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Liutprand (Langobarde)

Liutprand (auch: Luitprand) († Januar 744) war in den Jahren 712–744 König der Langobarden.

Inhaltsverzeichnis

Exil

Liutprand war der jüngere Sohn des Ansprand, der nach dem Tod des Königs Cunincpert im Jahr 700 als Regent für Cunincperts minderjährigen Sohn Liutpert eingesetzt worden war. Dagegen erhob sich im Jahr 701 Raginpert, dem es gelang, Ansprand bei Novara zu schlagen. Zwar starb Raginpert bald darauf, sein Sohn und Nachfolger Aripert II. zeigte sich aber besonders unnachsichtig gegen seine Gegner: Den jungen Liutpert ließ er als möglichen Thronrivalen 703 ermorden, Ansprands Frau Theodora, seine Schwester Aurona und sein älterer Sohn Sigiprand, Liutprands Bruder, wurden grausam verstümmelt; Ansprand ging ins bairische Exil und auch Liutprand gelang die Flucht zu seinem Vater über die Alpen, wo Herzog Theudebert sie wohlwollend aufnahm.

712 zogen beide mit einem bayrischen Heer nach Italien, um den langobardischen Thron zu gewinnen, bei Pavia gelang ihnen ein Sieg über Aripert, der auf der Flucht im Ticinus ertrank. Ansprand übernahm unangefochten die Herrschaft, starb allerdings bereits drei Monate darauf. Am 13. Juni konnte sich Liutprand zum König krönen lassen.

Königsherrschaft

Liutprand gewann als König die Oberherrschaft über Korsika, bestätigte der Kirche die von Aripert II. vorgenommenen Schenkungen in den Cottischen Alpen, hob das bis dahin bestehende Verbot von Mischehen zwischen Romanen und Langobarden auf und verfasste mit den Liutprandi Leges ein umfassendes Gesetzeswerk. Der Verkauf von Freien ins Ausland wurde untersagt, ebenso Fehden, die die Rechtssicherheit im Land gefährdeten. Mit Baiern hatte Liutprand seit seinem Exil gute Beziehungen, er heiratete schließlich die bairische Prinzessin Guntrud. Außerdem suchte er gute Beziehungen zum Frankenreich, wo sich 719 der Hausmeier Karl Martell als eigentlich Herrscher durchgesetzt hatte, dessen Sohn Pippin Liutprand adoptierte. Als Karl Martell 739 Liutprand bat, ihm in der Provence gegen die Sarazenen beizustehen, erklärte er sich zu dieser Waffenhilfe bereit.

Kämpfe in Italien

Zugleich wurde Liutprand seit 728 offensiv gegen die byzantinische Herrschaft in Mittelitalien und gegen das Papsttum. Er konnte Ravenna einnehmen und richtete nun seinen Blick nach Süden, wo seit 724 Transemund, der Sohn Faroalds, Herzog von Spoleto war und sich den Zentralisierungsbestrebungen Liutprands widersetzte und sich mit Papst Gregor II. verbündete. Diesem soll Liutprand angeblich Sutri und mehrere Städte in Latium zugesprochen haben, eine Vorwegnahme der Pippinischen Schenkung in kleinem Maßstab. Das Ziel, Rom einzunehmen, wurde aber offenbar nicht aufgegeben, die Gefährdung des Papsttums in Rom blieb bestehen und verschärfte sich, als Papst Zacharias im Jahr 738 Liutprands Rivalen Transemund Schutz bot. Der Hilferuf des Papstes an Karl Martell im Jahre 739 verhallte angesichts von dessen Freundschaft mit Liutprand ungehört. Somit musste der Papst auf eigene Faust mit Liutprand verhandeln, dessen Position durch den Aufstand seines Neffen Hildeprand und durch den fortdauernden Kampf mit Spoleto geschwächt war. 742 gelang es Liutprand, Transemund abzusetzen und ihn dazu zu zwingen, ins Kloster zu gehen, sein Herzogtum fiel an Agiprand. Mit dem Papst machte Liutprand 743 seinen Frieden, wobei er auf die Eroberung Roms verzichtete.

Nachfolge

Liutprand starb im Januar 744, die Nachfolge trat zunächst sein Neffe Hildeprand an, der allerdings noch im selben Jahr von Ratchis abgelöst wurde.

Personendaten
Liutprand
König der Langobarden
Januar 744