gegen die britische Besatzung (Anglo-Irischer Krieg). 1921 wurde die Teilung Irlands im Anglo-Irischen Vertrag festgeschrieben. Die IRA und die damalige Regierungspartei Sinn Féin spalteten sich jeweils an der Frage, ob man dem Vertrag zustimmen soll oder nicht. Die Vertragsgegner verblieben in der IRA, die in der Folge in beiden Teilen Irlands verboten wurde. Der irische Ministerpräsident Arthur Griffith setzt auf Druck der Briten am 28. Juni 1922 erstmals Waffengewalt gegen die IRA ein. In dem darauf folgenden Irischen Bürgerkrieg bekämpften sich beide Seiten erbittert, bis die IRA im Mai 1923 kapitulierte.

Die weitere Geschichte der IRA war vom Streit zweier Strömungen geprägt: auf der einen Seite eine linke Strömung, die die IRA auf einen antikapitalistischen Kurs festlegen wollte, auf der anderen Seite eine oft als traditionalistisch oder militaristisch bezeichnete Strömung, die sich im Wesentlichen als unpolitisch begriff. Mit einer Reihe von Bomben-Kampagnen in Nordirland und Großbritannien versuchte diese Strömung, die Regierung Großbritanniens zum Rückzug aus Nordirland zu bewegen.

Die linke Fraktion verzeichnete in den 30er Jahren einige Erfolge bei dem Versuch, die Spaltung zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland zu überwinden. Mit dem Republican Congress unternahm sie 1934 einen vielbeachteten Versuch, die IRA in eine antifaschistische Volksfront einzubinden. Die Weigerung der IRA-Führung, diesen Kurs mitzutragen, führte zu einer erneuten Spaltung. Frank Ryan führte einen Teil der Congress-Fraktion nach Spanien, wo sie im Spanischen Bürgerkrieg gegen Franco kämpften.

Im Zweiten Weltkrieg versuchte die IRA, getreu dem Motto „Englands Schwierigkeit ist Irlands Chance“ sogar mit Nazi-Deutschland zusammenzuarbeiten, um England zu schaden. Die Regierungen beider irischer Staaten antworteten mit Internierungen, zahlreiche Republikaner verbrachten die Kriegsjahre in Gefangenschaft. Von 1945 bis 1967 führte die IRA ein Schattendasein am Rande der Auflösung und wurde immer bedeutungsloser.

Das brutale Vorgehen der nordirischen Polizei gegen die Bürgerrechtsbewegung und die Überfälle loyalistischer Paramilitärs riefen 1967 die IRA wieder auf den Plan. Zu dieser Zeit und bis Ende der 80er Jahre lebten nordirische Katholiken quasi in einem rechtsfreien Raum und waren der Willkür der von Großbritannien unterstützten nordirisch-protestantischen Polizeitruppen und paramilitärischen Gruppierungen ausgeliefert. Nachdem sie jahrelang Opfer von offener Gewalt und Verfolgung bis hin zu Diffamierungen, Folter, Morden und Ausschluss von qualifizierter Ausbildung und öffentlichen Ämtern wurden, unterstützten sie zu weiten Teilen die bereits totgesagte IRA, welche quasi den Status einer „Schutzmacht“ erlangte.

Die Differenzen in den 60ern zwischen den militärisch orientierten Provisionals und den eher marxistisch-theoretisch ausgerichteten Officials führten 1969 zur erneuten Spaltung in die Provisional Irish Republican Army PIRA und die „offizielle“ Fraktion OIRA, die sich stark an der Bürgerrechtsbewegung orientierte. Der „offizielle“ Flügel der IRA löste sich nie formal auf, spielt aber de facto seit etwa 1980 keine Rolle mehr, so dass seitdem im Allgemeinen die „Provos“ gemeint sind, wenn von „der IRA“ die Rede ist.

In den 80er Jahren wechselte die Führung der Provisional IRA; anstelle der Veteranen aus dem Süden übernahmen jüngere Aktivisten aus Nordirland die Schlüsselpositionen. An die Spitze der Sinn Féin trat Gerry Adams, der die Partei deutlich nach links führte. 1993 initiierte er gemeinsam mit dem Sozialdemokraten John Hume den Friedensprozess, im August 1994 erklärte die IRA einen einseitigen Waffenstillstand, der die Voraussetzung für das Karfreitags-Abkommen schuf. Dieses wurde von den protestantischen Paramilitärs niemals anerkannt, so dass auch einige Aktivisten der IRA ihre Teilnahme am Waffenstillstand aufkündigten. Trotz des Waffenstillstandes blieb die IRA weiter aktiv.

Nur zwei sehr kleine Splittergruppen hielten bis zuletzt am Kriegszustand fest: Die Real IRA und die Continuity IRA. Bei einem Autobombenanschlag der Splittergruppe, die sich als "Real IRA" bezeichnete, im August 1998 im nordirischen Omagh kamen insgesamt 29 Menschen ums Leben.

Am 28. Juli 2005 erklärt die IRA das Ende des bewaffneten Kampfes. „Alle IRA-Einheiten sind angewiesen worden, ihre Waffen niederzulegen,“ heißt es in einer Erklärung der IRA vom Tage und weiter: „Wir glauben, dass es jetzt einen alternativen Weg gibt, (…) die britische Herrschaft in unserem Land zu beenden.“ Am 26. September 2005 wurde die vollständige Entwaffnung der IRA vom Leiter der internationalen Entwaffnungskommission, dem kanadischen General John de Chastelain, bekannt gegeben. Der Kommission gehörte auch der protestantische Pfarrer Harold Good an.

Vom radikalen Protestantenführer Pfarrer Ian Paisley wird die mangelnde Transparenz der Entwaffnung kritisiert, da es vereinbarungsgemäß weder Fotos noch Angaben über den Umfang des abgegebenen Waffenarsenals gibt.

Am 29. Oktober 2005 sprach der Sinn Féin-Vorsitzende Gerry Adams erstmalig davon, dass der Krieg der IRA „offensichtlich zu Ende“ sei. Dies entspricht einer Formulierung, die von britischen Unionisten seit Jahren gefordert wurde, wenn von der IRA und ihrem Kampf die Rede war.

Hungerstreiks

Eng verbunden mit der Politik der IRA ist der Widerstand gegen Besatzung und Repression in der Gefangenschaft mittels Hungerstreik. Diese Aktionen führten zu vielen Todesfällen:

Noch heute ist das Symbol des Hungerstreiks, das „H“ (Kurzform für H-Block), überall als Logo in den katholischen Gebieten von Belfast zu sehen, beispielsweise an Häuserwänden, Bäumen, öffentlichen Gebäuden und Kirchen.

Siehe auch

Filme und Filmzitate

Literatur

Belletristik