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Jacob Hermann Obereit

Jacob Hermann Obereit auch Oberreit oder Obereidt (* 2. Dezember 1725 in Arbon Kt. Thurgau, Schweiz; † 2. Februar 1798 in Jena) war ein Schriftsteller, Philosoph und Wundarzt. Bekannt wurde Obereit durch seine Wiederentdeckung der Nibelungenhandschrift C in der Schloßbibliothek zu Hohenems im Vorarlberg im Jahre 1755.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Jacob Hermann Obereit wurde als Sohn des Lindauer Kaufmanns Ludwig Oberreit und Ursula, geborene Wocher, in Arbon geboren. Die Eltern schrieben sich noch mit zwei „r“. Im Jahr 1731 wurde ihm noch eine Schwester geboren, die allerdings bald verstarb. 1732 zog die Familie nach Lindau (Bodensee), wo der Vater eine Anstellung als Rentamtsbuchhalter antrat. Im Jahr darauf wurde den Eltern ein weiterer Sohn geboren, der ebenfalls nicht lange lebte. Nach unregelmäßigem Schulbesuch in Lindau absolvierte Jacob Hermann Obereit 1740 bis 1742 eine Lehre als Wundarzt in Arbon. Ursprünglich wollte er Theologe werden, sein Vater wehrte diesen Wunsch jedoch aufgrund persönlicher Probleme mit der Kirche ab. Im Anschluss ging er über München, Augsburg, Nürnberg und Wien auf Wanderschaft. 1746 erhielt er ein Stipendiums des Lindauer Magistrats, er begann ein Medizinstudium an der Universität Halle und wechselte bereits im Jahre 1747 nach Berlin. Dort befasste er sich besonders mit der praktischen Chirurgie und der damals noch sehr rückständigen Entbindungsmedizin. Zunehmend interessierte er sich für die philosophischen Werke von Gottfried Wilhelm Leibniz und Isaac Newton sowie Klassiker der römischen und griechischen Literatur. Im Jahre 1750 wechselte Obereit, auf Drängen der Stadt Lindau, wieder zurück nach Lindau und wurde als Operateur und praktischer Arzt angestellt. Im Jahr 1751 veröffentlichte er sein erstes Buch in Lindau: Neugegründete phasische Betrachtungen über einige chirurgische Materien als große Zerquetschungen, den heißen und kalten Brand, die äußere und innere Beinfäule. 1752 wurde er zum Geburtshelfer- und Hebammenmeister der Stadt bestellt. Auf sein hartnäckiges Drängen wurden alle Hebammen und Geburtshelfer der Stadt vereidigt, um gegen das weit verbreitete Unwesen in dieser Zunft vorzugehen.

Nibelungenhandschrift

Am 29. Juni 1755 besuchte Obereit die Schlossbibliothek der Reichsgrafen von Hohenems und stieß auf die heute in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe aufbewahrte Nibelungenhandschrift C. In einem Brief an seinen Freund Johann Jakob Bodmer berichtete er von dem Fund. Bodmer jedoch verbreitete die Nachricht, dass nicht Obereit, sondern der Oberamtmann von Wocher diese Handschrift entdeckt hätte. Erst 130 Jahre später gelang es Johannes Crueger nach Sichtung von Bodmers Nachlass, diese Unwahrheit richtigzustellen. Ein Grund für diese Lüge war möglicherweise die Selbstsucht Bodmers.

Weiteres Leben

Obereits großes Engagement für die Geburtsmedizin führte im Jahre 1760 zur Herausgabe des Erlasses: Des Heil(igen) Röm(ischen) Reichs Stadt Lindau erneuerte Ordnung und Instruction samt geistlichen Unterricht / nach welchem samtliche Hebammen allda in Stadt und Land sich zu verhalten haben beteiligt, der wiederum gegen einige sehr zweifelhafte Praktiken der Geburtshelfer und Hebammen vorgeht. Mit zunehmendem Alter widmet sich Obereit aber immer mehr seiner philosophischen und metaphysischen Studien und Arbeiten. Er stand in Kontakt mit nahezu allen bedeutenden Philosophen der Zeit und wurde von vielen geachtet und war insbesondere mit Christoph Martin Wieland eng befreundet. Im Jahr 1763 wird er Mitglied der Münchner Akademie der Wissenschaften und im gleichen Jahr verstirbt seine Mutter Ursula. In den Folgejahren veröffentlicht Obereit zahlreiche philosophische Schriften die eine große Beachtung in Deutschland finden. Er in kontroverse Konflikte mit dem Philosophen Johann Georg Zimmermann und beide griffen sich in der Folge gegenseitig scharf an. 1776 veröffentlicht er sein bedeutendstes Werk: Die Einsamkeit der Weltüberwinder nach inneren Gründen erwogen, von einem lakonischen Philanthropen welches 1781 bei Böhme in Leipzig erscheint. Im gleichen Jahr verstirbt sein Vater und in der Folge zieht er mit nach mit seiner Liebe Frau Rietmeier nach Winterthur. 1769 erhält er in Biberach seinen Doktortitel. 1776 (oder 1777) heiratet er Frau Rietmeier, die aber schon 8 Wochen später an Schwindsucht verstirbt. Obereit zieht nach Zürich und ab 1781 an verschiedene Orte in Deutschland darunter auch Dresden. 1784 ist er in Weimar mehrfach zu Gast bei Wieland, Schiller und Goethe, die ihn auf seine letzten Jahre finanziell unterstützten. Über Umwege zieht er nach Jena in das Haus des Philosophen Johann Gottlieb Fichte in eine kleine Dachkammer. Unfähig, seine Finanzen zu ordnen, verarmt Obereit zunehmends und wird immer abhängiger von seinen Gönnern und Förderern. An den Meininger Hof wurde er 1786 durch die Unterstützung Goethes zum Hopfphilosophen berufen, was ihm ein kleines Einkommen, Wohnung und Unterhalt sicherte. Nach kurzer Zeit aber flüchtete er 1791 vor den Verpflichtungen des Hofes wieder nach Jena zurück , wo er schwer leidend, vereinsamt und verarmt am 2. Februar 1798 im Alter von 73 Jahren verstarb.

Werke

Literatur


Personendaten
Obereit, Jacob Hermann
Oberreit auch Obereidt auch Obereidt
Wiederentdecker einer Nibelungenhandschrift
2. Dezember 1725
Arbon, Thurgau, Schweiz
2. Februar 1798
Jena