Heim

Rastede

Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 53° 15′ N, 8° 12′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Ammerland
Höhe: 10 m ü. NN
Fläche: 123 km²
Einwohner: 20.522 (31. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte: 167 Einwohner je km²
Postleitzahl: 26180 (alt: 2902)
Vorwahl: 04402
Kfz-Kennzeichen: WST
Gemeindeschlüssel: 03 4 51 005
Gemeindegliederung: 27 Ortsteile
Adresse der Gemeindeverwaltung: Sophienstr. 27
26180 Rastede
Webpräsenz:
www.rastede.de
Bürgermeister: Dieter Decker (CDU)

Rastede ist eine Gemeinde in Niedersachsen, Landkreis Ammerland und liegt 12 km nördlich von Oldenburg. Bis zur Nordsee sind es ungefähr 60 km. Rastede liegt in der Region Weser-Ems. Nachbargemeinden sind Wiefelstede (Landkreis Ammerland) im Westen, Varel (Landkreis Friesland) im Nordwesten, Jade (Landkreis Wesermarsch im Nordosten und die kreisfreie Stadt Oldenburg im Süden. Seit 1983 ist Rastede als Luftkurort staatlich anerkannt.

Inhaltsverzeichnis

Gemeindegliederung

Die Gemeinde Rastede gliedert sich in folgende 26 Ortsteile:

Rastede I Rastede II Leuchtenburg Hostemost
Südende I Südende II Kleibrok Delfshausen
Kleinenfelde Neusüdende I Neusüdende II Hankhausen I
Hankhausen II Loy Lehmdermoor Barghorn
Wahnbek Ipwege Ipwegermoor Hahn-Lehmden
Nethen Bekhausen Wapeldorf
Heubült Rastederberg Liethe

Geschichte

Das Mittelalter

Die Geschichte des Ortes Rastede beginnt im frühen Hochmittelalter 1059 mit der Kirchengründung durch Graf Huno von Rüstringen. Das Stiftungsdatum der St. Ulrichs-Kirche gilt als das Gründungsdatum Rastedes, da es die erste urkundliche Erwähnung der Gemeinde und vieler zu ihr gehörender Siedlungen und Einzelhöfe ist. Im Jahr 1091 wurde nur wenige Hundert Meter von der Kirche entfernt ein Benediktiner-Kloster gegründet. Fünf Jahre später erhielt dieses Kloster eine Klosterkirche. Rastede hatte in dieser Zeit eine herausragende Stellung in der Region. Diese Stellung basiert vornehmlich auf der religiösen bzw. kirchenpolitischen Stellung und andererseits durch die verkehrstechnischen und geologischen Gegebenheiten:

Das Kloster wurde von seinem Stifter reich mit Besitztümern beschenkt. So verfügte es nicht nur über Ländereien in und um Rastede, sondern auch über große Flächen in ganz Norddeutschland und Westfalen. Durch den zu zahlenden Zehnt und der daraus resultierenden materiellen Unabhängigkeit der Mönche wurde das Kloster Rastede schnell zu einem geistigen Zentrum in Norddeutschland. Eine günstige Verkehrsanbindung verhalf dem Ort zu weiterem wirtschaftlichen Aufschwung. Rastede lag direkt an der Friesischen Heerstraße, einem strategisch wichtigen Militär- und Handelsweg zwischen Bremen und Friesland. Der Rasteder-Wiefelsteder Geestrücken war für die Anlage einer Straße, im Gegensatz zum Sumpfboden an anderen Orten im Ammerland, besonders geeignet.

Das Kloster wurde zum Hauskloster der Grafen von Oldenburg, die auch zu großen Teilen in Rastede wohnten und sich entsprechend in klösterliche Angelegenheiten einmischten. Das hatte negative Folgen für die Mönche und für die Entwicklung des Ortes. So lebte der berüchtigte Raubgraf Gerd der Mutige im Kloster und ließ es 1476 sogar zu einer Festung ausbauen. Die Bauern mussten unter den Raubzügen des Grafen nicht nur mittelbar, sondern auch unmittelbar leiden. So kamen Gerds Opfer von Rache getrieben nach Rastede, um die umliegenden Höfe zu plündern und zu brandschatzen. Durch die ständige Einbeziehung in kriegerische Handlungen und durch die stetig steigende Abgabenlast wanderten viele Bauern zu dieser Zeit aus dem Herrschaftsgebiet aus.

