Heim

Hamburg-Finkenwerder

Lage des Stadtteils

Finkenwerder

Lage des Stadtteils

Waltershof

Basisdaten Finkenwerder und Waltershof
Bundesland: Hamburg
Bezirk: Hamburg-Mitte
Fläche: 28,6 km²
Einwohner: 11689 (2002)
Bevölkerungsdichte: 409 Einwohner je km²
Postleitzahl: 21129
Vorwahl: 040
Geografische Lage: Koordinaten: 53.52715° N, 9.86596° O
Kfz-Kennzeichen: HH

Die ehemalige Elbinsel Finkenwerder (plattdeutsch: Finkwarder oder Finkenwarder - wörtlich "Finkeninsel") ist ein Stadtteil der Freien und Hansestadt Hamburg im Bezirk Hamburg-Mitte.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Finkenwerder liegt am Südufer der Unterelbe. Die Gemeinden südwestlich, jenseits des Mühlenberger Lochs, gehören zum Alten Land.

Einen beträchtlichen Teil der Halbinsel nimmt das Werksgelände von Airbus mit dem Flugplatz Hamburg-Finkenwerder ein, hier ist auch der Unternehmenssitz von Airbus Deutschland.

Benachbarte Stadtteile und Gemeinden

An Finkenwerder grenzt im Osten der ebenfalls zum Bezirk Hamburg-Mitte gehörende Stadtteil Waltershof, der von Finkenwerder geografisch durch das Köhlfleet und den Dradenauhafen getrennt ist. Südlich an Finkenwerder grenzen vier Stadtteile im Bezirk Harburg: Altenwerder hinter der Aue, Francop und Neuenfelde jenseits der Alten Süderelbe und Cranz am westlichen Ende des Mühlenberger Lochs. Dort hat Finkenwerder innerhalb der Elbe eine westliche Grenze mit der niedersächsischen Gemeinde Jork im Landkreis Stade. Nördlich an Finkenwerder grenzen die jenseits der Elbe im Bezirk Altona liegenden Stadtteile Blankenese, Nienstedten und Othmarschen.

Da Waltershof als reines Hafengebiet nur noch ca. 10 Einwohner (Stand: 2000) hat, erhebt die Stadt Hamburg ihre statistischen Daten für Finkenwerder und Waltershof gemeinsam.

Stadtgliederung

Bis 1937 war die Insel am Landscheideweg in einen nördlichen hamburgischen und einen südlichen preußischen Teil gegliedert.

Zur Unterscheidung wurde der Hamburger Teil - wie alle Hamburger Elbinseln - mit a-Umlaut geschrieben - also Finkenwärder, der südliche Teil behielt seinen Namen, der ab 1937 für die ganze Insel gültig wurde.

Geschichte

Die Elbinsel Finkenwerder entstand durch das Auseinanderbrechen der Insel Gorieswerder in der Allerkindleinsflut im Jahre 1248. Nach der schweren Sturmflut vom Februar 1962 wurden sowohl im Westen nach Neuenfelde als auch im Osten zur Dradenau durch den Deichbau Landverbindungen geschaffen, so dass der Stadtteil heute faktisch keine Insel mehr ist.

Finkenwerder war bis 1937 entlang des Finkenwerder Landscheidewegs geteilt. Der nördliche Teil war seit 1445 hamburgisch und hatte seit 1919 den Status eines Vorortes. Der südliche Teil gehörte bis 1814 zum Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, bis 1866 zum Königreich Hannover und danach zu Preußen. Diese Teilung Finkenwerders wirkte sich besonders während der Cholera-Epidemie in Hamburg Ende des 19. Jahrhunderts aus, als es den Bewohnern der Hamburger Seite bei Todesstrafe verboten war, in den Südteil der Insel zu reisen. Trotzdem kamen viele aus dem Nordteil, um am evangelischen Gottesdienst in der Kirche teilzunehmen, die direkt hinter der Landscheide auf der Lüneburger Seite liegt.

Bereits im 13./14. Jahrhundert begann man mit der Eindeichung, die jedoch erst Anfang des 17. Jahrhunderts abgeschlossen wurde. 1801 erließ der Hamburger Senator für das Landgebiet Wilhelm Amsinck die Verfügungen für das Finkenwerder Deichwesen, die zu einer erheblichen Verbesserung der Sicherheit von Sturmfluten im Hamburger Teil führten (der Südteil war ohnehin kaum von Sturmfluten betroffen). In der Folge stieg die Bevölkerung beider Ortsteile stark an und die Deichkrone zwischen Steendieck und Auedeich wurde mit den z.T. heute noch dort vorhandenen Häusern bebaut. Während im Nordosten vorwiegend Fischer ansässig waren, wurde der übrige Teil der Insel von Obstbauern bewirtschaftet.

