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Kinshasa

Kinshasa
Basisdaten
Staat: Demokratische Republik Kongo
Provinz: Kinshasa
Koordinaten: 4° 19' 54" S, 15° 18' 50" O Koordinaten: 4° 19' 54" S, 15° 18' 50" O
Höhe: 350 m ü. NN
Fläche: 9.965 km²
Einwohner: 8.096.254 (1. Januar 2006)
Bevölkerungsdichte: 812 Einwohner je km²
Stadtgliederung: 24 Gemeinden
Offizielle Website: www.kinshasa.cd
Gouverneur: André Kimbuta Yango
Lage

Kinshasa (bis 3. Mai 1966 frz. Léopoldville, Kurzform Léoville, ndl. Leopoldstad, dt. auch Leopoldstadt) ist die Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo. Die Stadt hat circa 8,1 Millionen Einwohner, die Agglomeration 9,3 Millionen (Schätzung jeweils 1. Januar 2006) und ist damit hinter Kairo und Lagos die drittgrößte Metropolregion Afrikas.

Der Hauptstadtdistrikt der Neutralen Stadt (frz. Ville neutre) hat den Status einer Provinz und wird von einem Gouverneur regiert, der vom Präsidenten ernannt wird. Kinshasa ist das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes. Die Stadt ist Sitz der kongolesischen Regierung, des Parlaments, aller staatlichen Zentralbehörden sowie zahlreicher diplomatischer Vertretungen.

Kinshasa ist der bedeutendste Verkehrsknotenpunkt des Landes mit dem internationalen Flughafen Aéroport international de Ndjili und besitzt zahlreiche Universitäten, Hochschulen und Museen.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Kinshasa liegt am Pool Malebo am Kongo-Fluss direkt gegenüber von Brazzaville, der Hauptstadt der Republik Kongo, 350 Meter über dem Meeresspiegel.

Vor dem Durchbruch durch die Niederguineaschwelle staut sich der wasserreiche Kongo zu einem See, dem Pool Malebo, auf, der etwa 30 Kilometer lang, 21 Kilometer breit und maximal 16 Meter tief ist.

Der Kongo ist erst oberhalb des Pool Malebo schiffbar.

Das Verwaltungsgebiet der Hauptstadt hat eine Fläche von 9.965 Quadratkilometern. Davon hat allein die im Osten gelegene ländlich geprägte Kommune Maluku mit 7.948,8 Quadratkilometern einen Anteil von rund 80 Prozent.

Stadtgliederung

Kinshasa gliedert sich in 24 Gemeinden (communes).

  • Bandalungwa
  • Barumbu
  • Bumbu
  • Gombe
  • Kalamu
  • Kasa-Vubu
  • Kimbanseke
  • Kinshasa
  • Kintambo
  • Kisenso
  • Lemba
  • Limete
  • Lingwala
  • Makala
  • Maluku
  • Masina
  • Matete
  • Mont Ngafula
  • Ndjili
  • Ngaba
  • Ngaliema
  • Ngiri-Ngiri
  • Nsele
  • Selembao

Siehe auch: Liste der Gemeinden von Kinshasa

Klima

Die Stadt befindet sich in der tropischen Klimazone. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 25,3 Grad Celsius, die jährliche Niederschlagsmenge 1.378 Millimeter im Mittel.

Die durchschnittlichen Temperaturen liegen das ganze Jahr über zwischen 22 und 26,8 Grad. Die wärmsten Monate sind März und April mit durchschnittlich 26,7 bis 26,8 Grad Celsius, der kälteste der Juli mit 22,0 Grad Celsius im Mittel.

Hauptregenzeit ist zwischen Mai und Oktober. Der meiste Niederschlag fällt im November mit durchschnittlich 236 Millimeter, der wenigste von Juni bis August mit ein bis fünf Millimeter im Mittel.

Geschichte

Historischer Überblick

Der Ort wurde am 3. Dezember 1881 von Henry Morton Stanley als Handelsposten gegründet und zu Ehren des damaligen belgischen Königs Leopold II. Léopoldville genannt. 1898 wurde die Eisenbahn zur Küstenstadt Matadi fertiggestellt. Nach der Verlegung der Hauptstadt des Belgisch-Kongo von Boma nach Léopoldville im Jahre 1923 erlebte die Stadt ein rasches Wachstum.

Léopoldville hatte Mitte der 1930er Jahre etwa 40.000 Einwohner, davon ungefähr 2.500 Europäer. 1945 wurde die Einwohnerzahl auf 100.000 geschätzt. Bis Anfang der 1950er Jahre stieg die Zahl auf 250.000, davon 15.000 Europäer an, zudem erhielt die Stadt eine Hochschule. Administrativ war die Universität Lovanium an die Katholische Universität Löwen angegliedert.

Vor der Unabhängigkeit bestand Léopoldville aus einer Europäerstadt und einer Afrikanerstadt (Quartier Indigène), wobei die Bewohner des einen Teils den anderen nach 21 Uhr abends nicht ohne Sonderausweis betreten durften. Um 1950 erhielt die Stadt das mit 70.000 Plätzen größte Stadion des Kongo.

1960 war Léopoldville mit etwa 400.000 Einwohnern die größte Stadt Zentralafrikas. Mit der Unabhängigkeit wurde es Hauptstadt der unabhängigen Demokratischen Republik Kongo. Nach der Machtergreifung 1965 von Joseph-Désiré Mobutu wurde Léopoldville 1966 umbenannt nach dem Namen eines ehemaligen Dorfes Kinshasa, das im Stadtgebiet lag.

Im September 1996 begann, verstärkt unter anderem durch Flüchtlingsströme aus Ruanda und Burundi, im Osten des Landes eine Rebellion unter Führung von Laurent-Désiré Kabila, die militärisch von Ruanda und Uganda unterstützt wurde. Obwohl er lange nicht ernst genommen wurde, gelang Kabila am 16. Mai 1997 der Sturz des alten, schwer kranken und international mittlerweile isolierten Mobutu, er zog mit seinen Truppen in Kinshasa ein und erklärte sich am 29. Mai 1997 zum neuen Präsidenten.

Einwohnerentwicklung

Die folgende Übersicht zeigt die amtlichen Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand, jeweils bezogen auf das verwaltungsmäßige Stadtgebiet. Wie in vielen anderen Metropolen bilden sich auch in Kinshasa vermehrt große Vororte und Satellitenstädte heraus, in denen das Hauptbevölkerungswachstum stattfindet. In der Agglomeration Kinshasa-Brazzaville leben 9.343.416 Menschen (Stand 1. Januar 2006). Verkehrs- und Handelssprache der Bevölkerung ist Lingala.

        Jahr         Einwohner
1920 1.600
1936 40.300
1938 35.900
1939 42.000
1947 126.100
1957 299.800
1959 402.500
1967 901.520
1968 1.052.500
        Jahr         Einwohner
1970 1.323.039
1974 1.990.700
1976 2.443.900
1984 2.664.309
1991 3.804.000
1994 4.655.313
2003 6.786.000
2005 7.787.832
2006 8.096.254

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

Im Nationalmuseum der Hauptstadt (Musee National de Kinshasa) sind Werke traditioneller kongolesischer Kunst zu sehen. Die Museen der Universität (Musée de l’Université de Kinshasa) beherbergen prähistorische und völkerkundliche Ausstellungen. Die Gebäude der Universität befinden sich in einer rechteckigen Anlage nahe einem Hang, auf dem eine Kapelle steht. Zwischen den Hügeln liegt der See Ma Valée, der von tropischem Regenwald umgeben ist.

Bauwerke

Die Cité de l'OUA beherbergt die Ministerien der Regierung der Demokratischen Republik Kongo. Das Diplomatenviertel liegt im Stadtteil Gombe. In der Zone de Matonge findet mit zahlreichen Restaurants und Bars das Nachtleben der Hauptstadt statt.

Sehenswert sind unter anderem das Gebäude der Societe Zairois de Commercialization (SOZACOM), das Hochhaus Hotel Memling, der Zentrale Markt und die Académie des Beaux-Arts. Erwähnenswert sind auch der Fischereihafen Kinkole und die Pagoden in den Gärten des Präsidentenpalastes in Nsele. Zu den historischen Bauwerken zählen das 1891 errichtete Gebäude der American Baptist Missionary Society und die 1914 fertiggestellte Römisch-Katholische Kathedrale.

Eine der wichtigsten Hauptstraßen ist der Boulevard du 30 Juin, benannt nach dem Tag der Unabhängigkeit des Landes am 30. Juni 1960. Dort befinden sich zahlreiche politische und wirtschaftliche Institutionen. Die fünf Kilometer lange Straße verbindet den Stadtteil Gombe im Süden mit Kintambo und der Baie de Ngaliema im Westen. Das 1967 auf Befehl des damaligen Präsidenten Mobutu Sese Seko demontierte sechs Meter hohe Reiterstandbild Leopolds II. befindet sich im Museum am Mont Ngaliema unterhalb des Verteidigungsministeriums.

Sport

In der Hauptstadt liegt das Nationalstadium Stade des Martyrs mit einem Fassungsvermögen von 75.000 Zuschauern. Es ist Spielstätte des elfmaligen kongolesischen Fußballmeisters DC Motema Pembe und des zehnmaligen Meisters AS Vita Club. Das Stade du 24 septembre mit einer Kapazität von 24.000 Plätzen ist Heimstätte des dreimaligen Gewinners der kongolesischen Fußballmeisterschaft AS Dragons.

