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Transgener Mais

Transgener Mais, in der Presse auch Genmais genannt, bezeichnet gentechnisch veränderten Mais. Das Ziel der Saatzucht-Industrie ist, eine höhere Resistenz gegenüber Krankheiten oder Parasiten (z. B. dem Maiswurzelbohrer oder Maiszünsler) zu erreichen, indem entsprechende Gene in das Erbgut eingeschleust werden. Weitere wichtige Ziele sind höhere Erträge, schnellere Reife und andere wirtschaftliche Faktoren.

Wie viele Anwendungen der Gentechnologie ist auch transgener Mais umstritten. Die Kritiker berufen sich darauf, dass die Folgen solcher Manipulationen vom Menschen nicht richtig abgeschätzt werden können. Ebenso führen sie an, dass gerade die Resistenz gegen Parasiten immer mit einem Giftstoff, der aufgrund des neuen Gens von der Pflanze erzeugt wird, einhergehe, und diese Giftstoffe oft nicht bekannt seien. Diese Giftstoffe könnten sich im Boden anreichern und geschützte Insekten schädigen.

Inhaltsverzeichnis

Bt-Mais

Der Bt-Mais ist eine Variante, in die ein Gen des Bakterium Bacillus thuringiensis eingeschleust wurde. Bacillus thuringiensis ist ein weltweit verbreitetes Bodenbakterium, das ein Gift (Bt-Toxin) produziert, das tödlich auf die Larven von Insekten der Ordnungen der Käfer, Schmetterlinge und Zweiflügler wirkt. Das Gen, das dieses Gift codiert, wurde in Mais sowie in eine Reihe weiterer Pflanzen eingebaut, um so eine Resistenz gegen Schädlinge wie den Maiszünsler (Ostrinia nubilalis) und den westlichen Maiswurzelbohrer zu erzielen, die unabhängig vom Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln ist.

Für den Menschen, als auch für Wirbeltiere ist das Toxin offensichtlich unschädlich, da es im Magen vollständig abgebaut wird. Mittlerweile sind mehr als 100 Patente auf verschiedene gentechnische Varianten des Proteins, des Bakteriums und der veränderten Pflanzen angemeldet worden.

Neben dem internen Schutz der Pflanzen vor spezifischen Schädlingen argumentieren die Befürworter des Anbaus von Bt-Mais vor allem mit der Aussage, dass der Bt-Mais weit weniger mit Pilzen und den zugehörigen, meist krebserregenden Giften der Pilze belastet ist. Dies liegt an der verringerten Fraßschädigung, die zugleich ein Ansammeln von Wasser in den Fraßgängen und damit ein Wachstum der Pilze verhindert.

Bt-Mais und Imkerei

Problematisch bei transgenen Maissorten ist die Gefahr der Vermischung des Genmaterials mit anderen - nicht transgenen - Maissorten, da diese dann nicht mehr als gentechnikfrei vermarktet werden können. Besonders schwierig ist es bei der Imkerei, diese Vermischung zu verhindern. Im Mai 2007 hat erstmals ein Gericht (Verwaltungsgericht Augsburg) einen Betreiber eines Ackers mit transgenem Mais (Mon 810) verpflichtet, den Mais am Blühen zu hindern - durch frühzeitige Ernte oder Abschneiden der einzelnen Blütenstände. Nur so könne verhindert werden, dass Bienenvölker in der Nähe des Maisackers auch transgene Maispollen einsammeln. Honig, der Mon-810-Pollen enthält, sei nicht als Lebensmittel zugelassen, argumentierte das Gericht. [1]

Bt-Mais in Naturschutzgebieten

In Naturschutzgebieten, in denen die Ausbringung von Bioziden untersagt ist, kann die Naturschutzbehörde den Anbau untersagen. Ein entsprechendes Urteil erließ im Jahr 2007 das Verwaltungsgericht Frankfurt an der Oder.[2] Danach ist der Anbau von Bt-Mais, der das insektizid wirkende Gift Bt-Toxin produziert, mit der im NSG verbotenen Ausbringung von Bioziden gleichzusetzen.

