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Finanzsystem

Unter einem Finanzsystem versteht man die Art und Weise, wie in einer Volkswirtschaft die Nachfrage nach und das Angebot von Geldkapital geregelt und vermittelt wird. Diese Vermittlungsfunktion wird vom Finanzsektor übernommen, d.h. der Gesamtheit von Institutionen einer Volkswirtschaft, mit deren Hilfe die Wünsche nach Investitionen eines Subjekts mit den Ersparnissen eines anderen Subjekts zusammengebracht werden.

Die Funktion der Kapitalvermittlung kann auf verschiedene Art und Weise geregelt werden. Die beiden wichtigsten Institutionen eines Finanzsystems sind

Ein funktionierendes Finanzsystem ist von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung und das Wachstum einer Volkswirtschaft. Umstritten ist allerdings die ideale Organisationsform eines Finanzsystems. Die Finanzsysteme der Industrienationen unterscheiden sich zum Teil erheblich in ihrer Ausgestaltung. Während die USA und das Vereinigten Königreich eine größere Bedeutung des Kapitalmarktes aufweisen (kapitalmarkt-basierte Finanzsysteme), stützen sich Deutschland und Japan zu einem größeren Teil auf Finanzintermediäre (bank-basierte Finanzsysteme).

Als Vorteile von bank-basierten Systemen werden die guten Überwachungsmöglichkeiten genannt, welche aus der relativ engen Beziehung zwischen Kreditnehmern und Hausbanken entstehen. Durch diese können Corporate-Governance-Probleme, die auf asymmetrischen Informationen beruhen, effektiver gelöst werden, als bei vielen Gläubigern. Des Weiteren schließt eine Hausbankbeziehung bessere Möglichkeiten mit ein, einen Kreditnehmer über schlechte Zeiten hinweg zu stützen. Dagegen besteht in einem bank-basierten Systems die Gefahr des Machtmissbrauchs der Hausbanken, die nicht der Machtkontrolle unterliegen, zum Beispiel, indem eine Kollusion zwischen Kreditnehmern und Banken zu Ungunsten der Aktionäre und/oder der Allgemeinheit stattfindet.

Im Zuge der internationalen Finanzmarktintegration ist mit einer Annäherung von finanzmarkt- und bank-basierten Systemen zu rechnen.

Die Gesamtheit zwischen den nationalen Finanzsystemen und ihre Interaktion bezeichnet man auch als das globale Finanzsystem. Als zusätzliche Komponente kommt hier der Devisenmarkt hinzu. Außerdem treten hier Nationen auch als internationale Gläubiger und Schuldner auf. Um eine ordnende und vermittelnde Kraft im globalen Finanzsystem zu etablieren, wurde der IWF (Internationaler Währungsfonds) eingerichtet.