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Sankt Sebastian (am Rhein)

Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 50° 25′ N, 7° 34′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Mayen-Koblenz
Verbandsgemeinde: Weißenthurm
Höhe: 69 m ü. NN
Fläche: 2,88 km²
Einwohner: 2480 (31. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte: 861 Einwohner je km²
Postleitzahl: 56220 (alt: 5401)
Vorwahl: 0261
Kfz-Kennzeichen: MYK
Gemeindeschlüssel: 07 1 37 222
Adresse der Verbandsverwaltung: Kärlicher Str. 4
56575 Weißenthurm
Webpräsenz:
www.sankt-sebastian.de
Ortsbürgermeisterin: Martina Ehrlich (SPD)
Lage der Gemeinde Sankt Sebastian im Landkreis Mayen-Koblenz

Sankt Sebastian ist eine Ortsgemeinde der Verbandsgemeinde Weißenthurm im Landkreis Mayen-Koblenz, Rheinland-Pfalz. Sie liegt direkt am westlichen Ufer des Rheins und grenzt im Süden unmittelbar an die Großstadt Koblenz. Sankt Sebastian befindet sich somit recht zentral im Neuwieder Becken gelegen, einer durch den Rhein geschaffenen, weitläufigen Talebene zwischen Eifel und Westerwald.

Ein großer Teil der Fläche ist Trinkwasserschutzgebiet, daher gibt es keine ortsansässige Industrie, sondern lediglich kleinere Handwerksbetriebe und Einzelhändler. Die Gemeinde profitiert von der Suburbanisierung und hat in den letzten Jahren einen Bevölkerungsanstieg zu verzeichnen.

Der Name des Ortes geht auf den Heiligen Sebastian zurück, einem christlichen Märtyrer aus dem 3. Jahrhundert, welcher Schutzpatron der katholischen Pfarrkirche in Sankt Sebastian ist. Zusammen mit den benachbarten Kaltenengers und Urmitz werden die drei Ortschaften zusammen auch die Rheindörfer-Gemeinden genannt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Als Gründungsdatum der Gemeinde Sankt Sebastian wird im Allgemeinen das Jahr 1150 angesehen. Prof. Dr. Franz-Josef Heyen (Honorarprofessor für mittelalterliche Geschichte, Universität Trier) berichtet dazu in seiner Expertise zum Alter des Ortes über die erste urkundliche Erwähnung unter dem Namen St. Sebastian - Engers. In der Gründungsgeschichte der Abtei Rommersdorf wird dabei berichtet, dass der Abt Heinrich die curtis Engersche trans Rhenum cum ecclesia quae ad ispam pertinet (das Hofgut Engers jenseits des Rheins mit Kirche, die zu diesem gehört) erworben hat. Dieser Kauf wurde im Zuge eines Besitzstreites in einer Liste des Papstes Viktor IV. am 11. September 1162 urkundlich beglaubigt. Die tatsächliche Entstehung des Ortes kann aber durchaus noch früher gewesen sein.

In den folgenden Jahrhunderten kann ein mehrfacher Wechsel des Besitztums nachgewiesen werden. 1329 kauft Ritter Waldpode von Andernach den Ort unter dem Namen Ober-Engersch. 1371 geht der Ort wieder zum Kurstaat Trier über. Im Jahr 1419 zieht Kurfürst Otto von Ziegenhain das Virneburger Lehen samt Bergpflege, darunter auch Sankt Sebastian, unter kurfürstliche Verwaltung ein. 1445 schließlich gelangt St. Sebastian unter die direkte Landeshoheit des Trierer Kurfürsten. Als Name des Ortes wird St. Sebastian - Engers festgeschrieben.

Seit 1410 hat St. Sebastian ein eigenes Dorfgericht. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges wird ab 1657 im Gemeindehaus Unterricht erteilt. 1660 wird der regelmäßige Fährbetrieb zwischen St. Sebastian und Bendorf aufgenommen.

Im Jahr 1675 wird das Pfarrhaus St. Sebastian bei einem Brand vernichtet. Erst 1680 ist es wieder neu errichtet, als Name des Ortes gilt nun Sanct Sebastian.

1699 wütet die Pest im nahen Eich (heute ein Stadtteil von Andernach). Um für Erbarmen zu bitten pilgern gläubige Eicher nach St. Sebastian. Diese so genannten Eicher Prozessionen existieren als Tradition noch heute.

1780 wird das erste Schulhaus im Ort neben dem Pfarrhaus errichtet. Auf dem gleichen Grund befindet sich noch heute die Grundschule des Ortes.

Nach der Einnahme durch die Franzosen im Jahr 1794 annektiert Frankreich 1797 zusammen mit den linksrheinischen Gebieten der kurtrierischen Provinz auch St. Sebastian. Einhergehend mit der Säkularisierung der geistlichen Fürstentümer wird die Abtei Rommersdorf aufgelöst. Ab 1804 müssen die Kinder, unter dem Druck der Besatzung, in der Schule Französisch lernen. 1813 beginnen dann die Befreiungskriege gegen die Herrschaft Napoleons. 1. Januar 1814 rückt der preußische Generalfeldmarschall Blücher mit seinem schlesischem Heer über den Mittelrhein gegen die Franzosen vor und erzwingt den Rückzug der Franzosen. Als Folge der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress erhalten die Preußen unter anderem die Rheinprovinz mit Kurtrier und errichten somit ihre Vormachtstellung am Rhein. St. Sebastian kommt unter preußische Verwaltung, bildet im Landkreis Koblenz die Bürgermeisterei Sankt Sebastian. 1822 wird die Rheinprovinz mit Sitz in Koblenz gebildet.

