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Mauerwerk

Dieser Artikel behandelt das Bauteil Mauwerwerk, für den Baukörper beziehungsweise das Bauwerk siehe Mauer.

Mauerwerk ist ein aus natürlichen oder künstlichen Steinen gefügtes Bauteil. Unter einem Mauerwerksverband versteht man bestimmte Fügungsarten, um aus einzelnen Steinen Mauerwerk zu bilden.

Inhaltsverzeichnis

Klassifizierung

Die Arten von Mauerwerk sind nach verschiedenen Aspekten benannt:

Mauerwerk besteht aus einzelnen Steinen, die aufeinandergeschichtet werden. Es werden verschiedene Arten von Steinen verwendet:

Dazu kommt bei bestimmten Arten des Mauerwerks noch der Mörtel, der die Fugen zwischen den Steinen füllen kann. Dieser verbindet die Steine kraftschlüssig und sorgt für bessere Stabilität des Mauerwerks. Zum Höhenausgleich werden Kimmsteine eingebaut.

Nach verwendeten Steinen

Bruchsteinmauerwerk

Als Bruchsteinmauerwerk bezeichnet man ein Natursteinmauerwerk, das aus Bruchsteinen – oft lokal vorkommenden Natursteinen – im Verband und mit Mörtel aufgeschichtet ist. Die Bruchsteine werden nur grob bearbeitet bzw. behauen, bis sie zwei mehr oder weniger parallele Seiten haben. Sie werden dann mit Mörtel aufgemauert, womit es sich nach DIN 1053-1 um ein Mischmauerwerk handelt. Diese Vorgehensweise ist eine sehr einfache Art, eine Mauer zu errichten. Man braucht im Gegensatz zum Schichtmauerwerk nicht selbst künstliche Steine herzustellen, sondern verwendet lokal vorkommendes Bruchgestein. Eine Sonderform des Bruchsteinmauerwerkes ist das Zyklopenmauerwerk.

In Süd-Jordanien wurde in der heutigen Stadt Basta Kellermauerwerk aus Natursteinen gefunden, die mit Kalkmörtel vermauert waren und auf ca. 6000 v. Chr. datiert werden. Im frühen Mittelalter wurde auch Quark (Kasein) als Bindemittel eingesetzt. In der Gegend des Osterzgebirges wurden Mauern später mit „Zinnwälder Sand“ (und Zement) verputzt, welcher eine sehr hohe Festigkeit aufwies. Im Rheinland und in der Eifel wurden Bruchsteinmauern aus gebrochenem Sandstein hergestellt. Aus diesen Bruchsteinen wurden in diesem Gebiet viele Häuser gebaut. Heute wird Bruchsteinmauerwerk nur noch selten eingesetzt, hauptsächlich im Garten- und Landschaftsbau, als Gartenmauer oder in Weinbergen.

Kalksandsteinmauerwerk

Mauerwerk, das aus Kalksandsteinen und Mörtel besteht. Meist als Tragendes Mauerwerk eingesetzt. Kalksandsteine werden aber auch wegen ihrer Schwere und damit guten Schallisolierung für schmale Zwischenwände benutzt.

Klinkermauerwerk

Mauerwerk, das aus Klinkern und Mörtel besteht. Heute meist als Verblendmauerwerk eingesetzt. Siehe auch Artikel Mauerwerksverband.

Natursteinmauerwerk

Hauptartikel: Natursteinmauerwerk

Natursteinmauerwerk ist Mauerwerk, das aus natürlichen Steinen besteht, z. B. Sedimentgesteinen wie Kalkstein oder Sandstein, oder Tiefengesteinen wie z. B. Granit.

Ziegelmauerwerk

Besteht aus Ziegeln und Mörtel, heute meist als Verblendmauerwerk eingesetzt. Siehe auch Artikel Mauerwerksverband.

Zyklopenmauerwerk

Das Zyklopenmauerwerk ist eine Sonderform des Bruchsteinmauerwerks aus sehr großen, unregelmäßigen Steinen, welche sorgfältig aufeinander geschichtet sind. Bei lagerhaftem Material und einem mehr oder weniger rechteckigen Aussehen der Sichtseite der Mauersteine spricht man von einem Bruchsteinmauerwerk. Bei einer unregelmäßigen, polygonalen Sichtfläche von einem Zyklopenmauerwerk. Das Fugenbild ist unregelmäßig und ohne waagerechte Lagerfugen. Oft handelt es sich um eine in Schalenbauweise gebaute Mauer mit einer Innenfüllung aus Steinen und Lehm.

In der frühen Antike war diese Mauerwerkstechnik weit verbreitet, wobei meist sehr große Steine und keinerlei Mörtel verwendet wurden. Insbesondere in Mykene (Griechenland) ist das Zyklopenmauerwerk zu finden. Daher stammt auch der Name, denn Zyklopen sind Riesen der griechischen Sagenwelt. Zyklopische Mauern wurden auch von den Etruskern und anderen vorrömischen Völkern in Italien sowie im hethitischen Bereich bis ins 3. Jahrhundert vor Christus verbaut. Auch die chinesischen Mauer wurde nach dieser Bauweise errichtet und man findet diese Bauweise auf Malta, Korsika, in Peru (Inkas), in Ägypten oder auf der Osterinsel.

