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Fedora (Linux-Distribution)

Fedora
Bildschirmfoto

Fedora 9
Basisdaten
Entwickler Red Hat & Community
Version 9 (Sulphur) (13. Mai 2008)
Abstammung \ Linux
  \ SLS
    \ Slackware
       \ Red Hat Linux
         \ Fedora
Architekturen i386, AMD64, PowerPC
Lizenz GPL und andere
Sonstiges Sprache: mehrsprachig
Standard-Desktop: GNOME
Website fedoraproject.org

Fedora ist eine Linux-Distribution, die aus dem ehemaligen Red Hat Linux entstanden ist. Die aktuelle Version (engl.: „Release“) ist Fedora 9 (Sulphur).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Im September 2003[1] kündigte Red Hat an, die eigene Consumer-Linux-Distribution zugunsten einer Verschmelzung mit dem fedora.us-Projekt aufzugeben und sie als Community-Projekt unter dem Namen Fedora Core weiterzuführen. Am 5. November 2003 veröffentlichte das Projekt die erste Version der neuen Distribution, die zu dem Zeitpunkt eine direkte Weiterentwicklung des alten Red Hat Linux war.

Mit der im Mai 2004 veröffentlichten Version Fedora Core 2 (Tettnang) integrierte das Projekt den X.Org-Server als X Window System in die Distribution als Folge der Streitigkeiten um die Lizenzänderung des früher benutzten XFree86.

In der Version Fedora Core 3 (Heidelberg) vom November 2004 wurde der SELinux-Code der NSA fester Bestandteil der Distribution.

Die im Juni 2005 veröffentlichte Version Fedora Core 4 (Stentz) integrierte die Virtualisierungstechnik Xen und die Entwicklungsumgebung Eclipse. Außerdem wurde als Standard-Compiler der GCC in Version 4 verwendet, und das Community-Repository (ein „Repository“ bedeutet in diesem Zusammenhang eine Sammlung von installierbaren Programmen, die auf einem Server bereitgehalten werden) Fedora Extras war erstmalig von vornherein in die Software-Verwaltung von Fedora Core direkt eingebunden.

Ebenfalls im Jahr 2005 gründete Red Hat mit der Fedora Foundation eine unabhängige Stiftung, die für das Fedora-Projekt zuständig sein sollte. Ziel des Stiftungsvorhabens war es, mehr Entwickler zur Mitarbeit am Fedora-Projekt zu gewinnen, das auch weiterhin die Basis für Red-Hat-Enterprise-Linux bleiben sollte. Red Hat wollte die Fedora-Stiftung aus diesem Grund ebenfalls finanziell und technisch unterstützen. Da aber das Steuerrecht eine Unterstützung der Stiftung seitens Red Hat nur in gewissen Grenzen erlaubt hätte, gab Red Hat im April 2006 bekannt, dass die Fedora-Stiftung aufgelöst werden solle. Stattdessen solle die Entwicklergemeinschaft verstärkt im Fedora-Project-Board (d.h. in die Entwicklung von Fedora) eingebunden werden.

Fedora Core 5 (Bordeaux) wurde im März 2006 veröffentlicht und brachte erstmalig in Mono programmierte Software mit sich. Zur selben Zeit wurde im Rahmen von Fedora Core die Technik AIGLX entwickelt, welche dem X.Org-Server hardwarebeschleunigte 3D-Effekte ermöglicht. Entwicklerversionen von AIGLX waren für Fedora Core 5 verfügbar. Die im Oktober 2006 veröffentlichte Version Fedora Core 6 (Zod) integrierte AIGLX, das zu dem Zeitpunkt bereits fester Bestandteil des X.Org-Servers geworden war, vollständig. Zusätzlich zu AIGLX wurde der Window-Manager Compiz Teil der Standardinstallation.

Für die Version Fedora 7 (Moonshine) wurde die Trennung von Fedora Core und Fedora Extras aufgehoben, um eine bessere Beteiligung Außenstehender an den Core-Paketen zu ermöglichen. Die zukünftigen Versionen werden schlicht Fedora genannt.

Im Mai 2008 gibt Red Hat die Stimmenmehrheit im Vorstand von Fedora ab. Damit besitzt die Community erstmals die Mehrheit mit 5 von 9 Stimmen.

Versionen

Schon Red Hat Linux hatte für seine jeweiligen Versionen spezielle Codenamen. Diese Tradition wird weiter fortgesetzt. Eine Liste dieser Namen und was es mit ihnen auf sich hat, findet sich unter Fedora- und Red-Hat-Versionsnamen.