Im Zuge der Industrialisierung erhält auch St. Sebastian Anschluss an moderne Errungenschaften: Seit 1913 fährt die erste Motorfähre zwischen St. Sebastian und Bendorf und ab 1918 gibt es elektrisches Licht im Ort. Im Jahr 1927 gibt es das erste Leitungswasser in St. Sebastian. Die Qualität des Grundwassers ist derart hoch, dass große Teile der Gemarkungsflächen noch heute als Trinkwasserschutzgebiet fungieren.

Das Vereinsleben im Ort befand sich währenddessen im steten Aufbau. Bereits 1863 wird die Schützenbruderschaft gegründet und tritt dem Rheinischen Schützenbund bei. Die Gründung des Männer-Gesangvereins MGV 1882 St. Sebastian wind mit 1882 datiert; die Kirmesgesellschaft St. Sebastian entsteht 1904. Im Jahr 1919 entsteht ein Fußballverein, 1920 ein Turnverein, welche sich 1932 zum Turn- und Sportverein St. Sebastian 1919 zusammenschließen. Die Freiwillige Feuerwehr entsteht 1927. 1953 gründen sich unabhängig von einander der Musikverein St. Sebastian und die Katholische Frauengemeinschaft. Alle diese Vereine sind noch heute aktiv und ein wesentlicher Bestandteil des Dorflebens. Seit 1971 besteht zudem eine Partnerschaft mit der Gemeinde Breitenbach am Inn in Österreich.

Der Fährbetrieb zwischen St. Sebastian und Bendorf wird schließlich 1962 eingestellt. In den folgenden Jahren erfährt das Ortsbild noch viele Veränderungen, z.B.: 1970 zieht der katholische Kindergarten in sein neues Gebäude, 1976 wird die Volksschule in eine Grundschule umgewandelt, welche 1992 renoviert und erweitert wird. Seit 1988 bereichert der Brunnenplatz am Mülheimer Weg das Dorfleben, seit 1996 folgt der zweite Brunnenplatz mit Anlage an der Bendorfer Brücke. Ab 1997 fungiert die neue Sport- und Mehrzweckhalle als zentrale Lokalität für die kulturellen Veranstaltungen des Ortes. Auf Grund der Erschließung einer Reihe von Neubaugebieten bestimmen heute neuere Ein- und Mehrfamilienhäuser den Charakter des ehemals landwirtschaftlich geprägten Ortes, während im Ortskern Nahe der Dorfkirche nur noch wenige Höfe und Fachwerkhäuser zu sehen sind.

Im Jahr 2000 feierte die Ortsgemeinde St. Sebastian ihr 850jähriges Jubiläum.

Einwohnerentwicklung

Stand / Datum Einwohner
31. Dezember 2004 2551
30. Juni 2005 2561
30. Juni 2006 2557

Politik

Bürgermeister

Seit 2007 ist Martina Ehrlich (SPD) Bürgermeisterin von Sankt Sebastian. Sie löste Anton Thielen (SPD) ab.

Wappen und Fahne

Mit der Genehmigung vom 16. August 1935 wurde Sankt Sebastian gemäß der deutschen Gemeindeordnung das Recht zur Führung eines Gemeindewappens verliehen. Die Blasonierung des Wappens beschreibt sich wie folgt:

Das Wappen gehört zu den Dreieckswappen. Es ist gespalten von silber (weiß) mit einem durchgehenden, roten, lateinischen Balkenkreuz und von schwarz mit zwei diagonal gekreuzten Pfeilen in silber (weiß), welche mit Widerhaken und Fiederung bestückt sind. Die Balken des Kreuzes kreuzen sich in der Mitte des Längsbalkens. Der Schnittpunkt der Pfeile liegt auf Höhe der waagerechten Mittellinie des Kreuzquerbalkens.

Das Kreuz steht für das Erzbistum Trier, dessen Hauptsitz lange Zeit im benachbarten Koblenz ansässig war und dem Sankt Sebastian noch heute angehört. Die Pfeile zeigen die Verbundenheit mit dem Heiligen Sebastian, welcher Namensgeber des Ortes und Schutzpatron der katholischen Pfarrkirche ist.

Entsprechend dem Kommunalgesetz von Rheinland-Pfalz führt St. Sebastian seit dem 1. Mai 1989 auch eine eigene Fahne. Diese besteht aus einem rechteckigen Tuch, das der Länge nach in eine rote und eine weisse Hälfte aufgeteilt ist. Zentral in dessen Mitte befindet sich das Ortwappen derart, dass der weiße Grund mit dem Kreuz ganz auf der roten und der schwarze Grund mit den Pfeilen ganz auf der weißen Seite liegen.

Bildungseinrichtungen

Literatur