Heim

Bohrplattform

Eine Bohrplattform ist eine künstliche Standfläche im Meer, die zum Niederbringen von Bohrungen dient, meistens auf der Suche nach Erdöl oder Erdgas.

Inhaltsverzeichnis

Bauarten

Es können fünf Bauarten unterschieden werden:

Die Bohrplattform wird nach Fertigstellung einer oder mehrerer Bohrungen zur nächsten Lokation geschleppt/gefahren. Zur Förderung des Erdöls/Gas wird nun eine Förderplattform über die Bohrlöcher platziert die dann die Förderung, Aufbereitung und den Weitertransport übernimmt.

Die größte jemals gebaute Förderplattform ist die norwegische Sea Troll der Erdölgesellschaft Statoil mit einer Million Tonnen Wasserverdrängung. Sie misst vom Sockelboden bis zur Spitze des Gasfackelmastes 472 m Höhe und steht auf dem Meeresboden in 303 Meter Meerestiefe. Im Vergleich zum Eiffelturm von Paris, würde die Sea Troll den Eiffelturm um 172 Meter übertreffen.

Einsatzmöglichkeiten

Von Bohrplattformen aus wird entgegen verbreiteter Meinung meist nicht nur senkrecht in die Tiefe gebohrt. Die heute bestimmende Einsatzmöglichkeit in der Offshore-Förderung besteht darin, von einem Punkt aus in mehrere Richtungen zu bohren. Durch dieses Richtbohren ist es möglich, eine Lagerstätte auch von der Seite zu erschließen. So können von wenigen (teuren) Bohrinseln aus die oft weitläufigen Lagerstätten erreicht werden.

Eine besondere Form von Bohrinseln sind die am Rand der Antarktis in geringer Zahl verwendeten Forschungsbohrinseln, die sowohl untermeerisch als auch „untereisisch“ Bohrungen niederbringen, meistens um geologische Forschung zu betreiben, zum Beispiel geologische Klimaforschung und paläontologische Geologie oder um Seismographen zur Erdbebenvorsorge und -erforschung anzubringen.

Auch dienen Bohrinseln meistens als Wetterstationen und unterstützen mit ihren Messwerten die über den Ozeanen meistens nur spärlich vorhandenen Daten für die Wetterberechnungen.

Entsorgung

Nachdem zum Beispiel die Ölfelder ausgeschöpft sind, besteht zumindest theoretisch die Möglichkeit, die Förderplattform zu versenken und auf diese Weise ein künstliches Riff zu schaffen, um das Überleben bedrohter Arten zu sichern. Aufgrund der starken Verschmutzung einer solchen Industrieanlage ist dieser Weg der Entsorgung aber kaum umsetzbar, ohne die meistens schon belastete Umwelt weiter zu schädigen. Deswegen beschlossen die 15 Teilnehmerstaaten der OSPAR-Konferenz 1998 ein Versenkungsverbot für Ölplattformen im Nordatlantik.

Betreiber

Am 18. Dezember 2006 gab in Oslo Helge Lund als Vorstandsvorsitzender der norwegischen Statoil die Fusion mit der ebenfalls norwegischen Norsk Hydro bekannt, wobei der Zusammenschluss bis zum dritten Quartal 2007 abgeschlossen sein soll - die Zustimmung bei den jeweiligen Hauptversammlungen vorausgesetzt, die allerdings so gut wie sicher gilt. Damit wird der weltgrößte Betreiber von Erdgas- und Erdöl-Bohrinseln mit einer geschätzten Marktkapitalisierung von gut 90 Milliarden Dollar entstehen.

Sonstiges

Bohrplattformen können für die Dauer ihrer Existenz neue Habitate für Meerestiere bilden. An Inseln in der Nordsee siedeln seit langem schnell wachsende tropische Muschelarten an den dauerhaft warmen Förderrohren und bereiten dort bei stärkerem Bewuchs Probleme. Sie sterben bei Förderstop ab und hinterlassen eine Kruste, die erneut besiedelt wird.

Siehe auch

 Wiktionary: Bohrinsel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
 Commons: Bohrinsel – Bilder, Videos und Audiodateien