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Mick Ronson

Mick Ronson (* 26. Mai 1946 in Hull; † 29. April 1993 ebenda) war ein britischer Gitarrist, Komponist, Multiintrumentalist, Arrangeur und Produzent.

Inhaltsverzeichnis

Die Anfänge

Als Kind spielte Mick schon Klavier, Geige und Harmonium. Er wollte zunächst Cello-Spieler werden, wechselte aber schnell zur Gitarre, wobei er durch den seinerzeitigen Wirbel um Duane Eddy oder die Yardbirds inspiriert wurde. Mit 17 Jahren spielte er erstmals in einer lokalen Band („The Mariners“). Diese hatten ihren ersten Auftritt als Vorgruppe in einem fast 60 km von Hull entfernten Städtchen und bekamen dafür 10 Shilling.

Daneben spielte Ronson in einer weiteren lokalen Band, „The Crestas“. Diese bekamen durch Ronson einen gewissen Bekanntheitsgrad und ein festes Engagement in örtlichen Clubs und anderen Veranstaltungsorten: montags im „Halfway House“ in Hull, donnerstags im „Ferryboat-Hotel“, freitags im „Regal Ballroom“ in Beverley und sonntags beim Duke (Herzog) von Cumberland.

1965 verließ Ronson die Crestas, um sein Glück in London zu versuchen. Er nahm einen Teilzeitjob als Mechaniker an und spielte in einer kleinen Band namens „The Voice“, wo er Miller Anderson ersetzte. Bald danach verließ der Schlagzeuger die Band und wurde ersetzt durch den früheren Drummer der Crestas, Dave Bradfield. Als Ronson und Bradfiel eines Tages von einem Wochenendtrip in Hull nach London zurückkehrten, fanden sie ein einziges Chaos in ihrer Wohnung vor und einen Zettel, „dass der Rest der Gruppe zu den Bahamas gezogen wäre“. Ronson blieb in London und spielte kurzzeitig in einer Soul-Band namens „The Wanted“, bevor er schließlich ganz nach Hull zurückkehrte.

1966 wechselte Ronson zu einer anderen lokalen Band („The Rats“), die regelmäßig im Zirkus auftrat und auch einige relativ erfolglose Konzerte in London und Paris spielte.

Im Jahr 1968 – The Rats waren mittlerweile der Psychedelic-Schiene verfallen – änderte die Band ihren Namen in „Treacle“ und nahm zwei Demos auf, bevor sie 1969 wieder zu ihrem Originalnamen zurückkehrten. 1970 spielte Ronson als Studiomusiker auf der LP „Fully Qualified Survivor“ des Folk-Gitarristen Michael Chapman. Fast gleichzeitig lösten sich die Ratten auf.

Ruhmreiche Jahre

Im Frühjahr 1970 kam John Cambridge, der schon mit Ronson bei den Rats gespielt hatte, nach Hull, um Mick Ronson für eine neue Begleitband David Bowies namens „The Hype“ zu verpflichten. Er fand Ronson als Gärtner vor der städtischen Gärtnerei vor, der Rugbyfelder markierte. Nach langem Zureden war Ronson schließlich widerstrebend bereit, Cambridge zu einem Treffen mit Bowie zu begleiten.

Zwei Tage später, am 05. Februar, folgte sodann der erste gemeinsame Auftritt von Bowie und Ronson bei der Sonntagsshow von John Peel. „The Hype“ spielten in der Besetzung David Bowie, Mick Ronson, John Cambridge und Tony Visconti und traten in Kostümen von „Superhelden“ auf. Kurz danach verließ Cambridge die Band und wurde durch Woody Woodmansey ersetzt. Im April 1970 begannen die Aufnahmen zu Bowies Album „The Man Who Sold The World“, auf der dann erstmals der maßgeblich von Jeff Beck beeinflusste Gitarrensound von Mick Ronson zur vollen Geltung kam.

Noch während der Aufnahmezeit unterschrieb die Band einen Plattenvertrag bei Vertigo Records. Von den früheren Rats kam Benny Marshall als Sänger, und die Band wollte als The Hype (ohne David Bowie) ein eigenes Album herausgeben. Es erschien jedoch nur eine Single „The Fourth Hour of My Sleep“, einem Lied, dass von Tucker Zimmermann, einem Freund Tony Viscontis geschrieben wurde (und nicht von Bob Dylan, wie andere Quellen berichteten). Die B-Seite der Single war eine Eigenkomposition von Mick Ronson und Benny Marshall mit dem Titel „Power of Darkness“. Die Langspielplatte wurde nie fertiggestellt.

Bei der Aufnahme des nächsten Bowiealbums „Hunky Dory“ wurde Tony Visconti, der sich nun gänzlich auf das Produzieren verlegte, durch Trevor Bolder ersetzt, und neu kam der Keyboarder Rick Wakeman hinzu. Mick Ronson und David Bowie kümmerten sich gemeinsam um die Arrangements, und das ergab, dass im Gegensatz zu den Hardrock-Klängen der vorhergehenden Alben nunmehr Ronsons orchestrale Arrangements die „Hauptrolle“ übernahmen und Bowies Kompositionen weitaus melodiöser gestalteten.

