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Breslau

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter Breslau (Begriffsklärung) aufgeführt.
Breslau
DEC
Breslau
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Landkreis: Kreisfreie Stadt
Fläche: 293 km²
Geographische Lage: 51° 7′ N, 17° 2′ OKoordinaten: 51° 6′ 36″ N, 17° 1′ 56″ O
Höhe: 111 m n.p.m
Einwohner: 633.950 (30. Juni 2007 [1])
Postleitzahl: 50-041 bis 54-612
Telefonvorwahl: (+48) 71
Kfz-Kennzeichen: DW
Wirtschaft und Verkehr
Zweige: Maschinenbau, Elektroindustrie, Chemische Industrie
Straße: Dresden/BerlinKrakau
Nächster int. Flughafen: Breslau
Verwaltung (Stand: 2006)
Stadtpräsident: Rafał Dutkiewicz
Adresse: ul. Sukiennice 9
50-107 Wrocław
Webpräsenz: www.wroclaw.pl

Wrocław (poln.:  Wrocław ?/i [ˈvrɔtswaf]) ist mit über 630.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Polens, Hauptstadt der Woiwodschaft Niederschlesien, kreisfreie Stadt und Verwaltungssitz des gleichnamigen Landkreises. Sie bildet als Sitz eines römisch-katholischen Erzbischofs, eines evangelischen Diözesanbischofs, zahlreicher Hochschulen und Forschungsinstitute sowie Theater und Museen das kulturelle und wissenschaftliche Zentrum des schlesischen Raumes insgesamt. Breslau liegt an der Oder inmitten einer ertragreichen Landwirtschafts- und Bergbauregion, ist aber auch im Bereich des Maschinenbaus und der Metallindustrie ein bedeutender Standort.

Breslau gilt als Hauptstadt der historischen Region Schlesien, war von 1919–1945 die Hauptstadt der neu gebildeten preußischen Provinz Niederschlesien, davor preußische Residenzstadt und Hauptstadt der Provinz Schlesien, dann in der Zeit des Nationalsozialismus außerdem Hauptstadt des Gaus Nieder- und Mittelschlesien. Nachdem Breslau 1945 dem polnischen Staat angeschlossen und anstelle der vertriebenen deutschen Bewohner polnische Siedler und Vertriebene, vor allem aus Lemberg, angesiedelt worden waren, ist es Woiwodschaftshauptstadt – erst der gleichnamigen, seit 1999 der Woiwodschaft Niederschlesien.

Bereits um 1840 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt 100.000 Einwohner, wodurch Breslau zur Großstadt wurde.

Inhaltsverzeichnis

Name

Deutscher wie polnischer Name der Stadt leiten sich von dem ihres (vermutlichen) Gründers her, des böhmischen Herzogs Vratislav I., in Schlesien Wratislaw geschrieben. Der Anfangsbuchstabe „W“ steht von jeher im Wappen der Stadt. In lateinischen Urkunden heißt die Stadt Vratislavia. In älteren deutschen Dokumenten steht Preßlau. Die deutschen Schlesier sagten oft Prassel. Bei polnischen Schlesiern gab es aber immer auch den Namen Wrocław.

Geographie

Lage

Breslau liegt südlich des Katzengebirges an der Einmündung der Ohle (Oława) in die Oder (Odra). Gebaut zwischen zahlreichen Nebenflüssen und Kanälen, liegt die Stadt einzigartig auf 12 Inseln, verbunden durch 112 Brücken. Aufgrund der zahlreichen Brücken und Stege wird die Stadt auch als Venedig Polens bezeichnet. Breslau ist die Großstadt mit den meisten Grünflächen in Polen. Die Gesamtfläche der Stadt beläuft sich auf 293 km², wovon 114 km² auf bebaute Flächen entfallen. Davon sind 29 km² reine Wohnbebauung.

Stadtgliederung

Die Stadt Breslau gliedert sich in fünf Stadtbezirke, deren administrative Bedeutung nach der Verwaltungsreform 1990 zugunsten der Stadtverwaltung weitgehend abgebaut wurde.