Bekannte Sorten

StarLink

StarLink war eine auf die USA beschränkte Bt-Mais-Variante von Aventis CropScience. Die kommerzielle Nutzung des Saatguts wurde von den US-Behörden nur mit der Auflage gestattet, dass keine für den menschlichen Verzehr bestimmten Produkte daraus entstehen dürften, da ein in StarLink eingefügtes Protein möglicherweise Allergien hervorrufen könnte. Als StarLink-Mais dann doch in Nahrungsmitteln nachgewiesen wurde, entwickelte sich ein PR-Desaster für Aventis, das schließlich zur kompletten Einstellung des Verkaufs von StarLink-Saatgut führte.

Anbau von Bt-Mais

Bt-Mais war einer der ersten genetisch veränderten Organismen, die wirtschaftlich im großen Stil angebaut und als Nahrungspflanzen genutzt wurden. Die Anbaufelder des Bt-Mais liegen vor allem in den USA, wo im Jahr 2000 bereits über zehn Millionen Hektar angepflanzt waren. Nach dortigem Recht muss direkt neben Feldern mit Bt-Mais immer auch nicht-Bt-Mais angebaut werden, um Resistenzentwicklungen bei Fraßinsekten zu vermeiden.

Das erste Pilotprojekt in Deutschland startete 1998 mit der Aussaat auf 350 Hektar im Rahmen der Sortenprüfung. Zu Beginn des Jahres 2000 wurde der Anbau jedoch auf massiven Druck verschiedener Umweltschutzgruppen (Greenpeace, BUND u.a.), sowie durch die damaligen Grünen-Minister Jürgen Trittin und Andrea Fischer, gestoppt. Mittels einer Weisung hob die frühere Bundesgesundheitsministerin die Unbedenklichkeitsbescheinigung des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 1997 auf und entzog somit der Zulassung die juristische Grundlage (siehe unten).

Auf das Verbot folgte ein politischer und institutioneller Streit um den Bt-Mais, der schließlich zu einem erneuten, legalisierten Testanbau von 12 Tonnen Mais auf einem 500 Hektar großen Feld führte. Dieses Feld soll kontrolliert beobachtet werden, um eine wissenschaftliche Datenbasis zu Nutzen und Gefahr des Genmais, zu erhalten. 2001 billigte das Europäische Parlament eine europaweite Freisetzungsrichtlinie für transgene Nutzpflanzen.

Eines der bekannteste Konstrukte ist Mon 810, entwickelt vom Saatgutkonzern Monsanto. Die EU-Kommission genehmigte im Jahr 2004 17 Maissorten der Linie Mon 810, nachdem beim Anbau in Spanien keine Probleme festgestellt wurden. In Deutschland wurden im Zulassungsverfahren 2006 insgesamt 5 Maishybride für den Anbau genehmigt. Außerdem ist seit 1998 Mon 810 als Futter- und Lebensmittel in der EU und der Schweiz erlaubt. Für den Anbau gilt dies nur teilweise. In einigen EU-Ländern (Polen, Ungarn und Österreich) ist die Kultivierung verboten, findet aber u.a. in Deutschland, Spanien und Tschechien aufgrund der ökonomischen Vorteile zunehmende Verbreitung. In Spanien, Deutschland und der Tschechien Republik werden in diesem Jahr zusammen über 20.000 ha Bt-Mais angepflanzt. Weltweit findet der Anbau von gentechnisch verändertem Saatgut (darunter auch Bt-Mais) auf mehr als 90 Millionen Hektar statt. Das entspricht einem Vielfachen der gesamten deutschen Ackerfläche (ca. 16 Millionen Hektar).

