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Soldat

Dieser Artikel behandelt den Beruf des Soldaten; zu anderen Bedeutungen siehe Soldat (Begriffsklärung).

Ein Soldat (nach dem Sold, den er bezieht) ist ein bewaffneter Angehöriger oder eine Angehörige einer Armee oder der Streitkräfte eines Landes, vom höchsten Befehlshaber bis zum Gemeinen, obwohl sich der Sprachgebrauch lange auf diese beschränkte.

Soldatinnen (weibliche Soldaten) gibt es in regulären Streitkräften erst seit dem 20. Jahrhundert. Vorher gab es, mitunter spektakuläre, Einzelfälle (vgl. die Liste der als Mann verkleideten weiblichen Militärpersonen).

Von den Soldaten abzugrenzen sind die Militärbeamten.

Inhaltsverzeichnis

Vielfältigkeit der Begriffe

Andere Bezeichnungen sind Krieger, Kämpfer oder Milizionär. Mit der jeweiligen Bezeichnung der Tätigkeit zeigen sich die Konstruktionen und Interpretationen, die mit dem Begriff verbunden werden sollen.

Der geschlechtliche Aspekt des Begriffs

Der Begriff „Soldat“ ist gleichgeschlechtlich konnotiert, obwohl in einigen Sprachen auch eine weibliche Form, beispielsweise im Deutschen „Soldatin“ oder im Französischen „soldate“, existiert. In manchen Sprachen, wie zum Beispiel im Spanischen erfolgt die Differenzierung lediglich durch Voranstellen des geschlechterspezifischen Artikels. Diese Konnotation leitet sich vorwiegend aus patriarchalen Vorstellungen von Beruf und Tätigkeit dessen her, mit dem der Begriff „Soldat“ verbunden ist. Diese Vorstellung verbindet sich nur selten mit mythologischen Narrativen, wie das der Amazonen, oder mit der Realität in der Moderne.

In der Pressemitteilung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom 11. Oktober 2001 wurde unter anderem festgelegt, dass alle Rechtsvorschriften des Bundes in einer geschlechtergerechten Sprache gefasst werden.[1] Darauf basierend erfolgt derzeit auch die Überarbeitung der Vorschriftentexte für die Bundeswehr.

Nicht-militärische Begriffe

Der Begriff wird über seine militärische Bedeutung hinaus als Metapher für eine Anzahl „kämpferischer“ Tätigkeiten verwendet. So wird wegen seiner Loyalität zu seiner Partei ein entsprechendes Mitglied als Parteisoldat benannt. Ein Pazifist wird für seinen aktiven Einsatz für den Frieden als Soldat für den Frieden oder Friedenssoldat bezeichnet. Relativ hierarchisch organisierte Umweltaktivisten wie Greenpeace werden als Rainbow Warriors bezeichnet.

Debatten um den Begriff in der politischen Auseinandersetzung

Sind Soldaten Mörder?

Die Aussage „Soldaten sind Mörder“ stammt ursprünglich von Kurt Tucholsky in der Zeitschrift Die Weltbühne. Auch mit dem Mittel der Inkriminierung wird hier um die politische Meinungsfreiheit einerseits und dem Anspruch staatlicher Politischer Korrektheit gestritten.

Länderspezifische Bezeichnungen

In der Schweiz wird er häufig als Wehrmann bezeichnet. In der NVA war Soldat zudem der niedrigste Mannschaftsdienstgrad; in der Schweizer Armee ist dies auch heute noch so.

Mentalitäts- und geistesgeschichtliche Hintergründe

Der bekannteste ideologische Hintergrund für die Erscheinungsform des Soldatentums ist der Militarismus. Die bedeutendste und als zivilisiert betrachtete philosophische Legitimation im sogenannten Westen ist die Philosophie Kants, die er 1795 in seiner Schrift Zum ewigen Frieden veröffentlichte.

Geschichte

Deutsche Soldaten 1914

Soldaten im eigentlichen Sinne gibt es nach dem römischen Reich in Europa erst wieder mit der Bildung stehender Heere. Frühere Heere wurden entweder durch feudale Strukturen kurzzeitig verpflichtet oder für den jeweiligen Kriegszug von anderen Landesoberhäuptern oder von „Gewaltunternehmern“ (nach Elwert) angeworben (Söldner) - vgl. Condottiere.


Soldaten fühlten sich zunächst nur an ihren Kommandeur gebunden, der der jeweiligen Einheit oft auch seinen Namen gab. Erst mit dem Übergang von der absolutistischen zur nationalen Staatsidee wandelte sich auch das Bild vom Soldaten, der nun seiner Nation verpflichtet war. Die Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland, die Bundeswehr, verstehen ihre Soldaten als „Staatsbürger in Uniform“, um deutlich zu machen, dass anders als in früheren deutschen Armeen der Soldat weiter in die zivile Gesellschaft eingebunden bleiben soll, jedoch mit bestimmten Vorrechten und Pflichten.

Rekrutierung

Das Anwerben und die Verpflichtung für den Waffendienst und Heeresdienst wird als Rekrutierung oder Ausheben bezeichnet.