Die gleiche Band, jedoch jetzt ohne Rick Wakeman, spielte dann als „The Spiders From Mars“ das nächste Bowiealbum „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“ ein. Wieder wurde Mick Ronson der Schlüsselpart bei dieser Aufnahme, durch seine Arrangements, unterschiedliche Instrumentalisierung und nicht zuletzt durch perfektes Gitarrenspiel. Dieses Album kehrte zu den härteren Klängen der früheren Bowieaufnahmen zurück, und David Bowie bekundete seine Anerkennung für Mick Ronson, als er bei den Promotion-Tourneen für die Platte jeweils andeutete, Mick Ronsons Gitarre zu küssen.

Während dieser Zeit wurde Mick Ronson auch Co-Produzent von Lou Reeds Album „Transformer“ und spielte Klavier bei der Aufnahme zu Reeds Song „Perfect Day“. Gemeinsam mit David Bowie schrieb er den Titel „The Man Who Sold The World“ für Lulu, für Dana Gillespie spielte er einige Aufnahmen ihres Albums „Weren’t Born a Man“ ein.

Auch auf den nächsten beiden Alben von David Bowie, „Aladdin Sane“ und „Pinups“ war die Gitarre Ronsons unverkennbar, sodass viele schon annahmen, dass Ronsons Mitwirken für Bowie unverzichtbar geworden sei. Umso größer war die Überraschung, dass er bei dem nächsten Album „Diamond Dogs“ nicht mehr vertreten war.

Nach einem „Abschiedskonzert“ von Bowies Begleitband im Jahr 1973 veröffentlichte Mick Ronson drei Solo-Alben. Zudem begann er eine fruchtbare Zusammenarbeit mit Ian Hunter und dessen Gruppe Mott The Hoople und war an deren Single-Hit „Once Bitten, Twice Shy“ maßgeblich als Arrangeur, Co-Produzent und Co-Texter beteiligt. 1980 erschien das Livealbum „Welcome to the Club“, das zur kompletten Retrospektive der gemeinsamen Arbeit Hunter/Ronson werden sollte, aber auch einige neue gemeinsame Aufnahmen enthielt. Viel später, im Jahr 1990, war Ronson auch auf Hunters Soloalbum „Yui Orata“ vertreten, und 1993 spielte er erneut für David Bowie den Titel „I Feel Free“ (im Original von The Cream) für das Album „Black Tie White Noise“ ein. Ronson und Bowie hatten diese Version bereits während der Zeiten von Ziggy Stardust stets bei Livekonzerten gespielt.

Das letzte Soloalbum von Mick Ronson „Heaven And Hull“ erschien 1994 und wurde teilweise erst nach seinem Tod fertiggestellt und veröffentlicht.

Die letzten Jahre

Neben David Bowie und Ian Hunter arbeitete Mick Ronson als Begleitmusiker, Songwriter und Plattenproduzent für so unterschiedliche Künstler wie Morrissey, The Wildhearts, The Rich Kids (einschließlich Glen Matlock und Midge Ure), Elton John, John Cougar Mellencamp, Dalbello, Van Morrison, Ellen Foley, Leather Nun, Genya Ravan u.a.m. Dabei beschränkte er sich aber nicht auf etablierte Künstler, sondern förderte ständig neue, mitunter auch obskure Projekte wie „The Payolas“, „Phil Rambow“ oder „Los Illegals“. Er hatte Zeit seines Lebens die Passion, unbekannten Künstlern eine Chance zu geben und unterstützte auf diese Weise viele lokale Bands aus Hull auf ihrem Weg.

Mick Ronson war 1975 ein Mitglied von Bob Dylans Liveband Rolling Thunder Revue, die bis in den Mai 1976 hinein den Nordosten der USA und Kanada bereiste, um vierstündige Konzerte zu absolvieren und den Film „Renaldo & Clara“ zu drehen. 1984 produzierte und spielte er - zusammen und nur im duett mit [lisa dalbello] - das album 'woman foursays' ein.

Sein letztes großes Liveprojekt war die Teilnahme beim Freddie Mercury Tribute Concert am 20. April 1992, wo er „All The Young Dudes“ mit David Bowie und Ian Hunter sowie „Heroes“ und „The Lords Prayer“ allein mit David Bowie spielte.

Auf dem 1993er-Album „Earth Vs The Wildhearts“ der Band The Wildhearts spielte Mick Ronson sein letztes veröffentlichtes Gitarrensolo in dem Lied „My Baby Is A Headfuck“.

Mick Ronson starb am 29. April 1993 im Alter von nur 46 Jahren an Leberkrebs. Insbesondere in seiner Heimatstadt Hull ist er unvergessen, dort wurde ihm zu Ehren die „Mick Ronson Memorial Bühne“ errichtet.

Diskografie/Soloalben

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Personendaten
Ronson, Mick
britischer Gitarrist, Komponist, Multiintrumentalist, Arrangeur und Produzent
26. Mai 1946
Hull
29. April 1993
Hull