In Österreich ist bisher noch kein gentechnisch veränderter Organismus zur Freisetzung genehmigt worden. Auch in der Schweiz ist kein Bt-Mais als Saatgut zugelassen.

2007 wurde in Nordrhein-Westfalen erstmals die Auswinterung von transgenem Mais beobachtet - das heißt im Jahr nach dem Maisanbau keimten aufgrund des milden Winters transgene Maiskörner, was das Problem der unkontrollierten Ausbreitung transgener Pflanzen deutlich verschärft. [3]

Kontroverse um Bt-Mais

Der Entzug der Unbedenklichkeitsbescheinigung durch das Gesundheitsministerium wurde im Wesentlichen durch drei Argumente begründet:

Nach Ansicht der Bundesgesundheitsministerin (und anderer Gegner gentechnisch veränderter Lebensmittel) bestand die Gefahr,

Die Gefahr der Schädigung weiterer Insekten neben dem Schadinsekt Maiszünsler wird je nach Untersuchung unterschiedlich eingeschätzt. Während die Studie der Cornell-Universität von 1999 [4] eine mögliche Schädigung des Monarchfalters fand, wurden diese Wirkungen in Studien im Wissenschaftsjournal Proceedings of the National Academy of Sciences relativiert. Danach erreichte die Pollenkonzentration auf den Blättern der Seidenpflanzen selten für den Monarchfalter schädliches Niveau; nur ein Teil der Schmetterlinge ernähre sich von Pflanzen nahe der Maisfelder - und der Zeitraum des Pollenflugs der Maispflanze und der des Auftretens des Monarchfalter überlappten kaum[5].

Es gibt zahlreiche weitere Untersuchungen zu Wirkungen von Bt-Mais auf verschiedene Organismengruppen [6] - mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Während beispielsweise Honigbienen [7] und eine häufige Regenwurmart [8] bei Fütterungsversuchen mit Bt-Mais wenig geschädigt wurden, gab es bei Schmetterlingen deutlichere Effekte[9]. Der Maiszünsler, der durch den Bt-Mais bekämpft werden soll, gehört ebenfalls zu den Schmetterlingen. Raupen verschiedener Schmetterlingsarten wurden mit Pollen von Bt176, einer transgenen Maissorte mit sehr hohem Bt-Gehalt gefüttert. Die LD50, also die Dosis, bei der 50 % der Versuchstiere starben, lag etwa beim Tagpfauenauge bei 37-80 Maispollen, beim kleinen Kohlweißling ähnlich wie beim Maiszünsler bei 39 Pollen und bei der besonders empfindlichen Kohlmotte bei nur 8 Maispollen; Auf die Pollen der Bt-Maislinie Mon810, die einen sehr viel geringeren Toxingehalt aufweist, gab es allerdings auch bei mehr als 80 Pollen bei dieser Art keine erkennbare Schädigung. Die Forscher kamen in ihren Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass die 79 von ihnen in der Nähe des Bt-Maisfeldes kartierten Schmetterlingsarten bei Anbau von Bt-Mais hohen Toxin-Expression im Pollen potentiell gefährdet sind.

Bei allen durchgeführten Laborversuchen zu Bt-Mais sind die Bedingungen ganz andere als im Freiland und bei Anbau von großen Flächen mit Bt-Mais. Durch Zusammenwirken verschiedener Umweltwirkungen im Freiland ist eine stärkere Schädigung der Fauna durch Bt-Mais möglich.

Quellen

  1. taz-Artikel 12.05.2007 über den Konflikt Imkerei mit dem Anbau von "Genmais"
  2. Zeitschrift "Natur und Recht" (2007) 29: 626-628
  3. Transgener Mais überwintert erstmals in Deutschland
  4. Studie der Cornell Universität
  5. PNAS - Monarchfalter
  6. Biosicherheit.de
  7. Biosicherheit.de - Honigbiene
  8. Biosicherheit.de - Regenwurm
  9. Felke und Langenbruch

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