In den 1920er Jahren wurde unter Oberbaudirektor Fritz Schumacher der Bebauungsplan für das Gebiet zwischen der 1918 entstandenen Deutschen Werft und der alten Auesiedlung aufgestellt. Dort befinden sich überwiegend Backsteinbauten im für das damalige Hamburg typischen Backsteinstil. Sie bilden den heutigen Ortskern mit Einkaufsmöglichkeiten.

Die beiden Teile Finkenwerders unterschieden sich in der Schreibweise: Der auf hamburgischem Staatsgebiet liegende Teil wurde mit a-Umlaut geschrieben - also Finkenwärder, in Preußen dagegen mit "e" - also Finkenwerder. Im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetzes wurde ganz Finkenwerder Hamburg zugeschlagen und die Schreibweise vereinheitlicht.

Die Alte Süderelbe wurde im Sommer 1962 westlich von Finkenwerder abgedeicht.

Religionen

Für den lüneburgischen Südteil der Insel Finkenwerder wird erstmals im Jahre 1436 das Vorhandensein eines Kirchengebäudes bezeugt. Erster namentlich erwähnter Pfarrer ist im Jahre 1439 Otto Tyndal (Tinsdahl). Um 1542 wird die Reformation auf Finkenwerder eingeführt. Im Jahre 1617 wurde die 2. Kirche eingeweiht und 4 Jahre später, im Jahre 1621, kam es zur kirchlichen Vereinigung der Bevölkerungen des lüneburgischen Südteils und des hamburgischen Nordteils der Insel. Bis dahin waren die Bewohner des hamburgischen Nordteiles in die Kirche in Nienstedten, am Nordufer der Elbe, eingemeindet. Die Norderelbe, auf der heute große Containerschiffe den Hamburger Hafen anlaufen, war im 17. Jahrhundert noch ein wenig schiffbarer Flussarm, der in trockenen Sommern beinahe trockenfiel und auf Holzstegen überquert werden konnte. Aufgrund schwerer Baumängel wurden in den Jahren 1756 und 1881 die 3. und 4. Kirche eingeweiht.

Im November 1999 wurde die "Karmelzelle von der Menschwerdung" auf Finkenwerder gegründet. http://members.aol.com/karmelzellehh/

Politik

Der Versuch des Senates, Finkenwerder verwaltungsrechtlich dem Bezirk Harburg zuzuschlagen, scheiterte 2005 an einer Bürgerinitiative, deren Aktivisten beim Bezirk Hamburg-Mitte verbleiben wollten.

Finkenwerder gehört zum Bürgerschaftswahlkreis 2 Billstedt-Wilhelmsburg-Finkenwerder.

Lotsenhaus an der Elbe, von Finkenwerder aus gesehen.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Im ÖPNV ist der Stadtteil durch Schiffslinien der HADAG (Linie 62 zu den St. Pauli Landungsbrücken und Linie 64 nach Teufelsbrück) und durch Buslinien der HHA (150 durch den neuen Elbtunnel zum Bahnhof Altona und nach Cranz, 251 nach Neugraben) und KVG (146 zum Bahnhof Harburg und nach Sinstorf) in das Netz des Hamburger Verkehrsverbundes eingebunden. Zu den Schichtwechselzeiten der Airbus-Werke verkehren etliche Busse in nahezu alle Richtungen südlich der Elbe.

Schiffbau

1918 wurde mit der Deutschen Werft AG der damals größte Arbeitgeber der Insel gegründet. Sie war ursprünglich ein Gemeinschaftsunternehmen der Reederei HAPAG mit der Gutehoffnungshütte und der AEG. Nach einer Idee des Architekten Peter Behrens wurde durch werkseigene Architekten die Arbeiter- und Werkmeistersiedlung gebaut. Das auf Finkenwerder geplante Projekt erläutert ein Aufsichtsratsprotokoll vom 3. Juli 1919 :

Zur Behebung der Wohnungsnot auf Finkenwerder wird vorgeschlagen, auf dem baureifen Gelände am Norder-Elbdeich unter Aufgabe eines etwa 60 m breiten Streifens Werft-Gelände und unter Hinzuziehung eines Streifens Staatsgrund von 30 m Breite, Reihenhäuser in der von Peter Behrens vorgeschlagenen Bauweise zu errichten, und zwar soll möglichst noch in diesem Jahr mit dem Bau von 84 Wohnhäusern bestehend aus je einer Wohnküche und 2 - 3 Wohnräumen, Keller, Zubehör und Stall, begonnen werden. Jedes Haus erhält etwa 230 m² Gartenland. Der Baupreis der Häuser wird je nach Größe mit M. 18.000 - 22.000 veranschlagt, von dem werftseitig etwa M. 6.000 aufzubringen sein werden; der Rest soll als Überteuerung vom Reiche und dem Staat Hamburg angefordert werden. Die werftseitig aufzubringenden rd. 500.000 M. wurden bewilligt unter der Voraussetzung, daß es gelingt, den Staatszuschuß für die Bauten zu erlangen.[1]

Seit 1936 wurden in der Werftanlage mit dem Tarnnamen Fink II, ein U-Boot-Bunker, U-Boote für den Kriegseinsatz untergebracht und repariert.

