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Konstrukt

Dieser Artikel behandelt das theoretische Konstrukt, für das molekularbiologische Konstrukt siehe Konstrukt (Molekularbiologie).

Ein Konstrukt ist ein nicht direkt beobachtbarer Sachverhalt innerhalb einer wissenschaftlichen Theorie. Konstrukte sind somit gedanklicher bzw. theoretischer Natur. Das bedeutet nicht, dass der betreffende Sachverhalt nicht "existiert", sondern nur, dass er aus anderen, beobachtbaren Sachverhalten (sog. Indikatoren) erschlossen wird. Daher spricht man auch von latenten Konstrukten (oder latenten Variablen). Der Prozess des "Erschließens" heißt Operationalisierung.

Beispiel: das Konstrukt Intelligenz entzieht sich einer direkten Beobachtbarkeit, kann aber über einen Indikator wie den IQ gemessen werden.

Nach dem Soziologen Hans Wienold sind theoretische Konstrukte Begriffe, die geeignet sind, Beobachtetes aufeinander zu beziehen, ohne dass sie unmittelbar aus beobachteten Sachverhalten erschlossen werden. Im Gegensatz zur "strikt empirischen Wissenschaftskonzeption" stehend finden theoretische Konstrukte in neueren Wissenschaften Anerkennung als "sinnvolle Bestandteile wissenschaftlicher Theorien".[1]

Der Begriff Konstrukt ist eng verwandt mit dem Begriff Konzept. Das Konzept betont stärker, dass es sich um einen wissenschaftlichen oder theoretischen Begriff handelt, während bei dem Konstrukt die Betonung auf der Nicht-Beobachtbarkeit liegt.

Ideologischer Nutzen

Entweder es ist etwas konstruiert, dann ist es künstlich hergestellt, oder es existiert als Naturgegenstand oder als wahrnehmbares Phänomen, das einer Erklärung zugänglich ist. Ausgehend von einer erkenntnistheoretischen Position, die selbst kein Argument für die Existenz oder Erklärung bestimmter Phänomene hat, diese aber argumentlos im konstruierten Sinne als existent betrachten will (Beispiel: IQ-Test, Intelligenz), wird durch die Berufung auf die Schöpfung wissenschaftlicher Legitimität durch den Konstruktbegriff alles für real erklärt, was ein Wissenschaftler sich ausdenkt. Auch in der Naturwissenschaft kann ein Konstrukt eben nur eine unbewiesene oder auch unbeweisbare Annahme/Vorstellung darstellen. Es kann aber nicht behauptet werden, das Aufstellen der Annahme sei dem Umstand geschuldet, der Gegenstand, den man gerade konstruiert hat, sei nicht direkt beobachtbar. Das ist ein Widerspruch (s.o.).

Quelle

  1. Hans Wienold: Theoretische Konstrukte. In: Wienold u.a. Lexikon zur Soziologie. 1995
 Wiktionary: Konstrukt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik