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Deutsche Marine

Deutsche Marine

Aufstellung 2. Januar 1956
Land Deutschland
Streitkräfte Bundeswehr
Typ Teilstreitkraft
Grobgliederung Flottenkommando
Einsatzflottille 1
Einsatzflottille 2
Marineflieger- geschwader 3+5

Marineamt

Stärke Aktive Soldaten:

18.830[1] (Dez. 2007)
Beorderte Reservisten:
4.300[2]

Hauptsitz des Führungsstabes Hardthöhe, Bonn
Leitung
Inspekteur der Marine Wolfgang E. Nolting

Die Deutsche Marine ist mit rund 19.000 Soldaten in Friedenszeiten die kleinste der drei Teilstreitkräfte der Bundeswehr. Die Bezeichnung Deutsche Marine trägt sie seit 1990. Sie wird truppendienstlich vom Inspekteur der Marine geführt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte der Deutschen Marine

Frühere deutsche Marinen

Deutschland hat in seiner Geschichte nur wenige Versuche unternommen, als Seemacht aufzutreten. Das größte Vorhaben war der Aufbau der Hochseeflotte unter Kaiser Wilhelm II. vor dem Ersten Weltkrieg. Abgesehen von den Kriegsflotten einzelner früherer deutscher Teil- oder Bundesstaaten (etwa der österreichischen und preußischen Marine) gab es jedoch bereits zu früheren Zeiten Seestreitkräfte, die auf unterschiedliche Art und Weise gesamtdeutschen Seeinteressen dienen sollten und deren Bezeichnungen heute zum Teil kaum noch bekannt sind. Die historischen Namen dieser deutschen Marineverbände seit 1848 lauten:

Deutsche Marinen während des Ost-West-Konflikts

Die heutige Marine ist nach dem Zweiten Weltkrieg im Rahmen der Wiederbewaffnung Deutschlands als Teil der Bundeswehr neu entstanden. Bis 1990 war für sie die Bezeichnung Bundesmarine üblich, gleichwohl nie offiziell. Während des Ost-West-Konflikts hatte sie im Wesentlichen drei Aufgaben, die sie gemeinsam mit den NATO-Verbündeten und vor allem mit der dänischen Marine zu erfüllen hatte. Sie sollte die Ostseezugänge gegen die Besetzung durch den Warschauer Pakt schützen und dadurch die in der Ostsee befindlichen Seestreitkräfte des Warschauer Pakts einschließen. In der Nordsee und im Nordatlantik sollte sie alliierte Verstärkungstransporte nach Europa schützen.

Zugleich bestand in der DDR die Volksmarine als Teil der NVA. Die Volksmarine war in den Warschauer Pakt als Teil der Vereinigten Ostseeflotten eingebunden, ihr Operationsgebiet waren ebenfalls die Ostsee und die Ostseeausgänge. Sie hatte die Aufgaben, den Seeweg über die Ostsee für sowjetische Verstärkungen freizuhalten und sich an offensiven Operationen gegen die Küsten gegnerischer Staaten in der Ostsee zu beteiligen. Hinzu kam die umfangreiche Aufklärungstätigkeit gegenüber den NATO-Marinen in der Ostsee. Eine besondere Rolle kam der 6. Grenzbrigade Küste (GBK) bei der Verhinderung von Republikflucht zu.

Die deutsche Einheit im Jahr 1990 wurde nicht durch die Vereinigung zweier Staaten, sondern durch den Beitritt der fünf neuen Länder zur Bundesrepublik Deutschland vollzogen. Mit der DDR sind ihre Institutionen untergegangen, während die der Bundesrepublik fortbestehen. Das gilt auch für die Streitkräfte. Die Marine der Bundesrepublik Deutschland ist 1990 – wie die gesamte Bundeswehr – bruchlos fortgeführt worden. Die Führung der Marine hat jedoch entschieden, die bisherige, stets inoffizielle, Bezeichnung Bundesmarine nicht mehr zu verwenden, sondern fortan den Begriff Deutsche Marine in allen offiziellen Texten zu benutzen. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist die Bezeichnung Bundesmarine noch immer anzutreffen.

Entwicklung seit 1990

1990 hatte die Marine zunächst ihre bisherige Struktur im Wesentlichen beibehalten, war jedoch, wie die gesamte Bundeswehr, schrittweise verkleinert worden. Nur ein kleiner Teil des Personals und des Materials der Volksmarine wurde übernommen. Die Regelungen des Zwei-plus-Vier-Vertrages erlaubten es bis Ende 1994 nicht, der NATO zuzuordnende Streitkräfte auf dem Territorium der vormaligen DDR zu stationieren. Deshalb wurden die Teile der ehemaligen Volksmarine, die zunächst noch weiterhin in Dienst gehalten werden sollten, in einem eigenen Marinekommando Ost mit Sitz in Rostock zusammengefasst, das zunächst dem Bundeswehrkommando Ost in Strausberg unterstand.