Fedora
Version Codename Unterversion Veröffentlichung Kernel
1 Yarrow Test 1–3 5. November 2003 2.4.19
2 Tettnang Test 1–3 18. Mai 2004 2.6.4
3 Heidelberg Test 1–3 8. November 2004 2.6.9
4 Stentz Test 1–3 13. Juni 2005 2.6.12
5 Bordeaux Test 1–3 20. März 2006 2.6.16
6 Zod Test 1–3 24. Oktober 2006 2.6.18
7 Moonshine Test 1–4 31. Mai 2007 2.6.21
8 Werewolf Test 1–3 8. November 2007 2.6.23
9 Sulphur Alpha-, Beta-Version, Preview Release, Release Candidate 13. Mai 2008 2.6.25
Legende:
nicht mehr unterstützt wird noch unterstützt aktuell Vorabversion geplant

Besonderheiten der Distribution

Allgemeine Software

Analog zur früheren Lizenzpolitik der Firma Red Hat gilt auch im Fedora-Projekt der Grundsatz, dass nur Computerprogramme mit vollständig freien Lizenzen verwendet werden dürfen. Dadurch soll vermieden werden, dass das Projekt aufgrund von Lizenzstreitigkeiten verklagt werden kann. Prominenteste Folge dieser Politik ist, dass die Distribution von den originalen Installations-Medien keine Programme mit MP3-Unterstützung mit sich bringt, sondern diese erst nachträglich installiert werden müssen. Zu diesem Zweck gibt es inoffizielle Installations-Datenbanken (engl. „Repositories“). Auch wird statt der Pakete von Sun Microsystems eine freie Implementierung von Java mitgeliefert.

Mit der Veröffentlichung der Version Fedora Core 5 hat das Fedora-Projekt auch die Software des Mono-Projekts aufgenommen. Diese war früher nicht aufgenommen worden, da man patentrechtliche Probleme mit einigen von Microsoft gehaltenen Patenten auf die dahinterliegende Technik fürchtete. Seit das Open Invention Network Mono aber unter seinen Schutz gestellt hat, gelten diese Bedenken als ausgeräumt.[2]

Distributionsspezifische Software

Die Installationsroutine Anaconda ermöglicht eine einfache, grafisch geführte Installation eines Fedora-Systems, während das Programm Kickstart dies auch automatisieren kann, was vor allem bei der mehrfachen Installation auf Firmenrechnern hilfreich ist. Zur allgemeinen Konfiguration des Systems stehen die system-config-*-Programme zur Verfügung, welche jeweils auch grafische Benutzeroberflächen haben. Die system-config-*-Werkzeuge sind nach den üblichen Fedora-Prinzipien programmiert, dass „Management-Tools“ (Hilfsprogramme zur Systemverwaltung) jeweils nur gezielt eine einzige Aufgabe erfüllen sollen und keine exklusive Kontrolle über Konfigurationsdateien benötigen. Administratoren eines Systems müssen trotz Verwaltungswerkzeugen in der Lage sein, beliebige Änderungen manuell in den Konfigurationsdateien vorzunehmen.

Ebenso ist SELinux bei Fedora in der Standardinstallation enthalten und aktiviert, was bei anderen Distributionen nur selten der Fall ist.

Design

Seit der Version 4 wird bei GNOME Clearlooks und bei KDE seit Version 6 Plastik als Standard-Design genutzt. Bluecurve, das schon bei Red Hat Linux verwendet wurde, ist dort aber ebenfalls noch vorhanden.[3] Von der Farbwahl wird hauptsächlich auf dunkle Blautöne gesetzt.

Aktualisierungs- und Veröffentlichungszyklen

Das Ziel des Fedora-Projekts ist es, etwa alle sechs Monate eine neue Version zu veröffentlichen. Die zwischenzeitlich verspätete Version 5 wird als Ausnahme gesehen, Version 4 und 6 verspäteten sich aber ebenfalls um jeweils einen Monat. Aktualisierungen für die einzelnen Versionen werden bis jeweils einen Monat nach Erscheinen der übernächsten Version angeboten − dies sind also insgesamt 13 Monate. Dadurch ist es möglich, eine Version zu überspringen, ohne eine nicht weiter aktualisierte Version zu verwenden.[4]

Fedora aktualisiert bei veröffentlichten Versionen Pakete auch weiterhin über normale Bugfix-Aktualisierungen (Aktualisierungen zum Zwecke der Behebung von Programmfehlern) hinaus. Im Gegensatz zu den meisten anderen Linux-Distributionen werden so z. B. auch Kernel neuerer Version eingespielt, wenn diese zur Verfügung stehen, während andere Distributionen meist die Kernel-Version konstant halten und für diesen nur Sicherheitsaktualisierungen oder Bugfixes (Fehlerkorrekturen) einspielen.