Stadtbezirk Ausdehnung Fläche
in km²
Einwohner
30.06.07[1]
Stare Miasto (Altstadt) Altstadt mit Nicolai- und Schweidnitzer Vorstadt 6,8 55.799
Śródmieście „Innenstadt“ Innenstadt rechts der Oder mit Dominsel und Elbing 16 124.037
Psie Pole (Hundsfeld) alle Vororte nördlich der (neuen) Oder 97,7 91.941
Krzyki (Krietern) Innenstadt und Vororte südlich der alten Oder und Altstadt 54,3 165.792
Fabryczna „Fabrikviertel“ Mischgebiete, Außenbezirke und Vororte im Westen, links der Oder 118,9 196.381

Wirtschaft

Breslau etabliert sich zunehmend als überregionales Wirtschaftszentrum im Dreiländereck Polen, Deutschland und Tschechien. Die Stadt wirbt aktiv um in- und ausländische Investoren als Innovationszentrum Polens, zum Beispiel mit der Futurallia-Messe, einer Konferenz für internationale Wirtschaftsentwicklung.

In den letzten Jahren haben sich zahlreiche ausländische Investoren in Breslau niedergelassen. Nahe der Autostrada 4 haben namhafte Unternehmen wie Cadbury Schweppes, IKEA, Auchan, Carrefour, Tesco, Makro Cash & Carry, Castorama und Cargill investiert. Die Firma Bosch beschäftigt ungefähr 1.000 Mitarbeiter in Mirkow nordöstlich am Rande der Stadt, und Toyota hat in der Nachbargemeinde Jelcz-Laskowice eine Motorenfabrik errichtet. Siemens und SAP Polska haben ein Werk in Breslau. 2006 eröffnete die GE Money Bank Deutschland, Österreich und Schweiz ein gemeinsames deutschsprachiges Service-Center mit über 100 Angestellten für die jeweiligen Länder. Das koreanische Elektronikunternehmen LG Electronics hat bis 2007 rund 400 Mio. € in eine Fabrik zur Produktion von Fernsehern und Kühlschränken investiert und damit etwa 12.500 Arbeitsplätze geschaffen.

Andere ausländische Investoren wie Volvo, 3M, Whirlpool oder Bombardier sind Partnerschaften mit lokalen Firmen eingegangen.

Die vielen ausländischen Investitionen haben zu einer für Polen relativ geringen Arbeitslosenrate von 10.8% (März 2006) beigetragen. Die Arbeitslosenquote Breslaus liegt mit dem Stand zum 4. Quartal 2006 bei 8,1%.

Die Stadt wird zunehmend auch zu einem Hochtechnologiezentrum. Zahlreiche IT-, Biotechnologie- und Pharmaunternehmen haben sich in dem von der Stadt errichteten Technologiepark angesiedelt.

Verkehr

Straße

Breslau ist über die Autobahn A4 im Osten mit dem oberschlesischen Industriegebiet, Krakau und überregional mit der Ukraine verbunden und im Westen mit Dresden. Die Autobahn Richtung Dresden mit Grenzübergang in Ludwigsdorf (Jędrzychowice) wird voraussichtlich bis Ende 2008 fertiggestellt. Über die Autobahn A18 ist Berlin zu erreichen. Derzeit ist eine Westumgehung von Breslau in Planung, die langfristig Teil der Autobahn A8 werden soll und dann die Stadt mit Prag und Warschau verbinden würde. Die wichtigste innerstädtische Verkehrsstraße ist die sog. Ost-West-Straße.

Eisenbahn

Breslau ist mit der Bahn über seinen Hauptbahnhof ohne Umsteigen mit Warschau (über Posen oder über Łódź), Stettin, Berlin, Dresden, Kiew und Prag verbunden.

Flugverkehr

Seit dem EU-Beitritt Polens fliegen immer mehr internationale Fluggesellschaften den Breslauer Kopernikus-Flughafen an, unter anderem die Billigfluggesellschaften Ryanair, Wizzair und Centralwings sowie seit dem 31. März 2008 auch die Deutsche Lufthansa.