Ab 1995 konnte eine einheitliche Marinestruktur geschaffen und die im Beitrittsgebiet stationierten Kräfte der NATO assigniert werden. Das Marinekommando Ost wurde aufgelöst, stattdessen wurden einige neue Dienststellen im Beitrittsgebiet aufgestellt (Marineabschnittskommando Ost, Marinetechnikschule), andere wurden von Westen dorthin verlagert (Schnellbootflottille, Marineamt).

Erst mit der 2000 von Verteidigungsminister Rudolf Scharping eingeleiteten Bundeswehrreform begann sich die Organisation der Marine grundsätzlich zu verändern. Inzwischen ist an die Stelle der bisher üblichen stufenweisen Bundeswehrreformen ein kontinuierlicher Prozess getreten, der mit dem Begriff Transformation beschrieben wird.

Die Anzahl kleinerer, vor 1990 speziell für die Ostseekriegführung vorgesehener Schiffe und Boote wird weiter reduziert. Dafür wird eine kleinere Zahl größerer Fahrzeuge verschiedener Typen beschafft. Gleichzeitig wird die Anzahl der Marinesoldaten auf etwa 25.000 verringert. Im Verhältnis zu den anderen Teilstreitkräften ist der Anteil der Marinesoldaten in der Bundeswehr dagegen gewachsen von etwa 7,7 % vor 1990 auf künftig etwa 10 %.

Aufgaben der Marine

Die Marine leistet einen Beitrag zu deren Aufgaben, wie sie in den jeweiligens gültigen Verteidigungspolitischen Richtlinien des Bundesministers der Verteidigung festgelegt sind.

Seit 1990 haben sich die Aufgaben der Bundeswehr immer mehr weg von der Landesverteidigung hin zu friedensunterstützenden Einsätzen am Rande und außerhalb Europas gewandelt (siehe unten). Ihr heutiger Auftrag leitet sich aus der Konzeption der Bundeswehr [3] ab:

Der Inspekteur der Marine hat in seinen jährlichen Weisungen 2006 [4] und 2007 [5] festgelegt, wie diese Aufträge in der Marine umgesetzt werden.

Danach soll die Marine im Rahmen von Auslandseinsätzen mit Schwerpunkt an streitkräftegemeinsamen Operationen teilnehmen. Sie soll mit ihren Mitteln von See aus andere Streitkräfte unterstützen, so dass die Hohe See als Basis für militärische Operationen genutzt werden kann. So können zum Beispiel die neuen Luftverteidigungsfregatten der Sachsen-Klasse in Küstennähe eingesetzte Landverbände gegen Luftangriffe schützen.

Außerdem soll die Marine im Rahmen der Aufgabe „Schutz Deutschlands und seiner Bürgerinnen und Bürger“ die Seewege gegen asymmetrische Bedrohungen schützen und so zur Sicherheit des deutschen Seehandels beitragen.

Als Beitrag zu der Aufgabe „Hilfeleistungen“ beteiligt sich die Marine am SAR-Dienst im deutschen Küstenbereich.

Organisation und Führung

An der Spitze der Marine steht der Inspekteur der Marine im Bundesministerium der Verteidigung. Als truppendienstlicher Vorgesetzter seiner Teilstreitkraft untersteht er direkt dem Bundesminister der Verteidigung. Der Inspekteur wird unterstützt durch den Führungsstab der Marine, eine Abteilung des Ministeriums in Bonn. Die Teilstreitkraft Marine besteht aus zwei Kommandobereichen, der Flotte und dem Marineamt.

Wie vor 1990 bleibt die Marine in die NATO-Kommandostruktur eingebunden, die sich ihrerseits den Veränderungen nach Ende des Ost-West-Konflikts angepasst hat. Schiffe und Boote beteiligen sich an den ständigen Einsatzverbänden der NATO, die im Wechsel mit anderen Nationen auch von deutschen Marineoffizieren geführt werden.

Die Flotte

Die Flotte der Deutschen Marine wird vom Befehlshaber der Flotte im Flottenkommando in Glücksburg operativ und administrativ geführt. Für die Führung von seegehenden Verbänden wird beim Flottenkommando ein Einsatzstab eingerichtet, der zur Unterstützung eines Verbandsführers eingeschifft werden kann. Größere Einsätze werden seit 2002 durch das Einsatzführungskommando in Potsdam geführt. Zur Flotte gehören die Schiffe und Flugzeuge der Marine und sonstige Einsatzkräfte.