Von der Grafschaft bis zur Revolution

Mit der Reformation im Oldenburger Land verlor auch das Kloster seine geistige Grundlage. Die Oldenburger Grafen zahlten die verbliebenen Mönche aus und übernahmen das Kloster in ihren weltlichen Besitz. Der erste gräfliche Bewohner der Anlage, Christoph von Oldenburg, ließ 1565 in Rastede die erste Volksschule der Region errichten. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts baute Graf Anton Günther die säkularisierte Anlage zu seiner gräflichen Sommerresidenz mit Jagdschloss und Pferdeställen um.

Nach dem Tode Anton Günthers im Jahr 1667 kam die Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst aufgrund verwandtschaftlicher Beziehungen dem dänischen Königshaus zu. Die stiefmütterliche Behandlung des Landes Oldenburgs ließ letztlich auch das Schloss verfallen und sorgte für wirtschaftliche Stagnation in Rastede.

Nach einem viertägigen Zwischenspiel 1773, in dem Rastede zum russischen Zarenreich gehörte, erlangte das inzwischen zum Herzogtum erhobene Oldenburg wieder seine Selbständigkeit (siehe: Vertrag von Zarskoje Selo). Im Jahr 1777 erwarb Herzog Peter Friedrich Ludwig das Schloss zurück und ließ es ausbauen, nachdem es unter der dänischen Herrschaft bereits in bürgerlichen Besitz verkauft worden war. Mit der Novemberrevolution 1918 wurde auch in Oldenburg die Monarchie abgeschafft. Großherzog Friedrich August zog sich aus den Regierungsgeschäften zurück und machte seine Sommerresidenz in Rastede zu seinem ständigen Wohnsitz. Rastede blieb bis zu dessen Abschaffung ein Teil des Freistaates Oldenburg.

Aufstieg des Bürgertums

1867 baute die Großherzogliche Oldenburgische Eisenbahn eine Bahnstrecke von Bremen über Oldenburg und Rastede ins preußische Wilhelmshaven. Diese Strecke hatte für den Ort große Vorteile. Der wirtschaftliche Aufschwung durch den anwachsenden Fremdenverkehr war deutlich spürbar. Kaffeezüge mit Sonderzügen fuhren nach Rastede, die Menschen spazierten im Park und die Gaststätten und Kaffeehäuser profitierten von der Attraktivität der Gemeinde. Zur Jahrhundertwende fertigte der Rasteder Bahnhof über 100.000 Reisende im Jahr ab.

Ebenfalls um die Jahrhundertwende entstanden viele der sogenannten Oldenburger Hundehütten (ein populärer Haustyp des bürgerlichen Wohnens), die noch heute das Ortsbild zu großen Teilen prägen.

Der Ort Rastede entwickelte sich aus drei maßgeblichen Siedlungen: Brink (Gebiet um den heutigen Marktplatz), Rastede (Kirche und Kloster) und der Bauernschaft Südende. Diese Entwicklung trug dazu bei, dass es in Rastede keinen deutlich erkennbaren Mittelpunkt gibt. Erst 1840 wurden alle drei Siedlungskeime zum heutigen Ort zusammengezogen und durch eine breite Allee miteinander verbunden, an der sich nach und nach zahlreiche Geschäfte ansiedelten.

Im Jahr 1810 annektierte Napoléon Bonaparte das Herzogtum Oldenburg und somit gehörte Rastede bis 1814 zum französischen Kaiserreich. Die Mairien Rastede und Wiefelstede bildeten den Kanton Rastede, der sich im Arrondissement Oldenburg und im Département Bouches-du-Weser (v. frz: "Weser-Mündung") befand.

Im Zuge der Neuordnung nach dem Sturz Napoleons setzte man das Amt Rastede (vergleichbar mit einem heutigen Landkreis) aus den Gemeinden Wiefelstede, Rastede, Jade und Schweiburg zusammen. Das Ämtergesetz von 1857 brachte für das neue Amt zunächst keine Veränderung. 1868 wurden jedoch die beiden nördlichen Gemeinde Jade und Schweiburg dem Amt Varel und die beiden Ammerländer Gemeinden dem Amt Oldenburg-Land zugeordnet. Die oldenburgische Verwaltungsreform des Jahres 1933 durch die NSDAP sorgte am Ende für die Erweiterung der Gemeinde Rastede um die Ortsteile Wahnbek und Ipwege, jedoch zu einer Angliederung an das Amt Westerstede, dem späteren Landkreis Ammerland. Durch den Verlust dieser Eigenständigkeit wurde Rastede deutlich in seiner Bedeutung zurückgesetzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

1949 wurde Niedersachsen gegründet und der alte Freistaat Oldenburg (und somit auch Rastede) wurde ein Teil dieses neuen Bundeslandes.