Nachdem die Deutsche Werft geschlossen wurde, gibt es mit der Schiffswerft von Cölln, die bereits 1767 gegründet worden ist, und der Bootswerft Heuer noch zwei kleinere Betriebe.

Werksgelände (Ostteil)

Flugzeugbau

Mit der Hamburger Flugzeugbau GmbH wurde 1933 erstmals ein Luftfahrtunternehmen in Finkenwerder angesiedelt. Das Tochterunternehmen von Blohm + Voss wurde Ende der 1930er Jahre mit einem Flugplatz ausgestattet und entwickelte sich über Messerschmitt-Bölkow-Blohm und DASA zum heutigen EADS weiter, dessen Tochtergesellschaft Airbus derzeit die Endmontage für die Passagierflugzeuge A318, A319, A320 und A321 in Finkenwerder durchführt.[2]

Fischerei

Die Fischkutter und Fischdampfer mit dem Erkennungszeichen HF waren in allen Häfen der Nordsee und des Europäischen Nordmeeres häufige Gäste. Die Finkenwerder Scholle (auch "Finkenwerder Speckscholle" oder "Finkenwerder Kutterscholle") ist ein weit bekanntes Fischgericht.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

Das Finkenwerder Trachten- und Heimatmuseum wird vom Finkenwerder Danzkring unterhalten. Die Heimatvereinigung Finkenwerder hat das Geburtshaus von Johann Wilhelm Kinau (Gorch Fock) und Rudolf Kinau erworben und macht es als Kinau-Haus der Öffentlichkeit zugänglich. Am Köhlfleet-Hauptdeich hat das Finkenwärder-Gaffel-Consortium einen Museumshafen eingerichtet, in dem u.a. der Hochseekutter Landrath Küster liegt.

Musik

Die Finkwarder Speeldeel, eine 1906 gegründete Tanz- und Gesangsgruppe, ist durch viele Auftritte im Fernsehen und Hörfunk auch international bekannt geworden. Seit 1976 gibt es mit der Lütt Speeldeel auch eine Kindergruppe, die mit dem Hamburger Liedermacher Rolf Zuckowski zusammenarbeitet.

Der Finkwarder Danzkring Lünborger Siet ist - wie der Name andeutet - im südlichen Inselteil beheimatet und betreibt seit 1976 Volks- und Fokloretanz. Wesentlich älter sind die beiden Chöre, die Liedertafel „Harmonie“ von 1865 und der Frauenchor „Frohsinn“ von 1950.

Bauwerke

Die 1929/30 nach Plänen von Fritz Schumacher errichtete Gorch-Fock-Halle wird heute vom TuS Finkenwerder genutzt. Sie sollte ursprünglich als Volkshaus auch die örtliche Öffentliche Bücherhalle beherbergen und kulturellen Veranstaltungen dienen.

Steendiekkanal

Vom Rüschpark aus blickt man auf das von kirsch+bremer artandarchitecture gestaltete Denkmal der Ruine des U-Boot-Bunkers Fink II.

Parks

Während der Gorch-Fock-Park auf der Landzunge zwischen Steendiekkanal und Köhlfleet bereits in Fritz Schumachers Bebauungsplan vorgesehen war, gibt es seit 1996 am nördlichen Ende des Rüschkanals den Rüschpark, der auf ehemaligem Werftgelände angelegt worden ist. Im Südwesten des Stadtteils gibt es zwei Naturschutzgebiete (Finkenwerder Süderelbe und Westerweiden).

Sport

Der Turn- und Sportverein Finkenwerder von 1893 e.V. und der SC Finkenwerder als ehemaliger Arbeitersportverein bieten vielen Sportbegeisterten eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Neben den üblichen populären Einzel- und Mannschaftssportarten bietet der TuS auch eine Segel-, eine Ju-Jutsu-, und eine Boxsparte sowie einen Spielmannszug an.

Schachfreunde kommen in Finkenwerder beim SK Finkenwerder von 1938 zum Zuge.

Persönlichkeiten

Literatur

Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf bitte mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.

Einzelnachweise

  1. Unser Blatt: Flottbek-Othmarschen (Eine Stadtteilzeitschrift Hamburgs) 48 (1996) Nr. 6, S. 5 und Nr. 8, S. 4
  2. Airbus.com: Airbus in Germany