Die Flotte gliedert sich in zwei Einsatzflottillen und zwei Marinefliegergeschwader. Die Einsatzflottille 1 in Kiel mit einem Einsatzstab umfasst alle Schnellboote, U-Boote, Minenabwehrfahrzeuge, spezialisierten Einsatzkräfte und Marineschutzkräfte. Zur Einsatzflottille 2 in Wilhelmshaven mit ebenfalls einem Einsatzstab gehören die Fregatten und die größeren Versorgungsschiffe. Aus den Einsatzflottillen werden lageabhängig Einsatzverbände für Eingreif- und Stabilisierungsoperationen zusammengestellt.

Organisation der Flotte

Schiffe und Boote

Luftfahrzeuge

Landeinheiten

Zur Flotte gehören außerdem einige Landeinheiten, darunter

Siehe auch: Liste von Luftfahrzeugen der Bundeswehr

Das Marineamt

Das Marineamt in Rostock ist für die Ausbildung und die Logistik der Marine verantwortlich. Dem Marineamt unterstehen Schulen, Stützpunkte und Fachkommandos. Der Stab des Marineamts gliedert sich in die Abteilungen Marinerüstung und -logistik (MRL), Weiterentwicklung und Ausbildung (WA) und Personalstruktur, Organisation, Controlling, Aufwandsbegrenzung und Rationalisierung Marine (POCAR M).

Bisherige Struktur aktuelle Struktur
folgt
Schulen der Marine

ehemalige Schulen:

Die Schulen sind dem Marineamt unterstellt.

Marinestützpunkte
Fregatten, Trossschiffe
Unterseeboote, Flottendienstboote, Trossschiffe, Spezialisierte Einsatzkräfte Marine, Marineschutzkräfte
Trossschiffe, Minenabwehreinheiten, Segelschulschiff Gorch Fock
Schnellboote, Trossschiffe

Die Marinestützpunktkommandos Eckernförde, Kiel und Warnemünde unterstehen seit Mitte 2006 truppendienstlich dem Marinestützpunktkommando Wilhelmshaven.

Die wichtigsten, dem Marineamt nachgeordneten Fachkommandos sind:

Das Marinearsenal mit Betrieben in Wilhelmshaven und Kiel, die Forschungsanstalt der Bundeswehr für Wasserschall und Geophysik (FWG) in Kiel und die Wehrtechnische Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen (WTD 71) in Eckernförde unterstehen nicht der Marine sondern dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung. Sie unterstützen die Marine als Teile des Rüstungsbereichs der Bundeswehr.

Sendeanlagen
Sonstiges

In Berlin unterhält die Marine für Repräsentationszwecke des Bundesministeriums der Verteidigung eine Barkasse mit dem Namen Marine 1.

Personal

Von den 25.000 Marinesoldaten dienen etwa 19.000 in der Marine selbst, die anderen in den übrigen Teilen der Bundeswehr, vor allem in der Streitkräftebasis, dem Zentralen Sanitätsdienst und im Ministerium. Etwa 6.000 Soldaten dienen auf seegehenden Einheiten. In der Marine gibt es neben Berufs- und Zeitsoldaten auch Wehrpflichtige, diese jedoch in erheblich geringerer Anzahl als in anderen Bereichen der Bundeswehr.

Die Dienstgradbezeichnungen in der Marine unterscheiden sich von denen der anderen Teilstreitkräfte der Bundeswehr, folgen jedoch dem selben System. Die Mannschaften und Unteroffiziere werden in unterschiedlichen Verwendungsreihen an Schulen der Marine und zum Teil in anderen Teilen der Bundeswehr spezialisiert ausgebildet. Leistungsstarke Unteroffiziere können zum Offizier des militärfachlichen Dienstes und in Einzelfällen zum Offizier des Truppendienstes weitergebildet werden. Alle Offiziere erhalten eine Ausbildung an der Marineschule Mürwik. Die Offiziere des Truppendienstes erhalten mit wenigen Ausnahmen ein Studium an einer Universität der Bundeswehr.

Außer den Soldaten arbeiten in der Marine über 2.500 zivile Mitarbeiter. Einige Hilfsschiffe der Marine sind zivil besetzt, darunter die Flottentanker.

Die Pflege von Tradition und Brauchtum der Marine vermittelt den Angehörigen ein besonderes Zugehörigkeitsgefühl zu ihrer Teilstreitkraft.