Rastede wurde im Zweiten Weltkrieg, trotz militärisch bedeutender Eisenbahnlinie und dem zum Rüstungsbetrieb ausgebauten Brötje-Werk, mit nur 3% verhältnismäßig wenig zerstört. Den Ortsteil Nethen hatte es im Gemeindegebiet am stärksten getroffen. Insgesamt fielen 652 Soldaten aus der Gemeinde und 282 Soldaten wurden vermisst.

Durch den geringen Zerstörungsgrad wurde Rastede für Flüchtlinge und Vertriebene aus den Ostgebieten interessant. Aber auch aus dem eigenen Landkreis zog es Flüchtlinge in den Ort. So erhofften sich viele Menschen aus dem stark zerstörten Edewecht einen Neuanfang in Rastede. Innerhalb kurzer Zeit wuchs die Einwohnerzahl von 8.800 auf 15.000 an. Der plötzliche Ansprung verursachte ein großes Wohnungsproblem und so entstanden am Ortsrand sehr schnell neue Siedlungen mit Reihenhäusern und Wohnblöcken.

1949 wurde unter Mithilfe des Erbgroßherzogs Nikolaus Friedrich Wilhelm von Oldenburg, Sohn des letzten regierenden Monarchen Friedrich August, im Schlosspark zwischen Schloss und St. Ulrichs-Kirche, ein Turnierplatz für den Pferdesport errichtet. Auf dieser Reitanlage, der dem Turnierplatz von Klein Flottbek nachempfunden wurde, fand 1950 zum ersten mal das 2. Oldenburger Landesturnier statt. Also zu einem Zeitpunkt an dem das Land Oldenburg nominell nicht mehr existierte. 1959 wurde anlässlich der 900-Jahr-Feier das neue Rathaus errichtet.

Wappen

Das Wappen geht auf eine Sage aus Zeiten der Gründung Rastedes zurück. Ende des 11. Jahrhunderts lud Heinrich IV., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches zu einem Reichstag nach Goslar. Der ebenfalls eingeladene Rasteder Kirchenstifter Graf Huno folgte dieser Einladung nicht, so dass seine Feinde in Anwesenheit des Kaiser schlecht über ihn reden konnten. Heinrich forderte Graf Huno ein zweites Mal auf, an den Hof zu kommen. Jedoch dieses Mal solle er einen Kämpfer mitbringen, der sich mit einem kaiserlichen Kämpfer messen kann.

Graf Huno machte sich mit seinem Sohn Friedrich auf den Weg nach Goslar. Dort stellt sich der kaiserliche Kämpfer als gefährlicher Löwe heraus. Friedrich wäre unter regulären Umständen gegen den Löwen chancenlos, so dass er zu einer List griff. Vor dem Kampf stopfte er eine Strohpuppe mit Tiergedärmen und fettete sie von außen ein. In der Arena warf er die Puppe dem Löwen entgegen, der sofort begann über sie herzufallen. Friedrich schlich sich an das abgelenkte Raubtier heran und tötete es mit seinem Schwert.

Der Kaiser war von dieser List beeindruckt. Er tauchte seine Hand in die blutende Wunde des Löwens und malte mit zwei Fingern zwei waagerecht verlaufende Zickzack-Linien auf das goldfarbene Schild Friedrichs. Diese roten Linien auf goldenem Grund (auf Abbildungen zumeist in gelb dargestellt) finden sich ebenfalls im Wappen des Landkreises Ammerland und im Oldenburger Stadtwappen wieder. Bei letzterem verlaufen die Streifen jedoch geradlinig.