Das Stade des Martyrs wurde 1994 mit chinesischer Unterstützung errichtet und ersetzte das alte Stade Tata Raphaël, in dem 1974 der als Rumble in the Jungle bekannt gewordene Kampf von Muhammad Ali und George Foreman stattfand. „Der Kampf im Dschungel“ war ein historischer Boxkampf, der am 30. Oktober 1974 stattfand. Er wurde organisiert vom Box-Promoter Don King und größtenteils von Diktator Joseph-Désiré Mobutu als Werbemaßnahme für sein Land und ganz Afrika finanziert. Zusammen mit dem Rahmenprogramm (ein Grosskonzert, bei dem unter anderem Miriam Makeba, James Brown, B. B. King, The Spinners und The Crusaders auftraten). Die gesamte Veranstaltung war für das Selbstwertgefühl der indigenen Bevölkerung Afrikas von ungeheurer Bedeutung, da andere Großereignisse, wie Olympische Spiele oder eine Fußball-WM auf diesem Kontinent bis heute nicht stattgefunden haben.

Einer der im Ausland bekanntesten kongolesischen Sportler ist der in Kinshasa geborene Claude Makélélé. Er wurde französischer und spanischer Fußballmeister und gewann 2002 mit Real Madrid die Champions League. 2005 und 2006 kam mit dem FC Chelsea die englische Meisterschaft hinzu.

Zu den besten Verteidigern der US-Basketball-Liga National Basketball Association gehört der in Kinshasa geborene Dikembe Mutombo. Er gewann viermal den NBA Defensive Player of the Year Award. Mutombo begann seine Laufbahn beim Basketballklub BC Onatra in Kinshasa.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Der industrielle Sektor der Hauptstadt hat sich vor allem um die Verarbeitung der vorhandenen Bodenschätze entwickelt. Bedeutend sind auch noch die Ölraffinerien sowie die Herstellung von Zement und Schwefelsäure. Wichtige Erzeugnisse sind Baustoffe, Papier, Reifen, Schuhe, Textilien, Zigaretten, Nahrungsmittel und Bier.

Der gesamte Bereich wurde durch den wirtschaftlichen Niedergang und vor allem die hohe Inflation seit 1990 schwer geschädigt. Verbreitet sind Misswirtschaft und Korruption. Es herrscht großer Devisenmangel, der den Import von Rohstoffen und Ersatzteilen verhindert.

Verkehr

Der internationale Flughafen der Stadt ist der Aéroport international de Ndjili. Er ist Sitz der drei größten Fluggesellschaften des Landes, der Bravo Air Congo, der Hewa Bora Airways und der Wimbi Dira Airways. 2004 wurden auf dem Flughafen 516.345 Passagiere abgefertigt.

Der Schiffsverkehr auf dem Kongo endet wegen der vielen Stromschnellen flussabbwärts, die eine Schifffahrt unmöglich machen, in der Hauptstadt. Personen und Güter werden von dort zum Hafen von Matadi am Atlantischen Ozean weitertransportiert.

Das Verkehrswesen der Hauptstadt ist sehr unterentwickelt. Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) wird fast ausschließlich von dieselbetriebenen Omnibussen betrieben. Die Straßen sind in teilweise schlechtem Zustand und in der Stadt existiert kein leistungsfähiges öffentliches Verkehrssystem mit hoher Kapazität, wie eine U-Bahn, Stadtbahn oder Straßenbahn, das die Straße entlasten würde.

Bildung

Die Stadt ist Sitz zahlreicher Universitäten, Hoch- und Fachschulen, Forschungsinstitute und Bibliotheken. Zu den wichtigsten Universitäten gehören: Université de Kinshasa (UNIKIN), Université américaine de Kinshasa, Université cardinal Malula, Université chrétienne de Kinshasa (UCKIN), Université centrale de Kinshasa, Université Kinshasa Binza, Université libre de Kinshasa (ULK), Université pédagogique nationale (UPN), Université protestante du Congo (UPC), Université Simon Kimbangu und Université William Booth (UWB).

Weitere bedeutende Bildungseinrichtungen sind: Académie des Beaux-Arts, Centre interdisciplinaires pour l’éducation permanente (CIDEP), Institut des bâtiments et des travaux publics (IBTP), Institut facultaire des sciences de l'information et de la communication (IFASIC), Institut national des Arts (INA), Institut supérieur de commerce (ISC), Institut supérieur des techniques appliquées (ISTA), Institut Supérieur de Statistique de Kinshasa (I.S.S./KIN), Institut supérieur des arts et métiers (ISAM), Institut supérieur pédagogique (ISP) und Facultés catholiques de Kinshasa (FACAKIN).

Söhne und Töchter der Stadt