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Zigarettenfabrik Derwisch

Die Zigarettenfabrik Derwisch bestand von 1943 bis 1950 in Niendorf/Ostsee, einem Teil der Gemeinde Timmendorfer Strand. Sie war in den ersten Jahren nach dem Krieg Schleswig-Holsteins größter Steuerzahler und Arbeitgeber von 120 Menschen, zumeinst Flüchtlingen aus den Ostgebieten.

Geschichte

Porträt des ehemaligen Fabrikanten

Aufgrund der Zerstörung der Zigarettenfabrik in Hamburg am 28.Juli 1943 durch einen Bombenangriff, suchte der Eigentümer, Willi Derwisch, einen neuen Standort zur Produktion von Zigaretten.

Derwisch siedelte nach Niendorf/Ostsee um und pachtete dort das Kurhotel Mayer an der Strandstraße Nr. 94. Er bekam auch das Recht, das Haus für seine Fabrik entsprechend umzubauen, so dass er im Herbst 1943 die Produktion von Zigaretten wieder aufnehmen konnte. Die Zigarettenmarken, die Derwisch damals herstellte waren Port Said, Boston, Türkenstolz, Colonel und Luxor.

Derwisch wurde 1950 beschuldigt, in seinem Betrieb die Steurerbandarolen für die Zigarettenpackungen gefälscht und Steuern hinterzogen zu haben. Schließlich wurde am 12.April 1950 wegen Verdunkelungsgefahr ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. Nach neun Wochen Haft nahm er sich am 11. Juni 1950 im Lübecker Marschallgefängnis am Burgtor das Leben.

Von den Gebäuden und Baracken, die in Niendorf zum Derwisch-Betrieb gehörten, stehen heute keine mehr. Das Fabrikgebäude an der Strandstraße, dass neben dem heutigen Modegeschäft Jaacks lag, wurde noch einige Jahre als Wäscherei genutzt, später jedoch abgerissen. Die von Derwisch genutzte Lagerhalle wurde später zunächst als Turnhalle in Niendorf genutzt. In dieser Lagerhalle wurden die Tabake gelagert, aber auch u.a. Zigarettenspitzen und Silberfolie für die Verpackungen aufbewahrt, die die Mitarbeiter auch für Lametta zu Weihnachten nutzten.

Als in Timmendorfer Strand der Platz für den Neubau der Realschule in der Poststraße 1964 freigemacht wurde, stand dort damals eine solcher Baracken, die ihre erste Verwendung wahrscheinlich schon gefunden hatte, als der Reichsarbeitsdienst (RAD) in den dreißiger Jahren die Kurpromenade und den neuen Kurpark anlegte. Sie wurde zunächst für mache Zwecke wie Sportheim und Kantine, Unterkunft für Rettungsschwimmer und Polizeiverstärkung usw. genutzt, bis sogar wegen Raumnot der neuen Schule dort zwei provisorische Klassenräume errichtet wurden, aus denen man um 1980 baulich zwei echte Klassen machte und die Baracke zu einem Pavillon verbesserte. Letztendlich wurde sie in den 1990er Jahren Abgerissen und durch Container ersetzt. [1]

Die anderen, kleineren Baracken der Derwisch Fabrik sind verschollen. Allerdings wurden sie ebenfalls vermutlich aufgrund ihres guten baulichen Zustandes demontiert und woanders aufgebaut. Bei ihnen handelt es sich um standatisierte Typ-Baracken, wie sie von der Wehrmacht verwendet wurden.

Quellen

  1.  :der reproter 06/97 Zigaretten aus Niendorf.