Beim heutigen Einsatz des Zyklopenmauerwerks werden nur unbearbeitete oder sehr wenig bearbeitete Bruchsteine verwendet. Außerdem handelt es sich bei den verwendeten Steinen oft um schwer zu bearbeitende Hartgesteine. Die Bruchsteine werden unter Verwendung von Mörtel in einem richtigen Verband aneinander gefügt, so dass möglichst enge Fugen und keine Hohlräume verbleiben. Eventuell entstehenden Hohlräume werden mit kleinen Steinen und mit Mörtel ausgefüllt. Es entstehen keine regelmäßigen Schichten und die innere Festigkeit bzw. der Zusammenhalt des Mauerwerks sind gegenüber anderen Mauerwerkstechniken gemindert.

Nach Zusammensetzung

Homogenes / inhomogenes Mauerwerk

Man unterscheidet homogenes und inhomogenes Ziegelmauerwerk. Homogenes Mauerwerk besteht nur aus Ziegeln. Das Ziegelmauerwerk des Mittelalters und der frühen Neuzeit war inhomogen und bestand aus zwei vorab gemauerten Schalen und dem Kern, der dazwischen eingebracht wurde. Dieser besteht aus (z.T. minderwertigen) Ziegeln, Ziegelbruch und teilweise auch Findlingen. Die Schalen sind meist im Gotischen Verband gemauert und nur durch wenige Binder mit dem Kern verbunden. Bei alten Bauwerken kann sich daher die Schale vom Kern lösen. Der Grund für diese Bauweise war der unausgereifte Brennvorgang, der wenige gute und viele schlecht gebrannte Ziegel lieferte. Die guten Qualitäten mussten daher an der Außenseite konzentriert werden. Die Ecken wurden im mittelalterlichem Mauerwerk immer aus ganzen (unbehauenen) Steinen gefügt, der Ausgleich zur üblichen Überdeckung um 1/4 Steinlänge erfolgte innerhalb des Verbandes.

Mörtelmauerwerk

Verbundwerkstoff aus Mauersteinen und Mörtelfugen: Ungenauigkeiten der Maße der einzelnen Mauersteine können durch die Mörtelfugen ausgeglichen werden. Somit ist ein rasches Herstellen und ein genaues Ergebnis zu erzielen. Mörtelmauerwerk ist plastisch verformbarer als Trockenmauerwerk. Außerdem lassen sich nur so luftdicht gemauerte Wände herstellen.

Trockenmauerwerk

Hauptartikel: Trockenmauerwerk

Trockenmauerwerk ist Mauerwerk, das aus Natursteinen ohne zuhilfenahme von Mörtel gefügt wird.

Nach Sichtbarkeit

Sichtmauerwerk

Als Sichtmauerwerk bezeichnet man Mauerwerk, das nicht verputzt oder verkleidet wird und im fertigen Bauwerk außen oder innen dauerhaft sichtbar ist. In modernen Außenwandkonstruktionen lässt sich Sichtmauerwerk nur durch einen zweischaligen Aufbau mit einer Vorsatzschale aus Verblendmauerwerk realisieren, da ansonsten keine ausreichende Dämmwirkung erreicht werden kann.

Verblendmauerwerk

Als Verblendmauerwerk bezeichnet man Mauerwerk, das als äußerste Schicht einer Mauerwerkskonstruktion vor allem dekorative Funktion hat. Außerdem hat es eine Schutzfunktion gegen Schlagregen.

In der Vergangenheit war das Verblendmauerwerk die äußerste, ansehnliche Schicht von monolitischem Mauerwerk. Heute wird Verblendmauerwerk als Vorsatzschale eines mehrschichtigen Wandaufbaus eingesetzt und hat meist keine tragende Funktion. Bei korrekter Ausführung ist dies eine langfristig pflegeleichte Lösung für Fassaden. Dieses Verblendmauerwerk muss aus frostwiderstandsfähigen Steinen (Verblendern) bestehen. Deshalb werden meist Klinker verwendet.

Nach statischer Funktion

Nichttragendes Mauerwerk

Nichttragendes Mauerwerk übernimmt gegenüber tragendem Mauerwerk planmäßig keine Lasten aus anderen Bauteilen, sondern nimmt lediglich Belastungen auf, die direkt auf das Mauerwerk wirken, wie z. B. Wind, Lasten aus der Einrichtung o. ä. und sein Eigengewicht. Es wird als nicht tragender Raumabschluss, als Ausfachungsmauerwerk zwischen Stützen, oder als Verblendmauerwerk verwendet. Bei der Erstellung von Wänden als nicht tragendes Mauerwerk ist darauf zu achten, dass keine unplanmäßigen Lasten Schäden an der Wand hervorrufen. So kann die Fuge zwischen nicht tragender Trennwand und Decke mit einem elastischen Material (z. B. Mineralwolle) oder – zu einem möglichst späten Zeitpunkt – mit Mörtel ausgefüllt werden.

Tragendes Mauerwerk

Tragendes Mauerwerk übernimmt planmäßig Lasten aus den darüberliegenden Bauteilen (Decken, Dach) und aus seinem Eigengewicht. Das tragende Mauerwerk wird in der Regel auch zur Gebäudeaussteifung (Wind, Stabilität usw.) herangezogen. Das Erstellen oder Verändern von tragendem Mauerwerk muss in der Regel durch eine statische Berechnung nachgewiesen werden. Die Tragfähigkeit von Mauerwerk wird von der Festigkeit des Steins und der Qualität des Mörtels bestimmt. Da die Fuge zwischen Stein und Mörtel nur eine geringe Haftzugfestigkeit besitzt, müssen die Steine im Mauerwerksverband gemauert werden.

Siehe hierzu: Martinskirche (Landshut)

Normen

In Deutschland sind u. a. folgende Normen zu beachten:

Siehe auch