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Operation Haudegen

Die Operation Haudegen galt im Jahr 1944 als geheime Kommandosache der Wehrmacht. Elf Soldaten wurden beauftragt, unter der Leitung des Meteorologen Dr. Wilhelm Dege (nach ihm wurde die Operation benannt) in Norwegen strategisch wichtige Wetterdaten für die Kriegsmarine zu sammeln. Im September 1944 wurde ein erster Versuch gestartet, von Narvik aus auf Spitzbergen zu landen. Das Kommando ging an Bord des Fischdampfers Carl J. Busch. Während der Überfahrt kollidierte das vorausfahrende U-Boot (U 354) mit dem kanadischen Flugzeugträger Nabob, einem Begleitschiff des alliierten Konvois JW.59. Der Dampfer kehrte daraufhin nach Narvik zurück. Im September 1944 wurde ein weiterer Versuch unternommen. Von Hammerfest aus – wieder im Geleit eines U-Boots – gerieten die Soldaten in der Nähe der Bäreninsel allerdings abermals in einen alliierten Geleitzug. Dennoch gelang die Landung auf Spitzbergen. Auf der Insel Nordostland wurde eine Wetterstation errichtet, welche über Monate stabil arbeitete. Über Funk erhielten die Männer Informationen über die Situation in der Heimat und den Zusammenbruch der Fronten. Im Mai 1945 brach der Funkverkehr der Soldaten nach Deutschland ab. Erst im August 1945 stellten sie die Anfrage, ob man sie abholen würde. Die Soldaten sendeten Notrufsignale auch auf den englischen Funkfrequenzen.

Nach einem im Jahr 2004 veröffentlichten Zeitzeugenbericht des ehemaligen deutschen Soldaten Heinz Schneider aus Dresden hatte die Wehrmacht die elf deutschen Soldaten auf der Insel vor Spitzbergen schlicht vergessen. Dennoch blieb der Trupp monatelang auf seinem Posten. Besonders die Wetterbedingungen zehrten an den Kräften. So mussten die Soldaten Temperaturen bis weit unter -40 °C ertragen. Zudem herrschte von Ende Oktober bis Anfang Februar Polarnacht. Auch Eisbären, die sich bis ins Lager der Soldaten schlichen, stellten eine Gefahr dar. Ebenso konnte eine medizinische Versorgung allenfalls improvisiert werden. Als einem Soldaten beispielsweise ein vereiterter Zahn gezogen werden musste, war eine Betäubung nur mit Rum möglich.

Am 4. September 1945 wurden die Soldaten von dem norwegischen Robbenfangschiff „Blaasel“ gerettet. Retter und Gerettete begegneten sich nach späteren Aussagen der Beteiligten respektvoll und fast schon freundschaftlich. Nachdem einige Ausrüstungsgegenstände getauscht wurden, musste Expeditionsleiter Dr. Dege dem Kapitän des Schiffes eine gesonderte Kapitulationserklärung unterschreiben. Dr. Dege legte als symbolischen Akt die Dienstpistole auf den Tisch der Wetterstation. Dies war somit die Kapitulation der letzten deutschen Wehrmachtseinheit im Zweiten Weltkrieg.

Siehe auch

Literatur

Artikel der Berliner Morgenpost http://www.morgenpost.de/content/2005/03/20/biz/742298.html