Wichtigste Vereinigungen von Marineangehörigen und Ehemaligen sind

Rüstungsvorhaben

Die Deutsche Marine verfolgt zurzeit folgende größere Rüstungsvorhaben[6]:

Mit der Realisierung der geplanten Material- und Ausrüstungsvorhaben wird sich die Deutsche Marine weiter – gemäß den sicherheitspolitischen Forderungen und politischen sowie militärischen Vorgaben – entwickeln.

Einsätze der Marine seit 1990

Bereits im Ersten Golfkrieg 1987 operierte die Bundesmarine regelmäßig im Mittelmeer, um die Verbündeten in dieser sicherheitspolitisch wichtiger werdenden Region zu unterstützen. Unmittelbar nach der Wiedervereinigung begann in Deutschland eine intensive Debatte über den Einsatz der Bundeswehr außerhalb des NATO-Vertragsgebiets („out-of-area-Debatte“). Sie wurde beflügelt durch den Einsatz deutscher Streitkräfte während des Golfkonflikts, der der irakischen Besetzung Kuwaits am 2. August 1990 folgte. An diesen Operationen war die Marine mit erheblichen Kräften beteiligt (s.u.).

Die rechtlichen Fragen der bewaffneten Auslandseinsätze wurden durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 12. Juli 1994 weitgehend geklärt, die out-of-area-Debatte damit beendet. Es fehlt allerdings weiterhin eine Regelung für den Einsatz der Marine zur Bekämpfung der Proliferation von Massenvernichtungsmitteln, des Drogenhandels, des Menschenhandels und der Piraterie auf der Hohen See. An entsprechenden Operationen verbündeter Staaten kann sich die deutsche Marine auf Grund der innerstaatlichen Rechtslage nur mit Einschränkungen beteiligen.

Mit bewaffneten Einsätzen im Sinne des Urteils des Bundesverfassungsgerichts wurde die Marine hingegen von Beginn an beauftragt. Im Rahmen der ständigen Einsatzverbände der NATO nimmt die Marine darüber hinaus in wichtigen Seegebieten Überwachungs- und Präsenzaufgaben war, die nicht unter den formalen Begriff des bewaffneten Einsatzes fallen. Außerdem sind an fast allen anderen Einsätzen der Bundeswehr Marinesoldaten beteiligt, die im Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr und der Streitkräftebasis dienen oder von der Marine für Sonderaufgaben abgestellt sind.

Die Einsätze haben die Marine, wie andere Teile der Bundeswehr auch, mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Das liegt unter anderem daran, dass die vorhandenen Schiffe für die Aufgaben des Kalten Krieges konzipiert sind. Die neuen Aufgaben verlangten neue Ausrüstung (z. B. kleinkalibrige Maschinenwaffen auf Fregatten) und neue Verfahren. Das heiße Klima am Horn von Afrika führte z. B. zu technischen Problemen bei der Kühlung der Wohnräume und der Schiffsdiesel. Insofern sind die Einsätze mit hohen physischen Belastungen für die Besatzungen verbunden. Zu den neuen Verfahren gehörte es, kleinere Fahrzeuge, in diesem Falle Schnellboote, nicht auf eigenem Kiel sondern an Bord eines Dockschiffs in das Einsatzgebiet zu transportieren, um das Material zu schonen. Die Einsatzerfahrungen fließen in die Entwürfe für neue Schiffe ein.

Vor Beginn des Libanon-Einsatzes hatte die Marine routinemäßig drei Fregatten, zwei Minenabwehrfahrzeuge, ein U-Boot, ein oder zwei Hilfsschiffe und Teile der Marineflieger mit etwa 1.000 Soldaten in Einsätzen einschließlich der Beteiligung an den Standing NATO Maritime Groups/NRF. Mit dem Libanoneinsatz ist die Zahl des beteiligten Personals zeitweise auf etwa 1.700 gestiegen.

Einsätze im Zusammenhang mit dem Golfkrieg 1990–1991

Nach der Besetzung Kuwaits durch den Irak am 2. August 1990 wurden Kräfte der Bundeswehr zur Verstärkung der Südflanke der NATO ins Mittelmeer und in die Türkei verlegt. Die Marine beteiligte sich daran mit einem Minenabwehrverband (Operation Südflanke), mit Zerstörern, Fregatten, Hilfsschiffen und einigen Flugzeugen. Zeitweise befanden sich bis zu 20 Schiffe und Boote im Mittelmeer. Nach Ende der Kampfhandlungen im Frühjahr 1991 beteiligte sich der Minenabwehrverband an der Minenräumung im Persischen Golf, was als der erste Out–of–area–Einsatz der Bundeswehr gilt.