Rechtsstatus des Soldaten in der Bundesrepublik Deutschland

Soldaten stehen in einem öffentlich-rechtlichen Dienst- und Treueverhältnis, das auf die Sicherung der ständigen Verteidigungsbereitschaft gegen Angriffe von außen gerichtet ist. Die bürgerlichen Grundrechte können aufgrund der dienstlichen Erforderlichkeit bei Soldaten der Bundeswehr gemäß Art. 17a GG eingeschränkt werden. Die dienstlichen Pflichten des Soldaten sind im Soldatengesetz (SG) geregelt. Die Besoldung des Soldaten erfolgt analog zu den Beamten.

Dienstgrade

Die meisten Soldaten haben einen Dienstgrad, der ihre Stellung und ihre Befugnisse innerhalb der Streitkraft regelt. In der Regel untersteht ein Soldat mit einem niedrigen Dienstgrad dem Kommando eines höher gestellten Soldaten, es gibt aber Ausnahmen. Ein einfacher Soldat (in Deutschland: „Mannschaftsdienstgrad“) hat im Gegensatz zu Offizieren oder Unteroffizieren keine Befehlsgewalt, sofern er diese nicht zur Erfüllung besonderer Aufgaben erhalten hat (etwa als stellvertretender Wachhabender, Wachvorgesetzter, Vorgesetzter aufgrund besonderen Aufgabenbereichs, Vorgesetzter aufgrund eines Notfalls, Wahrung der lokalen oder nationalen Sicherheit oder auch bei Aufsicht von Kriegsgefangenen).


Aufgaben

Der Soldat ist als Verteidiger im Rahmen seiner Armee als erstes ein Garant für die äußere Souveränität seines Landes, durch die latente Drohung, eine Einschränkung der Souveränität durch die Vernichtung von Menschen und deren materiellen Existenzen zu vergelten.

Andererseits ist der Soldat als Angreifer oft auch nur das Mittel zum Zweck aggressiver Mächte andere Länder anzugreifen, zu erobern und/oder sich an den lokalen Ressourcen zu bereichern.

Im Kriegsfall ist das Aufgabenfeld des Soldaten und seiner Armee sehr weit gestreut. Je nach Lage sind folgende Dinge vordringlich: - Aufklären des Feindes - Lagebeurteilung - Ergreifen von Maßnahmen die dem gesetzten Ziel dienlich sind - Besetzen taktisch, strategisch oder wirtschaftlich wichtiger Punkte - Sicherung der Stellung, sowie Sicherung des Hinterlandes und der Nachschublinien - u.U. Eliminierung des Feindes.

Berufsbild

In europäischen oder vergleichbaren Ländern werden Soldaten oft an andere Dienstorte versetzt – auch in Friedenszeiten; dies hat zur Folge, dass die Familien oft unter einer erhöhten Belastung stehen, da es schwer ist, Bekannten- und Freundeskreis, Berufstätigkeit des Ehepartners und Schulbesuch konstant zu gestalten. Auch die im Allgemeinen kritische Haltung der Bevölkerung gegenüber dem Militär trägt nicht zur Beliebtheit dieses Berufes bei. Der Beruf des Soldaten hat den Vorteil, dass der Ruhestand meist sehr früh beginnt, kommt es doch auf die körperliche Fitness an. Auch sind in vielen europäischen Ländern die Soldaten verbeamtet.

Die zum Teil sehr gute technische Ausbildung des Soldaten wird auch in der Wirtschaft geschätzt. Selbiges gilt für die Führungserfahrung, über die militärische Vorgesetzte bereits in jungen Jahren verfügen. Die Möglichkeit, sich als Zeitsoldat zu verpflichten und dadurch vom Staat ausgebildet zu werden, wird von vielen genutzt. Daher treten ehemalige Soldaten oft später noch einmal ins zivile Berufsleben ein; Luftwaffenpiloten arbeiten dann beispielsweise als Verkehrspiloten, auch haben viele Fahrlehrer ihren Beruf bei der Bundeswehr erlernt.

Kriegsherren

In Ländern ohne Zentralgewalt, wie etwa in einigen Ländern Asiens oder Afrikas (Afghanistan, Somalia) verdienen sich Kriminelle, welche sich Soldaten nennen, ihren Lebensunterhalt oft durch Plünderungen und Raub unter der Regie von Kriegsherren (englisch: Warlords), die Landesteile kontrollieren.

Auch in Europa waren die eigenen Armeen für die Zivilbevölkerung eines Landes oft verheerend (Dreißigjähriger Krieg, Hundertjähriger Krieg). Es lag an den Heerführern, wo und wie sie die Bezahlung ihrer Truppen erhielten. So gab es in alten Zeiten kaum einen Unterschied, ob ein feindliches oder freundliches Heer durchs Land zog, da der Sold der Soldaten oft nur aus dem bestand, was Land und Bewohnern zu nehmen war.

Zitate

Siehe auch

 Wikiquote: Soldat – Zitate
 Commons: Soldier – Bilder, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Soldat – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

Einzelnachweise

  1. Deutsches Wehrrecht: Gleichstellungsdurchsetzungsgesetz - DGleiG und Soldatinnen- und Soldatengleichstellungsdurchsetzungsgesetz - SGleiG.