Bildung

In Breslau befinden sich elf Hochschulen:

Außerdem gibt es etwa 15 andere weiterführenden Schulen und sehr viele Sprachschulen (z.B. Berlitz). Zum Ende des Jahres 2006 gab es insgesamt 141.388 eingeschriebene Studenten an den Hochschulen.

Kultur und Nachtleben

Kulturstätten und Festivals

Breslau hat 9 Museen, 10 Theater, eine Oper, eine Operette sowie eine Philharmonie und ein Puppentheater.

Jedes Jahr gibt es eine Reihe von Festivals:

Nachtleben

Mit 141.000 Studenten der verschiedenen staatlichen und privaten Hochschulen ist Breslau nachts eine lebendige Stadt. Die meisten Kneipen und Clubs befinden sich in der Gegend um den alten Marktplatz im Zentrum der Stadt, dessen Mittelpunkt das Rathaus darstellt, auch Ring genannt (Rynek, pl. für Marktplatz). Gut besucht sind zum Beispiel der Daytona Music Club und das Studio 54. Fünf Minuten vom Marktplatz in der Pasaż Niepolda ("Niepold-Passage") gibt es etwa ein Dutzend Kneipen und Pubs, unter anderem die Studentenbar Niebo ("Himmel"), den Celtic Pub, den Techno-Club Metropolis sowie die Clubs Droga do Mekki ("Weg nach Mekka") und Bezsenność ("Schlaflosigkeit"). In der Ulica Świętego Mikolaja (St.-Nikolaus-Straße) gibt es das Cafe Maniana, in der Ulica Kazimierza Wielkiego die Chill-Out Bar. Zu den alternativen Bars gehören das Łykend ("weekend", ul. Podwale), das Havana (Ul. Kolejowa) und der Club PRL (am Marktplatz). Das Rura ("Röhre") ist ein Jazz-Club auf der Ul. Łazienna nahe dem Marktplatz mit Live-Konzerten. Erwähnenswert ist auch der Club WZ, wo neben dem normalen Diskobetrieb häufig Veranstaltungen mit bekannten Künstlern stattfinden.

Geschichte

Die Region Schlesien, in der Breslau liegt, fand erstmals bei Tacitus im Jahr 98 Erwähnung sowie ca. 150 bei Ptolemäus in seinem Werk Magna Germania. Im 4. und frühen 5. Jahrhundert siedelte in der Umgebung des späteren Breslau der Wandalenstamm der Silinger, welcher Schlesien vielleicht seinen Namen gab. Der Name Wortizlawa oder auch Wratislawa wurde erstmals um 900 erwähnt und bezeichnete Wortizlawa als slawische Marktstadt. Diese befand sich auf einer Insel nahe den drei Nebenflüssen der Oder. 990 wurde Breslau und ganz Schlesien von dem polnischen Piasten-Herzog Mieszko I. erobert. Im Jahre 1000 errichtete sein Sohn Bolesław der Tapfere das Bistum Breslau. Er ließ auch um das Jahr 1000 die erste herzogliche Burg auf der Dominsel errichten, etwa an der Stelle der heutigen Martinskirche. Kurz darauf wurde innerhalb der Burganlage mit dem Bau des Domes begonnen. Das befestigte Gebiet um die Burg war schon damals eine kleine Stadt, in der etwa 1000 Menschen wohnten.

1109 unterlag Kaiser Heinrich V. in der Schlacht gegen Boleslaw Schiefmund, das Schlachtfeld wurde als Hundsfeld bekannt. Nach Boleslaws Tod im Jahre 1138 wurde Breslau im Rahmen der Senioratsverfassung Hauptstadt des bis 1201 polnischen Teilfürstentums Schlesien. Wenig später siedelten die ersten deutschen Siedler am Südufer des Flusses, an der Stelle der heutigen Universitätsgebäude. Dort erbauten sie eine neue Stadt, die 1259 zur Hauptstadt des unabhängigen Herzogtums Schlesien aufstieg.

Während der Mongolenangriffe wurde Breslau 1241 zerstört. Das wiederhergestellte Breslau erhielt 1261 das Magdeburger Stadtrecht.