Einsätze in der Adria seit 1992

Nach Ausbruch der ersten bewaffneten Auseinandersetzungen im ehemaligen Jugoslawien infolge der Unabhängigkeitserklärung Sloweniens und Kroatiens vom 25. Juni 1991 und des nachfolgenden 10-Tage-Kriegs in Slowenien begann die NATO 1992 mit Überwachungsoperationen in der Adria. Daran waren auch Schiffe und Flugzeuge der deutschen Marine beteiligt. Das erste Schiff der Deutschen Marine in der Adria war der Zerstörer „Bayern“. Auf Grundlage verschiedener Resolutionen der Vereinten Nationen wurde aus der Überwachungsoperation der Embargoeinsatz Operation Sharp Guard. Die deutsche Beteiligung daran war einer der Gegenstände des erwähnten Verfahrens vor dem Bundesverfassungsgericht. Erst nach dessen Abschluss 1994 konnte sich die deutsche Marine in vollem Umfang an den Adriaoperationen beteiligen. Die Operation diente einerseits dazu, Waffenlieferungen in das gesamte ehemalige Jugoslawien zu unterbinden, andererseits sollte ein Handelsembargo gegen Rest-Jugoslawien durchgesetzt werden, um es zu einer friedlichen Konfliktbewältigung in Bosnien und Herzegowina zu zwingen.

Auch nach Abschluss der Operation SHARP GUARD 1996 blieb die Marine – meist als Teil von NATO-Verbänden – mit Schiffen und Flugzeugen in der Adria präsent. So beteiligte sie sich im März 1997 an der deutschen Operation Libelle zur Evakuierung deutscher Bürger aus Albanien. Auch während des Kosovokrieges dauerten die Schiffspatrouillen in der Adria an, und nach Abschluss des Konflikts 1999 beteiligte sich die deutsche Marine an der Beseitigung von in der Adria versenkter Munition.

Somalia 1994

Im Dezember 1993 beschloss das Bundeskabinett, den seit Juli laufenden Unterstützungseinsatz des deutschen Heeres in Somalia bis Ende März 1994 zu beenden. Wegen der sich rapide verschlechternden Sicherheitslage wurde darauf verzichtet, das Heereskontingent per Lufttransport zurückzuführen. Die Marine evakuierte bis Februar 1994 im Rahmen der Operation Southern Cross die etwa 1.700 Soldaten mit Fregatten und Versorgungsschiffen in mehreren Transporten von Mogadischu nach Mombasa und Dschibuti.

Kampf gegen den Internationalen Terrorismus seit 2001

Seit 2001 wird die Bundeswehr im Rahmen des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus eingesetzt. Ein Marinekontingent überwacht seit Anfang 2002 von Stützpunkten auf Dschibuti das Seegebiet am Horn von Afrika als Teil der internationalen Operation Enduring Freedom. In der Anfangsphase waren daran drei Fregatten, fünf Schnellboote, mehrere Hilfsschiffe, Seefernaufklärer und Hubschrauber mit etwa 1.500 Soldaten beteiligt. Dies war der bisher größte Einsatz der Marine seit 1990. Inzwischen ist der Umfang erheblich reduziert worden. Das Marinekontingent besteht aus einer Fregatte, zeitweilig einem Versorgungsschiff und einer kleinen Basis in Dschibuti.

Außerdem ist die Marine bereits seit Ende 2001 an der NATO-Operation Active Endeavour im Mittelmeer beteiligt.

Libanon seit 2006

Nach dem Ende des Libanonkriegs des Jahres 2006 ist ein zur Interimstruppe der Vereinten Nationen in Libanon (UNIFIL) gehöriger Marineverband aufgestellt worden, an dem sich die deutsche Marine seit Oktober 2006 beteiligt. Von Oktober 2006 bis Februar 2008 wurde dieser Verband durch einen deutschen Admiral geführt. Der deutsche Anteil bestand zunächst aus zwei Fregatten, vier Schnellbooten und zwei Hilfsschiffen. Seit der Abgabe der Führungsaufgabe wurde er auf eine Fregatte, zwei Boote (Schnellboote oder Minensuchboote) und einen Tender reduziert.

Verweise

Interne Links

Externe Links

Literatur

Einzelnachweise

  1. Website Bundeswehr, Stand Dez 2007
  2. W. Wolf: Die neue Reserve der Bundeswehr. In: InfodienstReserve, 1/2007, PDF
  3. Konzeption der Bundeswehr
  4. Jährliche Weisung 2006
  5. Jährliche Weisung 2007
  6. Wolfgang Nolting, Inspekteur der Marine: Umsetzung der Transformationin der Deutschen Marine in: Europäische Sicherheit, Heft September 2007