Der Sage nach schwor Graf Huno im Falle eines siegreichen Kampfes ein Kloster zu stiften. Nach seiner Rückkehr soll er einen Schwan fliegen gelassen haben und an der Stelle wo der Schwan landete sollte das Kloster gebaut werden. Der Schwan kreiste erst eine Zeit lang über einem Ort, scheinbar hatte er Zweifel, plattdeutsch "Twiefel", es war die Stätte des "Twiefels", woraus später der Name Wiefelstede entstand. Schließlich landete der Schwan aber doch einige Kilometer weiter östlich, um Rast zu machen. Dies war die Stätte der Rast, Rastede . Einen wissenschaftlichen Nachweis für diesen Beweggrund gibt es allerdings nicht.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner
1910 6.463
1939 8.793
1950 14.435
1961 14.235
1970 16.559
1998 19.929
1999 20.029
Jahr Einwohner
2000 20.008
2001 19.876
2002 20.035
2003 20.039
2004 20.145
2005 20.161
2006 20.522

Politik

Gemeinderat

Bei den letzten Wahlen zum Gemeinderat kam es zu folgenden Ergebnissen:

Partei 10. Sept. 2006
CDU 43,2 % 10.926 15 Sitze
SPD 31,5 % 7.958 11 Sitze
FDP 6,0 % 1.525 2 Sitze
Grüne 10,2 % 2.583 3 Sitze
UWG 7,8 % 1.985 3 Sitze
Coburg ¹ 1,2 % 315
Wahlbeteiligung 8.767 von 16.383
53,1 %

¹ Einzelwahlvorschlag

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Bus
Linie Linienführung
340 (Varel) - Jaderberg - Rastede - Wahnbek - Oldenburg
341 Bekhausen - Hahn - Rastede
342 Barghorn - Loy - Wahnbek - Neusüdende - Leuchtenburg - Rastede
343 Nethen - Hahn - Rastede
344 Delfshausen - Hahn - Rastede
348 Oldenburg - Rastede - Zetel
370 Rastede - Leuchtenburg - Wiefelstede - Bad Zwischenahn
371 Rastede - Wiefelstede - Westerstede
NachtEule Oldenburg - Rastede - Wiefelstede - Tange
Eisenbahn

Rastede hat einen Bahnhof an der NordWestBahn-Strecke Wilhelmshaven - Oldenburg - Osnabrück (KBS 392); einige Züge fahren auch nach Bremen.

Autobahn

Die Bundesautobahn 29 führt in Nord-Süd-Richtung durch die Gemeinde. Rastede sowie die Orte Hahn-Lehmden und Wapeldorf im Norden besitzen eine eigene Autobahnabfahrt. Durch eine Auffahrt auf das Autobahnkreuz Oldenburg-Nord (das auf Rasteder Gebiet liegt) haben die Orte Loy und Wahnbek ebenfalls eine Anbindung an das Autobahnnetz.

Die geplante Bundesautobahn 22 soll in ihrer südlichsten Trassenvariante nördlich des Ortskerns verlaufen.

Medien

Die Rasteder Rundschau wird monatlich im ortsansässigen Huno Verlag herausgegeben und kostenlos an die Haushalte verteilt. Das Rasteder Gemeindearchiv gibt in regelmäßigen Abständen den Rasteder Archivboten im Oldenburger Isensee-Verlag heraus.

Ansässige Unternehmen

Unternehmen, die überregional bekannt sind und in Rastede ihren Hauptsitz haben:

Daneben sind über 1.600 weitere Gewerbebetriebe in Rastede angemeldet. Um eine weitere Ansiedlung von Betrieben ist die Wirtschaftsförderung Rastede bemüht.

Freizeit und Bildung

Sehenswürdigkeiten & Besonderes

Bildungseinrichtungen

Freizeit

Jährliche Veranstaltungen

Landschaft

"Als eine ins Feierliche, Repräsentative und Romantische gewandelte und gesteigerte Abart dieser in ihrer unaufdringlichen Lieblichkeit so anheimelnden Geestlandschaft (des Ammerlands - d. A.) könnte man die landschaftlichen Naturformen bezeichnen, die insbesondere Rastede und seiner Umgebung das Gepräge geben und ihm den Ruf als oldenburgisches Sanssouci eingebracht haben ... Die ehemaligen oldenburgischen Fürsten, die Rastede wahrhaft zur Rast-Stätte (richtig wohl: Rode-Stätte - d. A.) machten, haben das schöne Fleckchen Erde ganz nach Art der englischen Gartenkunst anlegen lassen ... Eine bemerkenswerte Sonderheit des Rasteder Parks sind die mächtigen, an Größe und Schönheit sonst kaum wieder erreichten Rhododendrongruppen, wie denn überhaupt Klima und Boden des Ammerlandes den Alpenrosen besonders zuträglich sind ..." (Hermann Ries, Das Ammerland, Westerstede 1940)

Persönlichkeiten

Bedeutende Einwohner der Gemeinde

Literatur