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Liebstedt

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Koordinaten: 51° 3′ N, 11° 25′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Weimarer Land
Verwaltungsge-
meinschaft:
Ilmtal-Weinstraße
Höhe: 250 m ü. NN
Fläche: 8,87 km²
Einwohner: 457 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 52 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99510
Vorwahl: 036462
Kfz-Kennzeichen: AP
Gemeindeschlüssel: 16 0 71 052
Adresse der Gemeindeverwaltung: Lange Straße 49
99510 Liebstedt
Webpräsenz:
www.vg-ilmtal-weinstrasse.de
Bürgermeister: Heinz Sperlich

Liebstedt ist eine Gemeinde im Nordosten des Landkreises Weimarer Land und Teil der Verwaltungsgemeinschaft Ilmtal-Weinstraße, mit dem Ortsteil Goldbach.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Liebstedt liegt mit dem östlich gelegenen Ortsteil Goldbach im Südosten des Thüringer Beckens, in einer flachen Talmulde des kleinen Ettersberges, im Städtedreieck Weimar, Apolda und Buttstädt.

Geschichte

„Liuprehtestat“ wurde in den Annalen des Klosters Fulda 876 erstmals genannt. Es ist allerdings nicht fundiert, ob es sich um das hiesige Liebstedt handelt. Die erste urkundlich fundierte Erwähnung fand Liebstat in einer Urkunde Otto I. aus dem August des Jahres 956, welche besagte: „Der König Otto überlässt, seiner Tochter Mathilde wegen, dem Kloster Quedlinburg sein Eigentum in der Ortschaft Liebstat und Azmenstat (Oßmannstedt) in Thüringen, und zwar in der Grafschaft Wilhelms gelegen, eigentümlich“. Von dieser Schenkung an, zählt in Liebstedt die eigentliche Zeitrechnung.

(Anm.: Das Kloster Quedlinburg wurde und wird als Damenstift bezeichnet, deren oberste Äbtissin Mathilde wurde.)


Liebstedt blieb bis zum Jahr 1300 im Eigentum des Klosters Quedlinburg. Mit 26 Hufen zu je 40 Acker ging das Eigentum an das Kloster Pforta an der Saale über. Bereits vier Jahre später übergab das Kloster Pforta es an das Kloster Herzfeld. Erstmals traten die Herren „von Liebstedt“ in der Geschichte auf. Nach dem Aussterben der Ritterfamilie folgten die Grafen von Orlamünde-Weimar, die Grafen von Beichlingen und der Markgraf von Meißen und wurden Besitzer und Herren über Liebstedt.

Markgraf Friedrich von Meißen stellte am 1. Oktober 1331 auf der Wartburg eine Urkunde aus: „Markgraf Friedrich von Meißen vertauscht dem Deutschen Ritterorden Dorf und Feste Liebstedt mit Kirchlehen und allem Zubehör gegen die dem Orden gehörende Feste Wallhausen“. Als weiterer Beweis für dieses wichtige Ereignis existiert am Kommendegasthof noch ein Stein mit der Jahreszahl 1331 und dem Wappen des Deutschen Ritterordens.

Bis 1809, dem Jahr der Auflösung des Ordens durch Napoleon I., lenkte der Ritterorden die Geschicke Liebstedts, also fast 480 Jahre. Liebstedt nebst Ordensburg fiel an das Königreich Sachsen. Preußen, durch die Freiheitskriege (Wiener Kongress) Eigentümer geworden, trat das Dorf 1815 an das Großherzogtum Sachsen-Weimar ab. Mit der Gründung des Landes Thüringen 1920 wurde Liebstedt Staatsgut.

Sehenswürdigkeiten

Die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit, und diese Bezeichnung trifft es nicht annähernd, ist die eindrucksvolle Ordensburg - „ein historisches Kleinod“, wie sich Christine Lieberknecht auszudrücken pflegte. Christine Lieberknecht ist die Präsidentin des Thüringer Landtages und Schirmherrin der Ordensburg.

Ursprünglich im Mittelalter als Wasserburg gebaut, errichtete der Deutsche Ritterorden eine Komturei, einen Verwaltungsbezirk , der Liebstedt, Goldbach und Wohlsborn umfasste. Das besondere an dieser einmaligen Burganlage ist die Lage. Sie wurde als Niederungsburg auf eine der bedeutendsten mittelalterlichen Fernhandelsstraßen, der Kupferstraße, errichtet. Deren Ursprünge reichen sogar bis in die Frühgeschichte zurück. Bis 1846 verband die Straße Jütland im Norden mit Venedig im Süden. Wer über diese Straße reiste, musste zwangsläufig durch diese Burg. Die Ordensburg ist die einzige erhaltene Durchgangsburg in Europa.

Einzigartig ist auch das Verteidigungssystem, ein 3-fach-Graben-Wallsystem, eine Kombination aus Wassergraben, Trockengraben und Wallanlagen. Die Wallanlagen umschlossen sogar den ganzen Ort. Der Wassergraben, gefüllt mit Schichtwasser umschloss die Kernburg, und bildete so eine künstliche Insel, die nur über zwei Zugbrücken mit Tortürmen erreichbar war. Der Wassergraben ist heute zum Teil wieder rekonstruiert und befüllt.