Verbreitung

Fedora erfreut sich unter anderem als Nachfolger der alten Red-Hat-Linux-Versionen großer Beliebtheit und hat diese in vielen Institutionen ersetzt. Die meiste Software, die früher für Red Hat zur Verfügung gestellt wurde, findet sich mittlerweile ebenfalls für Fedora, womit diese Distribution viel Unterstützung durch Firmen und Institutionen bekommt.

Auch wird sie trotz der kurzen Veröffentlichungszyklen gerne in Rechenzentren eingesetzt, so auch auf den Servern der Wikipedia.

Unter Webhostern war Fedora im Dezember 2005 die am drittstärksten verbreitete Linux-Distribution. Zählt man alle Derivate von Fedora zusammen und bezieht auch Red Hat Enterprise Linux und dessen Derivate wie CentOS ein, ergab sich 2005 eine Verbreitung von etwa 50 Prozent.[5]

Paket- und Softwaremanagement

Da Fedora aus der Linie der Red Hat Distribution entstanden ist, nutzt es auch dessen Paketverwaltung RPM. Um Abhängigkeiten zwischen den Paketen mit Hilfe von lokalen und im Internet bereitgestellten Paketsammlungen, sogenannten Repositories, aufzulösen, wird das Programm YUM genutzt, welches auch über eine grafische Benutzeroberfläche, genannt pirut, verfügt.

Bis zu Version 4 wurde auch das Programm up2date eingesetzt. APT wurde ebenfalls unterstützt. Diese Unterstützung wurde aber vorübergehend für Fedora Core 4 eingestellt, da die Entwicklung von APT für RPM ruhte. Für Fedora Core 5 und später kann APT für RPM wieder genutzt werden, da dieses seitdem auch nativ auf yum-Repositories zugreifen kann.

Die Quellen für Fedora können dabei in zwei Teile geteilt werden: die offiziellen Quellen und Quellen, die von Dritten bereitgestellt werden.

Repository Drittanbieter

Die Quellen von Dritten haben oft verschiedene Zielsetzungen oder eine andere Lizenzpolitik als Fedora. Nennenswert sind hier Livna, RPMForge, atrpms und freshrpms. Die Kompatibilität zwischen diesen Quellen ist jedoch nicht immer gegeben.

Zusätzlich stellen immer mehr Softwareprojekte und Firmen eigene Repositories für Fedora bereit, wie das Mono-Projekt, das gstreamer-Projekt, Skype etc.

Außerdem werden viele Repositories von Drittanbietern nur schlecht gepflegt, sodass viele nicht auf neuere Versionen von Fedora abgestimmt sind, also nur zu älteren Versionen passen. Meist werden die Versionen („Releases“) 1 bis 3 unterstützt. Bei allen späteren ist dies weniger gegeben.

Upgrades

Um von einer Fedora Version zur nächsten zu aktualisieren gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die von den Machern Empfohlene ist es das aktuelle DVD Image herunter zu laden, zu brennen und eine Update Installation durch zu führen. Es besteht die Möglichkeit mit Yum ein Update im laufenden Betrieb durch zu führen, dieses wird aber nicht empfohlen.[6] Seit Fedora 9 gibt es als dritte Möglichkeit noch Preupgrade [7] hierbei wird im laufenden Betrieb ein Programm gestartet, das die installierten Pakete analysiert und alle für ein Upgrade benötigten Pakete herunter läd und einen bootbaren Installer anlegt. Nach einem Neustart des Rechners startet der Installer und führt das Upgrade durch.

Abstammung und Derivate

Fedora Core 1 basierte auf Red Hat Linux 9 und stammte damit von diesem ab. Red Hat Linux selbst ist vollständig in Fedora Core aufgegangen und wird nicht mehr selbständig weiterentwickelt. Statt dessen vertreibt Red Hat das Produkt Red Hat Enterprise Linux, welches früher auf Red Hat Linux und damit heute auf Fedora Core aufbaut.

Es gibt eine ganze Reihe von Linux-Distributionen, die auf Fedora oder Red Hat Enterprise Linux aufbauen oder noch von der Red Hat-Distribution abstammen. Zu den bekannteren gehören:

Siehe auch

Quellen

  1. Oliver Diedrich: Fedora zum Ersten im Heise News-Ticker, 06.11.2003
  2. Greg De Koenigsberg: Fedora and Mono and OIN – clarifications in seinem privaten Blog, 22. März 2006
  3. https://hosted.fedoraproject.org/projects/bluecurve/wiki/BluecurveHistory
  4. Max Spevack: Fedora Core 5 end of life is 2007-06-29 auf der Fedora Announce Mailingliste, vgl. auch die Informationen zum Release-Vorgang im Fedora Wiki
  5. Colin Phipps: Strong Growth for Debian auf netcraft.com, 5.12.2005
  6. http://fedoraproject.org/wiki/YumUpgradeFaq
  7. http://fedoraproject.org/wiki/Features/PreUpgrade