Aus Breslau ist der erste Arbeitskampf im Gebiet des Heiligen Römischen Reiches überliefert. Die Gürtlergesellen verabredeten untereinander, ein Jahr lang bei keinem Meister in der Stadt zu arbeiten. Diese wiederum einigten sich, eine Geldbuße an den Rat der Stadt zu zahlen, falls einer von ihnen einem der Streikenden Arbeit gäbe. Dies geht aus einer Urkunde vom 8. November 1329 hervor. [2]

Chronik

Unter den Piasten

Beginn der neuzeitlichen deutschsprachigen Geschichte - unter den Luxemburgern, Matthias Corvinus und den Jagiellonen

Unter den Habsburgern

Hauptstadt der deutschen Literatur: 1630–1670

Unter den Hohenzollern und dem Deutschen Kaiserreich

Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Volksrepublik Polen

Dritte Polnische Republik

Wappen der Stadt

  1. Das von Kaiser Karl V. der Stadt verliehene Wappen (verwendet 1530 bis 1938, 1945 bis 1948 und wieder seit 1990) ist ein quadrierter Schild mit Mittelschild, in der Mitte der Kopf von Johannes dem Täufer in einer silbernen Schüssel, im ersten Feld der böhmische Löwe, im zweiten der schlesische Adler, im dritten ein „W“ (das sich auf den Gründer der Stadt Wratislaw bezieht), im vierten das Haupt Johannes des Evangelisten. Die beiden Johannes sind neben der Hl. Hedwig besondere Patrone der schlesischen Kirche.
  2. Das Stadtwappen der NS-Zeit (verwendet ab 1938 bis 1945) war ein horizontal halbierter Schild mit zwei Feldern, im oberen Feld der schlesische Adler, im unteren das Eiserne Kreuz von 1813.
  3. Das Stadtwappen, unter der kommunistischen Regierung 1948 bis 1990 verwendet, war ein vertikal halbierter Schild mit zwei Feldern, im rechten Feld der halbe weiße polnische Adler der Volksrepublik (also ungekrönt), im linken Felde der halbe schlesische Adler, ebenfalls ungekrönt.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner
1800 64.500
1831 89.500
1850 114.000
1852 121.100
1880 272.900
1900 422.700
1910 510.000
1925 555.200
1933 625.200
1939 629.600
1946 171.000
Jahr Einwohner
1956 400.000
1960 431.800
1967 487.700
1970 526.000
1975 579.900
1980 617.700
1990 640.600
1999 650.000
2003 638.000
2006 635.200

Sehenswürdigkeiten

Sand- und Dominsel

Die östlichen Oderinseln in Breslau: rechts die ehem. Dominsel, in der Mitte die Sandinsel


Bürgerwerder in Breslau

Altstadt – Stadtmitte um den Ring

Ohlauer und Schweidnitzer Vorstadt

Südliche Außenviertel

Richtung Osten (Hundsfeld und östl. Innenstadt)

Persönlichkeiten

Breslau war Geburtsort zahlreicher bekannter Persönlichkeiten wie Dietrich Bonhoeffer, Norbert Elias (s. Abb.), Peter Hacks, Käthe Kruse, Ferdinand Lassalle, Peter Lustig, Adolph Menzel, Edith Stein, Fritz Stern, Siegbert Tarrasch oder August Weberbauer. Zehn Nobelpreisträger wurden in Breslau geboren, oder haben hier gewirkt. Unter Liste der Persönlichkeiten der Stadt Breslau findet sich eine Liste wichtiger Persönlichkeiten, die mit Breslau in Verbindung stehen.

Partnerstädte

Siehe auch

 Wiktionary: Breslau – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

Verfilmungen

Literatur

Bibliographien

Wissenschaftliche und literarische Werke

 Commons: Breslau – Bilder, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Breslau in der Schedelschen Weltchronik – Quellentexte

Fußnoten

  1. a b Główny Urząd Statystyczny, „LUDNOŚĆ - STAN I STRUKTURA W PRZEKROJU TERYTORIALNYM“, Stand vom 30. Juni 2007
  2. http://geschichte.verdi.de/stichworte/1329-11-8
  3. Nationalsozialismus und Widerstand in Breslau. Eine lokalhistorische Spurensuche. Ausstellung des Edith-Stein-Hauses Breslau