Eine weitere stilistische Besonderheit stellt die Backsteinbauweise dar. Bei einen tiefgreifenden Umbau im 15. Jahrhundert wurde die in diesen Breiten bis dato unbekannte Bauweise angewandt und verbreitete sich wohl von hier ausgehend, gefördert durch den Deutschen Ritterorden, in ganz Thüringen (Backsteingotik).

Der Komplex umfasst heute noch zirka vier Hektar. Die Vorburg, die als Wirtschaftshof (Remise für Kutschen und Wagen, Stallungen, Wohnungen für das Gesinde) diente, zeigt auch in der Scheune eine hierzulande eher unübliche Dachkonstruktion ohne vertikale Stützbalken.

Das gesamte Burggelände wird seit 2006 durch die Ordensburg-Gilde bewirtschaftet. Durch jährliche Veranstaltungen, wie das Thüringer Sängertreffen im Juni, das Gautschfest im August, das Kaisermanöver im September und fast monatlichen Mittelalterspektakeln wird die Burg wieder zum Leben erweckt und ist zu einem kulturellen Zentrum Thüringens geworden und kann auch für private Zwecke genutzt werden.

Die Ordensburg wurde im Juli 2007 an einen privaten Investor für 4,5 Millionen Euro verkauft. Dieser plant ein Wellnesscenter für „betuchte Gäste“, so die regionale Presse.


Durch die Komturei hatte der Deutsche Ritterorden auch das alleinige Recht des Bierbrauens und -verkaufs. Das Bier wurde im Gut gebraut und der Gasthof war verpachtet. Durch die gute Lage an der Kupferstraße, war das Haus stets gut besucht. In den Ställe konnten bis zu 65 Pferde untergestellt werden. Nach dem Rückzug des Ritterordens, ging der Gasthof in Privatbesitz. Der letzte Ausschank im Gasthaus war im Jahr 1911.

Da die Gemeinde den Wunsch nach einen eigenen Gasthaus hegte, erhielt die Gemeinde 1552 die „Konzession zum Bier- und Branntwein-Ausschank sowie zur Kegelbahnwirtschaft“. Das heißt, das Bier durfte auf der Kegelbahn verkauft werden, das sogenannte „Beizapfen“ entstand.

1854 wurde das Gemeindeversammlungshaus erweitert. Nun konnte ein Wirt darin wohnen und das Schankrecht wurde nach hier verlegt, der Gemeinde-Gasthof, der „Ratskeller“ entstand. 1911 wurde ein Tanzsaal angebaut - 1955 ein Kulturraum und eine neue massive Kegelbahn. So entstand die für ein Dorf doch recht stattliche Größe. Der Ratskeller wird heute durch die Familie Ströhlein betrieben.


1914 bekam Liebstedt doch wieder ein Gasthaus. Durch den ersten Weltkrieg wurde der Bau unterbrochen und die Eröffnung des Gasthauses „Walter“ konnte erst 1919 erfolgen.


Der Grundstein für die heutige Kirche wurde 1742 gelegt, da die alte Kirche im Dreißigjährigen Krieg starkt zerstört wurde. Erst 1768 wurde das neue Kirchenschiff notdürftig fertiggestellt. Der Turm fehlte noch immer. Nach 200 Jahren wurde die Kirche vollendet (1938) und erhielt drei Glocken der Glockengießerei Ulrich aus Apolda. Die zwei großen Glocken wurden im 2. Weltkrieg (1941) allerdings eingeschmolzen.

Die Ordenspriester lebten zuerst in der Komturei (Ordensburg). Die Inschrift im Torbogen des heutigen Pfarrhauses gibt die Jahreszahl 1590 an. Durch zahlreiche große Brände in Liebstedt wurde die Pfarrei allerdings mehrfach zerstört. Das heutige Pfarrhaus entstand nach dem letzten Brand 1820.


die Pfarrlinde hat eine Umfang von 7,40 m (1,00 m über der Erde gemessen). Sie steht an der alten Kupferstraße in nördlicher Richtung (nach Buttstädt) und dürfte die 1050jährige Geschichte Liebstedts erlebt haben.


In südwestlicher Richtung befinden sich auf einem kreisrunden Hügel 16 Linden - 12 Bäume stehen im Kreis um 4 im Viereck stehende Bäume. Es handelt sich um eine alte Opferstätte. Grabungen und Funde im Jahr 1891 weisen auf ein Alter von 800 bis 400 v. Chr.

Alles weist darauf hin, dass hier Feuerzeichen gegeben wurden, als slawische Stämme ins Land einfielen.


„Persönlichkeiten“

DER CONSERVATOR - ein Ordensritter, der das Amt eines Richters/Friedensrichters ausübte

„Da er sein Amt wohl dareinst nicht allzu ernste ausübte und so beachtlichen Reichtum anhäufte“, soll er noch heute bei hellichten Tag als wesenlose Männergestalt in weißem Gewand und langer Kapuze umhergehen. Er schaut immer neugierig zur Burg herüber.

Ist jemand in seiner Nähe, so winkt er ihm einladend zu. Ist man dann an der Stelle angekommen, so findet man nur ein schwarzes Kreuz vor, welches jedoch verschwindet, versucht man es zu berühren oder nur die Stelle zu markiert, wo es erschien, um es wiederzufinden.

Es soll der Geist eines Ritters aus der Ordensburg sein, der Recht über Bauern und Kaufleute sprach. Sein Gewissen treibt ihn wohl zu derartigem Spuk.